Viertel vor sieben

Auch wenn der Kerl mit »Über den Wolken« ganze Schülergenerationen fast zu Tode gefoltert haben dürfte, gefällt mir die alte Kamelle von Reinhard Mey hier doch wirklich gut.


Reinhard Mey - Viertel vor sieben (live) von Ederza

Spricht einem so aus der Seele. Na ja, mir wenigstens. Ich bin kürzlich drauf gestoßen, als ich mich durch Forenmeinungen zu einem Artikel auf Spiegel Online über Workaholics und angebliche Powerkarrieristen gewälzt hab. (Tipp: Das Spiegel-Online-Forum ist meistens sehr viel spannender zu lesen als die Artikel selbst.)

Ich dachte dann darüber nach, wann und warum Menschen aufhören, das Kind zu sein, das sie mal waren, um sich ins Hamsterrad des Lebens zu stürzen und irgendwelchen Kennzahlen nachzujagen. Hmm. Vermutlich gibt's da keine fixe Grenze, sondern eher eine Art fließenden Übergang. Ich könnte das ja nicht und frage mich, ob das einfach an dem mir fehlenden Sportsgeist liegt (den besaß ich schon zu Schulzeiten tatsächlich nicht - zumindest, wenn es um Mannschaftsspiele im Sportunterricht ging), oder ob ich mich einfach zu sehr nach dem Behütetsein sehne, das ich als Kind verspürte.

Und dann überlege ich weiter und frage mich, ob wir das nicht alle irgendwie wollen: dieses Gefühl von Geborgenheit wahren, dieses Empfinden, ein sicheres Zuhause zu haben, einen Ort zum Wohlfühlen und Glücklichsein, einen Ort der Rückkehr. Dann denke ich wieder an die Hamsterradleute und frage mich, ob denen dieses Gefühl wohl so völlig abhanden gekommen ist, ob sie es jemals hatten und ob sie sich das gar nicht wünschen, dieses Zuhause eben. Und am Ende schlussfolgere ich, dass ich selbst für mich doch sehr viel richtig gemacht habe und dass die Hamsterradleute mir eigentlich leid tun.

Und dennoch, manchmal wünschte ich auch, es wär noch mal viertel vor sieben und ich käme nach Haus.

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