Eklige Chemiekirschen, fucking Recherche und bunte Bildchen

In letzter Zeit war's hier etwas ruhiger als, äh, vor ein paar Jahren oder so. Okay, nichts Neues also. Diesmal hat meine Schreibfaulheit aber auch einen Grund. Meiner Freundin sei dank, die eigentlich lediglich eine neue Kamera kaufen wollte, um schönere Fotos für ihr Bücherblog zu knipsen, bin ich auf das Thema Fotografie aufmerksam geworden. Und wer mich kennt, weiß, dass aufkeimendes Interesse bei mir vor allem mit einem beginnt: Recherche, Recherche, fucking Recherche! Wer fotografieren will, braucht schließlich vor allem eines: 'ne Knipse.

Nach ausgiebigen Testberichten, Befragungen von Kollegen, etc. hatten wir uns recht schnell für die kompakte Sony RX100 entschieden. Gesagt, gekauft, und so konnte die erste Fototour im Berliner Viktoriapark beginnen. Daran hatte auch ich so viel Spaß, dass ich mich entschied, gleich mal selbst 'ne Kamera zu kaufen. Weil ich da dank Recherche, Recherche, fucking Recherche schon ganz gut im Bilde war, hatte ich mir natürlich schon ein paar Modelle ausgeguckt.

Im Saturn war's dann, wie's immer ist, wenn man da was kaufen will: Hinterher möchte man den Verkäufer am liebsten gegen die nächste Wand klatschen oder gleich mit Kompaktkameras steinigen. Auf meine Frage nach einem bestimmten Modell, das leider nur noch als Vorführmodell vorhanden war, führte der übermotivierte Angestellte mich zu einer, seiner Meinung nach, natürlich ausgezeichneten Alternative – die so drei- bis vierhundert Euro mehr kostete. »Hat super Werte«, meinte der werte Herr, und ich dachte nur: Wie jetzt, soll das diese Beratung sein, von der man außerhalb des Internet hin und wieder hört? »Junger Mann«, hätte ich am liebsten gesagt, »ich tue seit Wochen nichts anderes, als die Spezifikationen zu System- und Spiegelreflexkameras auswendig zu lernen, kommen Sie mir also nicht mit ›Hat super Werte‹, klar?« Woah! Um der gammligen Sahnetorte dann noch die eklige Chemiekirsche draufzusetzen, die keiner mag, versuchte der Kerl hinterher noch, mir 'ne überteuerte Kameraversicherung ins Paket zu mogeln, nach der ich nicht gefragt hatte. Auf die Art aber nicht, Freundchen! Nächstes Mal kauf ich wieder im Internet bei freundlichen Fachhändlern wie Amazon oder so. Als beruflicher Berater bin ich ohnehin beratungsresistent, da brauche ich keinen Einzelhandel mit der Mentalität eines windigen Gebrauchtwagenverkäufers.

Jedenfalls bin ich jetzt Besitzer einer Nikon DSLR aus dem Einsteigersegment, und wenn ich an freien Tagen nicht gerade samt Freundin und Kameras durch die Gegend stromere, versuche ich, die Theorie in meinen Kopf zu kriegen. Die Geschichte mit den Blenden, Verschlusszeiten und ISO-Werten ist ja schnell begriffen (wenn auch nicht immer schnell umgesetzt), das mit der Motivwahl dagegen ist die eigentliche Kunst, wie mir scheint. Aber es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Sollte ich mich letztlich nicht allzu blöde anstellen, schmück ich diese Seite hier demnächst also vielleicht sogar mal mit Bildern. Es geschehen eben doch noch Zeichen und Wunder.

2 Gedanken zu “Eklige Chemiekirschen, fucking Recherche und bunte Bildchen

  1. RoM

    Ohayo gazaimasu, Thomas san.
    Zur Frühzeit des Menschen ging Gorgk Fellmann noch auf die Pirsch, Beute zu erlegen. Der moderne Mann - den Wandel der Zeiten registriert habend - erkundet jetzt das zu bejagende Terrain via Recherche. Gründlicher Recherche, denn das zur Strecke zu bringende Objekt soll am gemeinsamen Lagerfeuer für ruhmreiche Stories taugen.

    Tja! Was früher der gerissene Felltreter vom Nachbarkollektiv war, ist jetzt der simpel geschulte Firmenverkäufer. Sein morgendliches Mantra: "Verkaufen um jeden Preis - in jedem Fall aber dem höheren!".
    Immerhin suggeriert Dir doch die plumpe Werbung des Hauses, daß man/frau gefälligst das Produkt zu erwerben hat, das Nick T.* einem präsentiert. Selbst wenn man keinen Solar-Eierwärmer wollte...

    Der jeweilige Fachhandel bleibt mir da lieber als Saturnier oder gar a-Zone. 🙂

    Anmerkenswerte Fotografie vom Gendarmen-Platz - lodert in einem Hauch von Dantes Inferno.

    bonté

    * Name dem Autor bekannt

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      eigentlich hätte der genannte Jäger das Objekt der Begierde ja auch gar nicht im blau-orangen Technikmassengrab erworben, sondern lieber gleich online, allerdings war der Preis eben derselbe, und so sparte ich mir die Wartezeit. Der Preis dafür war eben ein windiger Verkäufer. Nick T. ist mir da allemal lieber, der sagt nämlich einfach gar nichts. 😉

      Das Foto hab ich übrigens lediglich mit der Smartphone-Kamera gemacht, und bis auf den Unschärfeeffekt musste ich auch nicht viel ändern (hab lediglich die Sättigung hochgedreht), weil der Gendarmenmarkt abends ohnehin in sehr interessantes Licht getaucht ist. 🙂

      Viele Grüße
      Thomas

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