Von Verschwörungen, Untoten und Enten (V)

Fertig, abwischen! Dies ist der fünfte und letzte Teil der Enten-Zombie-Gedöns-Geschichte. Kapitel I bis IV erschienen völlig verlagfrei hier, hier, außerdem  hier und hier. Demnächst dann wieder Tagesaktuelles in kürzerer Form. Oder so.

 

Düstere Legenden (V)

Gleichzeitig ...

In sicherer Entfernung und vor allem in noch sichererer Höhe, nämlich auf einem Ast, dessen Dicke davon ablenkte, dass Wasservögel normalerweise nicht auf Bäumen sitzen, hockten noch immer zwei Enten, von denen zumindest eine durchaus Interesse am Geschehen unten am Boden zeigte, während die andere mit Hilfe ihres Schnabels das eigene Gefieder am Hintern sortierte. Zumindest sah es danach aus.
»Fahrenheit, jetzt haben sie sie erwischt, nak nak«, stellte die aufmerksame Ente quakend fest.
Fahrenheit zog den Schnabel aus dem rektalen Gefieder und schenkte der Situation ein wenig Aufmerksamkeit. »Nak, Kolben, nak nak, das war doch so vorhersehbar. Weißt du, ich verstehe sowieso nicht, weshalb die beiden die ganze Zeit im Kreis herumgefahren sind, wo doch nur einige Meter weiter eine ziemlich anständige Straße gewesen wäre, nak nak«, schnatterte Fahrenheit. »Haben die denn keinen Orientierungssinn?«
»Du verstehst nicht, warum die beiden sich verirrt haben, nak nak? Naaak! Das sagst ausgerechnet du Doofente! Du hast uns doch ohne Sinn und Verstand durch die Gegend gescheucht, dafür gesorgt, nak, dass wir im Meer landen mussten, anschließend versucht, nak nak, ein gekentertes Schiff zu befruchten und auf dem ebenso irrigen Rückweg, nak, da wurden wir wegen dir beinahe von einem Flugzeugtriebwerk zu Geschnetzeltem verarbeitet. Nak, ich verstehe ohnehin nicht, wie wir das überleben konnten, nak nak. Eben noch blicken wir dem rauschenden Tod ins geflügelte Auge, kurz darauf sitzen wir auf einem Baum, nak. Fühlt sich immer noch nicht ganz richtig an, nak nak, aber ich spüre, dass unser Zuhause ganz in der Nähe sein muss.«
»Na siehst du, nak nak. Habe ich uns nach Hause gebracht, oder was?«, sagte Fahrenheit stolz und plusterte sich auf. »Obwohl es da unten gerade ziemlich ungemütlich zu sein scheint, nak nak. Hast du eine Ahnung, warum die einen den anderen gerade weiches Zeug aus dem Kopf geschlürft haben, nak nak?«
»Das, mein Freund, sind Untote.«
»Nak, Untote?«, fragte Fahrenheit und versuchte verwundert zu schauen, was mit einem Schnabel im Gesicht doch ziemlich schwierig war.
»Wiedergänger, Fahrenheit, nak nak. Weißt du denn gar nichts? Nak, Menschen, die aus ihren Gräbern steigen, nak nak, um die Lebenden zu beißen und sie ebenso zu Untoten zu machen«, erklärte Kolben.
Unter den beiden schlurften und taumelten die Zombies vorbei. Die meisten sahen verdreckt und verfault aus. Nur zwei von ihnen wirkten neuer: Der erste hatte blondes, zerzaustes Haar, das nur noch leidlich von einem Haargummi zusammengehalten wurde, und trug eine Brille, die ziemlich schief auf der Nase saß. Der zweite der beiden stolperte ungelenk hinter dem ersten her und schien dabei sein Haar festhalten zu wollen.
Die Enten blickten der vorbeiziehenden Horde nach. »Wo wollen die hin, nak nak?«, fragte Fahrenheit.
Kolben blickte den Untoten noch für einige Momente hinterher. Hatte der eine tatsächlich gerade eine Perücke getragen? »Nak, kennst du denn die düsteren Legenden nicht? Du solltest aufhören, Schiffen nachzustellen, nak nak, und ab und zu dem Teichtratsch zuhören«, mahnte er. »Alle vier Jahre, nak nak, steigen die Toten aus ihren Gräbern. Sie marschieren in die umliegenden Dörfer und Städte, nak nak, beißen dort die Menschen und saugen ihre Köpfe aus. Irgendwann, nak, sind die Orte voller hirntoter Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, klar zu denken, sondern nur noch niederen Instinkten folgen, nak nak. Dann kehren die gerade hier Entfleuchten in ihre Gräber zurück und nach vier Jahren, nak, geht alles von vorn los.«
Fahrenheit schüttelte sich. und ließ dabei einige Daunen zu Boden fallen. »Nak, gibt es auch Zombieenten?«, fragte er mit zitterndem Schnabel.
»Nur eine, nak nak«, sagte Kolben.
»Nak, eine?«
»Ja, nak. Dich.«
»Puh!«
...
»Nak nak, also eines verstehe ich nicht, Kolben«, schnatterte Fahrenheit. »Wozu das Ganze? Was nutzt es, wenn überall Zombies ... äh ... leben?«
»Das, nak nak, weiß keine Ente so ganz genau. Fakt ist, nak nak, dass die Hirntoten anschließend ganz normal unter den Menschen leben. Die nennen sie auch gar nicht Zombies, nak nak.«
»Nak, nicht?«
»Nein, nak nak«, antwortete Kolben. »Die nennen sie FDP-Wähler.«
»Ach so«, sagte Fahrenheit. Er zupfte ein wenig in seinem Gefieder herum, dann hatte sein Verstand die Antwort verarbeitet. »Nak, warum heißen sie FDP-Wähler?«, fragte er dann.
»Auch das, nak nak, weiß keine Ente. Aber ich habe das Gefühl, wären wir Menschen, nak nak, dann wüssten wir die Antwort.«
»Ja, nak nak«, stimmte Fahrenheit zu. »Wahrscheinlich würde das alles hier so Einiges erklären, wenn wir Menschen wären, nicht wahr?«
Beide Enten schwiegen ehrfürchtig und überließen die durchaus nicht wertungsfreie Szenerie nachdenklicher Stille. Die narrative Kamera schwenkte von den Bäumen in Richtung Himmel und fokussierte den leuchtenden Vollmond. Irgendwo heulte ein Wolf.

ENDE

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