Cobain knew best

Ich gebe zu, ich verstehe diesen PRISM-Skandal nicht so ganz. Das heißt, ich verstehe schon, dass es sich nicht gehört, in anderer Leute digitales Wohnzimmer zu glotzen, bzw. dass Mutti jedem irgendwann beigebracht haben sollte, dass man so was einfach nicht tut. Aber dass jetzt wieder die digitale Welt dermaßen aufschreit ... herrje, es ist, als wären zumindest die Blogosphäre (Huh, darf man das eigentlich noch sagen? Ist das noch state-of-the-art oder mach ich mich zur/zum ewiggestrigen Douchebag?) und die Nachrichtenportale dieser Welt nicht glücklich, wenn's nicht gerade irgendeine Sau durchs Dorf zu jagen gibt.

Denn, soweit ich mich erinnere, habe ich bereits vor zehn Jahren gelesen, dass Microsoft (Tjaja, damals waren die noch 'ne Hausnummer, und die Älteren werden sich wohl erinnern.) und Konsorten ihre Systeme gezielt mit Hintertürchen für NSA und die anderen dreibuchstabigen US-Geheimdienste ausstatten, damit die jederzeit über die Türmatte steigen können, ohne auch nur einmal anzuklopfen. Damals fand ich das ein bisschen skandalös, das schon, und andere bestimmt auch, aber 'nen Aufschrei gab's deswegen nicht. Und damals bloggte man auch schon. Äh, irgendwo zumindest. Nehme ich an.

Und heutzutage verwandeln sich all die Medien- und Meinungsmacher regelmäßig in eine Horde wildgewordener Angry Birds, gehen wie von Sinnen auf die vermeintlichen Missstände los, und erreichen am Ende doch nur, dass die Gesamtkonstruktion ein wenig wankt, weil die grünen Schweine so klug waren, ihre Bauten mit Zement, Schrauben und Nieten abzusichern.

Die Whistleblower mögen sich als Helden und Märtyrer an der Sache fühlen und auch als solche gefeiert bzw. gejagt werden, aber ansonsten kommt mir die derzeitige Aufregung doch ein bisschen aufgesetzt vor - eben, weil's doch eigentlich bekannt war, dass solche Aktionen möglich sind, und was möglich ist, auch gemacht wird. Oder ich bin einfach schon zu abgestumpft.

Am Ende geht's dann doch nur drum, dass keinem langweilig ist, oder wie Cobain sang: »Here we are now, entertain us.«

4 Gedanken zu “Cobain knew best

  1. Kann ich dir nur zustimmen. Bin kein bisschen überrascht, schliesslich ist man im Internet (jedenfalls in dem Teil, in dem ich aufgewachsen bin) schon immer von totaler Überwachung ausgegangen.

    Warum sollte man Blogosphäre nicht mehr benutzen können? Der Wortsinn hat sich ja nicht geändert und solange man nicht etwas anders meint, kann der stehen bleiben. Imho.

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    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Öh, warum sollte man's nicht mehr benutzen? Tjoa, gute Frage. Ich hab's aber erst gestern eh noch in einem etwas bekannteren Blog gelesen, von daher wird das Wort wohl noch okay sein. Ist halt immer so 'ne Sache. "Web 2.0" sagt ja auch kein Mensch mehr.

  2. AH DANKE, jetzt fällt mir wieder ein vorüber ich mich neulich vor dem Schlafengehen geärgert hab. Über Leute, die sich über mangelnde Privatsphäre im Internet ärgern. Weil - hallo - das Internet ist nun mal ein öffentlicher Ort. Und keine Sau zwingt dich, deine Urlaubs/Babys/Hunde-Fotos reinzustellen, deine Kontonummer per e-mail zu versenden oder Filme runterzuladen. Mir persönlich ist ja scheißegal, wer Einsicht in meine Pizzabestellungen und Onlinerecherchen über Krankheitssymptome hat, weil ich mir ja irgendwie bewusst sein muss, dass jeder Schritt in der Digitalen Welt ein potentiell beobachteter ist. Wer auch immer das tut - mein beileid 😀 Aber wie Cobain schon sang! Und ich sitz auch gern am anderen Ende der Leitung und entertaine.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Über so was regst du dich echt auf? Hihi, das find ich witzig. Aber recht hast du ja. Übrigens geht das Spitzeln laut des Artikels von damals auch so weit, dass entsprechende Mechanismen in den Betriebssystemen eingebaut sind. Falls das stimmt, könnten FBI und Co. auch auf deinem Privatrechner herumschnüffeln, sobald der mal am Netz hängt. Aber auch hier gilt dann wohl: Was auf keinen Fall ans Licht der Öffentlichkeit kommen soll, gehört nicht auf einen Rechner mit Internetanbindung.

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