Archive für den Monat: Juni 2015

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»Lauf, Alcudia! Lauf!« Vorhin, als ich gerade ins Büro schlurfte – vor dem ersten Kaffee ist schlurfen die einzig akzeptable Möglichkeit, einen Fuß vor den anderen zu setzen –, kam ich an einem Kinderlaufevent vorbei, oder wie man so was auch immer nennen mag. Früher hätten wir das Sportfest genannt, heute klingt das aber ganz schön nach Erich Honecker. Jedenfalls rannten da ein paar Kinder in bunten Klamotten um einen winzig kleinen Platz, angefeuert von Eltern und Erziehern. Und eine Frau rief eben besagtes: »Lauf, Alcudia! Lauf!« Wer dachte, das klingt mit Forrest schon doof, der hat's mit Alcudia noch nicht gehört. Alcudia ... also eigentlich Alcúdia, nun, ich war da ja mal. Schönes Örtchen auf Mallorca, wenn man keine Lust drauf hat, Urlaubern dabei zuzusehen, wie sie sich zum Einzeller zurückentwickeln und der Meinung sind, nur überleben zu können, wenn sie Pennerbombengesöff aus einem Eimer trinken. Bisschen viele krebsrote Engländer in der Hauptsaison, die sich ja auch ganz gerne mal danebenbenehmen (wobei sich dieses Benehmen direkt proportional zur Anzahl ihrer Zahnlücken zu verhalten scheint), ansonsten aber wirklich ein schönes Örtchen. Aber würde ich mein Kind deswegen so nennen?

Ein Kollege meinte, vielleicht wurde das Kind ja in Alcúdia gezeugt. Guter Punkt. Wenn der Urlaub besonders schön war und man eine Dekade lang drauf gespart hat, deswegen extra auf Kippen, Markeneierlikör und ergonomisches Schuhwerk verzichtet hat, will man sich vielleicht auch für immer daran erinnern, wie schön es da war. Schließlich ist so ein Urlaub ratzfatz wieder vorbei. Ich fand's ja auch schön, nur das mit den Algen beim Baden war ein bisschen doof. Und die viel zu stark brutzelnde Sonne, die meiner Freundin und mir diese fies juckenden Hitzepickelchen bescherte, auch wenn ich ja immer noch der Meinung bin, dass es eine Mischung aus Algen und Sonne war, aber wurscht. Jedenfalls hätte ich ein eventuell gezeugtes Kind - eventuell deswegen, weil ja keines gezeugt wurde - nicht Alcúdia genannt, himmelherrgott. Vielleicht auch, weil das Kind mich dann immer an fies juckende Hitzepickel erinnert hätte, vornehmlich aber, weil Alcúdia einfach ein total bescheuerter Name für ein Kind ist.

Was wäre denn gewesen, wenn das Kind in Kotzen gezeugt worden wäre? Oder in Wassersuppe? In Gifthof oder Knochenmühle? Nicht auszudenken! Auch ich finde es ja gut, dass Eltern ihre Kinder heutzutage nicht mehr Gertrud oder Randolf nennen müssen. Mein Opa heißt Traugott ... Ja. Und gibt's eigentlich noch irgendwo herumlaufende Adolfs? Wenn ein Name aus der Zeit gefallen ist, sollte man ihn auch einfach da liegen lassen. Schließlich hebt man ja auch sonst nicht alles auf, was so auf dem Boden herumliegt. Vor allem, wenn es braun ist und matschig und anfängt zu stinken, sobald man reingetreten ist. Für manch altmodische Namen gilt das alles sicherlich auch. Andere leicht veraltete Namen dagegen werden vermutlich gerade von Sojamilch-Chai latte schlürfenden Hipsterpärchen wiederentdeckt. Ludwig und Kassandra gehen dem stolzen Hipsterpapa wahrscheinlich deutlich eleganter vom wallenden Vollbart als Stangenware wie Lara oder Max.

Apropos Hipsternamen: Ich recherchiere nebenher selbstverständlich ein bisschen, und unter den Top-Hipster-Babynamen ist zumindest bei den Mädchen doch tatsächlich auch Nike. Nike ... Spricht man das jetzt Nike, also so wie Pike, oder tatsächlich doch eher wie den Sportartikelhersteller mit dem Häkchen als Logo? In dem Fall: Gut, dass Hipster Adidas offenbar weniger gern mögen. Oder Puma ... meine Güte! Puma! Unter den Top-Jungsnamen befindet sich übrigens Darwin. Das find ich ja schon wieder sehr souverän: einerseits ein Bekenntnis zur Evolutionstheorie, andererseits aber auch gleich ein Fingerzeig, wo's für den Nachwuchs modisch künftig mal hingehen wird: Denn wenn Darwin heutzutage für was anderes als für seine Evolutionstheorie bekannt ist, dann doch wohl für seinen episch langen, weißen und vermutlich gut schamponierten (Hipster-)Vollbart. Obwohl Darwin ja streng genommen ein Nachname ist, hieß doch der gelehrte Weihnachtsmanndoppelgänger mit Vornamen eigentlich Charles. Weiß der Hipster an sich aber bestimmt nicht. Nicht schlimm, erinnert Charles die meisten doch wahrscheinlich am ehesten an den elefantenohrigen britischen Thronfolger, dem man immer noch einen Hang zum Tampon-Fetisch nachsagt.

Aber letzten Endes kann es mir ohnehin egal sein. Vermutlich kompensiere ich mit meiner persönlichen Abneigung gegen die ausufernde Kreativität werdender Eltern (Alcúdia, also bitte!)  nur den mangelnden Einfallsreichtum meiner eigenen Eltern. Zwar konnten die 1984 noch nicht im Internet herumsurfen, um sich ein paar Ideen zu holen, und überhaupt war man in der DDR ja auch nicht so richtig aufgeschlossen, wenn da einer mit Namen um die Ecke kam, die irgendwie nach Imperialismus rochen, aber ein bisschen mehr als Thomas wäre doch bestimmt drin gewesen. Vor allem dann, wenn man mit einem der am häufigsten vorkommenden deutschen Nachnamen gesegnet ist. Ist ja nicht so, als hätten sie nicht vorher neun Monate Zeit zum Überlegen gehabt, aber ach ... Meine Schwester bekam dann drei Jahre später übrigens tatsächlich einen einfallsreicheren Namen. Meine Mutter meinte mal, sie hätte diesen Namen aus einem Film. Der hätte ihr halt gefallen. Kann ich eigentlich froh sein, dass meine Mutter den Film Sissi immer schon beschissen fand. Mit Franz als Vorname hätte ich wahrscheinlich schon längst die Beine in die Hand genommen und wäre ins Exil geflüchtet. Vielleicht hätte man mir dann nachgerufen: »Lauf, Franz! Lauf!« Und DAS hätte erst mal bescheuert geklungen!

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Vor einiger Zeit habe ich mir eine Polar M400 gekauft, also so 'ne Schnickschnackuhr, die aussieht wie eine dieser uralten Casio-Armbanduhren auf Steroiden. Da ich mal mehr und mal weniger häufig laufen gehe und eben hin und wieder auch ganz gerne sehe, ob ich mich verbessert habe oder so langsam bin, dass ich rückwärts durch die Zeit diffundiere, empfand ich's als eine ganz gute Idee, mir so ein Teil zu kaufen. Klar, nichts, was mein Smartphone nicht auch kann, aber dieses Riesending mittels Schnalle um den Arm zu wickeln fühlt sich eben immer an, als würde ein sadistischer Arzt eine ganze Stunde lang den Puls messen, während man auf einem Laufband vor sich hinkeuchen muss. So 'ne Uhr erschien mir da schon chicer. Die Apple Watch fiel übrigens von vornherein flach, weil die kein eingebautes GPS hat und damit auch nur eine Penisverlängerung für das iPhone ist.

Apropos Penisverlängerung: Polar hat seiner Uhr mit dem letzten Update auch ein paar ... Features spendiert, die denen der Apple Watch ähneln: Smartphone-Benachrichtigungen jeglicher Art werden jetzt auch auf der M400 angezeigt, und wie gestern bemerkte, kann ich scheinbar nun sogar Anrufe auf dem Ding entgegennehmen. Wie auch immer das funktionieren soll, wenn das Telefon währenddessen in meiner Hosentasche steckt, aber hey, that's none of my business. Das mit den Benachrichtigungen ist zugegebenermaßen ein bisschen praktisch, weil ich so sofort sehe, warum mein Telefon pingt oder vibriert, ohne es erst mühsam aus der Tasche kramen zu müssen, während ich im Bus eingepfercht zwischen schwitzenden Touristen stehe und mich kaum bewegen kann. Ist aber eben nur ein bisschen praktisch, weil man bspw. Nachrichten auf der Uhr nicht scrollen kann, d.h., ich sehe auf dem Winzdisplay mit seiner Auflösung von gefühlt vier mal vier Pixeln den Absender und vielleicht die ersten zwanzig Zeichen einer Nachricht. Den Rest muss ich dann erraten oder eben doch auf dem Telefon nachlesen. Antworten oder so geht schon mal gar nicht. Dolles Ding. Kommt hinzu, dass die Uhr nun ständig die Verbindung zur App auf dem Smartphone verliert, bzw. die App mich dauernd ausloggt. Alle paar Tage muss ich mich nun neu einloggen, die Daten der Uhr mit der App synchronisieren, etc. Von der Sync-Software auf meinem Mac ganz zu schweigen, die bei gefühlt jedem zweiten Synchronisationsvorgang sang- und klanglos abstürzt. Hat den Kram eigentlich irgendwer getestet?!

Hätte man der M400 statt dieser unausgereiften und nicht zu Ende gedachten Funktionen nicht lieber was Gescheites hinzufügen können? Wo sind bspw. individualisierbare Trainingspläne? Eine Funktion, die mich dran erinnert, wie lange ich heute laufen muss? Smartphone-Apps können das schon lange. Warum baut man der Software nicht ein, dass die Uhr mich darauf hinweist, wenn ich zu schnell oder zu langsam laufe? Es gibt Pulsmessgurte, die können das. Wenn ich schon einen Trainingsbegleiter kaufe, weshalb begleitet er mich nicht, sondern tut so, als wäre er eine Apple Watch für alle, die gern eine hätten, sich aber keine leisten können? Solche Funktionen treiben die Leute am Ende doch nur zum Original.

Ich kann mir gut vorstellen, wie das im Management bei Polar abgelaufen sein wird. Der Chef kam mit seiner nagelneuen Apple Watch Edition rein (Ja, Edition ist die goldene mit dem Mondpreis!), schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte: »Das, was meine neue Uhr hier kann, müssen unsere auch können. Baut das ein!«

Bemitleidenswerter Ingenieur mit Ahnung darauf: »Aber dafür ist unser Produkt doch gar nicht gemacht.«

Chef: »Papperlapapp! Baut das ein!«

Bemitleidenswerter Ingenieur mit Ahnung und zweihundert Puls: »Aber DAS GEHT NICHT!«

Chef: »Sie sind RAUS!«

Oder eben so:

Meeting bei Polar

Ich saß im Büro, war im Alltag ersoffen,
da hatte ich dich in 'nem Tagtraum getroffen:
Wir zwei an der Ampel, sie gab grünes Licht,
und ich ging auf dich zu, doch du regtest dich nicht.

Zog Kreise um dich wie die Sonne ums Heute,
ich winkte und rief dich, es starrten die Leute
auf uns und sie wünschten, es würde gescheh'n,
denn sie sagten: Mensch Mädchen, du musst ihn doch seh'n!

Doch hatte mein Traum dir die Augen genommen.
Du bliebst wie erstarrt, ich lud tränenverschwommen
die Schuld auf den Traum, denn du sahst mich ja nicht,
mit zwei tiefschwarzen Löchern in deinem Gesicht.

So wachte ich auf, mir war heiß und es brannte
die Frage im Kopf, deren Antwort ich kannte:
Weshalb du nichts sagtest – sie sei mir erlaubt.
Denn wenngleich du auch blind warst, du warst nicht ertaubt.

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Schrauben ...»Lern du später was Anständiges, dann hast du es mal besser als wir!«, war so ein Satz, den meine Mutter gern vom Stapel ließ, wenn sie mal wieder die Spinnweben aus der Brieftasche wedelte. Nun, ich nahm sie beim Wort und studierte Wirtschaftsinformatik. Die Wirtschaft bringt seit jeher die Kohle, Computer sind die Zukunft, da konnte ich ja gar nichts verkehrt machen!

Neulich dann im Baumarkt ...

Eigentlich hätte es schon ein schlechtes Omen sein müssen, als ich die U-Bahn-Station hochstiefelte und mir die in Moll gehaltenen, dramatisch interpretierten Akkordeonklänge eines Straßenmusikanten hinterherdudelten. Hätte man dem guten Herrn stattdessen eine dicke Orgel hingestellt und das eigentlich ganz nette Frühlingswetter durch grollendes Gewitter ersetzt, der vor mir aufragende Baumarkt hätte dann auch gut und gern das düstere Schloss eines stereotypen Vampirfürsten in einem Horror-B-Movie sein können. Baumärkte und ich, wir verhalten uns äquivalent zu Pizza und Mikrowellen: Wir gehen cool rein und kommen nach viel zu vielen gedrehten Runden im Inneren ziemlich labbrig und aufgeheizt wieder raus, ohne dass das Resultat für irgendwen sonderlich zufriedenstellend wäre.

Dabei mochte ich Baumärkte als Kind noch ganz gerne. Also eigentlich waren es nur diese ganz speziellen Häuslebauabteilungen mit den ausgestellten Türen in mehr oder weniger freistehenden Rahmen, die ich gern mochte. Keine Ahnung warum, aber ich ging als Dreikäsehoch eben gern durch Türen, auch wenn nichts dahinter lag. Vielleicht war das unbewusst der frühe Ausgleich dafür, dass ich im späteren Leben ständig gegen Wände, statt durch Türen rennen sollte. Für das ganze andere Brimborium, das Baumärkte dem Heimwerker von Welt so boten, interessierte ich mich damals dagegen nicht. Das lag in der Natur der Sache, was mich anging: Heimwerken und ich, das verhielt sich immer schon äquivalent zu Pizza und ... ach nee, das hatten wir schon. Jedenfalls ist es seit jeher so, dass ein Versuch meinerseits, einen Nagel in eine x-beliebige Wand zu treiben, eher den Gebäudestatiker auf den Plan rufen würde, als dass der Nagel tatsächlich fachgerecht in der Wand landet.

Natürlich sind daran wie immer meine Eltern schuld. Mein Vater hätte mich mehr in die Pflicht nehmen müssen, aber das tat er ebenso wenig, wie meine Mutter mir etwa beibrachte, wie man sich was Anständiges zu essen kocht. Und so würde ich heute am liebsten bei jeder Kleinigkeit einen Handwerker engagieren, wie ich auch Maggi Fix für Nudelwasser kaufen würde.

Entsprechend fremd fühle ich mich, sobald ich einen Baumarkt betrete, so wie ich das neulich eben tat. Um ein paar Schrauben zu kaufen. Schrauben. Einfach nur ... Schrauben. Um etwas ... festzu...schrauben. Als Informatiker denke ich da vielleicht zu digital, zu sehr in Einsen und Nullen, aber wenn ich losziehe und Schrauben kaufen möchte, dann erwarte ich – verdammte Axt – dass es einfach ein Regal gibt, in dem Schrauben liegen. Und das gibt es dann ja auch, aber warum ist das vermaledeite Regal denn bitte zwanzig Meter lang und enthält hunderte Schraubensorten, die für alles Mögliche geeignet sind? Holzschrauben, Spanplattenschrauben, Bohrschrauben, Schrauben für Blech, Schrauben für Harzer Käse, und und und. Dazu passend und nicht passend natürlich alle nur erdenklichen Größen und Formen von zugehörigen Muttern, Unterlegscheiben und Dübeln, und nichts davon liegt irgendwie so beieinander, dass ein Typ wie ich, der zwar jeden Drucker zum Laufen kriegt, der aber beim Einschrauben einer Glühbirne zur Gefahr für die Allgemeinheit wird, auch nur annähernd die Teile findet, die tatsächlich zusammengehören. Meine Fresse, das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein, oder?

Ich habe da ja eine Theorie: Eigentlich geht es gar nicht darum, dem potenziellen Kunden ein gut sortiertes Warenangebot zu präsentieren, bei dem er beherzt zugreifen und möglichst wenig falsch machen kann. Nein, es geht in erster Linie darum, dummen Idioten wie mir den beratenden Baumarktangestellten auf den Hals zu hetzen, der mir ruhigen Gewissens nur das Beste vom Besten empfiehlt, sprich, das Teuerste vom Teuersten aufschwatzt. Das ist wie beim Taxifahren in fremden Städten: Einmal »Och, ich bin eigentlich gar nicht von hier« zum Taxifahrer gesagt, schon braucht der für fünf Kilometer zwei Stunden und berechnet am Ende hundertfünfzig Euro. Ja ja, tolles Geschäftsmodell, das auf der Unwissenheit von Menschen wie mir fußt, die zwar wissen, wie man einen Webserver aufsetzt, die aber zum akuten Psychodoktorfall werden, wenn sie mal ein Loch in eine Wand bohren sollen.

Nun, irgendwie schaffte ich es am Ende, Schrauben, Dübel und Unterlegscheiben zusammenzusuchen, ohne dass mich jemand fragte, ob er mir helfen könne, aber kompetentes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit liegt mir eben, schließlich bin ich Berater von neun bis fünf.

Damit war das Elend allerdings noch nicht ganz überstanden, denn als Antichrist des Heimwerkens habe ich natürlich, abgesehen von einem Hammer und einem Kreuzschlitzschraubendreher nichts daheim, was sich beispielsweise auch nur annähernd für das Anbauen eines Regals nutzen lassen würde, von dem hinterher nicht alles wie von Zauberhand herunterrutscht. Sprich, mir fehlte eine Wasserwaage. Also ging ich die Regale auf und ab, auf und ab, auf und ab ... Zwar hängen an jedem der gigantischen Regale bedrohliche Schilder, die auf die Folterwerkzeuge hindeuten, die sich dort jeweils finden lassen, von Wasserwaagen stand da allerdings nichts. Falls ich je der Ansicht war, dass es nicht gut sein kann, alles über das Internet zu bestellen, ich revidierte diese Meinung augenblicklich und wünschte mir ein Suchfeld herbei. Während dieses natürlich nicht plötzlich über mir aufploppte, stolperte ich dennoch zufällig über eine kleine Palette mit Wasserwaagen in – man ahnt es – allen Formen und Größen. Inzwischen haben die Dinger LED-Anzeigen und piepsen, wenn man sie schräg hält, oder vielleicht auch, wenn man sie gerade hält, oder sie piepsen einfach immer, was weiß denn ich?! Dass man ein Stück Metall mit einem Röhrchen, in dem eine Wasserblase von links nach rechts schwappt, so verkomplizieren kann, hätte ich auch nicht für möglich gehalten. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass man für eben ein solches Stück Metall fünfzig Euro auf den Tisch legen kann.

Schnaufend packte ich also so ein völlig überteuertes High-Tech-Begradigungsdingsbums in meinen Korb und schlurfte resigniert in Richtung Kasse ... wo ich inmitten der Quengelware für den Hobbyheimwerker, der den Hals nicht voll kriegt, Wasserwaagen für unter zehn Euro fand: ein Stück Metall mit einem Röhrchen, in dem eine Wasserblase von links nach rechts schwappt. Na bitte! Also unter gut sortiert verstehe ich was anderes!

Für einen Moment überlegte ich, niedergeschlagen, wie ich inzwischen war, diese Abteilung mit den Türen zu suchen, die ... na ihr wisst schon: einfach ein paarmal hindurchgehen, nicht gegen Wände rennen, ganz wie früher, als derweil noch der Rest von Papa erledigt wurde, der sich mit dem ganzen Baumarktblödsinn auskannte, weil er das wahrscheinlich irgendwo mal gelernt hatte. Herrgott, hätte ich doch auch was Anständiges gelernt!