Rohrfrei

Volles Haar
Auch in Buchform!

Seit meine Freundin und ich in derselben Wohnung leben, weiß ich den Wert eines guten Rohrreinigers zu schätzen. Nein, dieser Beitrag bleibt jugendfrei. Im Ernst, es hat zwar durchaus seine Vorteile, während des Duschens mit den Füßen in warmem Wasser zu stehen, ohne einen Stöpsel in den Abfluss der Wanne drücken zu müssen, aber wenn auch nach dem Duschen das Dreckwasser nicht ablaufen will, dann ist ein wenig aggressive Chemie, um das Haarknäuel im Rohr zu lösen, 'ne prima Sache. Mitunter reicht es natürlich, einfach den fetten Batzen zurückgelassenen Haupthaars, der noch so halb aus dem Abfluss raushängt, beim Schopf zu packen und herauszuziehen, um ungehindertes Abfließen des Duschwassers zu gewährleisten. Und wenngleich das Gefühl, so ein richtig dickes Teil aus dem Rohr zu zerren, ähnlich erhaben und befriedigend ist, wie das Ausdrücken überreifer Pickel oder das Befreien der Zehnägel von Schmutz- und Hautresten, die nach französischem Käse riechen, so haben all diese Dinge doch eine weitere Eigenschaft gemein: Sie sind eklig.

Früher waren mir verstopfte Rohre quasi unbekannt. Mein Haupthaar begann, sich allmählich zu verflüchtigen, als es gerade zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt hatte, und was Mutti noch lange liebevoll eine Denkerstirn nannte, war für mich immer schon nur eines: 'ne Glatze. Klingt doof, ist aber so. Das ist wie mit Leuten, die beschönigend meinen, gewisse Kleidungsmuster würden sie fett machen. Meist ist es eher ihr Fett, das sie fett macht, und so ist es auch mit der hautfarbenen Bowlingkugel, die sich allmählich durchs zunehmend spärliche Haupthaar frisst: Das ist keine Denkerstirn, nee, das ist 'ne Glatze. So was können auch dumme Leute kriegen.

Und so nachteilig ein drittes Knie auch sein mag (nur wenige Dinge sind unangenehmer als ein sonnengerötetes Haupt im Sommer, auf dem sich Spiegeleier brutzeln ließen), stellt sich doch mit der Lebenserfahrung die Erkenntnis ein, dass Glatzen und freie Rohre unmittelbar vorteilhaft zusammenhängen. Schön.

Nicht der einzige Vorteil, heißt es doch, Glatzen machten Männer männlicher. Wen die Pubertät also nicht mit genug Männlichkeit gesegnet hat, der kann immer noch darauf hoffen, dass ihn alsbald eine geerbte Alopezie ereilt. Man denke an all die Frauen, die Männer mit Glatze viel attraktiver finden, als da wären:

Außerdem berechtigen haarlose Häupter dazu, Hüte zu tragen. Hüte, als modisches Accessoire ansonsten ähnlich sinnbefreit wie Krawatten, übergroße Armbanduhren und Goldzähne, gewinnen spürbar an Wert, sobald die Wolle nachhaltig von der Fleischmütze rieselt. Drum hier mein freundlicher Appell an alle Rohrverstopfer: Lasst den Kahlhäuptern die Hüte und tragt gefälligst euer scheiß wohlfrisiertes Haar, elendes Hipsterpack!

Doch nicht nur bringen Glatzen modische Vorteile, nein, sie haben auch etwas Spirituelles inne. 70 Prozent der Körperwärme, so heißt es, gibt der Mensch über die Rübe ab. Wer also dauerhaft ohne Haar und Hut oder Mütze durch kalte sibirische Winter tigert, der stirbt unweigerlich. Nun ist sterben doof, und solche Fehler sieht die Natur einfach nicht vor, die stets solange ausgeglichene Ökosysteme mit perfekten Lebewesen baut, bis der Mensch seinen Rüssel reinhält. Auf eine so dämliche Idee, dafür zu sorgen, dass ein Großteil der männlichen Bevölkerung sein Haupthaar abwirft, um stattdessen Körper, Nase und Ohren damit zuwuchern zu lassen, kann nur jemand kommen, der sie nicht alle hat oder einen ziemlich eigentümlichen Humor besitzt. Die Natur war's nicht, es muss also ein Gott existieren. Arschloch!

Allen, die trotz der genannten Vorteile unverständlicherweise dennoch über ihren erblich bedingten Haarausfall fluchen, sei abschließend gesagt: Ärgert euch nicht. Zwar haben Männer mit wallender Löwenmähne mehr Erfolg im Beruf, bei den Frauen sowie in allen anderen denkbaren Bereichen der Gesellschaft, haben niedrigeren Blutdruck, sind weniger herzinfarktgefährdet und und und, dennoch wird der beglatzte Mann sich langfristig durchsetzen, denn: Bereits 80 Prozent aller Männer sind von der Seuche betroffen, und zu allem Überfluss ist es mit der Vererbung des Gendefekts auch noch wie mit verstopften Rohren: Beides bringt die Frau ins Haus. Ha!

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