U wait!

Alle Welt kauft neue Playstations und Xboxen (Oder Xboxes? Xboxi? Hmm ...). Grund genug also, sich eine Nintendo Wii U zuzulegen. Einfach nur, um anders zu sein als alle anderen. Na gut, ehrlich gesagt eher, weil's das Ding vergleichsweise günstig in Amazons »Cyber Monday«-Aktion zu erwerben gab. Außerdem werden neue Konsolen nicht gekauft, bevor sie wenigstens ein Jahr lang abhängen und reifen konnten.

Letzten Donnerstag konnte ich dann meine erste »große« Nintendo-Konsole auspacken. (Ich war stolzes Sega-Kind. Die Älteren werden sich erinnern, dass Sega einst eigene Konsolen baute. Die Vorstellung, Sonic könnte einst auf einer Nintendo-Konsole über karierte Hügel flitzen, kam einer digitalen Apokalypsefantasie gleich!) Im Angebot war nur das Bundle, dem die Deluxe-Version der Konsole (schwarz und mit 30GB Speicher statt nur 8) zusammen mit dem Zelda-Remake »Wind Waker HD« beiliegt. Gut so, haben wir damit gleich ein Spiel im Haus. Erinnert mich ein wenig an meine Kindheit: Auch da besaß ich zu einer neuen Konsole meist nur ein Spiel. (Ausnahme: Atari 2600. Der kam mit 32 Spielen. Alle scheiße.) Waren ja auch irrsinnig teuer damals, die Dinger. Nicht, dass das heute anders wäre, aber heute muss ich Mutti nicht mehr um Erlaubnis bitten.

Über die Verarbeitung der Wii U kann ich wirklich nicht meckern. Das knarzende Plastik des überdimensionalen Gamepads mit eingebautem Touchscreen, Kamera und Bewegungssensoren wurde ja oft bemängelt. Klar hat das Ding nicht gerade die Haptik eines iPads. Dafür ist es sehr leicht und löst zumindest in mir das Gefühl aus, einen Urenkel des Gameboy in der Hand zu halten. Auch die Konsole betreffend lässt sich nicht schimpfen. Die Anschlüsse sind farbig markiert, die zugehörigen Kabel in der jeweils selben Farbe, sodass man sich beim Aufbau kaum »ver«-stecken kann. Das Gerät an sich ist größer als die Ur-Wii, kommt aber dennoch kaum über die Maße eines externen DVD-Laufwerks hinaus. Da sich die Wii U wie bspw. die PS4 auch senkrecht aufstellen lässt, nimmt sie auf der Anrichte wenig Platz weg, wo nun der Fernseher zu beiden Seiten von Nintendo und Sonys PS3 flankiert wird. Apropos Aufstellung: Der Standfuß war im Paket enthalten. Ebenso wie ein Ständer für das Riesenbaby von einem Gamepad und auch eine Ladestation für das Teil. Löblich: Sogar ein HDMI-Kabel lag im Karton, so dass ich gleich losspielen konnte. Oder?

Denkste! Kaum war die Konsole aufgebaut und eingeschaltet, fragte sie schon nach dem ersten dicken Update. Gut, wird ja nicht lange dauern, dachte ich.

Noch mal denkste! Eine gute Stunde lang lutschte die Wii U das Firmware-Update derart langsam aus dem Netz, dass man meinen konnte, wir wären wieder in 56k-Modem-Zeiten angelangt. Na gut, konnten wir nebenher wenigstens schon mal Abendessen machen. Es war eh spät, ich war hungrig, schließlich war ich gerade erst von einer Dienstreise zurückgekehrt.

Eine Suppe später war das Update durch, schon konnte es auch losgehen ... Oooder?

Denkste, die dritte! Zelda lag nicht etwa als Datenträger bei. Wäre ja auch noch schöner, schließlich werden Nintendo-Spiele aus getrockneten Einhorntränen gefertigt (suggerieren zumindest die Preise)! Nee, auch die Bytes für das Spielchen wollten erst mal aus dem Internet gesammelt werden. Ebenso in Schneckengeschwindigkeit wie schon das Firmware-Update. Örks ... Gut, blieb ein wenig Zeit, im recht, nun ja, überschaubaren Online-Store zu stöbern und die anderen Funktionen der Konsole auszuprobieren (bisschen grafisch nett aufgemachtes Community-Gedöns). Da die Wii U sowieso fünftausend Dinge fragte, die unbedingt noch konfiguriert werden wollten, wurde mir zumindest nicht langweilig.

Über zwei Stunden später ... Es war inzwischen annähernd Mitternacht, und ich konnte endlich loszocken. Nun, gegen das Zelda-Spiel kann ich wirklich nichts sagen. Das ist erstklassig! Auch das Spielen mit dem Ziegelstein-Gamepad macht wirklich Spaß. Aber woah, über zwo Stunden Ladebalkenstarren? Im Ernst? Ich meine, von der Playstation kannte ich das Brimborium ja schon, aber die war damit wenigstens bisher noch einigermaßen zügig. Die Wii U schießt hier jedoch echt den Vogel ab. Ich stelle mir Kinder vor, die das Ding an Heiligabend mit großen Augen unterm Baum hervorzotteln, auspacken und am Ende mit verheulten Augen ins Bett gehen, weil sie den ganzen Abend über keine einzige Minute spielen konnten, da die Konsole erst mal das Internet leersaugen musste. Das jetzt noch kombiniert mit einem Drosseltarif der Telekom ... Geht echt gar nicht!

Das lief früher doch irgendwie alles einfacher. Spiel rein, und ging mal was nicht, zog man das Ding wieder raus, pustete kurz rein und versuchte es noch mal. Aber wie sagt doch ein alter chinesischer Fluch: »Mögest du in interessanten Zeiten leben.« Vermutlich hatten die weisen Chinesen künftige Spielekonsolen im Sinn.

6 Gedanken zu “U wait!

  1. Ha, den Atari 2600 hatte ich auch. Und auch die 32er Cartridge mit den echt "tollen" Spielen. Aber da es ja nix anderes gab wurden die eben solange gespielt, bis die knübbelartigen Controller kaputt waren. Hatte ja zwei davon 😉

    Antwort
    1. Ganz genau! Wobei die Controller bei mir gar nicht kaputtgingen, soweit ich mich erinnere. Viel mehr wurde die Konsole dann irgendwann durch ein Sega Master System II ersetzt. Wobei ich mit dem Ding dann auch recht schnell neidisch auf diejenigen war, die ein Super Nintendo oder ein Sega Mega Drive besaßen. Tjaja ...

  2. Ich erahne ein Geschicklichkeits- und Puzzle-Spiel, dass sich als Installation eines Spiels tarnt. Man hat gewonnen, wenn man es gestartet kriegt.

    Die letzte Konsolen-Generation, an der ich teilnahm, waren N64 und PS1 und dabei wird es auch bleiben.

    Antwort
    1. Sehr gespannt bin ich (vage dem Thema zugehörig) was diese geplante Steam-Konsole auf Linux-Basis angeht. Wenn Valve es schafft, Treibersupport grade was Nvidia angeht für Linux zu finden und dann auf OpenGL Basis mit Steam Spiele auf das Gerät zu pumpen, könnte das den Markt gewaltig erschüttern.

    2. PhanThomas

      Beitragsautor

      Das könnte vor allem die Linux-Distributionen im Allgemeinen enorm pushen, denn Spiele sind derzeit immer noch Argument Nummer 1, einen Windows-PC zu verwenden.

      Allerdings scheint es ja so zu sein, dass jeder Steam-Boxen bauen kann, und was ich bisher gesehen habe, war irrsinnig überteuerte, verkappte PC-Hardware. Nicht, dass Konsolen das nicht auch wären, wenigstens PS4 und XBox One, aber Steam steigt eben völlig neu ein. Wenn die kein rundum funktionales Gesamtkonzept vorlegen können, wird es schwer, den Massenmarkt zu erreichen. Und Konsolen ohne Massenmarktzugang finden keine zugeneigten Publisher, geschweige denn Entwickler für Exklusivtitel. Aber warten wir's ab ...

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