Archive für den Monat: September 2015

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Es wohnt ein Monster an der Spree,
macht (re)publik
wohl Politik.
Spielt Spiele, die ich nicht versteh,
von Geld und Krieg
und Markt und Sieg.

Weil Monsters Säen Wellen macht,
verbricht sein Wind
ein totes Kind
und tote Mütter - schwarze Nacht!
Weil Leichen blind
und freudlos sind

zieh'n Lebende vor uns're Tür,
aus Monsters Brand
verheertem Land.
Mit krummem Rücken steh'n sie hier
zur kahlen Wand
mit leerer Hand.

Der Kleingeist flucht, das Monster schreit:
»Die Welle rollt
nicht wie gesollt!
Wir sind für euch hier nicht bereit!
Noch nicht mal zollt
ihr Schwarzrotgold!«

Wer Wind erst sät, der erntet Sturm.
Der Kluge weiß
um diesen Preis
für Kriegsspiel aus dem Herrscherturm.
Ein ewig' Kreis,
des Monsters Scheiß!

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Freundin und ich haben ein neues Projekt. Wir bauen ein Haus, bzw. eher, wir lassen bauen. Vor einigen Wochen bereits haben wir ein kleines Baublog eröffnet, auf dem sich allerdings noch nicht allzu viel getan hat, abgesehen davon, dass sich überraschenderweise bereits erste künftige Nachbarn vorgestellt haben.

Wie wir auf die Idee gekommen sind, habe ich im ersten Post dort bereits ein wenig erläutert. Im Prinzip ist es aber einfach so: Wenn man hier eine wirklich schöne Mietwohnung haben möchte, dann muss man mindestens 1200 Euro monatlich auf den Tisch legen. 1200. Euro. Miete. In Berlin, einer Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit, mit vergleichsweise geringem Durchschnittseinkommen. Und selbst wenn man eine derart teure Wohnung findet, muss man bei der Besichtigung dem jeweiligen Vermieter dermaßen tief in den Arsch kriechen, dass man ihm hinterher erzählen kann, welche seiner Backenzähne Löcher haben. Das geht so nicht, echt. Mach ich nicht mehr mit, so was.

Tja, deswegen ziehen wir nun eben in die eigenen vier Wände. Das heißt, nicht »nun«, sondern irgendwann spät im nächsten Jahr. Und natürlich hoffe ich, dass alles glatt geht und man uns nicht in wenigen Jahren wahlweise bei »Raus aus den Schulden« oder »Nachbarschaftsstreit« in der Glotze zu sehen bekommt. Falls doch, treten wir dann hinterher noch bei »Goodbye Deutschland« auf. Irgendwas geht ja immer.

Sollte es also künftig weiterhin etwas ruhiger hier sein, kann das entweder daran liegen, dass ich keine Lust zum Bloggen habe, oder aber ich bin dabei, zähneknirschend die ersten Rechnungen zu bezahlen. Und sollte ich nach dem Einzug nichts mehr von mir hören lassen, habe ich wahlweise die Gartenarbeit nicht überlebt, oder ich liege auf der Dachterrasse und sonne meine Zehen.

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Der Sommer ist vorbei, ich bin fühle mich wieder agiler (ohne es zu sein), und genauso geht es auch unserer Katze. Ihre Wohlfühltemperaturschwelle liegt bei ungefähr 27 Grad. Sobald es im Wohnzimmer wärmer wird, liegt sie auf dem Teppich herum wie ein eingelaufener Bettvorleger. Wird es wieder kühler, dann ist es, als würde jemand einen Schalter in dem Tierchen umlegen: Sie wetzt durch die Bude wie ein tasmanischer Teufel – oder wenigstens wie der von den »Looney Tunes« – und dekoriert ihre Lichtgeschwindigkeitsspurts gern mit den seltsamsten Lauten.

Besonders gern macht sie das übrigens, wenn ich zu Hause bin. Ist nur meine Freundin da, macht die Katze der Bezeichnung Schmusetiger alle Ehre. Da wird auch mal den ganzen Tag über auf der Couch gepennt. Sobald aber ich dazukomme, scheint sie nichts lieber zu tun, als ... mich zu ärgern. Als hätte sie zwei Liter Kaffee getrunken. Sie macht das nicht boshaft oder so. Sie beißt ja nicht, bzw. nur dann, wenn man mal versucht, ihren Bauch zu streicheln, wenn sie gerade so gar keine Lust darauf hat (was zu 90 Prozent der Fall zu sein scheint): Dann klappt sie zusammen wie eine Bärenfalle, krallt sich fest, beißt und tritt. Na ja, wie das wahrscheinlich fast alle Katzen gern tun.

Aber dieses Ärgern ... Dahinter steckt Methode, und das Vieh ist verdammt gerissen, wenn es darum geht, neue Wege zu finden, wie sie mich auf die Palme bringen kann. Am liebsten stolziert sie zum Fernseher hinüber, stellt sich dann auf die Hinterpfoten und wischt mit den Vorderpfoten über den Bildschirm wie ein putzwütiges Erdmännchen. Was erst mal sehr putzig aussieht, nervt, wenn man gerade einen Film schauen möchte. Störe ich mich mal nicht an ihren Bildschirmwischaktionen, hat die Katze eine Steigerungsstufe entwickelt: Sie packt die Krallen aus und kratzt am Rahmen. Spätestens jetzt springe ich natürlich auf wie von der Tarantel gestochen. Die Katze tippelt dann freudig erregt in Richtung Futternapf. Gut, manchmal möchte sie lediglich darauf hinweisen, dass sie Futternachschub braucht, immer ist das aber eben auch nicht der Fall. Es ist, als würde sie alle paar Minuten frisches Futter haben wollen, und vielleicht ist das auch tatsächlich so. Ich habe aber eher das Gefühl, die Katze hat einfach Spaß daran, mich zu ärgern.

Sehr schön ist auch das Kratzen an der Wohnzimmertür: Die Katze haut ihre Krallen in den Türrahmen am Rand der eingesetzten Glasscheibe und wetzt sie wie an einem Kratzbaum. Sie tut das immer an derselben Stelle und hat den Türrahmen damit inzwischen in eine Art Aktionskunstwerk verwandelt. Und wie das mit Kunst so ist: Kann man mögen, muss man aber nicht. Die Kunsteinschätzung des Vermieters kann ich mir in etwa vorstellen ...

Auch das Kratzen an der Raufasertapete hat die Miez für sich entdeckt – zumindest an Ecken, wo es sich so richtig lohnt. Zeitweilig hatten wir hier im Wohnzimmer zudem eine etwas größere Pflanze stehen – von der Katze freilich liebend gern genutzt, um daran zu rütteln oder hinaufzuklettern. Am Ende hatte die Katze eine ausgeklügelte Strategie entwickelt: Sie wischte über den Fernseher, bis man sie verscheuchte, dann ging sie zur Pflanze, und wenn man sie auch von dort verjagte, machte sie sich an der Wand zu schaffen. Hinterher begann sie von vorn. Auch mit Nerven wie Drahtseilen hält man das nicht lange aus.

Inzwischen haben wir das Wohnzimmer umgeräumt: Die Wohzimmerecke ist verdeckt, die Pflanze musste ins Schlafzimmer umziehen, geblieben ist einzig der Fernseher, den die Katze immer noch liebend gern bearbeitet, und natürlich konnten wir auch die Tür nicht ... äh ... verlegen. Weitere Katzenabwehrmittel sind ätherische Öle und zwei dicke Hausschuhe, die aussehen wie Cartoon-Eselköpfe, und vor denen die Katze seltsamerweise ziemliche Angst hat. Nun ja ... So bleibt unsere Wohnung ein Schlachtfeld, auf dem das Wettrüsten zwischen Mensch und Katze weiter voranschreitet, doch wann immer man sie am liebsten zum Mond schießen möchte, wann immer man meint, es reicht jetzt endgültig, macht sie einfach irgendwas unfassbar Süßes wie ... schlafen ... in der Gegend herumliegen oder ... gucken. Und wann immer meine Freundin oder ich etwas wie »Ohhhh, ist das süß!« sagen, ist im Prinzip klar: Wir Menschen haben den Krieg längst verloren.

Katze