Nö sleep ‚til »test passed«

Alte Entwicklerweisheit: Teste nie deinen eigenen Code. Keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat, aber vermutlich waren es Entwickler, die zu faul zum Testen waren oder schlicht keine Lust darauf hatten. Testen ist etwas Repetitives, das aber irgendwie so gar nichts Zen-mäßiges hat und auch sonst nur Leuten Spaß macht, die als Kinder gern Insekten bei lebendigem Leib seziert haben.

Nun habe ich das zwar auch gemacht, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, und ich weiß, dass gehörnte Grashüpfer mit allerlei Folterwerkzeug in meiner ganz persönlichen Hölle schon auf mein postmortales Ich warten (Doch was interessiert mich der Blödsinn von morgen?), aber trotzdem teste ich nicht gern. Man muss Testprotokolle ausfüllen, wieder und wieder, Excel-Listen pflegen, Checklisten abhaken, wieder Testprotokolle ausfüllen, oder kurz: Testen ist blöd. Einziger Vorteil: Man macht sich den Rücken dabei nicht kaputt, wie beim Gerüstbau etwa, es sei denn, man sitzt die ganze Zeit krumm.

Trotzdem ist das Testen natürlich wichtig. Wenn man nicht testet, ist die Software, die erstellt wurde, hinterher so stabil wie der Mobilfunkempfang im ICE zwischen Berlin und Hannover. Ohne Tests werden viele Funktionen überhaupt nicht arbeiten, weil während der Konzeptionsphase niemand aufgeschrieben hat, dass ein Button, auf dem das Wort »Speichern« steht, auch etwas tun soll. So was nimmt der Analyst natürlich als gottgegeben an, aber der Entwickler hat da naturgemäß eine ganz eigene Auffassung. Na ja, trotzdem will niemals jemand wirklich Geld für echte Tests in die Hand nehmen. Es ist jedes Mal dasselbe: Die Software ist fertig, also quasi fertig, mit Buttons, die zwar klickbar sind, aber nichts tun, usw., das Geld ist mehr als aufgebraucht, und dann wundert sich irgendein knausriger Kunde, dass am Ende des Budgets noch so viel Testaufwand angesagt ist.

Vom Bugfixing ganz zu schweigen. So wird das Budget dann maßlos überzogen, aus Fehlern werden plötzlich Änderungsanforderungen, die gefälligst zu bezahlen sind, schließlich wurde ja niiiiiemals beauftragt, dass der ominöse »Speichern«-Button auch was tun soll, und und und.
Jedenfalls werden Testphasen vorher grundsätzlich unterschätzt. »Ach, das Testen, das kriegen wir dann da schon unter.« Eine professionelle Qualitätssicherung in IT-Projekten ist zumindest mir bisher nicht begegnet. Testen tun grundsätzlich die Entwickler selbst, die erstens keinen Bock drauf haben und zweitens ganz genau wissen, wo die Fallstricke sind, die sie umgehen müssen, um erfolgreich durchzukommen. Das Resultat sind bockige Kunden, bockige Projektleiter, bockige Entwickler, und natürlich am Ende doch noch eine richtige Qualitätssicherung, die wie die Feuerwehr eben immer erst dann kommt, wenn die Hütte brennt.

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