Gegen Allergien kann man doch was machen!

Ein Gesicht wie ein handelsüblicher Klitschko-Gegner nach Runde dreiAhhh, es duftet nach ... Müll?! Ich bring den mal eben raus ...

Noch mal also: Ahhh, es duftet nach Herbst. Nicht, dass es in der Wohnung nach verrottendem Laub müffeln würde, also echt nicht, aber Herbst ist einfach, wenn überhaupt mal was nicht nach nichts riecht. Will sagen, meine Nase ist frei. Als langjähriger Pollenallergie-Erstligist ist bei mir nämlich ab Februar Schicht im Riechschacht. Mit Nebenhöhlen wie gefüllte Stangenbrote schleppe ich mich dann kraft-, lust- und luftlos bis in den September, bzw. wenn sich alle über eine Sommerverlängerung freuen, dann geht es auch mal bis in den fucking Oktober hinein. Aber dann! Hach ja, es fehlt einfach ein Buchstabe im Alphabet, um den erhabenen Vorgang genüsslichen und vollmundigen Einatmens durch einen langgezogenen Laut akkurat zu verdeutlichen.

Meist währt die Freude über das neu gewonnene Geruchserlebnis allerdings nur kurz, weil man sich ja so schnell dran gewöhnt. Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Hat er sich erst mal an was gewöhnt, dann ist es schon gar nicht mehr schön, sondern ganz normal. Gewöhnlich eben, und was gewöhnlich ist, ist fast schon blöd. Deswegen gucken auch alle ständig so genervt, weil immer alles gleich ist. Überall Frieden im Land, am Monatsende kommt Geld aufs Konto, und immer ist man satt. So gewöhnlich, so was von blöde, also echt. Was meinen formschönen Gesichtserker angeht, ist das mit dem gewöhnlichen Leben dann eben bis Februar der Fall, ab dann schleppe ich wieder kiloweise Rotz in den Nebenhöhlen mit mir herum. Und hab ich die geschwollenen, blutunterlaufenen Augen erwähnt, die im Dunkeln rot leuchten? Ach ja, das harte Los des Allergikers.

Echauffiere ich mich mal wieder über dieses wirklich, wirklich harte Los (Nicht, dass ich jammern würde, nee, ganz sicher nicht, ICH doch nicht!) bei meinen Eltern, sagen die gerne: »Ja, dann mach doch noch mal so eine Hyper... Hyper... äh ... na so eine Sensibilisierung halt.«

Hypersensibilisierung meinen sie natürlich. Ich schrieb das Wort seinerzeit in der Grundschule mal beim Galgenraten an die Tafel. Kam keiner drauf, fand ich schön. Als Halbwüchsiger hab ich so eine Hypersensibilisierung mal mitgemacht.

Hypersensibilisierung, das bedeutet kurz zusammengefasst, sich Woche für Woche den Hintern im Wartezimmer eines Arztes plattzusitzen, sich dann eine oder mehrere Spritzen, die das entsprechende Allergen enthalten, reindonnern zu lassen, wieder zu warten, um anschließend noch eine eventuelle allergische Reaktion an der Einstichstelle vermessen zu können, und dann die nächsten Tage keinen Sport treiben zu dürfen. Und dieser Spaß zieht sich entspannte drei bis fünf Jahre hin. Bei meiner Ärztin liefen seinerzeit im Wartezimmer immer dieselben Kinderfilme. Noch heute könnte ich ganze Benjamin-Blümchen-Folgen aus dem Gedächtnis nachsprechen. Nach Ende der Nadelfolter war ich jedenfalls angenehm beschwerdefrei. Bestimmt, puh, ein ganzes Jahr lang oder so. Anschließend kehrten die Allergien nämlich mit Fanfaren und Konfetti zurück. Junge, war ich begeistert! Ich schätze mal, die Behandlungsmethoden im Mittelalter waren ähnlich fortschrittlich und wirksam – sogar eher besser: Das fachgerechte Entfernen des Kopfes half garantiert auf Anhieb gegen jegliche Allergie. Allerdings gab es die damals wahrscheinlich noch gar nicht, diese elenden Überreaktionen gegen die Früchte aus Mutter Naturs Schoß. Man sagt ja, wer quasi im Schweinestall aufwächst, ist deutlich resistenter gegen Allergien aller Art. Da damals noch jeder auf die Straße kackte und pinkelte, war die ganze Welt ein Schweinestall. Die Leute mussten sich deswegen höchstens mit der Pest rumschlagen, aber die war wenigstens nicht chronisch.

»Du weißt doch gar nicht, ob die Methoden heute nicht viel besser sind«, argumentieren meine Eltern, sobald ich mit meiner Schimpftirade auf diese Pseudobehandlung mal wieder fertig bin. Und ja, sie haben natürlich recht. Vielleicht ist heute alles viel besser, man schiebt sich ein Zäpfchen in den Hintern, und alles ist gut. Weiß ich nicht. Oder man futtert einfach ein paar Tabletten, statt sich das Spritzenmartyrium anzutun. Ausprobieren möchte ich das eher nicht. Einmal Wartezimmer, immer Wartezimmer. Noch eine Staffel »Benjamin Blümchen« könnte ich einfach nicht ertragen.

Apropos Tabletten: Antiallergika gibt es natürlich auch. Donnert also mal wieder die geballte Pollenbrutalität auf den Allergiker von Welt herab, gibt es immer die Möglichkeit, sich ein paar Tablettchen reinzupfeifen (Na gut, die Option hat man ja quasi sowieso immer.) und so zumindest die Symptome der Allergie zu lindern. Statt mit einer Nase wie einst Harald Juhnke am Abend des Zahltages kommt man so recht unbeschwert durch den Tag. Weil man nämlich ungefähr eine halbe Stunde nach der Einnahme einpennt. Wahrscheinlich tun Bayer und Co. in die Cetirizin-Packung für Allergiker und in ihr Schlafmittel einfach dasselbe Zeug rein. Kommt kein Mensch drauf, weil ja direkt nach der Einnahme gepennt wird.

Ach ja, und wer auf ganzheitliche Medizin abfährt, der bekommt selbstverständlich auch Globuli gegen jegliche Allergiebeschwerden. Die Dinger machen immerhin nicht müde. Dafür helfen sie allerdings auch nicht. Da Homöopathie allerdings in der Esoterikstraße wohnt, wo auch die Philosophie eine Doppelhaushälfte besitzt, sollte man nach dem Konsum von Globuli vielleicht einfach die Existenz von Allergien generell in Frage stellen. Einbildung ist schließlich auch irgendwo eine Bildung.

Falls also jemand mal wieder altklug meinen sollte: »Also gegen Allergien, da kann man doch wohl was machen. Also jetzt reiß dich mal zusammen, das ist doch kein unheilbares Leiden!«, dann gilt es, richtigerweise zu entgegnen: »Doch, ist es.«

Was aber hilft wirklich? Na ganz einfach: Beton! Schon als allergiegeplagtes Kind fachsimpelte ich mit leuchtenden Augen darüber, irgendwann als reicher Ölmagnat die ganzen scheiß Felder im Havelland zu kaufen und sie in einen riesigen Parkplatz zu verwandeln. Während im Sommer Ottonormalluftverbraucher bei schönstem Sonnenschein mit der Luftmatratze unterm Arm freudestrahlend den nächsten Badesee ansteuert, um zwischen Algen und Fischexkrementen Fünfe gerade sein zu lassen, bunkert der Allergiker vom Fach sich gern ein. Fenster zu – nein, auch nicht ankippen! Bloß nicht! –, auf keinen Fall an die Luft gehen – nicht mal die Zeitung reinholen, nein, nein, ganz böse Idee – ja, am besten man begibt sich in ein düsteres Kellerzimmer, damit auch sichergestellt ist, dass sich nicht doch ein paar Killerpollen durch poröse Fensterdichtungen mogeln. Beneidenswert sind diejenigen, die noch einen Luftschutzbunker aus dem Kalten Krieg übrig haben. Sowieso eigentlich, schließlich weiß man ja nicht, was dem Putin noch so alles einfällt.

Aber alles egal, jetzt ist jedenfalls Herbst. Keine Pollen mehr, kein Gesicht wie ein handelsüblicher Klitschko-Gegner nach Runde drei. Herbst, das sind, puh, mindestens zwei Monate Lebensqualität, bevor das Gemüt wegen der nasskalten und dunkelen Winterzeit auf Tauchgang geht. Ja, herrlich! Und so muss sich ein gesunder Mensch ja quasi das ganze Jahr über fühlen. Wahnsinn! Und wenn ...

... uff, aber staubsaugen könnte man hier dann ja doch mal. Meine Hausstaubmilbenallergie macht sich nämlich gerade bemerkbar. Das Auge juckt, und meine Nase fühlt sich ein bisschen an, als wäre eine Nacktschnecke hineingekrochen. Und die vielen Katzenhaare hier in der Bude tun ja wohl auch nicht Not, da dreht meine Tierhaarallergie nämlich am Rad. Vorsichtshalber werfe ich mal doch eine Cetirizin ein, sonst ist der ganze Tag im Ar... chrrrrr ... pfffff ... chrrrrr ... pfffff ...

3 Gedanken zu “Gegen Allergien kann man doch was machen!

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