Training für die Zombieapokalypse

Wenn Berlin von irgendwas genug hat, dann von sportlichen Events aller Art: Marathons, Halbmarathons, reine Frauenläufe, Radrennen und und und. Wer hier am Wochenende mit dem Auto unterwegs ist, hat gute Chancen, an einer abgesperrten Straße zu enden, weil dort gerade irgendein Wettkampf ausgetragen wird. Was es dagegen bisher hier noch nicht gab, waren, äh, Zombieruns, also Läufe, bei denen die Teilnehmer vor, nun ja, Zombies flüchten. Wie gesagt, bisher ...

Es war die erste Veranstaltung dieser Art in Berlin, die heute auf und neben der Trabrennbahn in Karlshorst stattfand, und als Zombiefilm- und -serienfan musste ich natürlich dabei sein. Nicht als Zombie (obwohl auch das ging), sondern als Läufer natürlich.

Das Prinzip ist recht einfach: Jeder Läufer startet mit einem Gürtel, an dem per Klettverschluss drei Lebensfähnchen befestigt sind. Auf der Strecke, die mit Kletter-, Wasser- und Kriechhindernissen gespickt ist, warten dann an allen Ecken Zombies, die einem  an die Eier Fähnchen wollen. Wer alle drei Fähnchen verloren hat, der gilt als infiziert, ist also quasi für eine drohende Zombieapokalypse nicht gewappnet, darf aber trotzdem bis zum Ende laufen. Ich bin übrigens nach ca. vier der fünf Kilometer verreckt. Ein Mitläufer, den ich gar nicht kannte, schenkte mir ein Leben, außerdem verdiente ich mir durch einen Kletterparkour ein Extraleben, sodass ich dann doch mit zwei Fähnchen ins Ziel kam.

Eigentlich ist so ein Lauf als reines Gruppenevent ausgelegt. Im Team macht so was viel mehr Spaß, außerdem hat man wie im wahren Leben im Film als Einzelner gegen die Zombiehorden keine Chance. Die Masse macht's. Da ich mit einem Freund teilnehmen wollte, der aber wegen akuter Krankheit leider absagen musste, hatte ich heute Morgen eigentlich schon gar keine Lust mehr auf den Lauf. Das Wetter - Regen, Regen, garniert mit Regen - tat sein Übriges und verwandelte die Trabrennbahn in ein Vietnam ohne Bäume. Als alter PfennigCentfuchser zwang ich mich zum Unmut meiner müden Freundin, die als Zuschauerin und Taschenwächterin mitkommen durfte, aber dennoch dazu, die Haxen zu schwingen.

Zum Glück! Meine Fresse, war das lustig. Die Grüppchenbildung ergab sich nach dem Start von ganz allein. Da man nur im Pulk eine Chance hat, fanden sich überall kleine Trauben von etwa gleich schnellen Läufern. Während des Laufs entstanden allerhand amüsante Situationen: So wurden Läufer ohne Leben (irgendwann mittendrin auch ich) als Ablenkung nach vorn geschickt, und einmal warteten wir, bis die Zombies mit einer Nachzüglergruppe beschäftigt waren, die auf dem Parkourteil neben uns in die entgegengesetzte Richtung lief, um erst dann vorbeizustürmen, frei nach dem Motto: lieber die als wir. Auch schön war ein Läufer mit am Kopf befestigter Kamera, der an uns vorbeirannte und »Für das Auenland!« brüllte. Da weiß man gleich, in welcher Gesellschaft man ist. In sehr guter nämlich. Und als ein in Panik geratener Läufer einfach durch die nächste Absperrung rannte, um den Zombies zu entkommen, dann wäre auch das ein sehr witziger Anblick gewesen, wäre nicht gerade der Kettensägenzombie hinter mir her gewesen.

Ein bisschen was zu meckern hab ich aber auch: Die Organisation war chaotisch. Die Trabrennbahn lässt sich auf alle möglichen Arten betreten, allerdings war nur eine ausgeschildert. Und so standen wir dann irgendwann mit dickem Fragezeichen über dem Kopf an der, äh, Lebenausgabe, wo uns gesagt wurde, wir müssten erst das Ticket scannen lassen. Die Scanstation war natürlich ganz woanders, und zurück durfte man nur als Läufer, wohingegen Zuschauer einen Umweg laufen mussten, was ziemlich unsinnig war, weil sowieso jeder überallhin kam. Hauptsache, die Zombieapokalypse beginnt mit einer dicken Portion Bürokratie. Nobel geht die Welt zugrunde. Überhaupt: Als Zuschauer gab's nur wenig zu sehen, weil die Rennbahn sehr groß ist und ein Teil des Laufs eben auch im Wäldchen drumherum stattfand.

So, und um mit was Gutem zu enden: Ein dickes Lob geht an die Zombies, die ihre Rolle hervorragend gespielt und damit maßgeblich zum Spaß beigetragen haben.

Üärgs!

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