Alles für die Katz‘

Mau!Ich habe nie Kinder gewollt, trotzdem habe ich jetzt eins an der Backe. Es ist klein, größtenteils weiß, hat einen ausgeprägten wie exquisiten Appetit und ist von Kopf bis Fuß mit Haaren übersät. Nein, es handelt sich nicht um das Verhütungsunfallergebnis aus einem zu kleinen Genpool, sondern natürlich um eine Katze. Meine Freundin gab's nur in dieser Ausstattung oder gar nicht, wurde mir angedroht, von daher muss ich nun damit leben, dass Möbel und Türen allmählich zu Sägemehl verarbeitet werden. Ikea freut's.

Denn natürlich, und das lernt man als allererstes, dass Katzen wie kleine Schwestern sind, hört das Viech kein Stück auf das, was man sagt. Zumindest, sofern man nicht zeitgleich mit einer Futtertüte raschelt. Mit angelegten Ohren rauscht der behaarte Düsenjäger wie von der Tarantel gestochen von Zimmer zu Zimmer und erklärt alles zum Kratzbaum, das keinen Ausfallschritt zur Seite macht. Zwar hat besagte Katze natürlich einen Namen, doch der interessiert sie freilich wenig, weshalb sie inzwischen meist nur noch Miez heißt, je nach Nervfaktor auch mal Katze, Lass-das-sein, oder Jetzt-komm-da-endlich-raus-verdammt.

Aber an so viel Ungehorsam gewöhnt man sich ebenso wie an die Tatsache, dass man der Katze doch gerade erst den Rücken zugedreht hat, nur um einen Schritt später über sie zu stolpern, weil sie der Ansicht ist, wenn ich mich schon in Richtung Küche bewege, dann doch ganz bestimmt nur, um Madams Napf aufzufüllen. Noch während ich fluchend strauchle, schallt also vom Boden her Vorfreude in Form euphorischen Mauzens zu mir herauf. Das hat inzwischen Tradition, wie auch der vorwurfsvolle bis - je nach Hunger - leicht mordlüsterne Blick, wenn ich stattdessen am Futterschrank vorbeigehe, um etwa lediglich zu dieser blöden Kaffeemaschine zu gelangen, aus der partout nichts Schmackhaftes herauskommt.

Dass ich im Gegensatz zu meiner Freundin, die von dem weißen Teufel durchaus als eine Art Mutter wahrgenommen wird, nicht zum Katzenpapa avanciert bin, sondern allenfalls zu Nicht-die-Mama, einem Notnagel mit Händen zum Tüteaufreißen und Streicheln, lässt das Katzentier mich zu jeder passenden Gelegenheit spüren. Als Kuschelersatz bin ich nämlich immer nur dann gut genug, wenn meine bessere Hälfte gerade nicht da ist, oder ich mich soeben mit einem frischen, möglichst schwarzen Kleidungsstück aufs Sofa gesetzt habe. Ansonsten habe ich mich gefälligst mit meinem Status als Fußabtreter auf dem Weg zu Mama zu begnügen.

Doch kein Wunder, dass unser Verhältnis leicht angespannt ist, bin ich schließlich der schreckliche Kerl, der dauernd dieses noch viel schrecklichere Lärmding aus dem Schrank holt, das all die sorgsam verteilten Katzenhaarknäuel gnadenlos aufsaugt und vor dem man fliehen und sich in der Waschmaschine verstecken muss, während Mama derweil wenigstens für eine frische Toilette sorgt. Mit dem Los kann ich allerdings gut leben, mit dem Geruch eines gut genutzten Katzenklos nämlich nicht. Puh!

Zur Sympathiesteigerung verhilft auch nicht, dass ich der Katze fast allabendlich meine frisch ausgelöffelten Joghurtgläser offeriere, die sie freudig mauzend und natürlich wenig dankbar entgegennimmt, um sie stundenlang mit Zunge und Pfote zu bearbeiten wie ein zu klein geratener Honigbär. Schon klar, Katzen mögen bekanntlich Milch. Das macht biologisch besonders viel Sinn, wo sie doch laktoseintolerant sind und man in freier Wildbahn nur äußerst selten eine Katze am Euter einer Kuh baumeln sieht.

Aber mit dem Futter ist es ohnehin so eine Sache. Da wird ja alles zu Katzenfraß verarbeitet, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: Rinder, Schweine, Hasen, Puten, Gänse und anderes Getier, gegen dessen unpürierte Artgenossen der kauzige Vierbeiner garantiert den Kürzeren ziehen würde. Schmankerl wie Mausragout sucht man dagegen im Supermarktregal vergeblich. Würde der Stubentiger von Welt aber vermutlich auch fressen, wie so ziemlich alles andere. Weshalb überlebende Probanden eines Beziehungsdramas immer wieder versuchen, die zerkleinerten Leichenteile ihres Streitpartners in irgendeinem Wald zu verscharren, wo sie garantiert gefunden werden, obwohl doch eine Katze, ein Futternapf und etwas Geduld reichen würden, erschließt sich mir nicht.

Ansonsten ist unsere samtpfotige Untermieterin - die Katze wird das umgekehrt sehen - glücklicherweise sehr pflegeleicht. Wenn sie schon auf Couch und Jeans sabbert, hinterlässt sie keine nachhaltigen Flecken, sie bemüht sich nach übermäßigem Genuss von Schnittlauch, nicht unbedingt NUR auf den weißen Teppich im Wohnzimmer zu kotzen, sondern auch das Laminat zu beehren, und wenn sie wieder mal in die Spüle pinkelt, dann immer nur, wenn gerade kein Geschirr drin liegt. Zumindest möchten wir das gern glauben.

Und wenn sie dann noch ihre Hinterlassenschaften durch die halbe Wohnung schleift, weil das herrschaftliche Klo nicht genehm genug ist, dann* ...

... ach, aller Ärger ist verflogen, wenn sie ... tja, wenn sie einfach nur irgendwas tut. Man findet bei dieser vermaledeiten Katze sowieso keinen Angriffspunkt. Ein Ausspruch wie »Böse Miez!« wird nicht etwa wie beim Hund mit Demut beantwortet, sondern mit einem Blick, der nichts weiter besagt als: »Tja, ich bin eine Katze, was, verdammt noch mal, hast du erwartet, Trottel?« Und ich sage: »Gute Frage.« Man muss sie eben einfach gernhaben. Auch, wenn sie wieder einmal über die Tastatusdfewerwefsdfdsf

* Zur Ehrenrettung der Katze und meiner heilen Haut sei gesagt, dass unser weißes Fellknäuel eigentlich sehr reinlich ist und wirklich nur ausnahmsweise mal danebenlangt. Aber wie es so ist mit der Schreiberei: Drama, Baby!

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