Vogelscheiße

Okay, ich habe »Angry Birds GO!« ausprobiert. Kostet ja nichts, dachte ich, lade das Ding also aufs iPad und freue mich erst mal: Hübsche Grafik hat's, wütende Vögel und grüne Schweine rasen in niedlich gestalteten Seifenkisten um die Wette, und ein wenig fühlt man sich doch an das immer noch wahnsinnig tolle »Mario Kart« für Nintendos Konsolen erinnert. Kann ja nur spaßig werden!

Dann kommt das Free-2-play-Prinzip hinzu und setzt einen gewaltigen, stinkenden Haufen Vogelscheiße auf den netten Ersteindruck.

»Angry Birds GO!« ist ohne jeden fahrerischen Anspruch. Und das soll auch so sein. Klar, Realismus darf man hier sowieso nicht erwarten, aber es ist tatsächlich so: Die Strecken sind, schon dadurch, dass sie so breit geraten sind, wahnsinnig anspruchslos. Man fühlt sich in seiner Seifenkiste eher wie ein Dampfer auf dem weiten Meer. Geforderte Reflexe? Knackige Gegner mit coolen Manövern? Alles Fehlanzeige! Allerhöchstens den Reflex zum schnellen In-App-Kauf sollte man haben, sofern man nicht voraussichtlich über das lange Leben eines Methusalem verfügt.

Denn prinzipiell fährt man immer und immer wieder dieselbe einfallslos gestaltete Strecke. Das tut man so lange, bis man genug Münzen zusammen hat, um sich all die Wagen-Upgrades zu leisten, die den eigenen Bretterboliden schneller machen als die der mitfahrenden Konkurrenz. Alternative: In-App-Kauf!

Ah ja, und nach fünf Rennen ist natürlich Schluss. Dann heißt es: warten, oder man verwendet einen der freigeschalteten anderen Pilotenvögel, von denen jeder seine eigene zumeist nutzlose Spezialfähigkeit mitbringt. Sind auch hier diese fahrbaren fünf Rennen aufgebraucht, muss man wirklich warten. Knapp eine halbe Stunde, bis man wieder ein einziges Rennen fahren darf. Bis dahin ist Pause angesagt. Alternative natürlich: In-App-Kauf!

Und so erschließt sich recht schnell, dass das komplette Spielprinzip absolut gar nicht auf Spielspaß ausgelegt ist, sondern einzig und allein darauf abzielt, möglichst bald ungeduldige Spieler zu einem Kauf zu verleiten. Und das kann teuer werden. Ich hab's selbst nicht ausprobiert, da ich den Mist grundsätzlich deaktiviert habe, aber das teuerste Auto kostet wohl tatsächlich satte 45 Euro! Wenn man nicht gerade ein russisches Oligarchenkind ist, dann ist das eine bodenlose Frechheit.

Ich hätte nichts gegen ein kostenpflichtiges »Angry Birds GO!« gehabt. Eine Alternative zu Nintendos Raserei auf dem Tablet wäre eine willkommene Alternative gewesen. Stattdessen aber hat Rovio jeglichen Spielspaß zugunsten der Profitmaximierung aus dem Spiel herausfiletiert. Hier zeigt sich exemplarisch, wie durch perfide In-App-Kauf-Strategien der Hersteller der komplette Spielemarkt für eine Plattform – namentlich iOS – vergiftet wird. Ja, selbst kostenpflichtige Software bietet ja inzwischen diesen Murks an. Was wäre denn gegen ein kostenpflichtiges aber spaßiges »Angry Birds GO!« einzuwenden gewesen? Ach, mögen die verantwortlichen Entscheider an ihrem riesigen Haufen digitalen Vogeldrecks ersticken!

5 Gedanken zu “Vogelscheiße

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