Weltpolitik und so

Da ich inzwischen in einem weltweit agierenden Unternehmen arbeite, kommt es vor, dass ich nicht nur mit Kollegen aus Hintertupfingen, sondern, sagen wir, auch mal aus Singapur oder so in Kontakt komme. Zumeist am Telefon natürlich, schließlich schwingt man seinen Hintern nicht gleich in den nächsten Flieger, nur um etwa bei einem Kaffee ein ausgefülltes Excel-Sheet zu besprechen. Solche Sperenzchen trieben selbst dem großzügigsten Angestellten aus der Finanzabteilung die Tränen in die Augen. Drum also Telefon. Kost' ja nichts mehr heutzutage.

Nun haben Telefone mitunter die Eigenart, dass klar und deutlich mit engelsgleicher Stimme Ausgedrücktes beim Gegenüber nicht unbedingt ebenso klar ankommt, sondern mitunter so, als hätte man die Stimme des Krümelmonsters aus der Sesamstraße durch den Fleischwolf gedreht. Wenn dann auch noch alle in feinstem Schulenglisch daherreden und der asiatische Kollege ein wenig klingt wie Raj aus The Big Bang Theory, dann ist es schnell vorbei mit der Verständigung.

Weil es aber irgendwie unhöflich ist und auch ein bisschen peinlich, nach jeder Frage, die allesamt in gefühlt fünfzig Nebensätze geschachtelt daherkamen, um eine Wiederholung zu bitten, tat ich heute einfach so, als hätte ich alles verstanden und formte aus den zwei, drei Wortfetzen, die mein Hirn erreicht hatten, so etwas wie eine Antwort. Wenn abgewichste Politiker das in jeder Talkrunde hinkriegen, dachte ich, dann muss ich das doch auch können. Im schlimmsten Fall redet man eben gekonnt am Thema vorbei, was besser ist, als zu schweigen wie ein Fisch.

Resultat: Entweder, ich bin genauso abgewichst und habe den Beruf verfehlt, oder den Kollegen am anderen Ende der Leitung ging es wie mir und sie gaben sich mit den zwei, drei Wortfetzen meiner akustisch verfleischwolften Antwort zufrieden, weil sie nicht nachfragen wollten.

So muss auch Weltpolitik funktionieren. Da wundert mich wirklich gar nichts mehr.

4 Gedanken zu “Weltpolitik und so

  1. Oh das kenn ich. Ich hab des öfteren mit einem Inder am Telefon zutun. Der wohnt zwar in London, aber anfangs hatte ich da auch echt Probleme mit seinem "leichten" Akzent klar zu kommen. Aber irgendwann gewöhnt man sich dran 😉

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ja, vermutlich. Aber dafür telefoniere ich nicht oft genug in die Richtung. Leider ist mein Englisch inzwischen auch ganz schön eingerostet, also kann ich auch dankend auf solche Telefonkonferenzen verzichten. 😉

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