Unlogisch

Wenn ich die Nachrichten dieser Tage anschaue, und ich versuche tunlichst, das nicht allzu häufig zu tun, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Die üblichen Dokusender packen die Kalter-Krieg-Dokus wieder aus, und irgendwie scheint die (westliche) Welt mal wieder etwas mehr am Abgrund zu stehen als sonst. Und wie immer, wenn große Konflikte mit militärischer Präsenz die Gesellschaft verunsichern und die Medien zusätzliche Ängste schüren, hört bei mir das Verständnis auf.

Dann begebe ich mich gedanklich wieder in mein Utopia und frage mich, wie es in einer zivilisierten und fast vollständig vernetzten Welt, in der jeder mit jedem reden kann, in der Tweets innerhalb Sekunden über Ländergrenzen und Kontinente hinweg geteilt werden, sein, dass Menschen in Kriege ziehen und sich gegenseitig über den Haufen schießen? Freiwillig?!

Ich habe noch nie, wie man freiwillig zum Militär gehen kann. Schon der Wehrdienst hierzulande war für mich immer eine fürchterliche Unsitte, und Freunde, die dort nach der Schule freiwillig hingingen, konnte ich nie verstehen. Ich meine, Soldaten sind doch ganz klar potenzielle Mörder. Der gesamte Militärapparat ist letztlich dazu da, mit Waffen auf Individuen zu schießen, um sie umzubringen. Und wer bitte möchte unter grausamsten Schmerzen an einem Bauchschuss verrecken? Was du nicht willst, das man dir antut, das tue auch keinem anderen an.

In meinem Utopia können Staatschefs in ihrer kindlich überheblichen Art poltern, wie sie möchten. Wenn ein Putin in die Ukraine einmarschieren möchte, dann soll er das alleine mal machen. Weil keiner mitzieht, weil Kasernen leer sind, weil Menschen klug sind. Aber das sind sie in Wahrheit nicht. Wie kann es sein, dass vermeintlich vernünftig denkende Menschen freiwillig eine Waffe in die Hand nehmen und im Auftrag einer Gruppe dummer, dummer Leute losziehen, um ihresgleichen über den Haufen zu ballern? Wie kann es in dieser Welt überhaupt noch Soldaten und andere Vollpfosten geben, die anderen freiwillig solches Leid antun - sei es aus religiösen oder patriotischen Gründen, was am Ende eh alles derselbe Mist ist? Ich bin sicher, Mr. Spock fände das sehr unlogisch. Ich jedenfalls schon.

2 Gedanken zu “Unlogisch

  1. Zum letzten Absatz: Ich glaube, für viele derer, die in den Nachrichten als Aufständische, Separatisten, Rebellen oder sonstwie bezeichnet werden, ist das In-Den-Krieg-Ziehen so ein glorifiziertes Ideal, so ein Mythos vom Rebellentum, vom Kampf gegen die bösen Machthaber, für eine bessere Zukunft und all das. Dass im Prozess dahin aber anderen Leuten, auch den eigenen, unwahrscheinlich viel Leid wiederfährt - und dass sich das Evil Empire halt nicht innerhalb einer Filmlänge stürzen lässt, ist nicht teil des Märchens vom tapferen Rebellen-Krieger.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Vor allem könnte man meinen, dass die Menschen es allmählich mal gelernt haben müssten. Ich meine, in manchen Ländern kann ich's ja noch irgendwie verstehen, aber nehmen wir doch mal die USA: Die greift keine Sau an, und falls doch, können die Japaner ja ein Lied davon singen, was hinterher passiert, denen geht es gut, und trotzdem ziehen ganze Generationen alle Jubeljahre wieder freudestrahlend in den Krieg, nur um dann traumatisiert wieder nach Hause zu kommen, ganz nach dem Motto: »Dass es so schlimm wird, hätten wir ja nicht wissen können.« Doch, hätten sie. Wenn keiner zur Waffe greift, bleibt auch alles nett. Bescheuert ist das.

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