Schafe, Mahagoni & Charakterschweine

Ich bin Pragmatiker. Immer schon. Und irgendwie auch Idealist. In meiner Welt kümmern sich zufriedene Schafhirten um ihre zufriedenen Schafe und führen ab und zu mal ein Schwätzchen mit den zufriedenen Nachbarn und Ortsansässigen, seien sie Metallarbeiter oder höherrangige Bankangestellte. In meiner Welt gibt es keine Klassenkämpfe, keine Arschlochattitüde. Das Problem an meiner Welt ist, dass ich in ihr lebe und zwar nur ich allein. Ich trage meine Welt dennoch offenbar nach außen und im Ergebnis klopfen mir selbst Leute auf die Schulter, die ich im Geschäftsleben zum Kreis Kunde zählen muss (Tatsächlich mehrfach passiert!). Das ist in Ordnung für mich, auch wenn ich weiß, dass mich so ein Schulterklopfen niemals an einen teuren Mahagonischreibtisch in der obersten Etage bringen wird. Es ist in Ordnung, weil das so ist! Und entsprechend meiner Weltvorstellung gehe ich auch mit Kollegen um. Kollege ... Ein Wort, das sich mit kollegial einen ziemlich menschenfreundlichen Wortstamm teilt.

Und weil das so ist und weil ich so bin, gehe ich vermutlich automatisch davon aus, dass ich zurückbekomme, was ich gebe. Ich klopfe freilich nicht auf Schultern, weil ich sehr wohl weiß, dass dieses Klopfen ein mehr oder minder unbewusstes Zeichen dafür ist, dass der Geklopfte geringgeschätzt wird. Dennoch, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Sollte man meinen. Ist aber nicht so. Längst nicht!

Dass ich mich ärgere, so sehr ärgere, dass ich die Unterhaltung abbreche und den Raum verlasse, das kommt nicht oft vor. Dass ich für mich selbst entscheide, den pragmatischen Ansatz der direkten Diskussion fallen zu lassen, den ich für konstruktiv halte, um mich stattdessen nur noch über Mails zu äußern, in denen jeder zweite Satz auf meine Zuständigkeiten bezogen wird, ist traurig. Ich verkörpere, was ich hasse, weil andere Menschen vergessen, dass sie auch nur auf Kohlenstoffbasis existieren. Menschen, die ganz bestimmt die absolute Erfüllung des Shareholder Value einer jeden Unternehmung sind, weil sie mit Ellbögen aus Beton vorangehen und aus einem Tante-Emma-Laden eine fesche AG mit ordentlich Rendite machen. Menschen, die Charakterschweine sind, mit denen ich nichts zu tun haben möchte und die mich automatisch wieder auf den angenehmen Gedanken des Schafehütens zurückbringen. Wenn ich doch nur keinen Heuschnupfen hätte ...

2 Gedanken zu “Schafe, Mahagoni & Charakterschweine

  1. Es gibt bestimmt auch Schafe für Allergiker. Und wenn nicht, dann, ähm, gehen wir irgendwohin, wo's eine Menge grüner Wiesen gibt - ohne Pollen - und züchten welche. Anti-Allergie-Schafe natürlich, keine Pollen.

    Und für alles andere ... ach. Menschen sind komisch, das ist ja allgemein bekannt. Ich unterhalte mich lieber mit der Taube auf deinem Balkon.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ich habe eine Taube auf dem Balkon? Wehe, die kackt alles voll! 😉
      Ist aber auch schon wieder verraucht, der Ärger. Erzähl ich dir später. :-*

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