Es lebe lang … das Blog!

Das Dasein eines Bloggers ist bisweilen kein einfaches. Ständig fühlt man sich unter Zugzwang, ist ein geschundenes Zahnrädchen im Uhrwerk der Content-Generierung, ein armes Würstchen auf dem ewig brutzelnden Grill des omnipräsenten Weltnetzes. Man! Muss!! Schreiben!!! Selbst dann, wenn das eigene Blog (Ja, das!) doch eigentlich nur Besucherzahlen am falschen Ende spöttischer Zweistelligkeit aufweist, denn nur eines ist schlimmer als ein Blog, das selten oder gar nur zufällig von Porno-Googlern mit heruntergelassener Hose und geladener Kanone besucht und weggeklickt wird: ein Blog, das Staub ansetzt. Und so bloggt man, und sei es nur um des Bloggens willen und über das Bloggen selbst. Etwas, das ich nie tun würde quasi, aber wenn ich's täte, wäre es auch nicht schlimm, denn im Hip Hop, dieser komischen Musikrichtung, gemacht von Leuten, die nicht singen und kein Instrument spielen können, ist es schließlich gang und gäbe, über das Rappen zu rappen. Und die Rapper sind meist so reich, dass sie sich die komplette Fresse vergolden lassen können. Und es auch tun. Und längst müssen sie dafür noch nicht mal schwarz sein, wie Eminem einst bewies.

Aber weg von dieser komischen Musik vom Block und hin zum Blog. Denn darum geht's, ums Bloggen. Vielleicht, ja vielleicht, zumindest bestünde die Möglichkeit, irgendwo dort draußen in einer Welt mit Gerechtigkeit im Garantiezertifikat, dass selbst ein Blogger aus »Unbedeutistan am klammen Klick« eines schönen Tages reich, berühmt und mit jeder Menge barbusigem Weibsvolk versorgt wird. Und wenn es so weit ist, will er ja keine Löcher in der Gesamtära seines schreiberischen Schaffens aufweisen. Höchstens Sommerlöcher, die sind erlaubt. Denn wie sähe das auch aus, so ein berühmtes Blog voller Nicht-Sommerloch-Löcher? Wie ein Lebenslauf mit fetten, weißen Lücken, der jedem Berater der Arbeitsagentur die Tränen in die Augen treibt. Wie ein Gesicht ohne Nase, jawoll! Dann steht man da, mit seinem nasenlosen Gesicht, mit hängenden Schultern und muss seinen Erfolg rechtfertigen. Den unverdienten. Denn andere haben hart an Ruhm und prallem Bankkonto gearbeitet, haben sich die Finger blutig geschrieben, ob der gesamttextlichen Ästhetik auf Wein, Weib und Gesang verzichtet. Forever alone! Reiche Seltenblogger, pah, welch Zeugnis dekadenter Zeitmangelgesellschaft wäre das?! Hinfort, zu Facebook mit euch!

Doch der Überzeugungsblogger, der weist eine lupenreine Historie auf, hat sich durch den Sturm der Bedeutungslosigkeit gekämpft, hat auf der Toilette mit hundert km/h Durchfall und Schmerzschweiß auf der Stirn hochkarätiges Textgut ins Notebook oder sogar ins iPad gehackt, nur damit es anschließend kein Schwein liest. Doch ist der Erfolg dann erst mal da, macht sich der Aufwand doppelt bezahlt. »Der hat früher schon geiles Zeuch geschrieben«, sagen die Leute dann vermutlich und verweisen melancholisch seufzend auf Content von früher, der noch totaaal independent war. Und als Blogger fühlt man sich womöglich wie der große Hertha-Fan, der immer zu seinem Verein gestanden hat, auch wenn's oft (eigentlich immer) abwärts ging und es irgendwann doch mal zum <bescheuerten-Fußballtitel-welcher-Gattung-auch-immer bitte hier einfügen> gereicht hat. Kurzum: Man stünde verdientermaßen auf der Sonnenseite des Bloggerlebens.

Zugegeben, in Zeiten von Facebook, Twitter und dem Geisterdorf Google+ ist die Verlockung, das Blog einfach Blog sein zu lassen, freilich groß. Nie zuvor war es so einfach, Katzen-Content, das selbstgemachte Abendessen oder den aktuellen Heilungszustand der vereiterten Wunde am Allerwertesten schneller unters Volk zu schmeißen und dabei auch noch zwei, drei Leser und Liker zu erhaschen. Wozu auch lange Schachtelsätze, gewagte Wortakrobatik, sauberen Textaufbau und weißderteufelwas zusammenhirnen, wenn sich die Aussage auch mal eben auf 140 Zeichen herunterdestillieren, mit Hashtags schmücken und per Facebook-Connect kräftig liken lässt? Modische Schmalspurkreativität als verführerischer Apfel im Web-Garten Eden? Es scheint so, es scheint.

Doch macht nichts, ich bin ja Idealist. Ich mache weiter und kämpfe und fabriziere Content, den keiner liest, weil er so viel Kultpotenzial aufweist wie Hühnerbrühe in einer Strandbar. Denn eines schönen Tages, liebe Blogvernachlässiger, wenn die letzte Facebook-Vorzugsaktie das Ramschniveau erreicht hat, wenn auch der letzte Twitterer vom 140-Zeichen-Käfig zu kreativem Tode gequetscht wurde, dann werdet ihr merken, dass oldschooliges Bloggen die Scheiße fett rockt!

2 Gedanken zu “Es lebe lang … das Blog!

  1. Heeeee!! Wehe! Nicht aufhören! Wobei ich gut verstehen kann, was du meinst. Geht mir genauso. Es sackt total ab. Alle sind bei facebook und haben dort tausende an Freunden. Da braucht keiner mehr ein Blog...aber ich lese hier immer und sehr gerne. Du bist ein hochbegabter Schreiberling in meinen Augen. Bitte nicht aufhören 🙂

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ui, danke schön für das Lob! Und ich höre auch nicht auf, keine Sorge. Dazu macht mir das alles viel zu viel Spaß. Ich wollte auch nur ausdrücken, dass ich's sehr, sehr schade finde, dass so viele wirklich gute Blogs völlig einschlafen. Aber ein Grund mehr, dabei zu bleiben! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du musst nur noch die Pflichtfelder ausfüllen und den Kommentar abschicken. :)