Murks nach Konzept

Das Bikini Berlin, endlich mal ein Einkaufszentrum hier in der Hauptstadt, schließlich haben wir ja sonst keine, ist fertig. So fertig ungefähr wie der Flughafen hier (Ja ich weiß, der Bart des Witzes ist länger als die Nullen auf Flughafenchefchaotenplaner Hartmut Mehdung, äh, -dorns Sparkonto). Im Ernst, so fertig, ja fix und fertig, dass da nicht wirklich auch nur irgendwas fertig zu sein scheint. Wir waren ja da, also gestern, einfach um mal nachzugucken, und so schaut's halt aus.

Zuerst einmal kam die Ernüchterung: Nach gefühlt jahrelangen Bauarbeiten und großmauligem Marketingeschwurbel von wegen »neues Wohn- und Einkaufsgefühl«, »Concept Mall«, bla bla, hat sich seit dem Ausräuchern der Altgeschäfte erst mal recht wenig verändert. Genau genommen eigentlich gar nichts - sieht man mal davon ab, dass jetzt überall Bikini Berlin draufsteht. Na tolle Wurst. Beim Begriff Konzept muss man ja heutzutage sowieso aufpassen, seit hirnverbrannte Schlauchbootlippenschnepfen wie die Schäfer ihre Titten im Vorabendprogramm raushalten und das Konzept nennen dürfen. Was beim Bikini mit Konzept gemeint ist, wird einem dann auch klar, sobald man das Ding mal betritt. Heißt, wenn man erst mal die Tür gefunden hat.

Drinnen nämlich gibt's neben einem Haufen leerer Geschäfte, in der Gegend herumbaumelnder Kabelage und unverkleideten Wänden vor allem, nun ja, komische Läden. Nebenbei passt übrigens das ganze Baustellenflair ganz hervorragend zu dem, was die Planer wohl unter dem ach so tollen Konzept verstehen. Man weiß nämlich nie, ob man gerade vor einer Baustelle steht, oder ob der Mist so sein muss. Was die nackten Wände und die dadurch sichtbaren Rohre angeht, so ist zumindest das wohl so gewollt. Der Rest, nun ja, der ergibt sich wahrscheinlich noch, oder er tritt sich fest.

So, und nun zu dem, was wir in aller Kürze an Geschäften entdeckt haben: Gut, ein bisschen Standardeinkaufspassagengedöns gibt's natürlich, aber dann ... Woah, was für ein Hipstereldorado! Man ist sich eigentlich nie sicher, ob man in einem Laden steht oder einem Café, oder ob es beides ist und man Angst haben muss, dass einem der Stuhl unterm Arsch weggekauft wird. Da wird ein Haufen an völlig unnützem Schrott ausgestellt, der aussieht, als hätte man ihn aus irgendwelchen Kriegsruinen ausgegraben und neu lackiert, um ihn hinterher zu horrenden Preisen vorbeistromerndem Touristenvolk und Möchtegernberlinern an die Backe zu nageln. Das Ganze wird auf kleinen Tischchen präsentiert wie auf einem Flohmarkt und wirkt ein bisschen wie das Warenangebot in den provisorischen Läden, die es nach der Wende in den ehemaligen Russenkasernen gab. Was die Gestaltung der, nennen wir's mal so, Geschäfte angeht, weiß man auch nie so genau, ob man wirklich in einem Laden steht oder sich versehentlich in ein herumstehendes Baugerüst verirrt hat. Mein lieber Herr Gesangsverein ...

Immerhin ein Gutes hat das sogenannte tolle Konzept, das wohl nur eine vor dekadenter Langeweile und Finanzkraft überbordende Subkultur aus Bioweinschlürfern begeistern kann, dann aber doch: Wenn man übers frei zugängliche Dach latscht, kann man einen Blick auf den Zoo werfen und hat das Paviangehege ganz wunderbar im Blick. Und damit ist irgendwie auch schon alles zum Gesamtmachwerk gesagt.

2 Gedanken zu “Murks nach Konzept

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