Das mit den Fotos

Wenn ich bei meinen Eltern im Schrank wühle, dann finde ich da entweder geschmackloses Porzellan aus Omas Zeiten, oder ich finde tonnenweise Fotoalben. In denen ist das ganze frühere Familienleben quasi vollständig und lückenlos dokumentiert. Mein Vater ist einer von denen, die stets und fein säuberlich vier Fotos mit je vier Fotoecken auf eine Seite eines Albums kleben und dann noch einen mal mehr und mal weniger markigen Einzeiler druntersetzen. Da steht dann so was wie »Blumenpracht, so weit das Auge reicht!« oder »Die Kinder beim Fasching« (Wir sind halt keine Rheinländer.) oder irgendwas in der Art halt. Auf vielen Fotos bin ich drauf, grinse durch irgendwelche Zahnlücken, auf die ich da wahrscheinlich gerade stolz bin, auf anderen Bildern sieht man wiederum meine Schwester, die immer so schaut, als wollte sie irgendwas kaputt machen. (Zumindest in meiner Erinnerung passierte auch genau das anschließend, aber da mag mit der Zeit ein wenig subjektive Verfälschung hinzugekommen sein, ahem.)

Tja, und dann gucke ich in meinen Fundus und stelle fest: Sollte ich irgendwann mal alt und klapprig sein und den potenziellen Enkeln, woher sie auch kommen mögen, das Leben des Großvaters in Bildern präsentieren wollen, dann wird's ziemlich dünn und große Lücken im Lebenslauf geben.

Denn irgendwie konnte ich mich nie so recht dazu erwärmen, mein Leben und mich zu knipsen oder zu filmen. Da ich einigermaßen web-affin bin und deswegen hin und wieder mal ein Profilbildchen benötige, mache ich natürlich alle Jubeljahre ein Foto, auf dem ich pseudonachdenklich in die Gegend starre und möglichst jeden Ansatz von Duckface vermeide, aber so was ist ja nichts fürs Album.

Sieht man von diesem Blog hier und dem Archiv der NSA ab, sind die letzten zehn Jahre meines Lebens quasi undokumentiert. Neuerdings fängt meine Freundin nämlich an, gewisse Ereignisse fotografisch festzuhalten, was mich jetzt sozusagen auch wieder existent macht. Sie bastelt dann hübsche kleine Alben, gestaltet alles ganz toll, wie ich's früher gern gekonnt hätte, und spart sich die halbüberflüssigen One-Liner über Blumenpracht und Fasching glücklicherweise.

Das führt mich dann darauf zurück, wie ich an die vergangen Zeit später wohl zurückdenken mag und ob das überhaupt geht, wenn der Schleier des Vergessens sich erst mal über die Erinnerungen der frühen Tage gelegt hat und nichts so richtig fotografisch oder in Videoform festgehalten wurde. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass die bisherigen Fotosammlungen so manch anderer meines Alters hauptsächlich aus gehobenen Gläsern vor Stroboskoplicht und gefingerten Peace-Zeichen und Pommes-Gabeln bestehen. Dann doch lieber gar nicht fotografieren. Und nur für Dokumentationszwecke zur eigenen Person, um dann später über das verflogene Jugendantlitz zu schimpfen? Ach ich weiß ja nicht.

2 Gedanken zu “Das mit den Fotos

  1. Kenn ich. Bis auf ganz wenige Anlässe gibt es keine Fotos von mir. Aber frag doch mal bei den Amis an, die haben bestimmt einige Bilder, auf denen du verträumt in den Himmel starrst und dich fragst was denn dieses Blinken am Himmel bedeuten soll...

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du musst nur noch die Pflichtfelder ausfüllen und den Kommentar abschicken. :)