[Testbericht]: HelloFresh

Wenn man ins Alter kommt, dann kann man auch schon mal was kochen. Das sagte meine Mutter, als ... na gut, sie hat's nie gesagt, sonst hätte sie mir vielleicht irgendwann einmal das Kochen beigebracht. Ich gehöre ja zur Generation derer, die während ihrer Kindheit lediglich in die Küche gingen, um sich einen Becher Pudding aus dem Kühlschrank zu nehmen. Das Kochen, so redeten wir uns immer ein, das würde irgendwann ja von sich aus zu uns kommen, ganz einfach. Wie im Film »Matrix«, wo das Hubschrauberfliegen auch mal eben per, äh, Hirnupdate erlernt werden kann.

Wie dem auch sei, so ist es nie gekommen, und drum endete ich, wie so viele vermutlich, als Glutamatsuchti irgendwo zwischen Miracoli und Tiefkühlklotzfisch. Wobei man »endete« eigentlich auch nicht sagen kann, denn irgendwann, nachdem meine Freundin bei mir einzog, begannen wir so allmählich doch tatsächlich mal mit dem Kochen. Inzwischen dürften wir auch mindestens mal Level 3 im Kochskill erreicht haben, wo dann der Spinat nicht mehr im Topf anbrennt und »eine Prise Salz zugeben« nicht mehr impliziert, man müsse ein halbes Salzbergwerk abtragen und in den Topf schmeißen. Weil aber das Einkaufen gepaart mit Rezeptideenmangel auf Level 3 noch immer eine Hürde ist, dachten wir, probieren wir mal was Neues aus. Durch einen Kollegen wurde ich auf HelloFresh aufmerksam, eine hippe Berliner Firma, die sich genau dieser Level-3-Defizite annimmt und nicht nur nette Rezepte nach Hause schickt, sondern gleich noch ein Sammelsurium an Zutaten, sodass das Einkaufen fast gänzlich wegfällt. The future is now!

Aller Anfang ist das Abo

Irgendwo lernte ich mal, dass man Argumentationen nicht unbedingt mit was Schlechtem beginnen soll, aber scheiß doch der Hund drauf. Wer sich bei HelloFresh anmeldet, muss erst mal ein Abo abschließen, und das finde ich grundsätzlich blöd. HelloFresh schickt seinen Kunden sogenannte Kochboxen zu. Das sind große Kartons mit Zutaten für drei oder fünf Gerichte sowie den zugehörigen Rezepten auf schmucken Kärtchen zum Sammeln. Zwar verpflichtet man sich bei der Anmeldung, lediglich zwei Boxen abzunehmen, aber wer hinterher nicht gleich den kompletten Dienst wieder kündigen will, der muss für die Folgewochen einstellen, dass er nicht beliefert werden möchte. Wer das mal vergisst, hat dann irgendwann den Überraschungsboten vor der Tür. Hier würde ich mir flexiblere Modelle wünschen. Gleiches gilt für die Boxen an sich: Man kann zwischen vegetarischen und nicht vegetarischen Boxen wählen. Pro Woche werden fünf Gerichte angeboten, wer eine Dreierbox bestellt, bekommt automatisch die ersten drei Gerichte in der Liste. Eine Auswahl ist nicht möglich. Die Gerichte haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Auch hier gibt es keine Wahlmöglichkeit. Wer nur leichte Gerichte kochen möchte, guckt je nach Gericht im wahrsten Sinne des Wortes in die (Brat)Röhre. Auch recht ungünstig sind die Lieferzeiten. Abgesehen vom Dienstag, wo sich mittels UPS durchaus auch nach Feierabend liefern lässt, ist man ansonsten drauf angewiesen, werktags zu Hause zu sein, wenn man nicht möchte, dass die Box in den Hausflur gestellt oder beim Nachbarn abgegeben wird. Gerade, weil ja meist auch gekühlte Ware enthalten ist, ist das nicht wirklich optimal. Immerhin: Wer sich nicht gleich verpflichten möchte, kann auch erst mal die Probierbox bestellen, die allerdings etwas hochpreisiger ist. Grundsätzlich muss also niemand in die Abo-Falle laufen.

Der Preis ist heiß

Gutschein-Code (20 EUR) für die HelloFresh-Box: KC5BFP
Gutschein-Code (20 EUR) für die HelloFresh-Box: KC5BFP

Zudem lässt sich in den Lieferoptionen wählen, ob man Boxen für zwei oder vier Personen haben möchte. Entsprechend ändern sich dann natürlich die Zutatenmengen und der Preis: Eine Dreierbox für zwei Personen kostet 39 Euro (6,50 Euro pro Teller), eine Dreierbox für vier Personen kommt auf 59 Euro (ca. 4,92 pro Teller). Nicht ganz billig in der kleinsten Ausführung, wer das Angebot aber lediglich mal ausprobieren möchte, findet schnell einen Gutschein in den Weiten des Netzes, sodass für die erste Box lediglich ca. 20 Euro berechnet werden, und spätestens hier kann man wirklich nicht mehr über den Preis meckern.

... der muss haben sieben Sachen

Die erste Box ist da, los geht's, nicht wahr? Nee, nicht unbedingt, denn wer die Zutaten auspackt und nun mit ansonsten leerer Küche gleich mal loslegen möchte, erlebt vielleicht eine weniger schöne Überraschung. Es gibt nämlich durchaus Zutaten, die nicht mitgeliefert werden: Salz, Pfeffer und Zucker sollte man da haben, was soweit ja in Ordnung ist. Butter, Honig, Senf und Eier sind aber ebenfalls durchaus gängige Zutaten für Gerichte, die nicht mitgeliefert werden. In Anbetracht der Tatsache, dass neben Schmand und Crème fraîche sogar Petersilie beigelegt wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen, weshalb es nicht möglich sein soll, benötigte Eier in die Box zu packen. Von Butter, Honig und Senf ganz zu schweigen. Vermutlich sind diese Produkte nicht in entsprechend kleinen Verpackungen erhältlich und Eier beim Transport zu fragil, schade ist es trotzdem. Mancher hat diese Dinge vielleicht immer parat, aber ich backe nicht jeden Tag einen Kuchen, von daher schaut's da schon anders aus. Aber gut, wer sich die auf der Homepage abrufbaren Rezepte vorher schon mal anschaut, der ist hier im Bilde und kann sich entsprechend vorbereiten. Dies gilt übrigens auch für Küchengeräte: Hin und wieder wird etwa schon mal ein Mixer oder Pürierstab benötigt. Ganz aufs Einkaufen verzichten ist also leider nicht drin. Was die Frische der Zutaten angeht, lässt sich größtenteils nicht meckern. Lediglich die Frühlingszwiebeln sahen ein bisschen so aus wie ich am Montagmorgen im Büro. Einige Zutaten sind übrigens durchaus Bio und auch entsprechend gekennzeichnet. Wer aber darauf wert legt, ausschließlich Bio-Produkte zu verwenden, wird weiterhin selbst einkaufen gehen müssen.

Das Kochen und das Lernen

Mission Schweinelachssteak erfolgreich.
Mission Schweinelachssteak erfolgreich.

Sind auch die Grundzutaten und alle Gerätschaften besorgt, kann es endlich losgehen, oder wie Walter White sagen würde: »Lass uns kochen!« Unsere erste Box enthielt drei Gerichte:

  • Knollensellerie-Cremesuppe „Français“
  • Putenbrust mit knuspriger Tortilla-Gouda-Kruste
  • Schweinelachssteak an delikater Champignon-Stroganoff-Soße

Die Schwierigkeitsgrade variierten hierbei. Einzig das Schweinelachssteak hatte Stufe 2 von 3, die anderen beiden Gerichte kamen gleich in Stufe 3 daher. Allerdings konnten wir beim Kochen keinen wirklichen Unterschied feststellen, was die Hürde des Zubereitens angeht. Die Beschreibungen auf den mitgelieferten Rezeptkärtchen sind größtenteils gelungen, sodass wir in der Küche nur selten vor den Zutaten standen wie das Schwein vorm Uhrwerk. Verbesserungswürdig sind manche der Erklärungen dennoch. Zur Suppe etwa gehörten Kerbel-Blätterteig-Stangen, die auch erst mal zubereitet werden wollten. Hier galt es eigentlich, den Blätterteig schraubenartig diagonal zu rollen, stattdessen stand in der Anleitung, man solle ihn lediglich von unten nach oben rollen. Wider besseres Wissen hielten wir uns, tugendhaft deutsch eben, strikt an die Anleitung und bekamen so nur fette Blätterteigrollen, die im Ofen alles andere als knusprig werden wollten. Schade, allerdings war's ja auch irgendwie unsere eigene Dummheit, und immerhin: Die Suppe war trotzdem toll und gelernt haben wir auch was.

Geschmackssache

Die Putenbrust
Die Putenbrust – Der Joghurt-Dip hat es leider nicht mit aufs Foto geschafft.

Apropos toll: Das gilt vor allem auch für die anderen beiden Gerichte. Schaut man sich die Bildchen auf den Rezeptkarten an, denkt man so was wie: Ja ja, Serviervorschlag, schon klar. Tatsächlich konnte sich zumindest unser Resultat aber wirklich sehen lassen – wie auf den Bildern hoffentlich einigermaßen zu erkennen ist. (Leider kam mir die Idee zu den Bildern erst, nachdem die Suppe im Magen gelandet war.) Und schmecken lassen konnte sich's erst recht. Überhaupt waren ein paar hübsche Ideen dabei. Als wir die Salsa für die Putenbrust zusammenmixten, konnten wir uns kaum vorstellen, dass das Ergebnis sonderlich schmackhaft werden würde, aber Pustekuchen: Es war super (wenn auch, so fand meine Freundin zumindest, ein wenig zu minzig). Auch die Kruste der Putenbrust aus zarmahlenen Tortillachips zu machen war eine sehr schöne und im Ergebnis köstliche Idee, auf die wir von selbst so wohl nicht gekommen wären. Am Ende waren die Teller jedenfalls immer leer und satt sind wir auch geworden.

Fazit

Das Angebot von HelloFresh richtet sich vorwiegend an Koch-Padawans, die erstens keine guten Ideen für Gerichte haben und die zudem nicht jederzeit alles im Haus haben, um was Anständiges jenseits der Mikrowelle zu brutzeln. Die Rezeptkarten beschreiben den Zubereitungsprozess größtenteils sehr verständlich, für alles Weitere bemüht man eben Google, wenn man keine Ahnung hat. Vor dem Kochen sollte man sich die Rezepte gut anschauen, um notfalls schnell noch zu besorgen, was den Kochboxen nicht beiliegt. Dies gilt sowohl für Zutaten als auch für eventuell nicht vorhandene Küchengeräte. Schade ist, dass das Abomodell wenig flexibel ist, zumal der (ohne Gutschein) nicht ganz niedrige Preis dazu beiträgt, dass zumindest wir nicht jede Woche beliefert werden möchten. Das manuelle Abbestellen der Lieferungen auf Dauer nervt da nach einer gewissen Zeit sicherlich. Im Ergebnis hat uns HelloFresh aber zumindest mit seiner ersten Lieferung wirklich überzeugt. Die Zutaten waren größtenteils wirklich frisch, die Gerichte waren sehr schmackhaft, das Kochen hat durchaus Spaß gemacht und wir wissen jetzt mal mindestens, dass die vermaledeiten Kerbel-Blätterteig-Stangen nicht senkrecht gerollt werden!

8 Gedanken zu “[Testbericht]: HelloFresh

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Wenn das kein Wagemut ist! Von dem Punkt bin ich irgendwie abgerückt. Nach der x-ten Pizza wollte ich mal was anderes machen.

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Japp, das ist quasi dasselbe. Die liefern auch, aber wir haben sogar ein Kochhaus direkt um die Ecke (also das aus deinem Link eben). Die gibt's in Berlin ja auch mehrfach. Wusste ich gar nicht, dass es die auch anderswo gibt. Wollten da demnächst auch noch reinschneien und mal was ausprobieren. Und hast recht: Es ist wirklich sehr hip. 😉

      Öh, oder hab ich das falsch verstanden, deine Schwester hat dir das nur gezeigt und die gibt es bei euch gar nicht?

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ah, das in der Bergmannstraße, ne? Da bin ich schon ein paar mal dran vorbeigegangen. Aber wie gesagt, ich kannte es schon aus Schöneberg. Hat vor ein paar Jahren eine Starbucks-Filiale verdrängt. 😀

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Och, Starbucks ist doch hin und wieder auch ganz nett. An jeder Ecke müssen die aber wirklich nicht stehen, das stimmt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen, weißt aber nicht, was du schreiben sollst? Dann nutze doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Du musst nur noch die Pflichtfelder ausfüllen und den Kommentar abschicken. :)