Von Katzen, Drahtverschlussdingern & Vogelscheiße

Katze, Miez, LilliWir haben jetzt eine Katze im Haushalt, und das ist ganz lustig, denn bisher gab's in meinem Haushalt nie eine Katze. Also sie gehört freilich nicht zum Haushalt wie ein Kochlöffel oder der von ihr gehasste Staubsauger, aber sie gehört eben dazu. Will nicht sagen, sie gehört zur Familie, denn das ist eher was für Leute, deren Kinder grad aus dem Haus sind und die mit Katzen die entstandene Lücke kompensieren wollen. Was ich jedenfalls sagen will, ist, dass bisher nie eine Katze da war, sondern allenfalls mal Wellensittiche, und mit denen ist es nur bedingt lustig und auch das nur dann, wenn sie einen an der Waffel haben. So hatte unser Jackie, unser Vogel in den Neunzigern, die Angewohnheit, einen grünen Spiegel, der in seinem Käfig hing, zu verfolgen, wo auch immer man das Ding hin trug. Ich glaube, er fühlte sich verpflichtet, den Vogel im Spiegel mit durchgekauten Körnern zu füttern, und wahrscheinlich fand er diese Schmierereien und das Hochwürgen der Körner nur halb so amüsant wie ich damals, aber das war eben das Lustigste, das der so konnte. Denn das Sprechen hatte ihm irgendwie keiner beigebracht. Ach.

Unsere Katze, das heißt, es ist eigentlich die Katze meiner Freundin, ein weißes Fellknäuel mit wahllos verteilten bunten Flecken - Die Katze, nicht meine Freundin! -, kann natürlich auch nicht sprechen, sondern höchstens mauzen. Wenn sie in ein anderes Zimmer will, wenn sie Hunger hat, irgendwas anderes beklagt oder wenn ihr einfach danach ist, nehme ich an. Das ist ganz putzig, und ich erwische mich selbst immer wieder dabei, dann in Babysprache mit ihr zu reden und sie zu fragen, was sie will. So viel zur Kompensation der Kinder, die grad aus dem Haus sind.

Die Katze, die da Lilli heißt, von mir aber meistens Miez oder - ganz kreativ - Katze genannt wird, hat allerhand Marotten, was sehr schön ist, wo sie ja nicht sprechen kann und keinem Spiegel nachläuft. Sie steckt zum Beispiel ihre Pfote in leere Joghurtgläser und kratzt die Reste heraus, die sie dann genüsslich abschleckt, bis sie merkt, dass ihr das Zeug eigentlich gar nicht schmeckt. Ist bis zum nächsten Glas aber wieder vergessen. Dasselbe mit den Schubladen: Die öffnet sie dauernd, um sich entweder rein- oder dahinter zu legen. Wenn sie feststellt, dass in der Schublade schon was liegt, probiert sie eine andere aus. Schließt man die Schubladen wieder, scheint die Katze ratzfatz vergessen zu haben, dass die Dinger nicht leer waren und versucht es erneut. Mit dem Gedächtnis hat sie's nicht so recht, wie mir scheint. Mit dem Farbsehen wohl auch nicht: Sie klaut regelmäßig diese weißen Drahtverschlussdinger von den Toastbrottüten (Haben die Teile eigentlich einen Namen?), bolzt sie durch die Gegend, bis sie entweder unter einen Schrank rutschen oder auf dem weißen Sofavorleger landen, wo sie dann von der Katze offenbar nicht mehr auffindbar sind. Ferner hat sie einen Fimmel für die Voodoopuppe, die in meinem Wohnzimmer im Bücherregal sitzt und die sie regelmäßig auf den Boden schmeißt, um sie dann entweder gelangweilt liegen zu lassen, oder sie in irgendeine Ecke zu schleifen. Den Sinn all dessen habe ich noch nicht hinterblickt. Wahrscheinlich steckt irgendein großer Plan dahinter.

Schön auch, dass sie ein bisschen suizidal ist, die Katze: Das gerade frisch aufgebaute Bücherregal im Schlafzimmer hat, da es aus Einzelteilen besteht, von denen das mittlere etwas weniger tief ist als die anderen, einen schmalen Schacht, den man nur von oben sieht. Was tut also die Katze? Springt aufs Regal und dann kopfüber in den Schacht, worauf ich natürlich schimpfend das Regal wieder wegzerren musste, weil das Biest da im Leben nicht mehr rausgekommen wäre. Irre: Kaum war sie befreit, wollte sie noch mal.

Man muss wirklich aufpassen, was diese Katze tut. Perfide Pläne sieht man ihr meist an den großen, glänzenden Augen an, was so putzig wirkt, dass man es ihr einfach nicht übel nehmen kann, wenn sie den LED-Fernseher mit einem Kratzbaum oder einem Abenteuerspielplatz verwechselt. Was das angeht, war Vogel Jackie eindeutig pflegeleichter. Dafür scheißt einem die Katze nicht auf den Kopf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du musst nur noch die Pflichtfelder ausfüllen und den Kommentar abschicken. :)