Und weil Kleinvieh auch Mist macht …

Manchmal, wenn ich allein bin und penetrant laut rülpse, dann fühle ich hinterher, ob mein Bauch dünner geworden ist. Nicht, dass ich dick wäre, es steckt nur einfach so in mir. Wie die Luft, die ich versehentlich verschluckt haben muss und die dann geräuschvoll entweicht. Es steckt von früher her in mir wie das Kind, das ich irgendwo mal verloren hatte, und das sich inzwischen wieder hervorgewagt hat. Meistens freue ich mich darüber, dass es wieder da ist, dass ich mich trotz meiner inzwischen 30 Lenze benehmen kann, als hätte ich gerade erst die Schulmappe (So nennt man das Ding da, wo ich herkomme.) in die Ecke geschleudert, um mir die Cartoons auf RTL2 anzuschauen. Nur dass es heute vielleicht eher Serien bei Netflix sind. Hin und wieder hab ich aber auch Angst, dass mich die erste Midlife-Crisis gepackt haben könnte. Aus familiärer Sicht heraus kann ich sagen, dass ich durchaus anfällig dafür sein dürfte, falls dieser Wahnsinn tatsächlich vererbt werden sollte.

Anyway, ich genieße es, Dinge tun zu können, die ich schon als Kind und Jugendlicher gern gemacht habe. Zwar hocke ich mich nicht mehr mit einer Kiste Lego in die Ecke und baue waffenstrotzende Kampfroboter mit Wohnzimmereinrichtung für die Bewohner im Torso (So kreativ war ich damals dann doch.), aber ich mag immer noch gerne Lego-Steine. Ich baue gern kleine Dinge, wenn ich mal die Möglichkeit habe, und ich liebe Lego-Spiele für Spielkonsolen.

Überhaupt, Spielkonsolen: Auch so eine Liebe, die ich wiederentdeckt habe. So ein paar Stunden die Welt einfach mal Welt sein lassen, mit dem Gamepad bewaffnet in digitale Welten eintauchen, das ist ein Privileg, für das ich sehr dankbar bin. Ich weiß noch, als ich Schüler war, dachte ich daran, wie unfair es doch sei, dass meine Eltern ca. 150 Euro monatliches Kindergeld für mich bekamen und mir lediglich einen Bruchteil davon abgaben. 150 Euro!!! Meistens rechnete ich die Summe direkt in Spiele um und träumte davon, dass ich sie mir jetzt sofort alle kaufen könnte, wenn ich nur mein Kindergeld ausgezahlt bekäme. In meinen Augen war's nicht fair: Es stand mir einfach zu, schließlich war es Kindergeld und ich das Kind. Na ja, heute ist das alles scheißegal. Wenn ich ein Spiel haben will, geh ich los und kaufe es mir. Oder ich lade es herunter, wenn ich keinen Bock habe, mich zu bewegen. Digitalen Vertrieb gab es ja damals nicht. Die Welt dreht sich weiter.

Sie dreht sich weiter, und Leute, die ich mal kannte und immer noch kenne, werden selbst Eltern. Eltern, die plötzlich Elternprobleme haben und über Elternthemen reden. Zumindest davon bekomme ich im Alltag nicht so viel mit, aber ich stolpere oft in Blogs, die ich ansonsten gern lese, über Elternthemen. Blogger werden zu Elternbloggern, und dann bin ich irgendwie außen vor. Das sind Themen, an die ich nicht herankomme, böhmische Dörfer irgendwie. Ich hab ja das Kind in mir bewahrt und bisher verspüre ich keinerlei Lust, selbst Nachwuchs in die Welt zu setzen. Und dann frage ich mich, ob das eigentlich okay ist, selbst von der inneren Einstellung her einen Schritt zurückzugehen, statt den nach vorn zu wagen, den zumindest gefühlt die meisten anderen gehen. Aber ich denke schon. Es ist nichts, was mich sorgt oder so.

Denn am Ende des Tages kann ich dieses Leben, so wie es gerade ist, sehr genießen. Ich sitze hier im eigenen Wohnzimmer, vor mir steht ein Weihnachtsbaum, und irgendwie erinnert mich diese Kulisse an das frühste Bild, das ich zu Wohnzimmern und Weihnachtsbäumen noch in meinem Kopf mit mir herumtrage: Ich komme ins Wohnzimmer, meine Eltern schlafen noch. Am Fenster steht ein großer Weihnachtsbaum, an dem bunte kleine Laternchen hängen und viel zu viel Lametta. Mein Vater war beim Schmücken damals fürchterlich geschmacklos. Es ist ein Gefühl des Behütetseins, auch wenn ich mich im Prinzip ja selbst behüte. Man soll die kleinen Momente wertschätzen, vielleicht, weil Kleinvieh auch Mist macht und Mist in diesem Fall macht, dass das Leben schön ist.

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