Return of the Hosentaschen-Quasimodos

Ein paar Gedanken zum iPhone 6: Diese ganze iPhone-Biegerei derzeit geht mir gehörig auf den Keks. Nur weil irgendein Heini, der sich mittels zu eng sitzender Krawatte hirntot gemacht hat, meinte, das bügelbrettgroße iPhone 6 Plus müsse er unbedingt in seiner Anzughosentasche herumtragen, redet die IT-Welt seit Tagen von nichts anderem mehr. Wahrscheinlich hat der Kerl das Ding einfach verbogen, als er sich schön gemütlich gegen den Kaffeetisch lehnte, wer weiß?

Dass das iPhone 6 sich überhaupt verbiegen lässt, ist natürlich fatal für so ein Gerät, ganz klar. Genauso klar ist aber, dass das Ding sich trotzdem verkauft wie geschnitten Brot. Obwohl (oder weil) es so groß ist, obwohl es aus Butter zu sein scheint und obwohl es so dermaßen hässlich ist, dass es fast aus Samsungs koreanischer Klonfabrik stammen könnte.

Das Ding sieht schlicht scheußlich aus, man kann es drehen und wenden, wie man will, es wird nicht besser. Was sollen diese hässlichen Antennenlinien auf der Rückseite des iPhone 6, die aussehen wie drübergespannte Unterhosengummis? Was soll dieser Kamerapickel, der so bedrohlich aus dem Gehäuse ragt wie ein aufkommendes Unheil? Ich will nicht sagen, unter Steve Jobs hätte es so was nicht gegeben, aber unter Steve Jobs hätte es so was nicht gegeben.

Und das Traurigste ist, dass es irgendwie keinen zu interessieren scheint, dass das Teil so grässlich aussieht. Wie gesagt, es verkauft sich ja trotzdem wieder wahnsinnig gut, und statt mal die mangelnde Eleganz des Gerätes zu beklagen, stürzt sich alle Welt auf die Tatsache, dass das iPhone 6 sich knicken lässt wie eine Tafel Ritter Sport. Vor allem sein großer Bruder. Überhaupt: Was soll diese absurde Größe? Würde man in James Camerons »Titanic« die Tür, auf der Kate Winslet am Ende des Films hockt, durch ein iPhone 6 Plus austauschen, hätte Leo auch noch locker Platz drauf gehabt. Ach ...

Eigentlich könnte es mir ja egal sein. Ich kauf das Ding eben einfach nicht, basta. Was mich aber bedenklich stimmt: Erinnert sich noch jemand daran, wie gruselig Computer und Telefone aussahen, bevor Apple beides mächtig aufgehübscht hat? Klar, da waren auch Unsitten dabei, wie bspw. nicht tauschbare Akkus, etc. pp. Aber letztlich ist es eben doch so: Wäre all das nicht gewesen, säßen wir vielleicht immer noch vor nikotingelben Kästen und würden mit Nokia-Knochen telefonieren, die kaum zu bedienen wären, sich dafür aber durch ihre Wuchtigkeit durch die Hosentasche fräßen (mir tatsächlich passiert).

Wenn jetzt also Apple-Geräte immer hässlicher werden (Man denke an die Apple Watch, dieses Brikett von einer Uhr!), müssen wir dann bald wieder damit leben, dass elektronische Endgeräte aussehen wie ein Hosentaschen-Quasimodo, weil keine andere Firma schöne Geräte hinbekommt, ohne in Cupertino zu spicken? Ist ja leider so. Werden wir uns wieder daran gewöhnen? Und warum ist das offenbar den meisten Menschen so egal? Ja ja, Luxussorgen, ich weiß schon.

6 Gedanken zu “Return of the Hosentaschen-Quasimodos

  1. So so, der Herr Phan-Thomas tut hier also mal wieder Äpfel mit Birnen bzw. früher mit heute vergleichen. Früher war es gerechtfertigt ein kleines Display zu haben, mit SMS, Telefonieren und Snake spielen hat es allemal gereicht. Doch heute will jeder ALLES machen mit seinem Smartphone, Videos ansehen, Skypen, Surfen und was weiß ich alles. Dafür wird ergo ein größeres Display benötigt als früher.

    Da sich jedes Smartphone, ja (fast) jeder Gegenstand verbiegen lässt, liegt eher an der Physik und nicht an einem Hersteller. Was mich aber doch wundert, das sich das iPhone 6 eher verbiegen lässt als das Plus. Siehe hier: http://www.consumerreports.org/cro/news/2014/09/consumer-reports-tests-iphone-6-bendgate/index.htm

    Und immerhin kann man das iPhone auch noch nach dem verbiegen / aufplatzen benutzen. Da machen andere schon eher schlapp.

    Über das Design des Iphone oder der Watch lässt sich streiten. Aber hier bediehnt sich Apple der alt bedienten Friss oder Stirb Methode. Zum Glück bin ich damals mit dem iPhone 3G eingestiegen, so hab ich immer die "zweite" Variante des iPhone und so auch eigentlich nie Probleme. Von daher freue ich mich schon auf das iPhone 6 S oder wie es sich nennen darf und hoffe das dann endlich mal Jarvis integriert ist anstatt Siri.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ich kann auch gern noch andere Sachen damit vergleichen. 😉 Das iPhone 6 ist nicht übermäßig groß, aber die Plus-Variante ist eben tatsächlich absurd groß. Es sieht doch bescheuert aus, dieses Ding ans Ohr zu halten, um damit zu telefonieren. Von der fehlenden Möglichkeit, das Ding auch nur annähernd mit einer Hand zu bedienen, ganz zu schweigen.

      Dass sich das normale iPhone besser biegen lassen soll, als das große Surfbrett, hab ich auch gelesen, glaube es aber erst, wenn ich es sehe. Ich sag ja auch, es ist Stuss, darüber so ausgiebig zu berichten, weil das im Alltag nie vorkommen dürfte, wenn man den Brummer nicht gerade in der hinteren Hosentasche trägt und sich dann draufsetzt. Übrigens ist das mit der Weiternutzung nach dem Verbiegen auch nicht unbedingt wahr. Das Testgerät aus einem Biegevideo hatte sich einige Zeit nach der Aktion verabschiedet.

      Ich würde auch eher dazu tendieren, die S-Variante zu kaufen, die sich garantiert deutlich weniger gut biegen lässt.

      Worum es mir aber im Post eigentlich geht: Das Ding ist einfach nicht mehr wirklich elegant. Es liegt nicht an der Größe, schließlich ist das iPad ja auch (noch) nicht missraten, es liegt einfach daran, dass dem Gerät die klare Linie fehlt, dieses "aus einem Guss".

      PS: Jarvis fänd ich cool!

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Na den hätte ich aber nur gern im Handy, wenn ich nicht gerade auf einer Außenbordmission im Weltraum unterwegs wäre.

  2. wieso haben menschen nicht einfach einen laptop für so sachen wie videos, internet, word... und ein handy um zu telefonieren? und den laptop in groß und das handy in klein? ich vermiss mein 3310 manchmal. aber dem mensch würde wohl langweilig werden wenn er nicht weiterhin irrsinnigere und teurere dinge erfindet um sich nicht mehr zu langweilen.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Letztlich hast du aber ein Smartphone und eben doch kein Nokia 3310, oder? Du könntest dir ja durchaus ein altes Telefon kaufen, das nichts weiter kann, aber irgendwie will man das ja doch nicht, hat man erst mal gesehen, dass es auch was Besseres gibt.

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