Weichenstörung am Flughafen

BER anno 2020?Wann immer man denkt, schlimmer geht's nicht mehr, kommt von irgendwo Hartmut Mehdorn her. Da der schon nicht mehr ganz neue Hauptstadtflughafen seit geraumer Zeit auf der Strecke bleibt, holt man eben jemanden, der sich mit Strecken auskennt: Den Lothar Matthäus der deutschen Wirtschaft, den als Manager getarnten Kampfzwerg im Anzug, dessen Streitaxt sein vorlautes Mundwerk ist. Wo Mehdorn mäht, da wächst kein Gras mehr. Da wird geschrumpft, gespart und saniert, wo es geht, Hauptsache, am Ende geht es amtlich an die Börse. Jetzt soll es also der ProblemBER sein, der Flughafen, den es irgendwo im an die Hauptstadt angrenzenden Sumpf tatsächlich geben soll - zumindest wenn man den Nachtflugverbotsprotestlern und Google Maps Glauben schenken mag.

Ein Flughafen, von dem schon vor seiner Ersteröffnung mehr Leute geflogen sind, als von Frankfurt-Hahn, Braunschweig-Wolfsburg und Essen-Mülheim zusammen - wenn auch nicht in die Luft, sondern aus dem Amt. Doch so ein Schleudersitz hält Mister Die-Bahn-kommt-nicht natürlich keinesfalls davon ab, auch noch sein Glück an der Schießbude zu versuchen, solange der monetäre Tropf das fehlgeplante Monster noch künstlich am Leben hält. Schließlich hat es der in Polen geborene Wadenbeißer Mehdorn beim strauchelnden Tomatensaftverkäufer Air Berlin sage und schreibe ein ganzes Jahr lang ausgehalten. Da kann ja nichts mehr schiefgehen.

Außerdem hat der verbale Kotelettehammer Mehdorn nun Gelegenheit, seine eigene Klage abzuwehren, die er während seiner Air-Berlin-Zeit gegen die Flughafengesellschaft anstrengte. Das ist quasi, als würde man Schach gegen sich selbst spielen. Na, wenn er sonst keine Freunde hat! Da Mehdorn auch schon stramme 70 Lenze auf dem kantigen Buckel hat, sieht er seine neue Beschäftigung also vielleicht als eine Art Hobby zur Rente. Oder er zahlt nun brav Entschädigung an seinen vormaligen Brötchengeber und wechselt anschließend zurück ins Amt als Air-Berlin-Chef. Der Laden wäre gerettet, endlich ließe sich mal was an die Börse wuchten und vielleicht gäbe es auch statt wieder nur der ollen Verschlossenen Auster tatsächlich mal das Bundesverdienstkreuz oben drauf, nach dem die Nummer Eintausend der tausend beliebtesten Spitzenmanager sich schon so lange sehnt. Sollen sie's ihm doch gleich geben, dann hält er vielleicht den Mund, wendet sich seinem Ruhestand und einer pünktlich fahrenden Modelleisenbahn im Hobbykeller zu, und erspart dem Flughafenbetrieb einen ganzen Haufen deutscher Tugendhaftigkeit, indem er ihn dem DB- und Berliner S-Bahn-Betrieb angleicht.

Denn eine zu halbstündiger Verspätung führende Weichenstörung mag auf der Schiene noch einigermaßen akzeptabel sein, wenn der Zug sich mangels funktionierender Klimaanlage nicht gerade auf fünfzig Grad Aufgusstemperatur aufheizt, doch während der Flieger mit dem kläglichen Rest Kerosin über der Landebahn kreist, möchte auch der abenteuerlustigste Fluggast solche Action-Einlagen vermutlich nicht erleben. Wie, im Flughafenverkehr gibt es keine Weichen? Wenn Mehdorn fertig ist, dann gibt es welche, basta! Sitzplatzreservierungen für überfüllte Wartehallen am Gate? Wenn Mehdorn fertig ist, gibt es sie - freilich mit Doppelreservierungsproblem und ohne rechtlichen Anspruch auf einen tatsächlichen Platz fürs Sitzfleisch. Spielende Kinder oder nasses Laub auf der Landebahn, ein Komplettausfall des Flughafens zwischen fünf Grad minus und dreißig Grad plus, unter Mehdorns Federführung kann man sich selbst Entgleisungen von Flugzeugen und Oberleitungsschäden vorstellen.

Doch bis es so weit ist, will der fehleranfällige und inzwischen leicht marode Flughafen, dessen Eröffnung immer wieder in weite Ferne rückt, erst einmal fertiggebaut werden. Wobei ... Moment mal: fehleranfällig, marode, Verspätungen - es scheint fast, als wäre nie jemand anders als Hartmut Mehdorn himself Chefplaner des Hauptstadtflughafens gewesen. Passt wie Arsch auf Eimer, möchte man meinen. Wozu also noch all die Aufregung? Und wenn der Flughafen dann, sagen wir 2020, so weit heruntergewirtschaftet ist, dass er endlich eröffnet werden kann, dann könnte der immer noch rüstige deutsche Barney Geröllheimer ja die Schwaben beglücken, wo ein nach Mehdornscher Manier geplanter Bahnhof samt Strecke sprichwörtlich darauf wartet, in den Sand gesetzt zu werden. Denn wie gesagt, mit Strecken kennt er sich ja aus.

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