Von der Wolle

SchafeIch mag Schafe. Gerade erst gestern habe ich Garou, den jüngsten Roman der Autorin, die sich Leonie Swann nennt, ausgelesen. Prompt habe ich Schafe besonders gern und möchte mir gleich die Bude mit den Viechern vollstellen. Nicht mit echten Schafen natürlich, schließlich neigen die Zottelblöker ja dazu, nach, hm, Schaf zu stinken. Aber zumindest in Gedanken entwickelt sich bei mir so eine Art Kuhtick für Schafe. Man kennt das zumeist von Frauen: Eier- und Wanduhren, Schneidebretter, Bilder, auf allem prangt das Eutertier. Also die Kuh jetzt, nicht das Schaf.

Aber zum Buch, in dem es nun mal um Schafe geht, nicht um Kühe: Es ist nämlich ein gutes Zeichen, wenn sich mal wieder Anzeichen eines Schafticks bei mir einstellen. Das war beim Vorgängerroman Glennkill auch schon so.

Kurz umrissen, worum's denn geht: Die Schafe aus dem irischen Glennkill sind mit ihrer neuen Hüterin Rebecca aufs europäische Festland gekommen. Nach Frankreich übrigens, wo die Schafe niemanden mehr verstehen, weil die Menschen nicht mehr reden, sondern nur noch seltsam quaken. Und dann sind da noch die völlig verrückten Ziegen von nebenan, die nicht wollen, weil nur Schafe wollen und niemals Ziegen. Als wäre all das nicht genug, werden alsbald tote Rehe im Wald gefunden und schon kurz darauf geschieht der erste Mord an einem Menschen. Von einem Wolf auf zwei Beinen ist die Rede, einem, der kein Silber verträgt. Der Loup Garou geht um! Und wenn die Schafe nicht wachsam sind, geht's vielleicht nicht nur ihnen an die Wolle, sondern auch ihrer geliebten Hüterin an den irischen Kragen.

So weit, so gut. Wie schon Glennkill wird auch Garou größtenteils aus Sicht der Schafe erzählt. Da die verständlicherweise zumindest für den menschlichen Leser ziemlich weltfremd denken, muss man viele Passagen mehrfach lesen, um tatsächlich erahnen zu können, was sich denn rings um die Schafweide gerade abspielt. Das ist aber nicht schlimm, sondern macht verdammt viel Spaß, schließlich gibt's nicht nur der herrlich krummen Schaflogik wegen immer wieder was zu schmunzeln, nein, auch die Schafe überzeugen einmal mehr durch ihre grundverschiedenen und durchweg sympathischen Charaktere. Egal, ob's der kühne Leitwidder Othello ist, Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, Mopple The Whale, das dicke Gedächtnisschaf, oder Lane, Zora, das Winterlamm, man schließt die Wiederkäuer einfach ins Herz.

So ist es letztlich auch nur ein kleiner Wermutstropfen, dass die eigentliche Geschichte um den Loup Garou wenig ausgefeilt wirkt. Das war nämlich in Glennkill auch schon so. Ein wirklicher Thriller, wie das Cover behauptet, ist Garou denn auch nicht, eher ein Krimi, wie auch schon der Vorgänger. Und wer an dem Spaß hatte, wird auch Garou mögen. Ach was, wer den Vorgänger kennt, wird Garou sowieso längst gelesen haben. Ich bin da ja wie immer einfach nur spät dran.

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