Von Verschwörungen, Untoten und Enten (II)

Und hier wäre dann auch schon Teil 2 meiner womöglich etwas kruden Erzählung. Um den ersten Teil zu lesen, könnte man nach unten scrollen oder, falls das Mausrad klemmt, alternativ einfach hier klicken.

 

Düstere Legenden (II)

Unterdessen ...

Der Sommertag war heiß, heiß wie eine frisch gebrühte Tasse Kaffee, nun ja, etwas weniger gut duftend vielleicht, so man Kaffee mochte. Das beschauliche Dorf im Tal, in dem Doktor Alfred von Wirsing und seine reizende Assistentin Halt gemacht hatten, um vor der Expedition in die umliegende Berglandschaft ein Tässchen Bohnengold zu genießen, brutzelte vor sich hin wie ein Spiegelei in der Pfanne. Selbst die Berge schienen unter der Hitze zu ächzen und stießen hier und da nur wenig erfrischende Winde aus, die rasch ins Tal hinabsausten.

Von Wirsing hielt sein Toupet fest. »Verflixt und zugenäht, kann nicht endlich jemand diesen elenden Ventilator abstellen? Fräulein Stein, notieren Sie bitte: Bei Sturmböen nicht mehr ins Café Windbeutel einkehren, das seinen Namen offenbar nicht von ungefähr hat, wahlweise vorher mehr Kleber auf die Glatze schmieren. Das verdammte Ding sieht auf meiner Platte inzwischen sicher aus, als hätte ich einen zappeligen ... na Sie wissen schon, einen von diesen kleinen Mistkötern, auf denen man seine Schuhe abtreten möchte ... als läge genau so einer auf meinem Kopf herum.«

Die junge Dame mit der strengen Frisur, die dem Doktor gegenübersaß, strafte ihn mit bösem Blick. »Erstens, und das habe ich Ihnen schon dreimal gesagt, Herr Doktor, liegt der Notizblock im Auto, zweitens, und ich kann kaum mehr zählen, wie oft ich das bereits erwähnt habe, bin ich seit fünf Jahren verheiratet und deswegen längst kein Fräulein mehr. Ganz abgesehen davon, dass außer Ihnen niemand mehr diesen Begriff verwendet.«

»Ganz Ihrer Meinung, Fräulein Stein, ganz Ihrer Meinung«, murmelte von Wirsing und fuchtelte weiter auf seinem Kopf herum. »Sagen Sie, Sie zählen nicht zufällig besonders zähen Speichel zu Ihren Vorzügen und könnten mir eben aufs Haupt spucken?«

Entnervt ließ Frau Stein sich zurücksinken und hob den Arm. »Verzeihung, wir würden dann gern zahlen.«

»Zahlen? Aber Fräulein Stein! Sollen wir uns nicht noch ein, zwei Tässchen genehmigen, wir beide?«

»Doktor, Sie hatten inzwischen fünf an der Zahl. Ich möchte Ihren Herzinfarkt nicht verantworten, solange Sie mir das Gehalt überweisen. Außerdem ist mir völlig unbegreiflich, wie Sie bei gefühlten fünfzig Grad Außentemperatur am laufenden Band heißen Kaffee trinken können.«

Doktor von Wirsing fuhr sich nachdenklich über die spiegelnde Stirn. »Also um ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, der Kaffee ist kühler als die Luft.«

»Ist er nicht.«

»Dann Fräulein, sollte er es sein, finde ich. Notieren Sie das!«

»Warum trinken Sie nicht einfach Eiskaffee?«

»Eine hervorragende Frage, Fräulein Stein. Wahrlich ausgezeichnet! Wir sollten dies in einer Studie zu ... ähh ... lassen Sie da bitte eine Lücke ... näher untersuchen. Bei Gelegenheit.«

»Doktor, wir sind hier wegen der ...«

»... Steine, Fräulein Stein. Sie tragen es quasi den ganzen Tag mit sich herum. Im Namen, meine ich. Himmel auch, vielleicht sollte ich mir eine Vollglatze rasieren, was meinen Sie?«

Frau Stein rollte hinter ihrer in Sachen Strenge die Frisur übertreffenden Brille betont genervt mit den Augen. »Doktor von Wirsing, können wir uns bitte auf das Wesentliche konzentrieren?«

»Steine. Auf die Steine, natürlich! Quarze, Erze, tertiäre Dingsbums, die Familie Feuerstein, ganz Ihrer Meinung. Lassen Sie uns sogleich aufbrechen! Mögen auch die Steine geduldig sein, mein Toupetkleber ist es ganz offensichtlich nicht. Sagen Sie, wenn ich das Haarteil abnehme, sehe ich dann wenigstens ein bisschen wie dieser Glatzkopf aus den Filmen aus, in denen so viel geschossen wird?«

Unbemerkt hatte sich die Kellnerin mitsamt dicker Geldbörse neben dem Tisch materialisiert. Das Grinsen einer Person, die sogleich eine noch viel dickere Geldbörse hinforttragen würde, war ihr ins Gesicht gemeißelt. Mit eleganter Handbewegung ließ sie den Zettel mit dem Rechnungsbetrag auf den Tisch flattern. »Das macht dann achtundzwanzig fünfzig, bitte«, säuselte sie freundlich. »Zahlen Sie zusammen oder ...«

Ein lautes Husten von jemandem, der dabei war, unerwartet zu ersticken, mischte sich in ihre Ansprache.

»Alles in Ordnung mit Ihnen?«, fragte die Kellnerin, deren Grinsen für den Moment etwas gedämpft wirkte.

»Schon gut, schon gut«, röchelte von Wirsing. »Da sind die Tassen aber inklusive, oder?« Sein Kopf leuchtete wie ein roter Lampion.

»Selbstverständlich nicht«, grinste die Kellnerin mit zusammengebissenen Zähnen, die strahlten wie frische Pfefferminzdrops, und öffnete mit lautem Schnappen die Geldbörse.

»Donnerwetter! Um ihretwillen, werte Dame, will ich hoffen, dass ich eingeschmolzenes Gold getrunken habe und demnächst hochkarätige Barren durch die Hinterbacken drücke.« Mit lautem Krachen landeten einige Euronoten auf dem Tisch. »Da, der Rest ist für Sie! Damit Sie mir nicht am Hungertuch nagen müssen und beim Tragen des Portmonees zusammenbrechen.«

Auf dem Weg zum Auto warf von Wirsings Assistentin der inzwischen verdutzt grinsenden Kellnerin einen verstehenden Blick zu. »Ja, er ist immer so«, sagte sie. »Zumindest werktags.«

»Und am Wochenende?«

»Schlimmer.«

 

Fortsetzung folgt ...

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