Ruhe im Karton

So, Welt. Jetzt hast du's geschafft. Mutti hat immer gesagt, mit blöden Kindern muss ich nicht spielen.* Ich hab nämlich die Nase voll von dir, vor allem aber von dem ganzen Kram, der so passiert und der dann seinen Weg in die Nachrichten findet. Alles, was mir der ganze Schwachsinn bringt, den ich täglich lesend oder schauend konsumiere, ist schlechter Stuhl. Ich hatte eigentlich vor, an dieser Stelle einen Beitrag über die Dummheit der meisten Menschen zu publizieren. Nachdem aber mindestens zwanzig mal das Wort »scheiß« in meinem Post vorkam, der ohnehin schon die Skala für Political Correctness um Lichtjahre sprengte, hab ich entschieden, das Ding im Entwurfsstatus versauern zu lassen und stattdessen mein Politik- und Gesellschaftsmedienkonsumverhalten (Was'n Wort!) zu ändern. Man muss ja immer mal seinen eigenen Standpunkt hinterfragen und gegebenenfalls auch anpassen, wie schon der große Philosoph Oliver Kahn einst sagte, und genau das tue ich jetzt.

Also liebe Welt, künftig scheiße (Ha, da ist es wieder, das Wort!) ich auf das, was in dir so passiert. Ich werde das Gedöns um mich herum ignorieren und mich stattdessen den schönen Dingen hingeben. Den Kopf in den Sand stecken mag jetzt auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber bevor ich mich bis zur Darmverstopfung aufrege, und glaub mir, liebe Welt, ich krieg das hin, übe ich mich doch lieber im Fokussieren auf das, was mir zwar nicht wesentlich, aber dafür angenehmer scheint.

Wenn du dich dann in ein paar Jahren oder so wieder eingekriegt haben solltest, Welt, dann können wir's ja noch mal miteinander versuchen. Bis dahin ist Ruhe im Karton, was dich und mich angeht.

 

* Ist gelogen. Hat sie nie gesagt.

6 Gedanken zu “Ruhe im Karton

  1. RoM

    Konban wa, Thomas san.
    Auch wenn Verdauung an der Schöpfungskrone erheblich kratzt, ein genehmer Abgang des zuvorigen Eingangs ist von zentraler Bedeutung für den Menschen.
    Nicht zuletzt ein Naturkreislauf.
    Man/frau muß demnach auf seine Gesundheit achten.

    Rein persönlich habe ich mir im Lauf des älter werdens angewöhnt sowohl das häßliche Haupt menschlicher Abgründe, wie die Schönheit schöpferisches Geistes zu beachten.
    Allerdings - ich meide seit Jahrzehnten die einprasselnden Bilder täglichen Schreckens, weil ich mich lediglich via Radio (Wortsender) auf dem Laufenden halte. Bilder wirken hier allzu destruktiv auf einen. Worte - gelesen oder gehört - erleichtern einem das Verarbeiten der Dinge.

    Die mobile Asympathie vom bayrischen Hochnasenhausen in die Nähe von Philosophen zu zitieren ist eine perfekt runde Pointe. 😀

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      findest du, dass vor allem visuelle Reize zu dieser destruktiven Wirkung beitragen? Ich habe auch das Gefühl, dass Nachrichten ihr Übriges tun, wenn ich sie eben nur lese. Kann natürlich auch daran liegen, dass ja doch meist auch Bilder in den entsprechenden Artikeln zu finden sind. Ich lese Nachrichten ja ausschließlich online und nie in der Zeitung (irgendwie nicht mein Ding, dieses raschelnde Zeug).

      Hochnasenhausen find ich gut übrigens. 🙂 Und den Oliver Kahn fand ich eigentlich zumindest als Kommentator oder "Experte" (Bah, dieses Wort!) gar nicht so verkehrt. Vor allem ist er sich auch für Selbstironie scheinbar nicht zu schade, und das mag ich eh. Aber im Prinzip hab ich da sonst keine Aktien drin, weil Fußball mich jetzt nicht gerade auch nur peripher tangiert. 😉

      Viele Grüße
      Thomas

  2. RoM

    ...der Einfluß von bewegten Bildern ist erheblich, denke ich.
    Weil "Peggy ist da" gerade durch alle Kanäle nudelt, sieht sich der rechtschaffende Spießbürger interessiert mitwanken. Ob Peggy oder Jogi bleibt sich dabei für manchen als Event gleich; zumal sich die Sommer-Fahnen dafür mehrfach recyclen laßen.
    Bilder sind wohl auch dann beeinflußend, wenn Otto-Norma sich ansonsten eher wenig auf dem Laufenden hält. Jetzt abgesehen vom sprichwörtlichen Kurzzeitgedächnis - ansonsten ich mir die Popularitätswerte so manchen politischen Windfähnleins ja nicht erklären kann. 🙂
    Mir persönlich brächten so manche Bewegtbilder die Galle zum überkochen.

    Die Hochnasen von der Isar passen adäquat zu ihrer Chef-Etage - keine Frage nicht...
    Wobei mir Kahn bereits als Charakter unsympathisch war & ist.

    Ansonsten erscheint den Herren Überbezahlt das Wetter in Katar & das Klima in Saudi Arabien nicht bekommen zu sein; eine feine Niederlage heute Abend.
    🙂

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ja, das mit den Fahnen ist eh so'n Ding. Pünktlich zum Fußballfest wird aus einem Staatssymbol plötzlich ein Fan-Utensil. Das ist, wenn man genauer drüber nachdenkt, schon ein bisschen seltsam.
      Aber da magst du durchaus recht haben, was die Bilder angeht. Speziell, was die Popularität so mancher, nun ja, Politikerin angeht (wer das wohl sein könnte), die eigentlich immer nur in irgendwie charmantem Licht dargestellt wird. ich würde aber nicht so weit gehen, die Presse hier der Verschwörung zu bezichtigen (das können die "Peggys" machen), sie hat's halt einfach drauf, was die sympathische Selbstdarstellung angeht.

      Puh, äh, Niederlage? Hab ich da was verpasst? Abseits der Welt- und Europaturniere krieg ich davon nicht so richtig viel mit.

      Viele Grüße
      Thomas

  3. RoM

    ..."Selbstdarstellung", ja. "Sympathisch" !? Zumindest nicht in meinem Empfangsbereich. Besagte Regierungschefin kreuzt eher auf der Welle "Unverbindlichkeiten". Mit Blick auf den Winddreh, um sich nach einem Tauchgang an die erkennbare Spitze zu stellen. Eigene "Überzeugungen" oder auch nur getätigte Aussagen unterliegen der Inflation.
    "Mit-mir-gibt-es-keine-Maut"-Angela eben.

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ach so, ja gut, da unterscheidet sie sich ja kein bisschen von anderen Politikern. Es ist ja leider so: Kaum sind die Wahlen vorbei, wird schon wieder auf die nächste Wahl geschielt. Also bloß nichts sagen, was das Wählvieh verärgern und in die Arme der anderen Parteien treiben könnte.
      Was Merkel von anderen Alphatieren unterscheidet, ist ihre Demut vorm Amt. Man erinnere sich an den Kanzlerkandidaten Steinbrück. Will man eine Person mit einer dermaßen ausgeprägten Arschlochattitüde an der Spitze? Ich ja eher nicht. So gesehen macht sie ihre Sache schon ganz gut, find ich. Wählen würde ich sie allerdings trotzdem nicht. Liegt aber nicht an ihr direkt, sondern an der Partei insgesamt.

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