Partnerschaft von A(rgh!) bis Zett

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gebührenzahler, hoch geschätzte Schwarzleser. Ich heiße Sie herzlich willkommen zu unserem Themenabend Partnerschaft. Nehmen Sie Platz, entkorken Sie den Bio-Wein, naschen Sie vorsichtig von den Käsehäppchen und verschlucken Sie sich nicht, wenn wir Ihnen einen bunten Blumenstrauß der Begrifflichkeiten von A bis Z um die Ohren hauen. Sollte Ihnen beim Konsum des Gebotenen der Hut hochgehen, halten Sie ihn fest, bei zwohundert Puls gehen sie bitte behutsam auf die Bremse und sollte irgendwo ein Schwein pfeifen, bringen Sie es gesund und munter zu seinem Bauern zurück.

A wie Attraktivität
Attraktivität liegt im Auge des Betrachters. So heißt es. Eine Aussage derer, die wahrscheinlich auch fest daran glauben, dass so eklige Wörter wie Biochemie der Propaganda irgendwelcher Pharma-Konzerne oder der Atomlobby entstammen. Tatsächlich ist äußerliche Attraktivität messbar, Computer rechnen das inzwischen schamlos vor. Automatisch sucht sich der Mensch in der Regel jemanden als Partner, der in Sachen Attraktivität in etwa dasselbe Level erreicht hat. Logisch, wer hübsch ist, will seine kostbaren Gene nicht dem Glöckner von Notre-Dame oder der Hexe Baba Jaga zum Fraß vorwerfen, um sich im Anschluss die eigenen Nachkommen schönlügen zu müssen. Das regelt die Natur schon von ganz allein, auch wenn Gesamtattraktivität natürlich beeinflussbar ist. Erstens durch Intelligenz. Intelligente Menschen sind offiziell gelistet: Um Einblick zu bekommen, reicht eine monetär abgegoltene Anfrage an die Schweizer Banken. Die zugesandte CD enthält ein umfangreiches Datenset, werte Partnersuchende. Zweitens steigt Attraktivität direkt proportional zur eigenen Brieftasche. Geiz ist geil? Geld ist geiler.

B wie Babywunsch
Wenn die Beziehung langweilig wird, will einer von beiden aus heiterem Himmel ein Kind oder viel reisen. Glücklich sind jene, die lediglich Koffer packen und Flüge buchen müssen. Für alle anderen gilt es nun, die genetische Integrität zu verteidigen oder sich auf den Wahnsinn des Elterndaseins einzustellen. Was aus der Vorstellung heraus geboren wird, sich gemeinsam um einen kleinen, niedlichen und tapsigen Wonneproppen kümmern zu können, ist oft nicht zu Ende gedacht: Die süßen Schreihälse von heute sind auch immer die quarzenden Jugendlichen von morgen, die sich mit Marihuana und Alkopops von ihren ewiggestrigen Alten emanzipieren, mit stumpfsinniger Musik ihr Hirn verflüssigen, und dann mit achtzehn vor den geschundenen Eltern ihr gottgegebenes Recht auf ein eigenes Auto einklagen wollen. Wenigstens kehrt sich das Verhältnis im weiteren Verlauf des Lebens wieder um: Sind die Eltern alt und gebrechlich, kümmert der hoffnungslos zerstrittene Nachwuchs sich meist rührend um die greisen Erzeuger, immer penibel darauf achtend, dass die alten Knacker nicht vor dem Abtreten das dicke Erbe verjubeln.

C wie Coabhängigkeit
Coabhängigkeit ist immer ein wunderbares Argument für eine Beziehung. Wenn auch ein sehr einseitiges. Wenn man sich beschissen bis zur Unendlichkeit findet, gibt es nichts Schöneres, als sich dermaßen an jemanden klammern zu können, bis man ihm auch das letzte Fünkchen Lebhaftigkeit aus dem Leib gepresst hat. Zurück bleibt das menschliche Pendant einer ausgequetschten Wurstpelle oder Zahnpastatube, was den Coabhängigen aber nicht stört, weil man sich an einer Hülle immer noch ganz dufte festhalten kann. Wer hier als benachteiligter Part ausreißen möchte, bevor auch sein Schatten konfisziert wird, der sollte dies heimlich tun und vorsorglich Dinge wie Ankertaue oder Elektrotacker aus dem Haushalt entfernen. Sollte der sich heimlich freischwimmende Proband sich eines Morgens ans Bett gefesselt und mit Platzwunde an der Stirn wiederfinden, so kann er davon ausgehen, dass sein Unterfangen vorerst gescheitert ist.

D wie Date
Bezeichnet gemeinhin ein frühes Treffen zweier aneinander mehr oder minder interessierter Menschen, in der Hoffnung auf zukünftig gemeinsames Verkehren. Dates werden immer häufiger online vereinbart, auf zwielichtigen Plattformen, deren weibliche Mitglieder sich freudig gratis tummeln und zu siebzig Prozent männlich, alt, dick und kahlköpfig sind, während den verzweifelten Herren der Schöpfung stets das Geld aus der Tasche gezogen wird. Gleichberechtigung, hurra! Sind Anglizismen auch ein Schandmal der Neuzeit, so ist das Wort Date doch sehr treffend, bezeichnet es immerhin ein Datum, also die Einzahl von Daten, oder eine Dattel. Denn bei spontanen Dates weiß man nie genau, was man kriegt: Es ist schon schwer genug, sich aus dem Wust der hochwertigen Profilinformationen wie »Ich bin echt totaaal durchgeknallt!« oder »Meine Hobbys sind: mit Freunden weggehen« ein für interessante Gespräche taugliches Datum zu merken. Wenn man dann auch noch Pech hat, sitzt einem tatsächlich eine intellektuelle Dattelpalme gegenüber. Spätestens hier merkt man, Zeit ist relativ und Sekunden können qualvoll langsam verstreichen.

E wie Ehe
Lebensende. Drei Buchstaben. Der Wunsch nach inversen Beileidsbekundungen aus dem Freundeskreis wird durch einen Ring signalisiert, geschmiedet in den Feuern des Schicksalsberges, sie alle zu knechten, et cetera peh peh. Ein Bund fürs Leben und bis dass der Tod euch scheidet. Eine traditionelle Floskel, die dem freiheitsliebenden Dauer-Sabbatical-Junkie von heute den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Dabei könnte es durchaus schlimmer sein: Bis dass die Scheidung euch tötet beispielsweise, gehört in so manchem Kulturkreis zum guten Ton. Mutet fies an, will man sich doch im Guten trennen, bevor man sich die Köpfe einschlägt, schon erledigt selbiges das ganze Dorf mit einem Sammelsurium an Bruchsteinen. Ist hier etwa Weibsvolk anwesend?

F wie Freiheit
Wer bei dem Wort an Mel Gibson als William Wallace im Film Braveheart denkt, der noch einmal laut Freiheit brüllt, bevor ihm der Henker sauber akkurat die Rübe vom Stamm haut, der gewinnt einen guten Eindruck davon, was in so mancher in fester Partnerschaft lebender Person vorgehen muss, die allzu sehr unter den Repressalien ihres Gegenparts zu leiden hat. Beziehung, werte Damen und Herren, bedeutet immer auch, seinem Partner Freiheiten zuzugestehen. Den anderen auf die heimische Toilette gehen zu lassen, ohne dort eine Kamera platziert zu haben, deckt dieses Bedürfnis nicht ganz ab. Wenn in der Kneipe das Bier schal wird, weil alle drei Sekunden das Handy penetrant bimmelt, dann ist auch dann der Freiheit erst genüge getan, wenn das Mobiltelefon einen Tauchgang im Humpen unternimmt. Gleichfalls gilt: Nur weil die Freundin oder Frau für ein halbes Stündchen nicht die aktuellen GPS-Daten durchgibt, bedeutet dies nicht, dass sie sich in einem schäbigen Hinterzimmer von ihrem spanischen Lover mit dem Prachtphallus durchnudeln lässt. Viel eher gilt Gegenteiliges: Wer keine Freiheit genießen darf, der macht sich frei.

G wie Genpool
Um den Menschen rein physisch vital zu halten und dafür Sorge zu tragen, dass der durchschnittliche Intelligenzquotient der Spezies nicht dauerhaft auf das Niveau eines Tomatenstrauchs absackt, gilt es, den Genpool möglichst umfassend zu halten. Der Genpool ist nicht nur ein scheußliches Wort, sondern auch ein reichhaltiges Büffet menschlicher Eigenschaften. Hier trifft dick auf dünn, dumm auf klug, hässlich auf schön und so weiter und so fort. Der Affe, unser in Sachen Weltverständnis weit unterschätzter nächster Verwandter, hat das mit der Reichhaltigkeit sehr wohl verstanden: Hier pimpern sich die hochrangigen Männchen im Akkord quer durch den Stamm, dass es nicht mal für die Zigarette danach reicht. Der Mensch dagegen erfand den Begriff der Monogamie, vertraglich geregelt durch die bereits näher betrachtete Knechtschaft des Ringes. Verstöße werden im Allgemeinen mit fliegenden Tellern oder, auch das wurde bereits erwähnt, mit fliegenden Steinen geahndet. Dass Monogamie und die Vielfalt des Genpools sich auf Dauer nicht vertragen können, erfährt man sehr anschaulich beim Konsum einer Stunde RTL 2.

H wie Hausbau
Der frühere Albtraum der Achtundsechziger, das Eigenheim. Hat eine Partnerschaft selbst solch gefährliches Fahrwasser wie die Vorstellung bei den Schwiegereltern, die Hochzeit und das Kinderkriegen überstanden, so wird es Zeit, dem Bossgegner gegenüberzutreten. Kaum ein Schritt im gemeinsamen Leben ist derart dazu geeignet, durch Meinungsverschiedenheiten in der Raumgestaltung und Finanzierungsprobleme eine Partnerschaft für immer zu ruinieren. Da nach der Trennung das blöde Haus, in dem keiner mehr wohnen will, aber immer noch bezahlt werden will und selbst der Dispo dank Trennungskrieg bereits aus dem letzten Loch pfeift, bleibt oftmals nur der Sprung von der Brücke oder eine Flucht in die Fremdenlegion. Und dabei wollte man doch bloß endlich im Garten grillen.

I wie Inzest
Hat zwar mit Paarung, jedoch mit klassischer Partnerschaft und deren Output ganz nach dem Sinn des Papstes absolut nichts zu tun und könnte allerhöchstens dem Zweck dienen, Physis und Verstand des Menschen nachhaltig auf das Niveau von Fleischtomaten zu senken. Wie schon bei der Tierzucht ließen sich eventuell Angoramenschen oder herrlich bunte Ziermenschen züchten, doch dem aufgeklärten Bürger des 21. Jahrhunderts mit ethischem Sachverstand schwillt bei solcherlei Überlegung verständlicherweise der Kamm. Als hätte jemals wer die aufgeklärte Katze gefragt. Partnerschaftlich relevant wird das Thema Inzucht erst dann, wenn die Liebenden nicht ahnen, dass sie Geschwister sind und sich beim besten Willen nicht erklären können, weshalb das mit der Fortpflanzung trotz bester Gesundheit nie so richtig klappen will. Wenn der Nachwuchs nur je einmal Großmutter und -vater hat, kann das nicht gesund sein. Mein Ratschlag an dieser Stelle: gemeinsam vor den Spiegel stellen. Sollten Mund, Nase und Augenpartie der oder des Liebsten den eigenen zu sehr gleichen, wird es dringend Zeit, die Eltern zum klärenden Gespräch zu bitten.

J wie Jugendliebe
Wer die ersten zwanzig Jahre seines Daseins nicht unter einem Stein lebend oder vor seinem Browser verbracht hat, der hat sie womöglich erleben dürfen: die Jugendliebe. Das passende Liedgut, gesungen von Ute Freudenberg, quält alternde Zuhörer seit nunmehr über dreißig Jahren wie ein akustisches Mahnmal, auf dass all die frühen Sünden niemals in Vergessenheit geraten mögen. Das Rangeln um Aufmerksamkeit, all die Arbeit für den ersten Kuss und monatelanges Warten auf den allerersten Sex, der am Ende so aufregend und gefühlsintensiv ist wie ein Stop an der Tankstelle, sind das Grauen eines jeden Erwachsenen, der daran denkt, mal wieder eine Beziehung einzugehen. Wenn es dagegen um Erinnerungen an die Jugendliebe geht, werden dieselben nervtötenden Wartezeiten und emotionalen Querelen zu seliger Nostalgie umgedeutet. Die DDR war ja auch ganz schön.

K wie Kinder
Nachwuchs, ach ja, da war ja was. Da kann die Presse noch so oft unken, das Kinderkriegen im Land des Teutonen sei so unattraktiv wie nie – Kinder waren, sind und bleiben der Kitt in den Fugen einer jeden kaputten Partnerschaft. Wer sich wegen Tierhaarallergie keine Katze oder ähnlich stille Zeitgenossen ins Haus holen kann, der greift auf ein Kind zurück, um etwas Pfeffer ins fade Beziehungsleben zu bringen. Auch auf zwei und wenn alles schief geht, auf drei und mehr. Dass nicht nur in Sachen Pfeffer viel nicht viel helfen muss, merken entnervte Eltern, wenn sie dank Dauerplärrerens an Schlafstörungen und Hörstürzen leiden und sich fragen, wer der alte Sack im Spiegel ist, dessen Teint plötzlich einer durchnässten Scheibe Toast gleicht. Allerspätestens aber, wenn sie beim besten Willen nicht wissen, wo die letzten zwanzig Jahre geblieben sind. Und sollten selbst Kinder das Zusammenleben nicht mehr retten, wird es Zeit, das Bad des Lebens neu zu fliesen. Dass die Kinder dann schon da sind, wird gern als Kollateralschaden abgetan.

L wie Leidenschaft
Dass der Begriff für einen der vermutlich schönsten Bestandteile jedes gesunden Partnerschaftsgefüges das Wort Leiden enthält, kann kaum ein Zufall sein. Leidenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die komplette Beziehung, um in einem durchgesifften Stück Wolle zu münden. Was mit leidenschaftlichen Küssen und ebenso leidenschaftlichem Sex beginnt, wird fortgeführt mit leidenschaftlicher Streiterei, der mitunter auch mal Omas unschätzbares Porzellanservice aus dem Hause Meissen und diverse Türschlösser und -rahmen zum Opfer fallen. Am Ende des Zusammenraufens bleiben leidenschaftliches Schnarchen, sogar leidenschaftliches wie nervtötendes Schlürfen von Suppen und Kaffee, und es soll ja (vornehmlich) Männer geben, die leidenschaftlich an der Optimierung der Geräuschkulisse ihrer Sofafürze arbeiten. Na, wenn die Modelleisenbahn im Keller langweilig geworden ist ... So wird Leidenschaft zum Dauerbegleiter, der Leiden schafft.

M wie Missverständnisse
»Wir haben uns ja auf Anhieb verstanden.« Was der frisch Verliebte noch stolz und mit Freudentränen in den Augen seinen Freunden und Verwandten berichtet, löst Jahre später nur noch verstörtes Kopfschütteln aus. Wenn die Freude geht, wenigstens die Tränen bleiben. Kaum ist die Braut über die Schwelle getragen, gerät die gemeinsame Wellenlänge zusehends aus dem Takt. Kein Wunder: Wenn man sich dauernd in den Ohren liegt, muss es früher oder später zu Interferenzen im gemeinsamen Frequenzband kommen. Wo es dann nicht mehr richtig funkt, weiß der eine oder andere die Situation durchaus zu seinem Vorteil zu nutzen: »Ich sollte Milch mitbringen? Von welchem Geld denn? Und nein, das Bier habe ich nicht heute gekauft. Das stand schon länger im Kofferraum.« Kein Wunder, wenn man am Ende gar nicht mehr miteinander redet.

N wie Nachtruhe
Nach Jahren des Nebeneinanderherlebens sind neben herumliegenden Socken, die einem nicht gehören und dem schiefen Turm von Abwasch, das eindeutigste Indiz dafür, dass man nicht allein in seinen vier Wänden wandelt, die Augenringe, gegen die man jeden Morgen vergeblich ankämpft. Wenn ein Partner mit nervenbedingt zuckendem Augenlid an die Decke starrend im Bett liegt, weil er sich nicht mehr sicher ist, ob sein neben ihm liegender Konterpart angesichts des Wandputz vernichtenden Grunzgeräuschs einfach nur besonders genüsslich schlummert oder dabei ist, an seiner eigenen Zunge zu ersticken, kann das dem erholsamen Schlaf nicht zuträglich sein. Gleiches gilt für jene, die mit Dauererkältung und blaugefrorenen Gliedmaßen zu kämpfen haben, weil ihr Nebenlieger sich selbstsüchtig in sämtliche Bettdecken gerollt hat wie ein menschlicher Burrito. Das ehemals für gemeinsames Kuscheln gekaufte Sofa, das längst seinen Stellenwert eingebüßt hat, gewinnt hier neue Bedeutung als durchgesessene Folterliege für denjenigen, der sich im verbalen Zweikampf nicht durchsetzen kann und über Nacht umziehen muss: für den Mann.

O wie Offenheit
Natürlich ist es erbaulich, mit seinem Gegenüber offen reden zu können. Wenn es aber etwa um die Besorgnis über die Konsistenz des eigenen Stuhls nach dem vom Partner zubereiteten Mittagessen geht, dann beinhaltet Offenheit doch ein Mu an Details zu viel. Ehe man sich versieht, ist man wieder bei M wie Missverständnis angelangt. Ähnlich nachteilig verhält es sich mit offenen Beziehungen in Hinblick auf Sex: Gerade bei jüngeren Pärchen kann zu freies Herumschwimmen im Pfuhl der sexuellen Entfaltung dazu führen, dass der Partner gänzlich zum Freischwimmer wird und am Horizont entschwindet. Oftmals entdecken jedoch erst ältere Paare ein zusätzliches Maß an Offenheit innerhalb ihrer sexuellen Beziehung. Gezeichnet durch die Prüderie der frühen Jahre in einer Zeit, in der es mangels Internet kein YouPorn und Co. gab, entdecken alternde Probanden in einer zunehmend enttabuisierten Gesellschaft ihre neue Offenheit und leben diese in Swingerclubs und Konsorten zusammen mit anderen Nachholbedürftigen zügellos aus. Mitunter so offen, dass man sich dort nicht einmal daran stört, wenn drittklassige Privatsender mit ihrer Kamera Einzug halten, um dem Treiben, bei dem nicht mehr ganz dem ästhetischen Standard entsprechende Nackedeis an anderer Leute Körperstellen nuckeln, von denen man gar nicht wissen möchte, wo sie damit vorher waren, filmend beizuwohnen. Dass sie nachher im Fernsehen beim schwitzigen Tummeln auf ihrer Liegewiese anmuten wie eine Horde gestrandeter Wasserschildkröten, kann als zusätzlicher Beleg dafür gedeutet werden, dass Offenheit immer ein wenig der Abwägung unterliegen sollte.

P wie Poppen
Sex gehört zur Beziehung dazu wie der Käse zur Marmelade. Die Jüngeren werden das wissen, die Älteren werden sich erinnern. Dass im Alter zunehmend Zeit für teure Hobbys bleibt, wie für den Ausbau der Modelleisenbahn zur Größe von Hamburg, das Sammeln von geschmackfreien Wandtellern oder das Stricken von mehr Schals und Socken, als die Verwandtschaft ertragen kann, hängt nicht nur damit zusammen, dass nicht mehr gearbeitet werden muss. Sex ist, so die Reizschwelle will, eine zeitintensive Angelegenheit, die mit zunehmendem Einzug der Pornographie auf die Festplatten der Jugendzimmer immer mehr zur Performance mit Anspruch auf Ästhetik gedeiht. Die Leistungsgesellschaft hält Einzug ins Schlafzimmer und selbst, wenn der unten liegende Partner seit nunmehr zwanzig Minuten die Muster an der Decke zählt und der sportlichere der beiden, der für Reibung sorgt, bis die Lunte glüht, hier und da einen Blick auf die Uhr riskiert und abwägt, ob er es noch rechtzeitig zum Anpfiff des FC Dornbreite Lübeck gegen den SV Henstedt-Ulzburg zurück auf die Couch schafft, dann muss er da durch, der Lurch, wenn er ein Frosch werden will. Das Leben ist hart. Make love, not war.

Q wie Qualitäten
Vor langer Zeit, in einer Welt wie dieser, da waren in der Elterngeneration Qualitäten wie handwerkliches Geschick oder das Können am Herd ein Kriterium bei der Partnerwahl. Da das Wort Lohndumping noch nicht erfunden war, wurden häusliche Arbeiten lieber selbst erledigt, statt den Handwerker zu rufen. Und Lieferdienste brachten allenfalls den Sarg mit, jedoch keine Pizza, da war etwas Kochkunst durchaus praktikabel, sofern man nicht die Kohlen aus dem Keller fressen wollte. Heute sieht das freilich anders aus: Innerhalb der hiesigen Informationsgesellschaft zählen Wissen und Intellekt. Dass sich mittels Wissen über kinetische Energie nur indirekt eine Glühbirne in die Fassung bewegt, kann schon mal zum Problem werden. Aber man richtet sich ein, und so stört der in Großstädten herumlungernde Hipster sich nicht an den Nägeln, die aus der Wand ragen, weil der gerufene Handwerker seine Qualitäten am gezahlten Preis bemessen hat. Und wer nicht kochen kann, bestellt eben Sushi, wenn Indisch langweilig geworden ist. Wer mangels Verstand nicht Anteil an der Informationsgesellschaft nehmen kann, der setzt anstelle von Qualität auf Quantität: aufgeblasene Lippen, aufgeblasene Titten, aufgeblasenes Ego, nichts, was sich nicht durch Silikon und Spachtelmasse vermehren ließe, bis Quantität doch noch eine völlig neue Qualität erreicht.

R wie Rollenmodelle
In einer Welt, in der das deutsche Wirtschaftswunder noch nicht durch eine freundliche Übernahme der DDR plattgeklopft wurde, waren die häuslichen Rollen fest und fair verteilt: Der Mann hatte absolut keine Ahnung, wie die verdammte Kaffeemaschine bedient wurde, musste dafür aber auch nicht bügeln und spülen. Seit Satan Alice Schwarzer auf die Erde entsandt hat, sieht die Sache etwas anders aus: Frauen wollen gleichberechtigt sein, ach was, am besten sogar mehr Rechte genießen als der Mann, als der Partner, als der Herr im Haus, eine verwässerte Bezeichnung aus in Mannes Augen seligeren Zeiten. Seit das so ist, werden Straßen reihenweise nur noch nach Frauen benannt, es gibt Frauenquoten, Frauenparkplätze, Frauenkneipen und sogar Frauenreisen. In den schummrigen Bürogängen deutscher Firmen kommt man sich vor wie in einer Zwergenmine: Frauen sind von Männern selbst optisch kaum mehr zu unterscheiden, allenfalls durch den Weichheitsgrad ihrer Haut. Aber anfassen gilt inzwischen als sexuelle Belästigung, und das, wo doch für Sex dank zweier arbeitender Partner ohnehin schon keine Zeit mehr bleibt. Resultat: Die Menschheit stirbt aus. Vielen Dank, Frau Schwarzer!

S wie Spaziergänge
Spaziergänge und das obligatorische Entenfüttern ... was gibt es Geileres unter der Sonne? Es wird keinen Mann geben, der dem nicht zustimmt, zumindest, solange Frau ihn argwöhnisch beäugt und sämtliche Regungen seiner Gesichtsmuskulatur nach möglichen Anzeichen auf Unwahrheiten absucht. Um die Häuser ziehen und mit den besten Kumpels Bier im Akkord zischen, bis der erste von der Eisenbahnbrücke auf den vorbeibrausenden Regionalzug kotzt, ist ja so was von gestern, wenn man erst in trauter Zweisamkeit zwischen Eiche und Schilf auf einer modrigen Parkbank hocken und, ohne einen Ton zu sagen, dem Sonnenuntergang zuschauen kann, während irgendwo ungesehen eine empörte Ente quakt. Spaziergänge sind ein stillschweigend durch gemeinsam konkludentes Handeln vereinbarter Kontrakt innerhalb einer Partnerschaft, von dem sich anschließend keiner mehr erklären kann, wie er zustande gekommen sein könnte. Wer vor Leben sprüht, würde doch niemals auf die Idee kommen, sich allein im Schneckentempo um einen See herum zu bewegen, indem er wortlos ein Bein vor das andere schwingt, und das auch noch gut zu finden.

T wie Trennung
Wundert man sich darüber, bei Nacht nicht mehr durch eine schnarchende Zwiebacksäge oder hinterlistigen Bettdeckenklau geweckt zu werden, so ist man entweder wieder einmal aufs Sofa umgezogen, oder tot oder frisch getrennt. Auch wer noch so glücklich verliebt ist, sollte immer bedenken: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Schön also, dass es sich bei Partnerschaften nicht etwa um Wurst handelt. Dennoch, wenn nicht der Tod euch scheidet, so ist es die Trennung. Fängt ja auch mit T an. Frisch getrennte Menschen verhalten sich wie Fliegen, denen irgendeine Rotznase die Flügel und ein paar Beinchen ausgerissen hat und die nun nicht wissen, wie sie von dem blöden Küchentisch wieder runterkommen sollen. Eine ISO-zertifizierte Trennung läuft im Prinzip immer gleich ab: Einer von beiden hat keinen Bock mehr, bevor der andere zur selben Einsicht kommen kann, cancelt den Deal und tippelt anschließend leichtfüßig durchs Sein wie Dorothy durch Oz, bis er irgendwo am Wegesrand auf die nächste bedauerliche Gestalt trifft, mit der alles dufte läuft, bis das Russisch Roulette vielleicht von vorn beginnt. Verlassene Frauen durchleben einen kurzen Schmerz, entdecken sich anschließend neu und probieren scheußliche Frisuren aus. Verlassene Männer dagegen haben einen langen Leidensweg vor sich. Da ihr bisheriges Dasein stilistisch meist durch die geschmacklich versiertere Frau bestimmt wurde, beginnen sie als Einzeller im Sumpf des Lebens eine neue Evolution. Der einst von der Frau verhasste Freundeskreis muss neu erarbeitet, das Individuum in sich selbst neu entdeckt werden. Wem das gelingt, Hut ab!

U wie Urlaub
Wenn der Streit schon nach dem Verlassen der Wohnung beginnt, weil jeder denkt, der andere hätte die verdammte Thermoskanne mit dem Kaffee für unterwegs eingepackt, selbige aber noch auf dem Küchentisch vor sich hin dampft, dann nennt sich das Urlaub. Vollmundig wird im Voraus geplant, was nicht alles angeschaut werden soll, und dann enden die Abende doch, wo sie immer enden: auf dem Sofa - nur dass es nicht das eigene mit den jahrelang optimierten Sitzkuhlen ist, sondern eine quietschende Staubhölle mit Mustermode von anno dazumal. Die längst ausgeuferte Planung, wann welche Sehenswürdigkeit konsultiert werden soll, gerät zunehmend zur Farce, sobald sich herausstellt, dass Mann von Welt vom Kartenlesen und dergleichen so viel Ahnung hat wie Frau vom Programmieren des Navigationsgerätes, auch wenn er vorher auf die Brust trommelnd anderes behauptet haben mag. Ist zu allem Überdruss auch noch Nachwuchs im Gepäck, so ist Wehklagen über schmerzende Füße und fürchterliche Langeweile ob fehlender Spielkonsolen, Legosteine oder das heimische Puppensortiment vorprogrammiert. Und hat der gemeinsame Urlaub das Paar erst an die Beinahescheidung getrieben, kann man sicher sein, dass spätestens auf dem Heimweg irgendwo zwischen Grevenbroich und Frechen die Karre verreckt. Hier wird auch dem letzten der Zweisamkeit frönenden Probanden klar: Urlaub vom Urlaub gibt's nur wirklich im Büro.

V wie Vendetta
Hat man sich nach T wie Trennung erst darauf geeinigt, friedlich auseinanderzugehen und sich um der Kinder willen zu benehmen wie erwachsene Menschen, ist der Rosenkrieg unausweichlich. Dass dabei nicht mit Rosen geballert wird, ist schnell klar, wenn die Blagen, für deren blöden Gaul und die eingestaubte E-Gitarre man sich den Hintern wund geschuftet hat, die Straßenseite wechseln, sobald eine Begegnung unausweichlich scheint. Praktisch nur dann, wenn man laut Gericht sowieso 200 Meter Abstand halten muss. Überhaupt: Wer beim Unterhalt unterliegt, ist für die Kleinen erst einmal der Arsch, immer schon an allem schuld gewesen, angefangen bei der Nichtexistenz des Osterhasen bis hin zu Omas frühem Ableben und dem mageren Erbe. Auch beim fairen Aufteilen des Haushalts ist spätestens Schluss, wenn der blöde Marmorfußboden sich partout nicht in zwei Hälften sägen lassen will und der vormals gemeinsame Freundeskreis lässt sich sowieso nur ungern im Artilleriefeuer der gegenseitigen Verachtung zerfetzen. Hier hat die Hosen an, wer besser argumentiert, heißt, lügt, oder aber, wer in guten Zeiten besser heimlich für den Anwalt gespart hat. Alles ganz wie erwachsene Menschen eben.

W wie Weihnachten
Hach, die Zeit der Liebe, Zeit, sich zu  besinnen, auf ... ja, worauf eigentlich? Wenigstens darauf, dass das Leben eine ziemlich stressige Angelegenheit ist, wenn man nicht nur sich selbst, sondern auch noch das geliebte Gegenüber mit Geschenken versorgen muss. Schweißgebadet rennt vor allem der durchorganisierte Mann kurz vor Ladenschluss durch die vollgestopften Innenstadtgeschäfte, steht den Stresslevel eines Kampfjetpiloten durch, und riskiert zum Feiertag den ersten Herzkasper, wissend, dass die Welt ganz sicher untergehen wird, wenn er nicht in Kürze das, verdammt noch mal, beste Geschenk des Universums finden wird. Frau dagegen hat das Problem offenbar schon vor geraumer Zeit elegant gelöst. Weihnachtsstress? Das Haar hält, Geschenk top und viel besser als das eigene natürlich. Weiß der Teufel, wie sie das wieder gemacht hat. Mit den Jahren kehrt der Pragmatismus ins häusliche Zusammenleben ein. Verschenkt werden dementsprechend Bratpfannen, Akkuschrauber, ein Satz Dübel oder was sonst gerade im Haushalt fehlt und sowieso dringend ersetzt werden müsste. Der wohlwollende Schenkende bemüht sich dabei wenigstens um eine hübsche Verpackung. Und ist die Ehe erst zum Fiskalpakt avanciert, sollte sich das Schenken aufs Wesentliche beschränken, da Schmuck und andere gut gemeinte Wertgeschenke dem Schenkenden allenfalls vom beschenkten Sparfuchs wütend um die Ohren gehauen werden. Besinnlichkeit? Aufs Portemonnaie eben.

X wie (Das war wohl ni)x!
Nichts ist erfrischender als ein Korb während der Anbahnungsphase. Zumindest, wenn man auf der Sonnenseite des Lebens steht, sprich, die Körbe verteilen darf. Körbe beenden zähe Verhandlungsphasen ebenso schnell wie langjährige Freundschaften, die im Handumdrehen in kaltem Krieg münden. In den meisten Freundeskreisen jüngerer Generationen gibt es wenigstens ein Mädchen oder einen Jungen, die bzw. der von allen angehimmelt wird. Die Probanden können dumm sein wie die Dachschindeln, doch sie sehen geil aus und das macht alles wieder wett. Die erfolglosen Anwärter sind durch ständiges Werben so verblendet, sie kommen gar nicht auf die Idee, dass Kommunikation mit solch einem morschen Stück Treibholz innerhalb einer Beziehung gerade so den Tiefgang einer Sandbank erreicht. Die Klügeren unter den Unerreichbaren wollen zudem oft sowieso ihre Freiheit genießen und weisen daher jedes Bindungsgesuch forsch ab. Was sie für die lechzenden Verliebten nur noch interessanter macht. Ein Paradoxon? Nein, pure menschliche Blödheit.

Y wie Yin & Yang
Gleich und gleich gesellt sich gern und Unterschiede ziehen sich an. Ja, was denn nun? Was Partnerschaften angeht, wird, was nicht passend ist, eben passend gemacht. Es entsteht eine Symbiose, wie man es aus dem Tierreich kennt: Die geballte Redekraft der Frau prallt zu beliebiger Tageszeit auf einen Mann, der stumm wie ein Fisch auf der Couch hockt und doch einfach nur die Tagesschau sehen will. Das stets offene Ohr, das sie fälschlicherweise meistens mit einem offenen Geist gleichsetzt, dankt sie ihm mit umfangreicher Bequemlichkeit für ihn: Mann muss sich im verteufelten Bekleidungsgeschäft keinen Kopf mehr darüber machen, welche der blöden Jeans, die sowieso alle gleich aussehen, ihm nun steht und in welcher er wie zu viel Wurst in zu wenig Pelle wirkt. Das übernimmt die stilsichere Frau, so wie auch die Dekoration der gemeinsamen Wohnung, die ohne sie unwirtlicher aussehen würde als ein gotischer Kerker. Mann und Frau, das Yin und Yang, zwei Gegensätze, die trotz aller Widrigkeiten zueinander finden wie die kleinen Vögelchen, die den Krokodilen die Zähne putzen. Wer jetzt der Vogel und wer das Krokodil ist, liegt natürlich im Auge des zu seinem Besten hoffentlich schweigenden Betrachters.

Z wie Zusammenleben
Es gibt drei Formen des Zusammenlebens. Mit der Idealform verhält es sich wie mit dem Kommunismus: Funktioniert in der Theorie, die reale Umsetzung wirkt allerdings von außen betrachtet reichlich abstrus und beschränkt sich auf einige abgeschottete Bananenrepubliken. Die Probanden verstehen sich hier ausgesprochen gut, zu gut für den Rest der Welt: Neben Butzi-Butzi-Sprache, die Außenstehenden die Zehnägel hochklappt, fällt es dem Beobachter zunehmend schwer, die überharmonisch herumwabernde Biomasse als zwei Individuen zu erfassen. Einzig der morgendliche Gang zur Arbeit reißt das Zweigespann auseinander. Zumindest von neun bis fünf, dann ist die Welt wieder in Ordnung. Die zweite Form des Zusammenlebens äußert sich in doppelt genutztem Wohnraum. Beide leben auf derselben Quadratmeterfläche zusammen, ohne sich überhaupt wahrzunehmen. Einzig zufällig im Raum kollidierende Wortfetzen, etwa über die Fragestellung, ob denn noch Butter da sei, lassen vage erahnen, dass es einen Zuschauer geben könnte, wenn man sich mal mit der Fleischgabel den blanken Hintern kratzt. Die dritte Form des Zusammenlebens gleicht der politischen Weltkarte zwischen 1933 und 1945: An allen Fronten wird gefochten und wenn Frau wieder mal die Zahnpasta offen gelassen hat, dann wird vom Mann mit herumliegenden Socken und hochgeklappten Klobrillen flächendeckend zurückgefeuert und umgekehrt. Ach hätte man doch nur nicht vor Jahren ein gemeinsames Bankkonto eingerichtet, aufgrund dessen chronischer Leere der Dauerkrieg jetzt zum unveränderlichen Zustand erklärt werden muss!

Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, unser Ausflug ins Absurdistan der Partnerschaft hat Ihnen Spaß gemacht. Autor und Intendant des Programms distanzieren sich freilich von jeglicher getätigten Äußerung, solange sich ein Nudelholz im Haushalt befindet. Vielen Dank für Ihre Gebühren, es ist ja immer schön, im Auftrag der Bildung agieren zu können.

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