Von Verschwörungen, Untoten und Enten (III)

Was bisher geschah, lässt sich hier und anschließend hier nachlesen.

 

Düstere Legenden (III)

Kurz darauf ...

Tief, wirklich sehr, sehr tief unter den Bergen schrillte ein Telefon im Dunkeln. Der Sachverhalt würfe die Frage nach der Existenz eines Geräusches auf, wenn niemand da ist, der es hört, wäre nicht tatsächlich jemand zugegen gewesen. Oder etwas ...

»Kruzifix, ich sollte das vermaledeite Ding durch ein leuchtendes ersetzen. Oder wenigstens eine Glühbirne irgendwo hier eindrehen. Woher kommt jetzt das verdammte Klingeln?«

Die düstere Gestalt schlurfte weiter durch den noch düstereren, ausladenden Raum und suchte nach dem Telefon, das erbarmungslos weiterkreischte wie ein hungriger Kater.

»Igooor!«, brüllte die dunkle Gestalt mit markerschütternder Tiefe in der Stimme.

»Ja, Meissster? Ihr braucht nicht ssso zu schreien, ich stehe direkt vooor Euch«, hauchte eine dünne Stimme im Tonfalläquivalent eines nassen Lappens.

»Wo steht das Telefon, Igor?«

»Ich haaabe es hier bei mir, Meissster.«

»Aha, sehr schön. Ja, wirklich schön. Äh, Igor?«

»Meissster?«

»Warum ziehst du die Wörter ssso in die Länge?«

Der nasse Lappen räusperte sich. »Euer Huf steht auf meinem Fuuuß, Meissster.«

»Hm? Oh!« Die große, düstere Gestalt trat einen Schritt zurück. »Pardon, Igor. Würdest du mir jetzt bitte das Telefon geben? Es klingelt erstaunlicherweise immer noch, also wird es wohl wichtig sein und mir bluten inzwischen die Ohren.«

Unter einer mehr oder minder eleganten Verneigung, die im Dunkeln ohnehin niemand sah, reichte der nasse Lappen seinem Meister das Telefon. »Bitte sehr, Meister«, schleimte er und watschelte rückwärts aus dem Raum.

»Äh, Igor?«

»Meister?«

»Warum schraubst du hier bei Gelegenheit nicht mal eine Glühbirne ein? Ich könnte das Telefon dann selbst finden und so. Und du könntest tun ... äh ... was du eben so tust. Außerdem ... ähm ... würde ich nicht mehr mit den Hörnern im Türrahmen hängen bleiben. Das ist peinlich, Igor, auch dann, wenn es keiner sieht.«

»Meister, das haben wir bereits versucht. Kein Stromkonzern möchte Leitungen hunderte Meter in die Erde hinablegen. Das rentiere sich nicht, behaupten sie. Auch mit der Anschrift gab es das eine oder andere Problem.«

»Oh, ach so.« Die düstere Gestalt zögerte. »Igor?«

»Meister?«

»Warum funktioniert dann das Telefon?«

»Harte Arbeit, Meister. Wahrlich harte Arbeit.«

»So, so.  Du kannst dann gehen und ... äh ... tun, was du noch so zu tun hast.«

»Habt Dank, oh Meister aller unvorstellbaren Grausamkeiten.«

Lappen Igor watschelte unter feuchten Klängen hinfort und die düstere Gestalt nahm endlich das noch immer krakeelende Telefon ab. »Armee der Finsternis e.V., Alvin ... äh ... ich meine natürlich, Warlock am Apparat?«

Babäbäbäschwallschwallbäbäbä!

»Was, tatsächlich? Ist es schon wieder so weit? Donnerwetter, was gäbe ich für ein bisschen Licht hier unten?! Ich könnte einen Kalender aufhängen.«

Bäbäschwadronierpalaverbäbä!

»So wenige nur? Himmel Herrgott! Papa ... also, ähh ... ich meine, Satan wird toben. Warum erfahre ich erst jetzt davon? Verteufelte Bürokratie!«

Bäbäbääärhabarberbäbä!

»Aber selbstverständlich, ja doch! Verstärkung, ganz klar, ja. Das sehe ich ein, natürlich. Die Situation ist untragbar und muss umgehend ... ähh ... eskaliert werden. Oder wie man da sagt.«

Bä!

»Ja, aber sicher! Ich werde ... äh ... sofort die Armee der Finsternis entfesseln und so. Auf dass sie ... ähm ... aus ihren Gräbern kriechen und die Lebenden heimsuchen und ... äh ... bekehren mögen und auf dass Eure Schergen ... öh ... sich aus der Asche erheben mögen, wie es sich gebührt. Na ja, das ganze Brimborium eben.«

Bäbäschwallnöl!

»Sicher, sicher. Ihr werdet voll und ganz zufrieden sein. Papa ... äh ... Satan auch, ganz sicher.«

Bäbäbänörgelmeckerbä!

»Tut mir leid, aber er hat mir nun mal die Geschäfte übertragen. Zu viel Papierkram, sagt er. Kommt zu nichts mehr, der Ärmste und muss ja auch ein wenig an sein Herz denken. Hat seit letztem Jahr einen Bypass.«

Bäbäbä!

»Keine Sorge, wir werden den Auftrag ausführen, die Herrschaften. Auf Wiederhören.«

Die dunkle Gestalt knallte den Hörer auf und warf das Telefon durch die Dunkelheit gegen eine Wand. »Unfreundliches Pack! Für wen halten die sich? Von wegen Kompetenz anzweifeln und so, pah!«, nuschelte der Gehörnte.    »Igooor!«

Feuchte Schritte näherten sich. Der Duft von benutzten und anschließend zusammengeknüllten Geschirrtüchern erfüllte plötzlich den Raum. »Meister?«

»Entfessele die Untoten, Igor, sofort! Und zwar alle! Es ist wieder so weit und die da oben brauchen Unterstützung.«

»Wie doch die Zeit vergeht«, zischelte Igor. »Ich eile, ich eile!«

»Und ... äh ... Igor?«

»Meister?«

»Bestell doch bitte bei Gelegenheit ein neues Telefon, ja?«

»Schon notiert, Meister. Ihr wolltet das alte gegen eine Wand werfen.«

»Woher weißt du das, Igor? Lauschst du etwa?«

»Oh nein, Meister, das würde mir im Traum nicht einfallen. Es ist nur so ... äh ... das alte Telefon steckt in meinem Kopf.«

»Oh.«

 

Fortsetzung folgt ...

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