Der kleine Prinz

Am letzten Wochenende haben meine Freundin und ich "Der kleine Prinz" im Kino angeschaut. Zugegebenermaßen bin ich nur ihr zu Liebe ins Kino gegangen, weil ich mir von der Geschichte an und für sich nicht so richtig viel versprach. Das Büchlein habe ich nie gelesen, im Groben war mir die Geschichte aber bekannt. Nun, um es kurz zu machen: Der Kinobesuch hat sich gelohnt. Der Film gibt nicht einfach nur Antoine de Saint-Exupérys Geschichte wieder, sondern spinnt auch eine wirklich sehr schön gemachte Rahmenhandlung um die ursprüngliche Erzählung. Während die Buchpassagen wunderschön in Stop-Motion-Technik visualisiert wurden, ist der größte Teil des Films im Grunde ein gewöhnlicher Animationsfilm, wie ihn auch Pixar und Co. machen. Das mag nicht jedem älteren Semester gefallen, aber gerade Kinder, für die der Film ja - nicht nur, aber auch - gemacht wurde, werden daran natürlich Gefallen finden (ich übrigens auch).

Aber worum geht's? Ein kleines Mädchen soll auf eine besonders renommierte Schule gehen. Dafür hat die arbeitsame Helikoptermutter das komplette Leben des Kindes durchgeplant, wenn sie sonst schon keine Zeit für Erziehung hat. Jede Tagesaktivität läuft nach einem strengen Zeitplan ab, für Freunde oder Spaß bleibt auf dem Weg zur vermeintlichen Traumkarriere keine Zeit. Nachdem gleich zu Beginn des Films eine Bewerbung an der besagten Schule in die Hose geht, zieht die vaterlose Familie in ein neues Haus in einer übertrieben konformistisch gestalteten Eigenheimsiedlung, nah an der ersehnten Akademie gelegen. Das Haus war besonders günstig, weil direkt nebenan ein schrulliger alter Mann in einem schrägen Haus wohnt, der so gar nicht in die Ordnung liebende Nachbarschaft passen möchte. Kurz um: Natürlich lernt das Mädchen den alten Mann kennen, der sich schließlich als der Pilot aus "Der kleine Prinz" herausstellt. In der Folge wird dem Zuschauer nicht nur die zauberhafte titelgebende Geschichte näher gebracht, sondern er erfährt auch die Werte wahrer Freundschaft und was es bedeutet, ein Kind zu sein und dieses Kind sowie die Macht der Vorstellungskraft in sich zu bewahren.

Aber ach, der Trailer erzählt das besser als ich:

Wenn man den Film analysiert, lässt sich natürlich das eine oder andere Haar in der Suppe finden. Die Themen werden etwas plakativ angegangen, der Handlungsaufbau ist recht konventionell, und ob Til Schweiger als (glücklicherweise nicht omnipräsenter) Synchronsprecher wirklich sein musste, darüber kann man streiten. Darüber konnte ich insgesamt sehr gut hinwegsehen. Denn sehr erstaunt hat mich doch, wie gut die eigentliche Geschichte um den kleinen Prinzen in ein stets aktuelles Setting eingebettet wurde. Gerade der Kontrast macht sehr deutlich, dass auch die originale Erzählung nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Und während wir den Film schauten, umringt von mampfenden und tuschelnden Kindern (vor allem das Mädchen hinter uns, das den Film offenbar schon gesehen hatte und ständig die im nächsten Moment gesprochenen Sätze vorplapperte ... Grrr!), erwischte ich mich doch selbst immer wieder mal dabei, wie ich Stationen meines bisherigen Lebens Revue passieren ließ.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie es damals war, als ich so allmählich mit der Schule fertig wurde. Karriere wollte ich machen, auf jeden Fall hoch hinaus. Wie genau, das wusste ich damals auch noch nicht, aber dass es sein musste, das war klar. Wurde mir ja auch so vorgelebt. Meine Eltern wollten immer, dass ich's mal besser habe. Wenn sie selbst es schon nie aus dem Proletarierdasein herausgeschafft hatten, so sollten doch ihre Kinder das erreichen, was ihnen verwehrt blieb. Das ewige Projektionsthema der Eltern auf ihre Kinder eben. Ich dachte damals allen Ernstes, ich könnte nach der Schule mein altes Leben einfach abstreifen wie eine abgetragene Jacke, mich in den Anzug schmeißen und Businesskasper spielen.

Hat glücklicherweise nie geklappt, und darüber bin ich sehr froh. Mir war mein Leben, meine Hobbys, der Kontakt zu Menschen, die mir etwas bedeuten, immer wichtiger, als ganze Tage schwer schuftend im Büro zu verbringen und nur noch zum Schlafen nach Hause zu gehen. In meinem Umfeld beobachte ich so was leider allzu oft, und ich möchte dann immer schreien, dass Arbeit doch wohl nicht alles im Leben ist. Ich habe das Kind in mir bewahrt, und das lebe ich auch aus. Böse Zungen könnten natürlich behaupten, ich würde damit kompensieren, dass ich noch immer keine eigenen Kinder habe, und vielleicht ist da auch was dran, aber das ist mir eigentlich sehr egal. Ich habe auch lange gebraucht, um herauszufinden, was es eigentlich bedeutet, jemanden wirklich zu lieben, diesen jemand festzuhalten, wieder loszulassen und zu wissen, dieser jemand kommt auch wieder zurück. In dieser oberflächlichen Höher-schneller-weiter-Zeit, in der jeder immer nur dabei ist, sich selbst weiter zu optimieren, kann man das schon mal verlernen, glaub ich. Oder vielleicht auch nie gelernt haben. Und das ist schade, entgeht einem dadurch doch so viel Schönes.

Es ist nicht immer ganz leicht, sich stets all dieser Lebensinhalte abseits des Strebens nach Geld und Konsum bewusst zu sein, aber es ist wichtig, es sich immer wieder bewusst zu machen, wenn man mal abdriftet. Das waren so Gedanken, die mir während des Films und danach durch den Kopf gingen. Ist also durchaus nicht nur für Kinder gemacht, denn die wissen es wahrscheinlich sowieso noch viel besser als wie Erwachsenen. Erwachsen wird man von allein, am Kindbleiben muss man arbeiten.

4 Gedanken zu “Der kleine Prinz

  1. dass dich ein film auf diese gedanken bringt, spricht ja schon für sich. was gibt es mehr zu sagen? chapeau, hoffen wir darauf, dass der teil überwiegt, dem nicht angst und hass als antrieb dient. die kleinen prinzen dieser welt, mit offenen armen für das gute im mensch.

    Antwort
    1. Na ja, die Gedanken hab ich ja auch so immer mal. Der Film lädt nur zum Resümieren ein. So meinte ich's. Aber man sollte sich der Dinge auch einfach häufiger bewusst sein. Im Alltag geht ja leider gerne mal was unter.

  2. RoM

    Salut, Thomas.
    Die Karrieritis ist auch nur ein modernes Machtinstrument des güldenen Kalbs "Global-Wirtschaft". Wenn sich die Galeerenruderer daran aufgeilen können, daß sie durch irgendwelche verqueren "Neuordnungen" eines funktionierenden, eingespielten Teams angebliche "Effizienszsteigerungen" von 3 Stellen hinter dem Komma vorweisen. Von nichts die Ahnung, davon aber reichlich.
    Nope - Karriere ist kein Lebenssinn. Weder für die Kleinen noch für die Großen. Auch wenn uns das Carnegie- & Rockefeller-Erben permanent erzählen wollen.
    Terry Gilliam hat das mit seinem Kurzfilm ' The Crimson Permanent Assurance' bereits 1983 auf den Punkt gebracht*... 😀

    bonté

    * um noch die Kurve zum Thema "Film" zu streifen 🙂

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      ich glaub, meine Generation entspricht eigentlich auch so generell gar nicht dem karrieregeilen Typus. Man spricht da ja gern von der »Generation Y«, jenen zwischen 1980 und 1990 geborenen Menschen, die viel eher auf Sinnsuche sind, statt den großen Sinn darin zu finden, die Karriereleiter hochzukraxeln. Zu jeder Bewegung gibt's ja eine Gegenbewegung. Wahrscheinlich sind die nach 1990 geborenen Leute wieder ganz anders gestrickt und streben eben doch wieder nach Erfolg im Beruf.
      »The Crimson Permanent Assurance« hab ich mal als Vorfilm zu »Der Sinn des Lebens« gesehen. Fand ich wahnsinnig treffend, auch heute noch.

      Viele Grüße
      Thomas

      PS: Auch an dieser Stelle natürlich noch mal frohes neues Jahr! Mögen sich deine Wünsche erfüllen, vor allem jene, die du dir selbst mit ein bisschen gesunder Anstrengung erfüllen kannst.

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