Männer mit Bärten sollt ihr sein!

Achtung, Achtung, aufgepasst: Dies ist kein Text über Frauen, dies ist ein Text über Männer. Kein Männertext, ein Text über uns. Über uns Männer und über Bärte, aber dazu kommen wir noch, und dennoch ein Text, gänzlich frei von Sexismus.* Da ungefähr neun von zehn Frauen Männer aber immerhin interessant finden, dürfen sie trotzdem mitlesen. Außer die zehnte Frau, die darf nicht. Aber die will ja auch nicht.

Weil dies ein Text über Männer ist und Männerhirne grundsätzlich sequenziell arbeiten, beginnen wir am Anfang. Tausende Jahre Mannwerdung erforderte es, den Urmann zum Mann zu machen. Tausende Jahre sequenzieller Höchstleistung des männlichen präfrontalen Cortex, und im Ergebnis ist der Unterschied zwischen dem hiesigen Mann und seinem Mammut jagenden Pendant immerhin erstens der aufrechte Gang, zumindest bis zur Ehe, und zweitens trägt der heutige Mann von Welt seinen Bart im Gesicht, während der Urmann den seinen am ganzen Körper trug. Dies mag auch für die Urfrau gegolten haben, aber um die geht es hier ja nicht. Beschweren Sie sich nicht, werte Damen, ich hab’s Ihnen gleich gesagt.

Tausende Jahre an Entwicklung bis zur Vervollkommnung des Mannesbildes von heute und dann machen Gillette und Wilkinson alles zunichte. Dabei ist es der Bart und nur der Bart, der einen Mann auf den ersten Blick von seinem weiblichen Konterpart unterscheidet. Zum Nachprüfen in die Hose zu schauen gilt in der abendländischen Kultur meist als sehr unhöflich und auf die Titten glotzen soll unsereiner auch nicht. Schon deshalb sollten Männer Bärte tragen, auch im Sinne der Erhaltung unserer Art. Böses Erwachen nach dem Diskobesuch, weil in der Hose der abgeschleppten One-Night-Stand-Bekanntschaft ein gerade erigierender Anbau anstelle der erwarteten wohlig warmen Körperöffnung ertastet wurde, kann dem Fortpflanzungstrieb nicht zuträglich sein.

Und da wäre also meine Freundin! Ich habe sie richtig gern, meine Freundin. Ja, wirklich. Obwohl doch kaum ein Tag vergeht, an dem sie nicht sagt, dass er weg soll, der Bart. Dieser olle Bart! Als sei er eine dicke Spinne. Weg mit dem scheußlichen Ding, das sticht und kratzt und beim Knutschen das Kinn wundschubbert wie Sandpapier! Meine Freundin, sie erkennt einfach die Metapher nicht. Dafür kann sie nichts, meine Freundin. Diese Metapher eben, ist doch der Bart des Mannes das Haar gewordene Sinnbild der Stärke unseres Geschlechts. Gesichtsschmuck mit Charakter. Es soll Bärte geben, die tragen den dranhängenden Mann spazieren, statt umgekehrt. Deswegen und nur deswegen sind Bärte rau wie Besenborsten. Sonst könnten sie ja auch weich sein wie Perserkatzenfell. Aber das wäre schlimm, schließlich will ich als Mann doch nicht gestriegelt werden wie die Katze von Blofeld. Warum das? Na wegen der Metapher eben, ist doch ein vom Weibe gestriegelter Bart das Sinnbild für die Unterdrückung des Mannes spätestens seit der Erstausgabe der »Emma«.

Überhaupt, was Frauen nur finden mögen, an Männern ohne Bärte. An diesen wandelnden Milchbrötchen mit Gesichtern, weich wie Babypopos. So könnte man besser küssen, sagt jedenfalls meine Freundin. Aber wenn Frauen Männergesichter so weich wie Babypopos haben möchten, um sie besser küssen zu können, warum küssen sie dann nicht einfach Babypopos? Da verstehe ich sie ja nicht, meine Freundin. Doch auch dafür kann sie nichts, denn sie kennt den Unterschied nicht: Vormals kahlgesichtige Männer, die plötzlich mit Bärten zur Tür reinkommen, sind verwegene Abenteurer, heimgekehrt für Wein, Weib und Gesang am trauten Kamin. Bisher bärtige Kerle, die plötzlich den Gesichtswuchs im Waschbecken zu Grabe tragen dagegen, sind erst einmal eine Absurdität der Natur. Da fehlt doch was. Wie eine öffentliche Toilette, in der das Klopapier alle ist: Es geht schon irgendwie, aber schön ist anders.

Denn Bärte machen aus weniger schönen Mannesgesichtern - ja, die gibt es tatsächlich - etwas Ansehnliches. Und warum auch nicht? Schließlich sind Haare einfach nur Haare. Haare sind nicht hässlich. An denen kann die Gesellschaft keinen Anstoß nehmen, zumindest, solange sie irgendwo am Kopf wachsen. Ein hässliches Gesicht, verborgen unter Haaren, ist ein Gesicht mit Haaren, ein Gesicht mit Bart. Bärte machen aus Männern keinen nächsten George Clooney, aber das verwundet nicht, schließlich trägt der selbst keinen Bart. Verstehen kann ich das nicht, aber wahrscheinlich wurde ihm der von seiner Frau / Freundin / Geliebten / Mutter verboten. Die kann nichts dafür, aber das hatten wir schon.

Drum appelliere ich an den zeitgemäßen Mann, Bart zu tragen. Denn etwas mehr Bart wagen, das ist sozusagen eine Metapher. Eine Metapher eben, auf die letzte Bastion männlicher Selbstentscheidung in einer Welt der stetigen Geschlechterangleichung. Frauen und Freundinnen dieser Welt, wir Männer haben euch richtig gern. Ja, wirklich. Lasst uns doch unsere Bärte, schließlich verlangen wir von euch auch nicht, dass ihr euch Penisse anklebt. Denn Bärte, das soll hier noch erklärt werden, sind der Gesichtspenis des Mannes. Des zeitgemäßen Mannes. Bärte berechtigen den Mann zum Tragen einer Glatze, liebe Damen, und mögt ihr nicht Bruce Willis und Vin Diesel, die bekanntesten Vertreter der kahlköpfigen Zunft? Auch diese Burschen tragen Bärte, nehmen selbige jedoch zwecks Mimikspiel zu den Dreharbeiten ab. So schaut’s aus. Denn bartfreie Männer, zudem ohne Kopfhaar, sehen aus wie ein übergroßer Hoden, der auf einem Hals wächst. Das gilt freilich nicht für die Herren Willis und Diesel.

Neun von zehn Frauen behaupten nun, dieser kleine Exkurs driftet zu sehr in Richtung Geschlechtsteilvergleich ab. Das ist durchaus richtig, doch ist es gewollt. Denn schließlich ist dies hier ein Text über Männer. Männer mit geschlechtszentrischem Weltbild. Ein Text über Männer, kein Männertext, geschrieben für Männer, die Bärte tragen, trugen, trügen, so sie dürften oder sich trauten. Geschrieben auch für neun von zehn Frauen, die sich für Männer interessieren und die sich bitte nicht über den Überschuss an Mannesmotiven in diesem Text beklagen mögen, schließlich tragen sie selbst nun mal keine Bärte, was soll man da auch schreiben?

Eine von zehn Frauen übrigens trägt Bart, wo auch immer, und liest die »Emma«.**

 

* teilweise gelogen
** genau deswegen

28 Gedanken zu “Männer mit Bärten sollt ihr sein!

    1. na das ist ja mal wieder typisch. für sich freiheit beanspruchen, aber den anderen nicht lassen. und ich denke nicht an "typisch mann" weil ich eigentlich kein sexist bin und sowas wie gleichberechtigung in meinem wortschatz beinhaltet ist. typisch mensch, wohl eher. ich will, ich will, was du nicht darfst!

    2. PhanThomas

      Beitragsautor

      Näää. Soll doch jeder ruhig tun, was er möchte. Ich muss es ja nur nicht gut finden. Das gilt ja auch immer umgekehrt. Tolerant sein heißt nicht, dass man etwas nicht beschissen finden darf. 🙂

    3. PhanThomas

      Beitragsautor

      Eben. Und man sollte sich auch das Recht herausnehmen dürfen, das zu äußern. Wenn alle in einer Kuschelweichwelt leben würden, wäre damit auch keinem geholfen. Ist immer eine Sache des Abwägens. Manches sollte man sich natürlich auch verkneifen.

  1. Gerade in meinem Buch das perfekte Zitat dazu gefunden. 😉
    "Und zweitens ist Gesichtsbehaarung nur ein Zeichen dafür, dass wir von den Affen abstammen. Und wenn man bedenkt, dass wir von den Affen abstammen, muss man zugeben, wie beschränkt die menschliche Intelligenz im Großen und Ganzen ist."

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Wenn man's so betrachtet, stellt sich allerdings die Frage, ob die Frau nicht von den Affen abstammt. Außerdem scheinen mir Affen definitiv die klügeren Probanden zu sein. Die haben nicht so viel Mist verzapft wie die Menschen und führen ein ganz auskömmliches Leben, solange sie ihrem Nachfahren nicht begegnen.

    2. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ich grüble gerade über einen Gegenbeweis nach, aber mir will tatsächlich keiner einfallen. Allerdings liegt das wahrscheinlich eher daran, dass man Frauen einfach noch nicht so recht die Gelegenheit gegeben hat, Mist im großen Stil zu verzapfen.

  2. Achtung, es meldet sich ein Mann ohne Bart 😉

    Es soll ja auch Männer geben, bei denen ist der Bartwuchs, nun ja sagen wir mal, nicht korrekt im Gesicht verteilt. Es ist schon irgendwie doof, wenn da dann so ein Loch auf der Wange brangert. Bartwunsch hin oder her.

    Aber wo fängt eigentlich Bart an? Sideburns (klingt viel cooler als Kotletten), Goatee (das kleine näggische Ziegenbärtchen), Oberlippenbart oder doch die volle Dröhnung?

    Mein Selbstversuch eine (Voll)barts ist auf jeden Fall nach dem EM-Aus unserer achso tollen Fußballnationalmanschaft vorerst beendet - weil siehe weiter oben 😉

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Das ist 'ne gute Frage wo so'n Bart anfängt. Hmm, also ich finde, man kann ruhig alles zählen lassen. Schnauzbärte sind natürlich die Könige. Aber die traut sich ja kaum einer. 😉 Und das Problem der löchrigen Bärte haben viele. So was ist natürlich blöd. Das gilt dann auch als Attest.

  3. P.S.

    Was soll mir diese Fehlermeldung sagen:

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    ??

    Außer das da ein Argument für prepare vermisst wird 😉

    Antwort
  4. Pingback:

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