Was man so tut

Komische Gewohnheiten gibt es auf der Welt. Dinge, über die man nie spricht, die man aber einfach so tut. Nicht, dass sie uns anerzogen worden wären, also wenigstens mir nicht, aber sie sind eben so drin. Beispielsweise an der Kasse im Supermarkt: Stehe ich da an, schmeiße das bunte Warengedöns aufs Band und lege dann hinter meine Ware dieses, öhm, Warentrenndingens (Wie heißt das eigentlich offiziell?), dann sagt der- oder diejenige hinter mir meist: »Danke.« Warum eigentlich? Danke, dass Sie meine Ware nicht mit bezahlen wollen etwa?

Anderes Ding: Gehen und herumstehen auf der Rolltreppe. Da wir in einer Hektikgesellschaft leben, gibt's immer auch Leute, denen die Rolltreppen zu langsam rollen. Also stampfen sie die steilen Dinger hinauf, um am Ende sagenhafte zwei, drei Sekunden Zeit zu sparen. Ja gut, kann man machen, ich bin ja auch ein Hektiker und mache das hin und wieder so. Aber warum bedeuten Rolltreppen immer: links gehen, rechts stehen? Hat das mal irgendwer so festgelegt? Steht das irgendwo? Warum hinterfragt das niemand? Liegt es daran, dass rechts Autos parken und links daneben gefahren wird? Und verhält es sich dann in England auf Rolltreppen umgekehrt?

Oder Smalltalk im Fahrstuhl. Ich steige morgens in den Lift, wenn ich ins Büro muss. Solange ich nicht den ersten Kaffee intus habe, bin ich schlechter gelaunt als ein Eisbär in der Sauna. Da will nicht reden, schon gar nicht so was hier:

»Wieder kalt draußen, was?«

»Joa, aber soll ja bald besser werden.«

»Na hoffen wir mal.«

BING!

»So, schönen Tag noch.«

»Danke. Ebenfalls.«

Woah, nee! Warum ist das so? Was ist so schlimm daran, für die paar Sekunden, während der man auf einem Quadratmeter zusammengepfercht steht, Löcher in die Luft zu starren und den Sabbel zu halten?

Gesellschaftliche Normen sind was Seltsames. Ich finde es immer ulkig, dass Tiere gewisse Dinge einfach wissen, ohne sie je bewusst gelernt zu haben. Unsere Katze zum Beispiel: Die tut Dinge, die alle Katzen tun, scharren etwa (auch wenn sie das auf dem Laminat macht, statt im Katzenklo), sich an Vögel anschleichen, etc. Hat sie aber nie von einer anderen Katze gelernt (daher vermutlich die Laminatsache). Wissen tut sie es trotzdem. Beim Menschen scheint es sich mit den genannten Dingen ähnlich zu verhalten. Wir tun sie einfach, hinterfragen sie kaum oder nicht so, als dass wir wirklich Antworten suchen oder uns bewusst anders verhalten. Und wenn doch, sind wir komisch, solange wir nicht reich und damit automatisch exzentrisch sind.

2 Gedanken zu “Was man so tut

  1. RoM

    Hoi, Thomas.
    Fall 1 kann ich Dir mit dem Umstand der primären Höflichkeit erklären. Den nächsten Warentrenner zu platzieren erspart der nachfolgenden Schönen dies zu tun. Ein Relikt der Zeit als der Edelmann entweder seinen Mantel oder seinen Domestiken in den bodennahen Unrat warf, um der Demoiselle die latrinenfreie Querung einer Straße zu ermöglichlichen.

    Fall 2 hat wohl damit zu tun, daß die Mehrzahl der Menschen rechtshändig zu Fuß sind. Wir stehen, aber die Stufe unter uns bewegt sich in zwei Dimensionen; also versichert sich unser Gleichgewichtssinn, ob alles gelotet ist, indem instinktiv das mitlaufende Geländerband gehalten wird - mit der Rechten. Zwingt natürlich die Überholer auf die linke Seite.

    Fall 3. Hier wirkt die Psychologie des Kennt-manfrau-vom-sehen. Soziale Untiefen werden umgangen, indem über ein neutrales Areal geplänkelt wird. Obschon mir der Aufzug eher als Hort einer Duldungsstarre bekannt ist.

    Laminatkratzen ist eben die höhere Zivilisationsweihe der Katze. Die Inanspruchnahme des feliden Terains ("alles mein!"). Da hilft wohl nur ein Satz Laminat-Stifte! 🙂

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      zu Fall 2: Ist dir mal aufgefallen, dass das mitlaufende Geländer sich zumeist etwas schneller bewegt als die zugehörige Treppe? Wenn man auf selbiges seine Hand legt, ist man quasi dazu verpflichtet, auf der Treppe zu gehen statt zu stehen. Skurril eigentlich.

      Laminatstifte wird nicht alles sein, was wir beim Auszug brauchen. *seufz* Das Fellbündel lässt sich auch partout nicht davon überzeugen, dass die Kratzerei an für sie vorgesehenen Vorrichtungen besser (für uns) ist. Tja, Katzen halt ... 😉

      Viele Grüße
      Thomas

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