Im Waka-Waka-Land wird gejodelt

Im Waka-Waka-Land wird gejodelt - Bildquelle: pixabay.comShakira hat jetzt einhundert Millionen Freunde, hab ich gerade gelesen. Das ist eine Eins mit ganzen acht Nullen. Würde man alle Deutschen verpflichten, Shakira zu folgen, käme man nicht auf diese Zahl. Okay, nähme man alle illegalen Einwanderer und Schwarzarbeiter hinzu, dann käme man wahrscheinlich so uuungefähr auf ... das Doppelte oder so. Aber in dem Moment, in dem ich das hier schreibe, hat diese Frau vielleicht auch schon dreihundert Millionen Freunde. Da wäre es dann schon schwerer, was Repräsentatives hierzulande zu finden.

Ich dachte ja im ersten Moment, wow, das ist echt super, dass die Shakira so viele Freunde bei Facebook hat. Bzw. sind es eher Leute, die ihr folgen, ihre Fans quasi, weil kein Mensch bei Facebook so viele Freunde haben kann, weil man maximal 5.000 Freunde oder so haben darf, und wenn irgendwer am meisten Freunde hätte, dann wäre das sowieso Mark Zuckerberg, weil der gar nicht zulassen würde, dass irgendjemand mehr Freunde hat als er. Im zweiten Moment dachte ich dann, äh, wer ist eigentlich diese Shakira? So ganz vage hatte ich da noch so eine Frau mit nassem Haar vor Augen, die im Musikvideo irgendein Liedchen trällerte, an das sich heute aber niemand mehr erinnert, weil sie die ganze Zeit hypnotisch mit dem Hintern wackelte und eh keiner woanders hinguckte, geschweige denn -hörte. Dann fiel es mir ein: Das war doch die, die im Jahr 2010 die WM musikalisch gesehen versaute. Immer, wenn dieses »Waka Waka« irgendwo lief, hatte ich plötzlich komischen Schaum vor dem Mund und wollte irgendjemandem seine Vuvuzela rückwärts in den ... also so richtig tief rein jedenfalls, bis ... na egal.

Mann, Mann, was man mit so vielen Fans alles anstellen könnte, dachte ich dann, als ich diese Shakira erst mal richtig verortet hatte, wie man im Businesssprech so schön sagt. Zum Beispiel alle RTL-Zuschauer dazu bringen, abzuschalten. Muss man sich mal überlegen: Shakira postet, alle Leute sollen doch bitte, bitte RTL abschalten, und – klack – geht die Quote auf null runter. Da wäre dann Schluss mit »Familien im Brennpunkt« und »Die Schulermittler«. Belanglose Leute wie Jenny Elvers hätten keine Bühne mehr, da ginge eine ganze Fresskette vor die Hunde. Die wären so schnell pleite, da könnte Peter Zwegat gar nicht genug mit den Ohren schlackern. Also, sofern das überhaupt machbar wäre von der Shakira, weil bei RTL-Guckern weiß man ja nie. Erst neulich las ich was über die Seescheide. Das ist nicht etwa ein plötzlich während des Schwimmens im See unverhofft auftauchendes weibliches Geschlechtsorgan als Badeservice für angehende Männer mit Hormonüberschuss, sondern, äh, so was wie ein Tier. Und die Seescheide jedenfalls, die reist so durchs Wasser, bis sie einen tollen Platz zum Verweilen gefunden hat. Da wird sie schließlich sesshaft und ... frisst ihr Gehirn auf. Braucht sie ja auch nicht mehr, wenn sie erst mal sesshaft ist. So ähnlich ist es vermutlich auch mit RTL-Dauerguckern. Wenn man erst mal so richtig perfekt auf der Couch sitzt ... Na, und wenn dann die Kartoffelchips auch noch alle sind, dann kann man schon mal alternativ sein Hirn verputzen. Mit ein bisschen Salz geht das gut runter, und gebraucht wird es beim RTL-Gucken auch nicht mehr. Ob diese Leute dann noch auf die Shakira hören würden, das weiß ich nicht, weil ohne Hirn ist das gegebenenfalls auch etwas blöd. Aber probieren könnte man es ja mal.

Einen eigenen Staat könnte die Shakira so natürlich auch gründen. Einfach kurz mal posten: »Leute, lasst mal Staat gründen. Hab grad nix zu lesen da, Langeweile ätzt voll!!11!« Dann gingen die los, die hundert Millionen Leute, mit Fahnen, auf denen Shakira drauf ist, und dann würden die irgendwo in der Karibik eine unbewohnte Insel besetzen, die Riesenschildkröten verscheuchen und Shakiras großes, buntes »Waka-Waka-Land« ausrufen. Da könnte diese Frau den ganzen Tag ihre Lieder runterjodeln, jeder müsste ihre CDs kaufen, und es wäre immer einer da, der ihrem durch die Gegend tanzenden Waka-Wackelhintern frische Luft zufächelt. Und wehe, einer würde ihre Musik nicht mögen, da hieße es dann: Rübe ab! So wären es zwar nur noch neunundneunzig Millionen Follower, aber das macht den Kohl ja auch nicht fett.

Okay, nun muss ich zugeben – der eine oder andere wird es schon bemerkt haben – ich kann, was Shakira angeht, allenfalls mit Halbwissen von anno dunnemals glänzen. Und wirklich glänzen tut da auch nichts, das ist eher so matt wie ... Bonn oder so. Ja, Bonn ist doch ziemlich matt. Okay, also hier ein paar hastig recherchierte Fakten, schließlich hab ich ja quasi auch ’nen Bildungsauftrag. Shakira heißt in Wahrheit Shakira Isabel Mebarak Ripoll. Das wäre freilich viel zu lang. Wenn alle Follower das aussprechen würden, käme die kumulierte Zeit vermutlich in etwa auf das Alter des gesamten Universums, drum nur Shakira. Klingt ja auch viel besser. Fügte man hinter das erste »a« übrigens noch ein »r«, würde sogar ein prima Filmtitel fürs Abendprogramm bei Tele 5 draus, aber lassen wir das. Besagte Sha(r)kira (Ha ha ha! Okay, ich hör schon auf.) ist inzwischen 37 Jahre alt, immer noch 1,57m klein und mit Freund und Kind ausgestattet. Nach westlichen Maßstäben sieht sie blendend aus, und es soll auch Leute geben, die ihren Gesang mögen, der immer ein bisschen klingt, als hätte ein Jodler vor dem Auftritt die Nase zu tief in den Rumtopf gehalten. Aber alles Geschmackssache, klar. Hundert Millionen Leuten scheint das ja zu gefallen. Millionen Fliegen können schließlich nicht irren. Fraglich, ob das auch so wäre, wenn Shakira ein vierzigjähriger Mann wäre, sagen wir ein Bernd, genetisch gestraft mit Bierbauch und Halbglatze, gesanglich völlig talentfrei, dafür aber Choleriker vor dem Herrn und notorischer Quartalssäufer. Wenn Bernd jetzt ’ne Facebook-Seite hätte, wage ich mal zu bezweifeln, dass der auch auf hundert Millionen Fans käme. Find ich ganz schön unfair eigentlich dem armen Bernd gegenüber.

Aber zurück zu was Konstruktivem. Shakira jedenfalls, die könnte mal eben alle ihre Fans anweisen, Kriege grundsätzlich doof zu finden. Sie könnte vorschlagen, auch mal an die armen Kinder in Afrika zu denken, die nichts zu essen haben. Ganze Schurkenstaaten könnte sie im Alleingang zu Fall bringen – nur so zum Vergleich: Angela Merkel hat nur knapp 720.000 Fans, davon ließe sich nicht mal Oliver Geissen beeindrucken, und der wirkt eigentlich immer beeindruckt. Die Welt könnte Shakira jedenfalls insgesamt zu einem besseren Ort machen. Könnte ... Wären doch nur nicht so ziemlich alle Menschen dieser Welt, die bei jedem Scheiß fleißig den eigenen Daumen auf den Like-Button pressen, so was wie Seescheiden. Zumindest in diesem Akt an sich. Von so ’nem Like-Daumen allein ist nämlich noch kein Kind satt geworden. Und wenn dem Mark Zuckerberg dann doch irgendwann mal der Kragen platzt, weil er sich im Vergleich zu Shakira doch ganz schön wie ein Bernd fühlt, dann zieht der vielleicht den Stecker und schon wird’s zappenduster im Waka-Waka-Land.

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