PhanThomas allein zu Haus

Meine Freundin ist auf Familienbesuchsreise - einmal durch die Republik und zurück. Zurückgeblieben bin ich, einst überzeugter Alleinwohner, und nun stelle ich fest, dass ich das Alleinwohnen entweder gänzlich verlernt habe oder es eben, äh, nie verlernt habe. Ich stromere durch die Bude, habe meist irgendein Lied auf den Lippen, trage nicht viel mehr als eine Unterhose, weil mich ja sowieso niemand sieht, und immer, wenn ich irgendwas irgendwohin lege, dann denke ich: Ach, das kannste auch später noch wegräumen. Wie ein schleimiges Stalkingmonster folgt mir der Gedanke auf Schritt und Tritt und sorgt dafür, dass hier und da kleine Inseln aus getragenen Socken aus dem Parkettozean ragen. In der Küche praktiziere ich derweil moderne Kunst. Der schiefe Turm von Müslischüssel ist mir dabei besonders gelungen, wie ich ja finde. Und über allem thront, tja, die Katze.

Zumindest das kriege ich noch wunderbar hin: das Füttern der Katze. Nicht, dass ich es vergessen könnte. Das Biest stromert den halben Abend über durchs Wohnzimmer und wetzt die Krallen an allem, was mir heilig sein könnte. Je lauter ich dabei reagiere, desto höher schätzt sie offenbar ihre Chance ein, neues Futter von mir zu bekommen. Einfach weil, ja, weil das alte eben aufgefressen ist oder nicht mehr genehm oder komisch aussieht, oder … ja weil halt. Seit wann brauchen Katzen Gründe für irgendwas? Immerhin dankt sie’s mir damit, dass sie mich abseits ihrer Nervtiraden geflissentlich ignoriert. Sitzt an der Wohnzimmertür und schaut in den Flur, auf der Couch und schaut zum Fenster raus oder sonst wo eben. Hauptsache, sie schaut weg. Bis dann halt wieder was mit dem Futter ist. Ach.

Immerhin wäre jetzt endlich die passende Gelegenheit - meine Freundin fände das nämlich sicher albern - den Störenfrieden in der Wohnung über mir, die sich vor ein paar Wochen offenbar eine 2000-Watt-Anlage gegönnt haben, den Atomkrieg zu erklären. Ach würden die wenigstens gute Musik hören, aber diese Elektrosch… na lassen wir das. Kurz: Es nervt, es ist laut, und ich überlege derzeit, ob ich meinen Subwoofer an die Decke klebe und irgendwelche achtminütigen Metal-Kracher in der Dauerschleife laufen lasse. Alternativ hätte ich noch alte Avril-Lavigne-Platten. Schätze, nach spätestens zwei Stunden käme von oben die weiße Fahne, ha!

Derweil weiß ich wenigstens wieder, wie Langeweile geht. Ich frage mich zum Zeitvertreib selbst, wie’s auf der Arbeit war, und wenn auch das nicht weiterhilft, läuft ja im Fernsehen wenigstens die Fußball-WM. Die ist zwar zumeist so interessant wie Tatort-Wiederholungen für jemanden, der noch keine 80 Jahre alt ist, immerhin aber lullt einen das angenehme Hintergrundrauschen … ein … und … man … wird … müüüd... ARGH, KATZE, KOMM WEG DA!

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