Archive für den Monat: November 2015

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Der Arzt sagt, ich muss auf meine Blutfettwerte achten. Zwar bin ich nicht dick und bewege mich genug, aber meinem Blut ist das offenbar egal: Alles voller ekligem Cholesterin, sodass ich jetzt erstens komische Tabletten nehmen muss, die beim Herauslösen aus der unpraktischen Packung jedes Mal durchs halbe Badezimmer fliegen wie weiße Riesenflöhe. Zweitens muss ich mehr auf meine Ernährung achten. Mein Blut hält es offenbar für eine gute Idee, die Arterien ordentlich verkalken zu lassen. Man weiß schließlich nie, wofür man so eine richtig schöne Verkalkung mal gebrauchen kann. Hat sich die Natur wirklich ganz fein ausgedacht, das mit dem Kalk. Bei den einen kommt er aus den Leitungen, die anderen haben ihn in den Leitungen. Nun, bevor meine Gefäße irgendwann dickwandig wie Gartenschläuche werden und so verstopft wie das Klo nach dem Herunterspülen einer kompletten Packung Jumbo-Tampons, tu ich halt was. Kann ja nicht so schwer sein, so 'ne Ernährungsumstellung, oder? ODER?

Ist ja prinzipiell eine gesunde Herangehensweise, die Sache sportlich zu nehmen. Hey, ich kann was tun, also packen wir's an! Das macht auch wirklich erst mal Spaß, sich darüber Gedanken zu machen, was man vielleicht lieber nicht essen sollte, was auch bisher vermutlich gar nicht so gesund war und wie man künftig leben möchte. Ja, das macht Spaß ... bis du vor einer schönen, großen Käsepizza sitzt ... die dem vor dir sitzenden Kollegen gehört ... weil zwischen dir und der Pizza nur ein Schälchen Rucolasalat auf dich und deinen gelangweilten Gaumen wartet, der in einer Tour "Töte mich! Das Leben hat doch keinen Sinn mehr!" zu schreien scheint.

Gut, auf Pizza, Burger und Lasagne ließe sich noch einigermaßen verzichten. Das Zeug schmeckt zwar lecker, aber abgesehen davon, dass nichts davon auch nur annähernd gesund ist, überredet es ja auch den Bauch nur allzu gern zur Anschaffung zusätzlicher Rettungsringe. Aber schon mal versucht, auf Nudeln zu verzichten? Nudeln! Wenn das Leben überhaupt einen definierbaren Sinn hat, dann fängt der mit "N" an und hört mit "udeln" auf! So viele schöne Erinnerungen verbinde ich mit Nudeln. Gut die ähneln sich allesamt und beschränken sich darauf, dass ich meinen Teller leergegessen habe, aber trotzdem sind es schöne Erinnerungen. Und jetzt? Alles weg? Keine Nudeln mehr? Ich habe letztens versucht, alternativ eben mal glutenfreie Nudeln zu essen. Seither habe ich ganz, ganz großes Mitleid mit Menschen, die eine Glutenunverträglichkeit plagt. Glutenfreie Nudeln ... meine Fresse! Wie heißt ein Mensch, der absolut keinen Spaß im Leben akzeptiert? Dschihadist. Rasiere einem solchen den Bart ab, dann bleibt quasi eine glutenfreie Nudel übrig: eine Nudel, der alles fehlt, was eine Nudel ausmacht. So schlimm schmecken die Dinger, echt jetzt! Drum ein Hoch auf Vollkornnudeln. Würdest du in einem italienischen Restaurant nach Vollkornnudeln fragen, dann käme zwar vermutlich der Koch aus der Küche gestürmt, um dich mit einem extra in Gluten gebadeten Backblech zu vermöbeln, aber hey, irgendeinen Tod muss man schließlich sterben.

Und so geht es weiter und weiter. Das Einkaufen ist ein wahrer Spießrutenlauf. Käse, Wurst? Alles Mist, aber hey, wie wäre es denn mit den gammeligen Radieschen dahinten? Cremiger Joghurt? Ach wozu, es gibt doch auch den nahezu fettfreien, der wie püriertes Styropor schmeckt. Schlagsahne? Schlag's dir aus dem Kopf! Geht es nach den Ernährungsempfehlungen, darf ich eigentlich nur noch Dinge essen, die auf Wiesen wachsen, und Körnerfutter. Am besten, ich klebe mir ein Euter an den Bauch und stelle mich auf die Weide. Da falle ich jetzt auch nicht mehr auf.

Aber am schlimmsten ist doch die Sache mit dem Kaffee. Der enthält zwar kein Cholesterin, ist aber wohl dennoch wenig förderlich für die Blutfettwerte. Zumindest, wenn man dem Internet glaubt, und wie jeder weiß, lügt das Internet nie. Bisher hab ich ja ganz gern mal das eine oder andere Tässchen Kaffee getrunken, wenn die Tasse gerade leer war. Also im Prinzip war es eher schwer, einen Zeitpunkt zu finden, an dem ich keinen Kaffee trank. Während des Schlafens vielleicht und unter der Dusche. Aber auch nur, weil meine Kaffeebecher keinen Deckel haben. Tja, und jetzt? Jetzt trinke ich Tee. Tee, das ist wie Kaffee, nur ohne Spaß, ohne richtiges Aroma, ohne Leben in der Tasse. Seit dem Ende der Entzugserscheinungen gleite ich zwar entspannt durch den Tag wie nie zuvor, aber gerade bei all der inneren Ruhe wird mir bewusst: So richtig schön ist das alles nicht. Da möchte man sich manchmal doch am liebsten mit einer Überdosis fettiger Salamipizzen selbst ins Jenseits befördern. Andererseits: Wenn's dabei dann doch gerade so gut schmeckt ... Ach.

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Um dich her, da sitzen Leute,
jeder tut, was er so tut.
Am Monatsende, »fette« Beute
für die Arbeit. Für dein Blut.

Bis hierher! Du möchtest schreien:
Fickt euch doch und euren Mist!
Du willst dich aus dem Schlund befreien,
der dich täglich mehr zerfrisst.

Schaust du dir mal in die Augen?
Siehst im Spiegel dich aus Glas.
Erkennst du, wie die Jahre saugen?
Stück für Stück beißt du ins Gras.

Wär's nicht leicht, jetzt fortzugehen?
Führt der Weg doch durch die Tür.
Bevor du losgehst, bleibst du stehen.
»Erst mal sehen.« – Nur wofür?

Deine Zeit hört auf zu geben,
da sie auch mal nehmen muss.
Doch c'est la vie, du gibst dem Leben
einen schweren Sehnsuchtskuss.

Tust, was immer du schon tatest,
Weil's auch jeder and're tut.
Du würdest gerne, doch du wartest:
»Wird mal besser, wird mal gut.«