SciFi und ich

Vor knapp einem Jahr oder so kam ich auf den Trichter, mal was im Genre Science Fiction zu lesen. Ich vermute ja, das lag irgendwie an all diesen Snowden-Enthüllungen, daran, dass wir nun alle den Beweis hatten, was technisch möglich ist (obwohl wir es ja immer schon gewusst haben, ho ho ho), dass »Minority Report« bspw. kein reines Zukunftsmärchen ist, sondern - abgesehen von den übernatürlichen Anleihen - durchaus ein fürchtenswertes Zukunftsszenario.

Eigentlich hatte ich für SciFi nie so richtig viel übrig. »Star Trek« ist nicht meins, und um einmal »Blade Runner« anzuschauen, brauchte ich mindestens drei Versuche (und selbst beim dritten hab ich nicht richtig aufgepasst). Dann aber hatte ein Freund mal »Der unmögliche Planet« dabei, eine recht üppige Sammlung an Geschichten des Autors Philip K. Dick dabei (der übrigens auch die Vorbilder zu »Minority Report« und »Blade Runner« verfasst hat - ersteres ist im genannten Buch enthalten, letzteres ist ein eigenständiger Roman). Für Kurzgeschichten bin ich ja immer zu haben. Ich schreibe selbst gern welche, wie der eine oder andere vielleicht weiß, und generell liebe ich diese kurzen Texte für, äh, längere Klositzungen und so.

Besonders spannend an diesen Geschichten ist, neben der Handlung natürlich, der Bezug auf unsere heutige Zeit. Viele der Texte haben ja schon fünfzig Jahre und mehr auf dem Buckel, und natürlich sind einige völlig an der heutigen Realität vorbeigeschrieben, aber andere sind auch erstaunlich treffend. Wie gesagt, »Minority Report« ist ein ganz gutes Beispiel für prinzipiell zutreffende Vorhersagen. Orwells »1984« scheint ja sogar das Handbuch für Diktaturen wie Nordkorea zu sein, aber durch die inzwischen öffentlich gewordene Totalüberwachung und ganze unter Generalverdacht stehende Bevölkerungen hat sich auch hier so ein bisschen das »Big Brother is watching you«-Gefühl eingestellt.

Sollte jedenfalls dem geneigten Leser Dicks »Der unmögliche Planet« in die Hände fallen: unbedingt kaufen! Es lohnt sich, und leider ist zumindest diese Geschichtenzusammenstellung inzwischen wohl vergriffen (gibt aber natürlich auch andere). Ich habe mein Exemplar in der Berliner Science-Fiction-Buchhandlung »Otherland« ergattert. Ja, so was gibt es hier.

Berauscht von derart guten Texten versuchte ich mich, ja, äh, kürzlich kann man schon gar nicht mehr sagen, an der »Neuromancer-Trilogie« von William Gibson, die ich im KaDeWe im Regal stehen sah, von aus sie mir charmant zuzwinkerte. Ist jedenfalls ein Tausendseiter, der quasi das Aufkommen des Cyberspace vorhergesagt hat, wenn auch anders, als wir ihn heute vorfinden (sieht man mal von Versuchen wie »Second Life« ab, die tatsächlich in diese Richtung gingen). Wahnsinnig interessante Thematik, gerade auch, was das Eindringen in fremde Netzwerke, visuelle Firewalls usw. anbelangt, und wie der Autor sich das alles vorgestellt hat, aaaber ... also ein drei Stunden lang intensiv gebratenes Steak ist ja zart gegen dieses Monstrum von Buch. Ich quäle mich seit Wochen von Seite zu Seite, bin inzwischen immerhin fast am Ende es dritten Bandes angelangt, insgesamt aber für meinen Geschmack nur was für absolute SciFi-Enthusiasten, und die werden das Ding vermutlich sowieso schon kennen.

In Bälde werde ich mich wohl noch an »Metro 2033« versuchen, hier hat mir zumindest das Reinlesen schon mal viel Spaß gemacht. Wer das Buch kennt, darf gern in den Kommentaren erwähnen, wie er es fand. Ich wäre daran sehr interessiert. Ansonsten werde ich wohl noch etwas um Philip K. Dick kreisen. Der nächste Backstein, bestehend aus dreien seiner Romane, liegt schon bereit.

Das also ist das Stand der Lesedinge, was mich betrifft. Irgendjemand noch gute Tipps? Immer her damit.

2 Gedanken zu “SciFi und ich

  1. Gibson liest sich in der Tat etwas zäh weil er so extrem darauf versessen ist, Nieschen auszuleuchten. Um mit Sci-Fi anzufangen würde ich dir eher Asimov's Foundation oder Niven's Ringworld anraten. Vielleicht auch Heinlein's Starship Troopers.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      »Starship Troopers« hab ich auf die Liste gesetzt. Danke für den Tipp! Ich hab hier noch Lems »Solaris« rumliegen. Trockener als Gibson geht's ja eigentlich nicht, von daher bin ich da guter Dinge.

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