Die Goldene Kotzkrücke 2014 geht an …

KatzeEs ist Dezember, Weihnachten steht ins Haus. Das kommt freilich wahnsinnig unerwartet. Kennt man ja: Da sitzt man morgens am Frühstückstisch, wirft einen kurzen Blick auf den Kalender, geht die Ereignisse durch, die demnächst so anstehen, und plötzlich fällt einem doch glatt das Gebiss in die Kaffeetasse. Scheiße, Weihnachten! Damit war echt nicht zu rechnen. Schleicht sich dieses verdammte Fest doch wieder hinterrücks an und rammt einem das Stressmesser in den Rücken.

Nun stelle man sich vor, bei dem frühstückenden Probanden handelt es sich nicht um einen leicht verwirrten Rentner in Filzpantoffeln und kariertem Morgenmantel, der jetzt gucken muss, wie er zuerst seine Zähne aus der Kaffeetasse friemelt und dann schnell noch ein paar Geschenke für die ungeliebte, nur aufs Erbe gierende Verwandtschaft zusammenbekommt, sondern um die Deutsche Post, bzw. deren Logistikklumpfuß DHL. Was dieser Verein derzeit mit diversen Paketen abzieht, spottet jeder Beschreibung.

Anfang Dezember bestellte meine Freundin diverse Dinge, die unter anderem eben auch für dieses ominöse Weihnachten gedacht waren. Drei Pakete an der Zahl wurden von verschiedenen Absendern an DHL übergeben und so auf ihre beschwerliche Reise geschickt. Nun ist das Problem mit Paketlieferungen ja, dass das deutsche Logistiksystem entweder auf Arbeitslose ausgerichtet ist, oder eben auf eine frühere deutsche Gesellschaft, als der Mann des Hauses noch als Versorger galt und Frau sich um Kinder, Wäsche und Bratpfannen kümmerte, oder kurz: DHL liefert (wie andere Logistiker ja auch) immer dann, wenn niemand zu Hause ist. Gut, das kann man schon machen, dann muss man eben die Pakete in der Postfiliale abgeben oder beim Nachbarn, der nach Definition von DHL auch mal fünfhundert Meter weiter wohnen kann, aber das nur am Rande. Wer meint, mittels Packstation Abhilfe schaffen zu können, der irrt zur Weihnachtszeit eventuell, denn die Dinger sind hoffnungslos überfüllt, sodass man erst recht keine Chance hat, an seine Sendung zu kommen. Auch hier könnte man meinen, DHL würde die Sendung einfach in der Filiale hinterlegen.

Würde, könnte, sollte. Man kann es nämlich auch ganz anders machen. Die Pakete zurück ins Frachtzentrum bringen zum Beispiel. In unserem Fall ist das Rüdersdorf. Das mag nicht logisch sein, so was zu tun, aber es ist ja auch nicht logisch, die CDU zu wählen, und trotzdem machen das immer wieder Leute. In Rüdersdorf jedenfalls muss es einen Lagerraum geben, in dem die Glühbirne kaputt ist. Da geht nie jemand rein, schließlich könnte man stolpern, und so bleiben die dort eingelagerten Pakete eben liegen, bis sie Grünspan ansetzen. Muss ich erwähnen, dass uns genau das mit den drei zuvor erwähnten Sendungen passiert ist? Nee? Gut.

Nach drei Tagen oder so ging mir dann soweit der Hut hoch, dass ich zum Festnetztelefon griff (Festnetz!) und die Servicenummer der DHL wählte. Die ist übrigens gar nicht so leicht zu finden, wenn man auf deren Seite herumstöbert. Nicht, dass ich da irgendwem Absicht unterstellen würde ... Nun, aber wozu gibt es Google? Nachdem die Suchmaschine die Nummer für mich ausfindig gemacht hatte, rief ich an und unterhielt mich mit einer freundlichen Computerstimme, die mich von einem Thema zum nächsten lotste, bis ich beim Thema Sendungsverfolgung ankam. Auf Nachfrage der charmanten Bandansage hin gab ich eine der Sendungsnummern durch, die immerhin – ein Hoch auf die moderne Technik – auf Anhieb verstanden wurde. Dann sagte dieselbe Stimme: »Ihre Sendung wird am nächsten Werktag zugestellt.« Bäm! War da nicht sogar ein wenig Gehässigkeit in der Stimme gewesen? Ich sag ja, ein Hoch auf die moderne Technik. Gut, versuchte ich es halt noch mal und bog diesmal scharf rechts zum Thema »Reklamation« ab und: Bingo! Ein Kundenberater würde gleich für mich da sein. Die Freude währte nur kurz, denn ich wurde prompt in die Warteschleife verfrachtet, in der ich dann zwanzig Minuten lang hing. Liebe Post, eure pinkfarbene Schwester mit dem dicken T im Namen, die in Bonn nur ein paar Meter weiter hockt, bekommt das mit der Hotline deutlich eleganter hin, aber auch das nur am Rande.

Nun, der Herr am Telefon war jedenfalls sehr freundlich und äußerte Unverständnis ob der Pakete, die es sich unter dem Motto »Gekommen um zu bleiben« im Frachtzentrum bequem gemacht hatten. Wahrscheinlich lernt man das dort in Seminaren: »Basiskurs I: Unverständnis äußern, aber richtig – So heucheln Sie Zustimmung, während Sie gemütlich mit dem Löffel im Milchschaum rühren.« Er nahm geduldig meine Beschwerde auf und reichte sie an die Kollegen weiter, so denn dort überhaupt echte Menschen arbeiten. Sicher bin ich mir da nicht.

Und, oh Wunder, es tat sich was: Die Pakete wurden wieder auf die Reise geschickt. Wenigstens zwei der Pakete. Das dritte schien inzwischen am Fußboden festgeklebt zu sein wie ein ausgespuckter Kaugummi. Um die Sendungen diesmal auch wirklich entgegennehmen zu können, verordnete ich mir selbst einen Tag im »Home Office«. Gottseidank habe ich die Möglichkeit dazu. Ich wartete also geduldig, und irgendwann bog ein ganz zauberhaft gelbes Transportfahrzeug der Firma DHL in unsere Straße ein. Weil ich dem Braten längst nicht mehr traute, lauerte ich hinter dem Türspion und beobachtete den Boten mit unseren Paketen, wie er mit den Augen die Klingelschilder scannte. Ha, jetzt wird er gleich bei uns klingeln, dachte ich. Wie in Zeitlupe fuhr sein ausgestreckter Zeigefinger in Richtung Klingeln, und dann ... dann ... klingelte er im sechsten Stock, fuhr mit unseren Paketen per Lift hoch, gab sie dort ab (was er bis dahin noch niemals mit unseren Sendungen gemacht hatte) und hinterließ anschließend ein Benachrichtigungskärtchen in unserem Briefkasten. Ohne Worte ... Logik, die sich mir einfach nicht erschließen möchte.

Um die Geschichte hier nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen: Das dritte Paket ist noch immer nicht eingetroffen. Ich stelle mir vor, wie es zusammen mit anderen vergessenen Paketgenossen im Frachtzentrum liegt, während »Let It Be« von den Beatles aus einem großen Lautsprecher schallt. Nach erneuter Beschwerde ging es zwar noch mal auf die Reise, wurde dann aber gleich wieder eingelagert und blieb dort wegen eines »Feiertags« liegen, wie die Sendungsverfolgung verriet. Nun, dass Weihnachten immer wieder unverhofft kommt, erwähnte ich bereits, aber dass das Fest bei DHL schon Mitte Dezember stattfinden soll, mag ich nicht so ganz glauben. Als wenige Tage später drei Benachrichtungskärtchen im Briefkasten lagen (inzwischen erwarteten wir noch zwei weitere Sendungen), atmeten wir innerlich erst mal auf. Zwar weiß man nie, ob man die in der Filiale hinterlegte Bestellung auch wirklich bekommt, schließlich wurde von der Post inzwischen schon eine Klamottenbestellung und sogar ein per Einschreiben verschicktes Abschlusszeugnis (!) verschlampt, aber zumindest besteht so die Chance auf Erhalt der Ware. Bei genauerem Hinsehen jedoch fiel dann auf, dass eine der Benachrichtigungen gar nicht für uns war, sondern für eine andere arme Seele, die irgendwo anders in unserer recht großen Straße wohnt und absolut gar nichts mit uns zu tun hat. Und die jetzt blöd da steht, so ohne Benachrichtigung.

Das ist der aktuelle Status. Paket Nummer drei lässt weiter auf sich warten, während DHL sich laut Werbung selbst zum Partner des Weihnachtsmanns auserkoren hat. Bei dem Gedanken sehe ich schon etliche Kinder heulend vorm Baum sitzen, weil ihre Geschenke zur Bescherung noch in irgendwelchen Frachtzentren vergammeln. Deswegen geht die Goldene Kotzkrücke 2014 ganz klar an die Deutsche Post/DHL. They had one job! Dass wir nicht die einzigen sind, verrät ein Blick auf den Facebook-Account des Unternehmens. Die armen Kundenberater sind vermutlich ähnlich genervt wie die nicht belieferten Empfänger, während den Vorständen des Bonner Riesen die Sonne aus dem Arsch scheint. War denn nicht absehbar, dass zur Weihnachtszeit ein erhöhtes Paketaufkommen gewisse Prozesse eventuell verlangsamen oder zum Stillstand bringen könnten? Wenn die Privatisierung und das damit einhergehende Profitabelsparen ehemaliger Staatskonzerne solch gammlige Früchte trägt, dann sind freie Märkte vielleicht ja auch nicht immer der geilste Scheiß unter der Sonne. Auch anno 2014 gibt es sie noch, die Servicewüste Deutschland. Sie ist weitläufig und staubig, vor allem aber ist sie gelb!

2 Gedanken zu “Die Goldene Kotzkrücke 2014 geht an …

  1. RoM

    Hallo Thomas.
    Wie schon der gescheite Sir Stanley Laurel festhielt:
    "Alma-nazurka brennabor!"

    Es ließe sich auch in den dunklen Lagerraum stellen, daß Global-Player-Gepose oder verbrannte Werbegelder für das Gottschalk-Konsortium, nicht von den Durchhängern in der oberen Etage ablenken können.
    Abgesehen davon, daß in den Nieten-Schmieden Mordors nur noch ein fuck the client / fuck the employer als Mantra gelehrt wird.

    Das Konzept "Franchise" - nur um einen (!) ethischen Dünnpfiff zu erwähnen; quasi die Vorfinanzierung des eigenen Piratenüberfalls!
    Ei, die globale Wegelagerei...

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      schön auf den Punkt gebracht! Danke dafür. 🙂 Ich meine, DAS kann ja wohl auch nicht der Weg ins gelobte Serviceland sein. Mit der Bahn ist es ja nicht anders, aber über die habe ich mich hier auch schon ausgekotzt. War also nicht noch mal notwendig. Auch die stellt sich jedenfalls als Global Player hin und krieg hierzulande den Personenverkehr nicht vernünftig hin, sodass am Jahresende mit einigermaßen zuverlässigem Nahverkehr die Gesamtverspätungsstatistik schöngefärbt werden muss. Bei der Post offenbar inzwischen dasselbe. Man hat den Eindruck, Mehdorn wäre da mal Vorstand gewesen, dabei war's nur der Betrüger Zumwinkel. (In welchem Aufsichtsrat sitzt der eigentlich inzwischen?) Ach, ein Ärgernis ist das alles.

      Viele Grüße
      Thomas

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