Der Weltraum – unendliche Blödheit

Als Kind schaute ich gern »Star Trek – The Next Generation«. Für diejenigen, die's nicht kennen, das ist die Serie, in der Patrick Stewart den Captain Jean-Luc Picard mimt. Ich musste gerade nachschauen, wie man den Namen schreibt, ein riesiger Fan war ich also nie. Aber in Ermangelung eines besseren Programms und weil die Titelmelodie so unfassbar gut war, schaute ich mir die Serie eben gern an. Ich konnte mit dem dort gezeigten Weltall nicht viel anfangen, konnte mir nicht vorstellen, wie das denn funktionieren sollte, das mit der Unendlichkeit, mit der Leere, der Weite. Für mich war der Weltraum tatsächlich ein Raum. Ein Raum mit Wänden, die man nur nicht sehen konnte, ein Raum, in dem Sterne funkelten, von denen ich nicht wusste, was sie eigentlich waren, außer funkelnde Dinger im Hintergrund. Ein Raum mit Boden, den ich mir immer als eine Art galaktischen Vogelsand vorstellte, weil ein Raum eben einen Boden haben musste, weil es ein Unten und ein Oben geben musste, weil mein kindlicher Verstand nichts anderes zuließ. Aber mich faszinierte die Vorstellung vom freien Reisen in einem Raumschiff. Wir hatten ja gerade erst die deutsche Teilung überwunden, da wurde Freiheit noch in viel kleineren Dimensionen gedacht, und nicht mal damit konnte ich wirklich was anfangen.

Später dann, ich war so um die zwölf, spielte ich mit Freunden oft Fußball auf dem Bolzplatz um die Ecke. Wenn wir besonders lange spielten und es schon dunkel wurde, kletterte ich gern am Tor hinauf und ließ mich ins Netz sinken. Dort lag ich dann und schaute in die Sterne. Immer wenn ich das tat, dudelte durch meinen Kopf die Titelmelodie aus »Star Trek – The Next Generation«. Ich stellte mir vor, wie dort oben jetzt irgendwo Raumschiffe fremde Galaxien erkundeten und Welten entdeckten, die sich hier unten niemand vorstellen konnte. Irgendwann in der Zukunft, so wusste ich, würden wir Menschen auch in der echten Welt das All bereisen. Irgendwann, das stand außer Frage.

Inzwischen habe ich die 30 überschritten. Die letzten Begegnungen mit der Zukunft, an die ich mich erinnere, waren die Vorstellung des ersten iPhone – ein Gerät, das ganz offensichtlich aus der Zukunft zu uns gekommen war und all die mittelalterlichen Murkstelefone wegfegte, mit denen wir uns bis dahin begnügen mussten – und zuletzt die Landung der Forschungssonde »Philae« auf dem Kometen »Tschuri«.

Und das war's dann leider auch schon. Gut, Wissenschafter haben zwischenzeitlich das Higgs-Boson gefunden, und bei der Kernfusion sind wir auch immerhin schon einen kleinen Schritt weiter, aber sonst so? Wo sind denn die Raumschiffe? Wo sind die fernen bewohnbaren Planeten, zu denen wir aufbrechen? Wo denn wenigstens die realistische Marsbesiedelung, die nicht ein Himmelfahrtskommando für alle Beteiligten darstellen würde?

Ich bin ernüchtert, so viele Dinge betreffend. Es geht mir gar nicht um die Kolonialisierung des Weltalls, die ich in meiner viel zu langen Einleitung ausgebreitet habe, es geht mir um die Menschheit, die so dumm ist, so unsäglich, unfassbar dumm, dass ich sie kaum mehr ertragen kann. Auch in meiner Sturm-und-Drangzeit habe ich zwar nie versucht, die Welt zu verbessern, aber ich hing doch einer Art unerschütterlichem Glauben an, es könnte alles mal besser werden. Wir würden unsere Konflikte bald gelöst haben. Wenn schon nicht durch die Beseitigung unserer Energieprobleme, dann doch zumindest durch das Internet. Wissen, Information und Kommunikation waren der Schlüssel. Wenn ich mit einem ganz gewöhnlichen Menschen in einem anderen Kulturkreis via Internet innerhalb von Sekundenbruchteilen Nachrichten austauschen konnte, dazu auch noch in der gemeinsamen Sprache Englisch, die so viele von uns zumindest einigermaßen beherrschen, dann musste es doch funktionieren, dass man einander versteht, sich akzeptiert und gemeinsam an Dingen arbeitet, statt sich über den Haufen zu schießen.

So dumm war ich damals. Echt jetzt.

2016 – gefühlt schießen wir uns mehr denn je über den Haufen. Vermeintlich intelligente Leute ziehen in Religionskriege, stützen sich auf angebliche Lehren aus uralten Büchern mit so hanebüchenen Geschichten, dass ich eher noch die Märchen der Gebrüder Grimm glauben würde. Menschen, die eigentlich aufgeklärt sein müssten, sprengen sich in die Luft, der angeblich fortschrittliche Westen schmeißt dem primitiven Osten unter dem Banner der Menschenrechte Bomben auf den Kopf, und unser ach so fortschrittlicher Wohlstand basiert auf der Ausbeutung des Planeten und der Ärmsten, die auf ihm leben. In Deutschland zünden derweil Volldeppen Unterkünfte für Zugereiste an wie zuletzt Anfang der 90er Jahre, und mittendrin in all dem Chaos stehen Menschen wie ich.

Menschen wie ich, die mal an das Gute glaubten, daran, dass nichts unmöglich sein würde, wenn man nur weiter daran arbeitete. Menschen wie ich, die keine Lust mehr auf andere Menschen mit ihrer unfassbaren Blödheit haben. Menschen wie ich, die sich lieber in Eskapismus üben, bevor sie vor lauter Schockstarre gänzlich in Handlungsunfähigkeit verfallen, und dabei auch noch Schuldgefühle wegen ihres Nichteingreifens bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde, aber ich fühle mich nicht mehr wohl. Nicht in dieser Stadt, nicht auf diesem Planeten. Ich habe Angst. Angst vor dem, was kommt, vor der Zukunft, die ich mal als so verheißungsvoll empfand. Ich möchte hier in Frieden leben, aber es scheint mir nicht mehr möglich.

Unter der Annahme, dass das Universum unendlich groß oder wenigstens unvorstellbar groß ist, müsste es doch wahrscheinlich sein, dass wir Menschen nicht die einzig intelligente Lebensform sind, die nach den Sternen greift. Warum sind wir dann anderen Zivilisationen noch nicht begegnet? Das sogenannte »Fermi-Paradoxon« befasst sich mit diesem Widerspruch. Eine von vielen Begründungen dafür ist, dass wir einander verpassen. Die Zeitspanne, über die eine Lebensform sich entwickelt und schließlich doch ausstirbt, bevor sie auf eine andere intelligente Spezies treffen kann, ist demzufolge schlicht zu kurz, gemessen am Alter des Universums. Das scheint logisch: Wenn man sich in diesem Sinne nach den Gründen für das Aussterben der Menschheit fragt, fiele mir in Anbetracht unserer aller Blödheit genug ein.

Vielleicht sind wir Menschen schon zu klug geworden, um nicht bescheuert zu sein, vielleicht sind auch einfach die meisten Menschen zu bescheuert, als dass die Klugheit obsiegen könnte, ich weiß es nicht. Schaue ich in den Sternenhimmel, sehe ich dort keine Menschen mehr, die mal fremde Galaxien erkunden werden. Wir werden vorher bereits ausgestorben sein, und die einzigen, die sich fragen werden, wie das jetzt passieren konnte, werden die Katzen sein, die auf ihr Mutterschiff zurückgekehrt sein werden, um sich eine andere dämliche Rasse zu suchen, die ihnen die Futterdosen öffnet.

9 Gedanken zu “Der Weltraum – unendliche Blödheit

  1. RoM

    Qavan, Thomas.
    Der Hinweis auf den Mangel an SF-Serien damals ist ein trefflicher. Hielten die Programmverantwortlichen doch das Gros (der ihnen bekannten Serien!) für leicht verderbliche Kinderware.
    Tatsächlich habe ich aus dem Star Trek-Angebot eher nichts in mein Archiv übernommen (ein paar Ro Laren-Episoden nur). Die Konkurrenz war dann schlicht besser aufgestellt.

    Ich denke, daß ein Lebensalter schlicht zuwenig Zeit ist, um den Sprung vom Orbit hin zum Sonnensystem, die Erkundung & Besiedelung durch Menschen an einem Stück zu erleben.
    Womit wir uns derzeit außerhalb der irdischen Atmosphäre bewegen können, ähnelt den Küstenseglern des frühen Mittelalters. Für Mond oder gar Mars bräuchte es das Äquivalent zu den Schiffen der Wikinger oder Polynesier.

    So besehen ist auch der Mensch selbst noch mit einem Fuß dem Barbarismus verhaftet; immer wieder erreichten Kulturen einen hohen Stand der Einsichten & Erkenntnisse, nur um durch Zerstörung wieder alles auf quasi Null zu setzen. In der Regel - manchmal sind es auch "nur" natürliche Katastrophen (die Ausradierung der vor-minoischen Hochkulturen durch Ausbruch des Vulkans auf Santorin als Beispiel).
    Historisch betrachtet ist es ein Trauerspiel - stimmt.

    Dennoch können wir, in der einen oder anderen Art, für das Schöne einstehen. Selbst wenn es "nur" die eigenen Gedanken zu formulieren heißt.

    Ein Gedanke von Schönheit wäre eine Menschheit, die in die Galaxie hinausgeht.

    bonté

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      generell war das reine Unterhaltungsprogramm zu dieser Zeit sehr mau, wenn man mal von Trickfilmen für Kinder absieht, die ich zumindest aus heutiger Sicht besser als heutige Ausstrahlungen empfinde. In deiner Erinnerung muss das alles ja noch öder sein, weil du's erstens bewusster erlebt hast und deine Erinnerung zweitens weiter zurückreicht. Ich glaube, an "The Next Generation" faszinierte mich eh am meisten der Vorspann. Das durchs Bild sausende Raumschiff Enterprise, dazu die epische Musik (die wirklich, wirklich hervorragend ist, anders als das trashige Gejaule aus der Kirk-Serie), das regte schon zum Träumen an.

      Der Vergleich mit früheren Hochkulturen gefällt mir. Stimmt, es ging immer bis zu einem bestimmten Punkt, dann brach alles ein. Am ehesten fallen mir da die Ägypter ein. Die südamerikanischen Urvölker dagegen wurden ja dagegen eher durch marodierende Europäer am Fortbestand gehindert. Wer weiß, vielleicht wären wir heute auch schon ein gutes Stück weiter, hätte nicht das dunkle Zeitalter jeglichen Fortschritt im wahrsten Sinne des Wortes verteufelt (mein "Dank" gilt diversen Päpsten).

      Dass wir zu meinen Lebzeiten die Sterne nicht bereisen würden, war mir schon klar. Daran glaubte ich vielleicht als kleines Kind, schon bald aber nicht mehr. Dennoch gäbe es viele vermeintliche SciFi-Themen, die heute eigentlich gelöst gehören. Da wäre beispielsweise die Kernfusion, die uns einiges an Kriegen ersparen könnten, bis wir dann irgendwann anfangen, uns wegen der Wasserreserven umzubringen. (*seufz*) In dem Zuge würde ich dann gern auch das Ende des Verbrennungsmotors miterleben. Man stelle sich das vor: saubere und leise Fahrzeuge, deren Energie durch ebenso saubere Kernfusion erzeugt wird. Das muss doch langsam echt mal gehen, oder? Ich mag in diesem Zuge übrigens Elon Musk, der menschlich ein Arsch sein mag, dennoch aber genug konstruktiven Wahnsinn an den Tag legt, solche Gedankenspielereien einfach mal umzusetzen. Es sind eben doch nicht alle Menschen tumbe Keulenschwinger oder (so wie leider ich) kleine Leute, die sich am liebsten wegducken.

      Viele Grüße
      Thomas

    2. Anonymous

      ja. wir können in der einen oder anderen Art dennoch für das Schöne einstehen-selbst wenn es "nur" die eigenen Gedanken zu formulieren heisst. Dieser Satz ist wirklich wunderschön! Danke für ihre Antwort. Anonymica

  2. Anonymous

    Ja. wenn wir auf null beginnen.weiss niemand mehr von unseren Kindern wie kaftoffeln. Weizen Gemüse und salat anzupflañzen sind.umgekehrt.es duerfte auch kein. Vorfahre mehr zurueckkommen.das ist ja nur ein Sandkorn von ansatz bei diesem grossen thema.

    Antwort
    1. Anonymous

      Tablet wieder aufgeladen. treten Probleme auf.. muss Sohn fragen
      Moechte aber Kompliment abgeben
      an Schreiber zuvor mit namen "Rom"'; da immer wieder die antworten komplett auf den punkt gebracht.diesen Text.der soviel beinhaltet. Ist für mich nicht zu beantworten in einigen paar Sätzen.das Thema ist immer eine komplette Sinnfrage

    2. PhanThomas

      Beitragsautor

      Ja, ist ein sehr großes Thema. Ich wollt das auch gar nicht bis zur Unendlichkeit ausbreiten, hab mir nur ein Motiv geschnappt, das mir passend erschien und mir gefiel. 🙂

      Viele Grüße
      Thomas

  3. Die riesigen Schwellen die überschritten werden müssen um kleine Schritte in der Raumfahrt zu gehen sind weit arbeitsintensiver und riskanter und vor allem weit später ammortisiert als es Unterhaltungselektronik ist. Es ist technisch durchaus extrem viel passiert, aber eben nicht in der Richtung die die Science Fiction mal angedacht hatte. Vertikal landende Raketen sind absolutes bleeding edge, aber ultradünne Monitore aus biegbarem Material kann man kaufen. Vergiss die Mondbasis, aber du kannst von deiner Hosentasche aus auf die Weltliteratur zugreifen.

    Ich glaube der Faktor der für die Besiedlung des Weltraums nicht oft genug genannt wird ist weder Ressourcenabbau noch eingeborener Entdeckungsdrang noch Absicherung der Menschheit vor Zerstörung der Erde sondern schlichtweg Flucht. Flucht aus den irdischen gesellschaftlichen Limitationen, hin zu einem plangemäßen historisch nicht vorbelasteten Neuaufbau an anderer Stelle.

    Gleichzeitig gebe ich dir Recht, dass ich mir bei aller Hoffnung nicht vorstellen kann, dass es Homo Sapiens geben wird, die das Sonnensystem oder sogar darüber hinaus besiedeln. Ich halte es für viel realistischer, dass die Menschheit es schafft mehr Sonden auszusenden und bessere Teleskope zu bauen, aber bevor eine dauerhafte Station auf dem Mond gebaut wird werden Ressourcenmangel (Wasser!) und die daraus folgenden Konflikte dem Projekt Einhalt gebieten und dringliche Themen über wichtige Themen stellen. Die große Utopie an Star Trek ist heuzutage nicht mehr, dass man den Weltraum bereist, sondern dass es eine Gesellschaft ohne Armut gibt (aber das hat ja schon DS9 aufgeweicht was sowieso die viel bessere Serie als TNG war ;)).

    Ich möchte dran erinnern, dass sämtliche Gründe die uns von großen Investitionen in die Weltraumforschung zurückhalten wie Ressourcenmangel durch Überbevölkerung, Konflikte aufgrund kollidierender religiöser Ideologien, etc. etc. etc. allesamt künstlich erzeugt sind. Es ist nicht so als wäre es technologisch unmöglich ein Material zu bauen, aus dem man Raketen machen kann. Es ist nicht so als lebten wir Unterwasser und könnten keine Elektrizität benutzen. Es ist nicht so als wäre die Schwerkraft der Erde so gigantisch, dass man sie nicht verlassen könnte. Alles was uns im Weg ist unseren Köpfen entsprungen. Wie du selbst ja sagst gilt das natürlich nicht nur für die Raumfahrt, sondern auch für den Lebensstandard den Menschen auf der Welt haben. Es gibt keine Legitimation warum Kinder auf der Welt sterben weil sie kein sauberes Wasser zu trinken haben außerhalb der Spielregeln der künstlichen Systeme auf denen wir äußerst komfortabel ruhen.

    Es gibt, besonders am Beispiel Indiens, die durchaus legitime Frage wie man ein Weltraumprogramm legitimiert wenn man es nichtmal hinkriegt die Bevölkerung zu ernähren. Die Frage die darauf folgt ist, was man alles vorher erledigt haben sollte, bevor man nach den Planeten greift. Darf es noch Hunger geben? Darf es noch Obdachlose geben? Darf es noch Krankheiten geben? Darf es noch Krieg geben? Und wie können Gotteskrieg und New Horizons Sonde im selben Jahr passieren?

    Wie du sagst, es ist ja nicht so, als gäbe es da einen Positiv-Trend was die Vernunft der Mainstream-Gesellschaften der großen Industrie-Nationen angeht (siehe Trump, siehe AfD, etc.). Der Weg zeigt nach innen, nicht nach außen. Wir bewegen uns technologisch zu Star Trek hin, aber gesellschaftlich von Star Trek weg.
    Und jetzt erklär dem zufällig gelandeten Vulkanier mal, wie die Top Themen unserer Hochkultur Hautfarbe, Religion, ruinierte Umwelt und die Kollision von Wegwerfgesellschaft und Hungersnot sind. Die soon and in poverty.

    Nur am Rande:
    Die Begegnung mit einer extraterrestrischen Spezies, egal ob intelligent oder nicht, würde die Menschheit für immer signifikant erschüttern (wir sind noch lange nicht bereit dafür), aber die Entfernungen in Zeit und Raum sind so groß, dass es extrem unwahrscheinlich wird, dass es diese Begegnung überhaupt geben wird (was nicht heißt, dass nicht irgendetwas mal zufällig die Voyager Sonde einfangen könnte). Die Halbwertszeit derer es bedarf um eine Begungnung wahrscheinlich zu machen haben wir einfach nicht.

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Danke für den wunderbaren Beitrag zum Thema! Grundsätzlich kann man, wenn man sich ein wenig für technologische Entwicklungen interessiert, wohl nicht glauben, die Eroberung des Weltalls mitzuerleben. Als Kind geht das ganz wunderbar, weil man Serien wie "Star Trek" abnimmt, was sie erzählen. Wir glauben das, weil wir intuitiv wissen, dass möglich ist, was immer wir uns vorzustellen vermögen. Mit dem Älterwerden verliert sich das, was ich manchmal ein bisschen schade finde. Und wenn man dann Videos wie das von Elon Musk sieht, in dem eine landende Rakete direkt nach dem Aufsetzen umkippt wie ein gefällter Baum und dann explodiert, dann wird doch schlagartig klar, wie weit entfernt wir auch nur ansatzweise von "Star Trek" sind. Viel versprechender finde ich da die Ansätze in Richtung Kernfusion. Ich glaube, zumindest hier könnten wir tatsächlich noch die teilweise Lösung der Energieprobleme miterleben - wenn wir Menschen uns das nicht wieder irgendwie verhageln. Ironischwerweise wird's hinterher wohl sein, wie du sagst: Wir werden uns dann eben um die Wasservorräte kloppen.

      Der Faktor Flucht scheint mir in der Science Fiction tatsächlich recht selten als Motiv aufzutauchen. Vielleicht hab ich aber auch bisher zu wenig in dem Bereich gelesen. Hmm, womöglich wohnt den Autoren und ihrem jeweiligen kulturellen Umfeld aber auch ein großer Glaube in die letztlich doch siegende Vernunft des Menschen inne? In "Die Mars-Chroniken" (wenn auch eher Fantasy als SciFi) kommt das Thema zumindest ein wenig zur Sprache. Wenigstens würde ich es so interpretieren. Gleichfalls werden dort vor der Massenbesiedlung natürlich sämtliche Einwohner des Mars massakriert, womit der Mensch gleich schon mal den Nährboden für sein eigenes Scheitern auch auf der neuen Welt bereitet. Sicher auch eine gewollte narrative Ironie: Wir kriegen's einfach nicht gebacken.

      Und so scheint's mir eben auch zu sein: Wir kriegen es nicht hin, wir sind und bleiben Tiere, ernennen falsche Götzen (egal ob Gott oder Mammon) zu Leitfiguren und würzen das Ergebnis mit der uns offenbar in den Genen liegenden Gewalt. Der Mensch, abgesehen von der Ameise, das einzige Lebewesen, das Kriege gegen die eigene Spezies führt, und wenn ich eben sehe, dass wir auf der einen Seite so weit sind, das gesammelte Wissen der Welt jederzeit für jeden Menschen zur Verfügung zu stellen, während wir auf der anderen Seite aufgrund ausgedachter Ordnungen große Gruppen von selbigem ausschließen (wie auch von vermeintlich einfachen Dingen wie Wasser und Essen), sie ausbeuten und über allem noch immer die einen die anderen wegen eines dummen Glaubens an was auch immer umbringen, dann ist das der Punkt, an dem ich mir sicher bin, dass wir als Spezies nicht dafür gemacht sind, je die irdischen Sphären zu verlassen. Wir sind ein Wimpernschlag in der Chronologie des Universums, halten uns für derart wichtig und kapieren einfach nicht, dass alles, was wir wahrhaft besitzen, dieses eine winzig kleine Leben ist. Das treibt mich zur Verzweiflung. Hier möchte ich die Haustür zuschmeißen und niemanden mehr sehen.

      Und weiter muss ich gar nicht ausholen. Dein Kommentar fasst die Lage der Erdbevölkerung sehr treffend zusammen - technologisch wie gesellschaftlich.

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