Leben mit Katze

Der Sommer ist vorbei, ich bin fühle mich wieder agiler (ohne es zu sein), und genauso geht es auch unserer Katze. Ihre Wohlfühltemperaturschwelle liegt bei ungefähr 27 Grad. Sobald es im Wohnzimmer wärmer wird, liegt sie auf dem Teppich herum wie ein eingelaufener Bettvorleger. Wird es wieder kühler, dann ist es, als würde jemand einen Schalter in dem Tierchen umlegen: Sie wetzt durch die Bude wie ein tasmanischer Teufel – oder wenigstens wie der von den »Looney Tunes« – und dekoriert ihre Lichtgeschwindigkeitsspurts gern mit den seltsamsten Lauten.

Besonders gern macht sie das übrigens, wenn ich zu Hause bin. Ist nur meine Freundin da, macht die Katze der Bezeichnung Schmusetiger alle Ehre. Da wird auch mal den ganzen Tag über auf der Couch gepennt. Sobald aber ich dazukomme, scheint sie nichts lieber zu tun, als ... mich zu ärgern. Als hätte sie zwei Liter Kaffee getrunken. Sie macht das nicht boshaft oder so. Sie beißt ja nicht, bzw. nur dann, wenn man mal versucht, ihren Bauch zu streicheln, wenn sie gerade so gar keine Lust darauf hat (was zu 90 Prozent der Fall zu sein scheint): Dann klappt sie zusammen wie eine Bärenfalle, krallt sich fest, beißt und tritt. Na ja, wie das wahrscheinlich fast alle Katzen gern tun.

Aber dieses Ärgern ... Dahinter steckt Methode, und das Vieh ist verdammt gerissen, wenn es darum geht, neue Wege zu finden, wie sie mich auf die Palme bringen kann. Am liebsten stolziert sie zum Fernseher hinüber, stellt sich dann auf die Hinterpfoten und wischt mit den Vorderpfoten über den Bildschirm wie ein putzwütiges Erdmännchen. Was erst mal sehr putzig aussieht, nervt, wenn man gerade einen Film schauen möchte. Störe ich mich mal nicht an ihren Bildschirmwischaktionen, hat die Katze eine Steigerungsstufe entwickelt: Sie packt die Krallen aus und kratzt am Rahmen. Spätestens jetzt springe ich natürlich auf wie von der Tarantel gestochen. Die Katze tippelt dann freudig erregt in Richtung Futternapf. Gut, manchmal möchte sie lediglich darauf hinweisen, dass sie Futternachschub braucht, immer ist das aber eben auch nicht der Fall. Es ist, als würde sie alle paar Minuten frisches Futter haben wollen, und vielleicht ist das auch tatsächlich so. Ich habe aber eher das Gefühl, die Katze hat einfach Spaß daran, mich zu ärgern.

Sehr schön ist auch das Kratzen an der Wohnzimmertür: Die Katze haut ihre Krallen in den Türrahmen am Rand der eingesetzten Glasscheibe und wetzt sie wie an einem Kratzbaum. Sie tut das immer an derselben Stelle und hat den Türrahmen damit inzwischen in eine Art Aktionskunstwerk verwandelt. Und wie das mit Kunst so ist: Kann man mögen, muss man aber nicht. Die Kunsteinschätzung des Vermieters kann ich mir in etwa vorstellen ...

Auch das Kratzen an der Raufasertapete hat die Miez für sich entdeckt – zumindest an Ecken, wo es sich so richtig lohnt. Zeitweilig hatten wir hier im Wohnzimmer zudem eine etwas größere Pflanze stehen – von der Katze freilich liebend gern genutzt, um daran zu rütteln oder hinaufzuklettern. Am Ende hatte die Katze eine ausgeklügelte Strategie entwickelt: Sie wischte über den Fernseher, bis man sie verscheuchte, dann ging sie zur Pflanze, und wenn man sie auch von dort verjagte, machte sie sich an der Wand zu schaffen. Hinterher begann sie von vorn. Auch mit Nerven wie Drahtseilen hält man das nicht lange aus.

Inzwischen haben wir das Wohnzimmer umgeräumt: Die Wohzimmerecke ist verdeckt, die Pflanze musste ins Schlafzimmer umziehen, geblieben ist einzig der Fernseher, den die Katze immer noch liebend gern bearbeitet, und natürlich konnten wir auch die Tür nicht ... äh ... verlegen. Weitere Katzenabwehrmittel sind ätherische Öle und zwei dicke Hausschuhe, die aussehen wie Cartoon-Eselköpfe, und vor denen die Katze seltsamerweise ziemliche Angst hat. Nun ja ... So bleibt unsere Wohnung ein Schlachtfeld, auf dem das Wettrüsten zwischen Mensch und Katze weiter voranschreitet, doch wann immer man sie am liebsten zum Mond schießen möchte, wann immer man meint, es reicht jetzt endgültig, macht sie einfach irgendwas unfassbar Süßes wie ... schlafen ... in der Gegend herumliegen oder ... gucken. Und wann immer meine Freundin oder ich etwas wie »Ohhhh, ist das süß!« sagen, ist im Prinzip klar: Wir Menschen haben den Krieg längst verloren.

Katze

4 Gedanken zu “Leben mit Katze

  1. RoM

    Moin moin, Thomas.
    Nicht umsonst stammt Felis silvestris catus von nachtaktiven Raubkatzen ab. Die Genprogramme sind noch präsent. "Hoheit", die ältere Katzendame meiner Mutter, hat aber die Hitze in ähnlicherweise verdöst. Offenäugig!

    Vielleicht reagiert Euer Felltiger aber auch nur auf Dich als Mann so. "Sehen wie weit ich den Herren treiben kann", als gedanklich Option. Schließlich muß der Tag auch mit Bespaßung ausgefüllt werden.
    Bildschirmreinigung - hört sich nach sehr speziellem Katzenspaß an. Erwartet man/frau eher von "Simon's cat". 😀

    Die Herrschaft der Feliden hat unzählige Imperien fallen sehen - ihre eigene ist dafür Jahrtausende alt. Kein Wunder mit der Superheldenkraft der Spontansüßheit!

    Sind schon Halodries!

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      stimmt, Katzen haben als Beisitzer so Einiges an Menschheitsgeschichte erlebt. Hab ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Sind auch wirklich unverwüstlich. Bazillionen an Katzenvideos im Internet zeigen ja auch gut, wo die gemeinsame kulturelle Schnittmenge der Erdenvölker wirklich liegt. 😉
      Das mit dem genetischen Code hatte ich allerdings auch schon mal gehört. Da mag wohl was dran sein.
      Und die Bildschirmreinigung sieht ziemlich genau so aus: https://vine.co/v/MzgXPFZqOjb Ganz genau so!

      Viele Grüße
      Thomas

      Das

    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Solange wir uns bewegen, schaffen wir Futter heran. Bewegen wir uns nicht mehr, sind wir Futter. Von daher: Hast vermutlich recht.

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