Vanille, doofe Worte & Bartspiegel

Wenn der Kaffee hoch kommt!Gut, sie haben das Haus hier vanillefarben angestrichen und groß das Wort »Literaturhof« sowie ein paar pseudointellektuelle Floskeln draufgepinselt. Es schreit förmlich nach einer Horde vermummter Graffiti... äh, ...künstler. Ist ja nicht so, als wäre hier vor dem Anstrich nicht schon alles vollgeschmiert gewesen.

Und dann der neuste Coup der räuberischen Immobilienhaie, die meinen, aus Insolvenzmasse Schickimickieigentumsbuden machen zu müssen: Am Sonntagabend komme ich nach Hause und sie haben Klingel- und Briefkastenanlage ersetzt. Durch jeweils goldfarbene Exemplare, die dermaßen leuchten, schimmern und glitzern, dass ich mir darin den Bart kämmen kann. Mein erster Gedanke: Den Dingern würde ein Satz Chinaböller, Klasse D wunderbar zu Gesicht stehen. Und ich bin noch nicht mal einer von denen, die so was machen. Bin ja auch schon ein bisschen zu alt für vandalistische Scherze. Viel zu gesetzt für so was. Aber der Gedanke war da. Und den werde über kurz oder lang wohl nicht nur ich gehabt haben. Nun gut, ich bin gespannt und gebe dem ganzen Schnickschnack hier eine Lebenserwartung bis spätestens Silvester dieses Jahres. Zumindest in diesem Zustand. Dann wird jemand meinen gedachten Scherz sehr lustig gefunden haben.

Ist ja nicht so, dass ich was dagegen hätte, Dinge zu erneuern, wenn sie alt und ausgelatscht sind, nein nein. Aber dieses piekfeine Getue geht mir mächtig gegen den Strich. Dezent und zum Kiez passend hätt's auch getan. Aber wenn man eigentlich minderwertige Wohnungen zu Mondpreisen verschachern will, dann muss wenigstens die Fassade chic aussehen. Da kommt mir doch echt der Kaffee hoch, dass ich ihn gegen die Vanillewand spucken will!

13 Gedanken zu “Vanille, doofe Worte & Bartspiegel

  1. Literaturhof? Ernsthaft? Und wenn - warum wollen sie dann ausgerechnet dich rauswerfen? (schleimschleim)
    Glauben sie, dass irgendwelche Literaten sich die Miete leisten können? Und Vanillefarben? Hat ihnen niemand gesagt, dass das wie Eiter aussieht?
    Ich kann es absolut verstehen, dass du zu Vandalismus tendierst, das ist ja zum Kotzen. Und ich würde mitmachen. Und mich einbuchten lassen. Was hast du jetzt geplant?

    Antwort
    1. Ich bin vermutlich der einzige, der da 'nen deutschen Namen hat. Gut, gibt ja auch anderssprachige Literatur aber sei's drum. "Literaturhof", das ist albern. und rausschmeißen tun sie mich nicht, ich zieh freiwillig aus. 😉 Hab die Wohnung ja auch nicht gekauft, also hat's wer anders getan. nun kann ich zwar noch über sechs Jahre da wohnen bleiben, aber das hatte ich ohnehin nicht vor.

      Jedenfalls hoffe ich, dass die Sprayer sich zumindest bald mal blicken lassen und der Betoneiterbeule (Eiter ist gut, danke!) ein bisschen zusätzliche Farbe verpassen.

  2. Ja, albern trifft es. Und wo ziehst du dann hin? Suchst dir ein neues Kiez (hihi ich mag das Wort) oder bleibst in der Nähe?
    Ein bisschen Sprühfarbe hat noch nie geschadet, das ist auf jeden Fall mehr Kunst als absurde Bezeichnungen auf Häuser zu schreiben. Oder Eiter draufzuklatschen! You´re welcome 😉

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ich seh schon, was das betrifft, verstehen wir uns. 😉 Wo's dann mal hingeht, weiß ich noch nicht. Ich bin jetzt nicht so drauf fixiert, hier in der Gegend zu bleiben. Kann auch ein anderer Kiez (DER Kiez, nicht DAS, hihi.) sein.
      Ich find auch, dass ein bisschen Sprühfarbe, sofern sie schön sauber aufgetragen ist, was hermacht. Den Gierhälsen hier würd ich aber schon eher 'ne hässliche Wand wünschen. Ich habe kein Verständnis für Gentrifizierung. Aber gegen die lässt sich leider nichts machen. Da ist jede Aktion nur ein Kampf gegen Windmühlen. Doof, das.

  3. Ich dachte mir schon heimlich, dass ich mich beim Geschlecht von Kiez bestimmt blamieren werde! Ihr sagt ja auch der Joghurt, nicht wahr? Ich hab Kiez irgendwie so gleichgesetzt mit Ghetto, vielleicht deswegen mein faux-pas.
    Ja blöd, wenn man am kürzeren Ast sitzt, der ist ratzfatz abgesäbelt und dann soll man auch noch grinsend runterfallen. Muss man ja nicht, aber hat auch keinen Sinn ein Gesicht zu ziehen. Hab mich auch mal versucht als Spraydosenheldin, aber mir liegt mehr an der simplen Schrift als an gigantischen Kunstwerken. Also hab ichs sein lassen, mit meinen Tags war ich sowieso 14 Jahre zu spät 😉

    Antwort
    1. Ach, ist doch nicht blamabel. Vielleicht geht ja sogar auch "das". Hab nicht in den Duden geschaut. Hier sagen übrigens auch manche Leute "das" Joghurt. Aber eher selten, das stimmt. Generell seid ihr ja da drüben etwas spendabler, wenn's um die Vergabe des Neutrums als Geschlecht geht. 😉
      Ja, ich fang jetzt auch nicht mit Vandalismus an. Bringt ja nichts. Ich zieh halt um und damit hat sich's. Irgendwann setze ich ja ggf. meinen Masterplan um und werde unverschämt reich. Dann kauf ich den ganzen Bezirk und schmeiß die neureichen Geldsäcke alle raus. Außer mich.

    2. darf ich dann auch eine wohnung haben in deinem bezirk? irgendwie zieht es mich in letzter zeit so sehr nach berlin, dass ich am liebsten schreien würde. keine ahnung was da passiert ist 🙂

    3. PhanThomas

      Beitragsautor

      Solange du nicht stinkreich bist, gern. 😉 Und weil ich so nett bin, gibt's sogar noch 'ne leicht angebrochene Packung Zucker oben drauf. Du erinnerst dich? 😀

      Und so ging's mir übrigens auch mal mit dem Örtchen hier. 🙂

    4. hahaha der würfelzucker!!! also ich denke nicht, dass ich jemals in geld schwimmen werde. außer mir fällt quasi alles in den schoß, weil mein ehrgeiz ist ungefähr nicht vorhanden.
      und schau wo du jetzt bist!! sehrschön. 🙂

    5. PhanThomas

      Beitragsautor

      Genau DER Würfelzucker. 😉 Bisher wollte den keiner haben. Und Herr T. trinkt seinen Kaffee ja lieber schwarz. Aber wird ja nicht schlecht, das Zeug.

      Und das mit dem Ehrgeiz, was aus dem eigenen Leben zu machen, kenn ich. Ich leb auch lieber in den Tag hinein. Ist ja auch nicht verwerflich.

      Und nimm dir ein Beispiel an mir: Wenn die Spree ruft, dann muss man antanzen. 😉

  4. Oweia....frag mal was hier in München los ist...das schöne Westend wird zum neuen Schickimickistadtviertel...das passt sowas von gar nicht. Kann verstehen, dass dich das ärgert, mir geht es nämlich genauso 🙁

    Antwort
    1. München ist ja neben Hamburg bekannt für diesen Wahnsinn. Ich versteh das alles nicht. Die Städte sollten doch Wohnorte für die Bürger eines Landes sein und nicht nur für eine elitäre Teilmenge, die sich's leisten kann. Und dass dann auch immer die Stadtbilder ruiniert und auf chic und protzig machen müssen, ist auch ein Trauerspiel. Irgendwann sieht echt alles gleich aus und der "Pöbel" kann sehen, wo er bleibt.

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