Surreal in München

Ich bin ja nicht so der weltkundige Typ. Wie sagte schon ein weiser Mann (genaugenommen ich)? Du kannst einen Menschen aus der Provinz holen, aber du kannst die Provinz nicht aus dem Menschen holen. Ähm, oder so ähnlich.

Kürzlich war ich beruflich wieder mal unterwegs. Genauer gesagt in München, bzw. an dessen Rand. Hier hatte ich innerhalb kürzester Zeit drei völlig surreale Erlebnisse - surreal vermutlich vor allem für jemanden, der seit längerer Zeit in einer Stadt wie Berlin lebt.

1. Am Mittagstisch wird über Fußball gesprochen. Das an und für sich ist nicht ungewöhnlich, aber dass einhellig der FC Bayern gelobt und bejubelt wird, das, äh, ist schon sehr, sehr seltsam. Ich stelle mir vor, was wäre, wenn das hier jemand laut tönend in einer schummrigen Spelunke täte. Aua ...

2. Die Busse, zumindest jene in den Randgebieten, muss man direkt im Bus selbst an einem Automaten bezahlen, der nur passendes Münzgeld oder aufgeladene Geldkarten annimmt. Beides hat man genau nie und der Fahrer hat keine Kasse. Das an und für sich ist bescheuert, nicht aber surreal. Nun hatte ich das Geld bei der zweiten Fahrt aber gerade passend, allerdings wollte der Automat meine 20-Cent-Münze partout nicht schlucken. Nach einigen Versuchen eilte mir der gesamte Bus zu Hilfe und bot Wechselgeld dar, bis es ging und ich mein Ticket bekam. Meine Fresse! Gäbe es solche Automaten hier in Berlin in den Bussen, ich stünde immer noch vor einem solchen und würde versuchen, mein Münzgeld da irgendwie reinzupressen, ohne dass irgendwer was sagen würde, abgesehen von irgendeinem altklugen Spruch nach dem Motto »Ja hätten Se' das Ticket doch vorher schon jekauft, Menschenskind!«

3. In München gibt es, ich kenne das sonst nur aus dem Fernsehen, diese Zeitungsautomaten (Automat ist schon zu hoch gegriffen eigentlich), aus denen man sich eine Zeitung herausnehmen kann, um dann mittels Münzgeld für die Ware zu bezahlen. Genau. In. Dieser. Reihenfolge! Kontrollen gibt es angeblich stichprobenartig. Woah! Hier müssten solche Dinger Tag und Nacht bewacht werden, weil nicht nur der Inhalt des Automaten ratzfatz verschwunden wäre, sondern gleich der ganze Automat selbst zwecks plünderbarem Kasseninhalt und der Verkaufsmöglichkeit der Einzelteile.

Und doch, obwohl gerade die beiden letztgenannten Punkte einen gewissen Charme haben, kann ich mir einfach nicht vorstellen, in einer solchen Stadt zu leben. Zu sauber, zu ordentlich, von allem irgendwie zu viel. Keine Ahnung, wo das herkommt, aber das schrullige Antlitz Berlins mit seinen dauermürrischen oder großmäuligen Bewohnern behagt mir doch deutlich mehr.

8 Gedanken zu “Surreal in München

    1. Aber da war doch an keiner Stelle Kritik. 😉 Abgesehen von den wirklich bekloppten Bussen. Dafür war der Fahrer aber sehr freundlich. Eigentlich auch schon wieder skurril. Insgesamt war alles ungewöhnlich, aber ich bin gerade eh öfter da und so langsam wird's.

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Na ja, München hat ganz sicher auch seinen Charme. Mir fielen die Menschen hier bisher doch sehr positiv auf. Nur eben irgendwie gerade deswegen auch ein bisschen skurril.

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