Blinzelnder Blumenkohl

Vor ein paar Tagen hatte ich mir vorgenommen, wieder etwas häufiger zu bloggen. Das, so fand ich, war eine prima spontane Idee, worauf ich einen Schluck Kaffee trank und eine Banane aß,  die ich, meinen Gedanken bestätigend, energisch kaute, und ... ja, und das war es dann auch schon wieder gewesen mit dem guten Vorsatz. Nun hocke ich hier einmal mehr in München im Hotel, trinke überteuerte Cola aus dem Kühlschrank in der Lobby, höre Musik aus grässlich schlechten Notebook-Lautsprechern chinesischen Fabrikats, und denke darüber nach, was es zu schreiben gäbe. Und ob ich überhaupt etwas zu erzählen habe.

Manchmal habe ich den Eindruck, früher hätte ich irgendwie mehr zu sagen gehabt. Heute fühle ich mich mitunter seltsam stumm, dabei denke ich vermutlich einfach nur zwei-, dreimal mehr darüber nach, bevor ich den "Neuer Beitrag"-Button betätige. Spätestens beim dritten Durchdenken komme ich zum Schluss, dass ich es auch genauso gut bleiben lassen könnte. Und während ich mich gedanklich selbst mundtot mache, kreisen die Gedanken weiter wie Aasgeier darüber, weshalb es so wenig zu sagen gibt, wo ich doch mitten im Saft stehen sollte.

Denn, uff, ich werde ja bald dreißig. Das ist die erste Alterszahl, die in Ziffern geschrieben fast noch gruseliger aussieht als in Buchstaben ausgedrückt. Irgendwer meinte mal, von zwanzig bis dreißig ginge es schneller, als man denkt. Nun, das ist absolut die Wahrheit. Vor allem die zweite Hälfte der Zwanziger scheint geradezu durch die Tischplatte diffundiert zu sein, während ich einen Cursor anglotzte, als hätte der mich irgendwann an der Hand nehmen und mich zu interessanten Lebensgeschichten führen können.

Hat er aber nicht. Die berichtenswerten Geschichten blieben aus. Oder ich habe sie einfach nicht bemerkt. Ich lese viele Blogs und staune immer wieder über die Themenvielfalt oder schlicht, worüber man sich so alles auslassen kann. Meist sind das politische Themen, das alltägliche Chaos urbanen und, na ja, mehr oder weniger zivilisierten Lebens oder, was ja auch nahe liegt, Elternfreud und -leid. Ich muss nun leider eingestehen, dass mir all diese Themen ziemlich egal sind. Das mit der Politik habe ich längst aufgegeben. Da ich das, was um mich herum passiert, nicht so recht als sinnvolle Realität akzeptieren mag, habe ich auch hier keine Lust, mich gedanklich einzubringen, und last but not least, gehen Kinder und ich mal so gar nicht zusammen.

Was bleibt also? Ein knapp dreißigjähriger Matschkopf mit Hutgröße XXL, der wie ein blinzelnder Blumenkohl auf seinem Hals thront, Gequirltes ausbrütet und darauf wartet, dass aus der Drei in der Zehnerstelle eine Vier wird. Aber auch ein blinzelnder Blumenkohl ist und bleibt nur ein Blumenkohl.

Ich will jedenfalls kein Blumenkohl sein, auch wenn ich, abgesehen von meinen Klamauktexten hier und da, nichts zu erzählen habe. Deswegen werde ich einfach trotzdem was erzählen. Also künftig wieder etwas öfter bloggen.

Puh, das hätte man jetzt auch kürzer ausdrücken können, aber da ist es wie mit den Kindern: Kurzfassen und ich, das geht einfach nicht zusammen.

So, Luxussorgenbericht Ende.

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