Hat sich wohl kaputt gestanden

Hat sich wohl kaputt gestanden.

Die Bundeswehr, so behaupten böse Zungen, sei nur dazu da, den Feind so lange aufzuhalten, bis die Armee anrücke. Liest man die derzeit kursierenden, besorgniserregenden Berichte über den Zustand der Ausrüstung dieser Gurkentruppe – und hey, sie sind immerhin genauso grün wie Gurken , dann scheint mir das Eingangssprüchlein doch – wie hätte Mark Twain gesagt –, reichlich übertrieben. Welchen Feind will man denn mit derart ramponiertem Inventar aufhalten? Ich sage es mal so: Würde der Schweizer Kanton Appenzell Innerrhoden sich dazu entschließen, mal eben in Deutschland einzufallen, die Chancen stünden nicht schlecht. Glücklicherweise sehen die Schweizer vermutlich keinen Sinn darin, sich ein so desolates und verarmtes Land wie Deutschland einzuverleiben. Noch mal Glück gehabt!

 Aber ist es denn auch ein Wunder? Wie die Bundeswehr jemals auch nur einen Ententeich verteidigen soll, habe ich mich schon immer gefragt. Schon Jahre bevor die Tatsache öffentlich wurde, dass unsere Armee ausrüstungstechnisch dem hochgezüchteten Waffenpark Nordkoreas hoffnungslos unterlegen ist, war es doch so, dass jeder Wehrdienstpflichtige, den ich so kannte, nach Abschluss seiner neun Monate vor allem mit einem wiederkam: einer ziemlichen Wampe. Wenn die körperliche Ertüchtigung im Verein der grün gemusterten Freunde des gepflegten Herumballerns tatsächlich darin bestehen sollte, einfach so fett zu werden, bis man quasi kugelsicher ist, dann erledigen die Ausbilder ihren Job wahrlich ausgezeichnet. Andernfalls ...

Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Musterung. Damals, als man Gerhard Schröder gemeinhin noch für einen Deutschen hielt, versuchte ich, mich mit aller Macht um den Wehrdienst zu drücken. Ich wollte einfach nicht fett und kurzatmig werden, außerdem wollte ich schleunigst mit dem Studium anfangen. Ich ließ mich also ausmustern, indem ich bei den Kniebeugen ein wenig ächzte, und musste hinterher noch zum Appell beim, ach was weiß ich, wie der Kerl sich nannte? Wahrscheinlich irgendwas wie BwFhKfeOegKf. Auf die völlig sinnentleerten wie berüchtigten Bundeswehr-Abkürzungen kann auch nur eine Katze kommen, die laut schnurrend einmal quer über die Tastatur trampelt. Jedenfalls saß besagter Bundeswehrangehöriger – nennen wir ihn einfach mal Generalmajor Speck – vor mir, keuchte wie Darth Vader am Ende von Episode 6 und erzählte mir was vom Storch. Was genau, daran erinnere ich mich nicht mehr, weil Generalmajor Specks Ausmaße mich schlicht erschlugen. Ihn einen Wandschrank zu nennen, wäre falsch. Ein umgekippter Wandschrank trifft es eher, wenn man die Körperform dieses Herrn bildlich umschreiben möchte. Bis zu diesem Zeitpunkt war der dickste Mensch, den ich je gesehen hatte, Yokozuna gewesen, ein Wrestler aus dem Fernsehen. Generalmajor Speck, den man in einen Hektar Uniformstoff gewickelt hatte, bevor ein Regiment Wehrdienstpflichtiger mittels Landkarte die Abzeichen an ihm verteilt haben musste, übertraf den Kampfklops aus der RTL2-Abendunterhaltung um Längen. Oder sagen wir besser, um Breiten.

Einige Jahre später – Ironie meines Lebens – arbeitete ich für die Bundeswehr. Genauer gesagt, ich erstellte und wartete Programme. Ich nenne es Programme, weil der Begriff »Software« eine maßlose Übertreibung dessen wäre, was dort mit der heißen Nadel gestrickt wurde, um das SAP-System zu umgehen, das trotz jahrelanger und unfassbar teurer Einführung und Anpassung ungefähr so gut funktionierte, wie der fertige Berliner Flughafen anno 2012. Das war 2007. Soweit ich weiß, buhlen beide Großprojekte noch immer um eine Einführung innerhalb dieses Jahrzehnts. Nun ja. Einmal baute ich eine automatisch vergebene Verwaltungsnummer in den Ausdruck eines Programms ein, damit die Kollegen die Nummern nicht mehr mit Hilfe des Stempels aufs Papier pressen mussten, für den die Abteilung mangels Budget privat zusammengelegt hatte. Ich fand das dezent beängstigend.

Tja, und nun kommt heraus, dass nicht nur Fitness und Verwaltung unserer Landesverteidiger völlig im Arsch sind, sondern dass man es nicht mal richtig krachen lassen kann, weil die Ausrüstung unserer werten Ministerin mit der Betonfrisur unterm Allerwertesten wegrostet. Das kommt davon, dass immer nur alles in der Garage herumsteht und wir nie bei irgendwelchen Kriegen mitmischen. Meine Mutter würde sagen: »Tja, also das hat sich wohl kaputt gestanden.« Kaputt gestanden, so wie sich auch unsere Soldaten in jedem Konflikt dieser Welt die Beine in den Bauch stehen? Aber was sollen sie auch machen, wenn ja nichts funktioniert? Bevor noch irgendwem auffällt, dass unsere Helikopter den Auftrieb eines toten Ozelots haben und die durchgerostete Bewaffnung der Schützenpanzer so zuverlässig ist wie die Berliner S-Bahn im Winter, macht man an der Front lieber das, was seit jeher auch einen guten deutschen Handwerker ausmacht: herumstehen und diskutieren, ab und zu mal verschwinden um zu quarzen und eine anständige Molle zu leeren und natürlich pünktlich zum Feierabend den Stift, respektive das G3, fallen lassen.

Aber so ist das, nech? Wenn man nur damit beschäftigt ist, das ganze gute Zeug an irgendwelche Ölscheichs zu verhökern, dann ist die eigene Ausrüstung von anno dunnemals eben irgendwann so löchrig wie der hiesige Netzausbau. Oder wie ein Schweizer Käse. Apropos: Wenn uns jetzt schon die Schweizer nicht überfallen wollen, dann doch vielleicht, hm, die Polen? Rein historisch gesehen wären sie ja auch mal an der Reihe.

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