Archive für den Monat: Juli 2016

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Manchmal wünsche ich mir, irgendwann in ferner Zukunft Enkelkinder zu haben. Das ist natürlich völlig absurd, weil ich selbst keine Kinder haben möchte. Dennoch mag ich den Gedanken, als mit Weisheit gesegneter Opi in meinem unfassbar bequemen Ohrensessel zu sitzen, eine karierte Decke mit Goldrand über dem Schoß und ein Rudel Halbwüchsiger im Halbkreis vor mir sitzend, das staunend zu dem kahlen aber mit einem imposanten weißen Bart gesegneten Großvater aufschaut und sich elegant ausgeschmückte Geschichten von früher anhört, während die Großmutter etwas abseits sitzt und mit halbem Ohr zuhört, was der Greis jetzt schon wieder für Blödsinn verzapft.

Das wären dann Geschichten, wie sie selbst heute schon fast wie aus grauer Vorzeit klingen. Zum Beispiel, dass wir, als ich selbst noch ein Dreikäsehoch war, keine Heizung hatten, sondern nur einen wuchtigen Kohleofen, in dem ganz bestimmt kinderfressende Kobolde lebten, die nachts hervorkamen und uns schlafenden Kindern die Seele absaugten. Morgens nach dem Aufstehen war es so kalt in der Wohnung, dass wir unsere blaugefrorenen Füße in ausgehöhlte Eisblöcke steckten, um sie zu wärmen. Okay, das ist etwas weit hergeholt, klingt für unwissende Kinder, die sich den gut gepolsterten Hintern an der Fußbodenheizung wärmen, aber sicherlich ganz faszinierend.

Und dann wäre da die Geschichte, dass es ja damals kein Telefon gab, zumindest nicht bei uns auf dem Land, wo unachtsame Spaziergänger noch von riesigen Wölfen gefressen wurden. Für Kinder, deren Hände – der Evolution sei dank – vermutlich bereits allein für das Halten eines Smartphones geformt sein werden, sicherlich ein unvorstellbar barbarischer Zustand. Aber es war ja so. Wir mussten eben einfach losziehen und solange bei Freunden klingeln, bis eine ausreichend große Gruppe zusammengetrommelt war, mit der sich was Anständiges anfangen ließ: mit Spraydosen kleine Wälder abfackeln zum Beispiel. Dicke Kinder gab es deswegen nicht, schließlich wohnten alle ausreichend gut im Ort verteilt, und hin und wieder ging auch mal ein Kind auf dem Weg zu Freunden für immer verloren – zumindest erzählte man sich das, und der komische Typ, der ständig sein Auto wusch, war auf jeden Fall ein Kindermörder, der leckere Süßigkeiten anbot, wenn man zu nah heranging und zu dem man auf gar keinen Fall ins frisch gewaschene Auto steigen durfte –, aber so war das eben. Wer sozial sein wollte, musste noch ganz andere Opfer bringen als einer im Sekundentakt nervig piepsenden WhatsApp-Gruppe beizutreten oder beim gemeinsamen Pokémon-GO-Spielen in den Dorfteich zu fallen.

Außerdem würde ich in epischer Länge über das Nichtvorhandensein adäquaten Spielzeugs fabulieren. Hm, ob Kinder in 40 Jahren noch wissen werden, was nicht digitales Spielzeug ist? Sogar bei digitalem Kram wird es doch heute schon schwierig: Welches Kind weiß bei all den hochauflösenden Bildschirmen denn heutzutage noch, was ein echtes Pixel ist? Als ich jünger war, waren Pixel groß wie Grizzlybären und mindestens genauso gefährlich. Aber zurück zum Spielzeug, das wir, wie schon angedeutet, ja quasi gar nicht besaßen, weshalb wir mit Mottenkugeln und Rattenködern »Glückliche Familie« spielten. Na gut, gelogen, aber das werden die Kinder ja nicht merken. Was nicht gelogen ist: Meine Kindheit war dermaßen unschuldig, dass ich statt ausufernder Weltraumschlachten einfach nur das Märchen »Der Wolf und die sieben Geißlein« nachspielen wollte. Die Geißlein hatte ich, den Wolf sowieso, aber die Mutter fehlte mir, weshalb ich sie im Kindergarten klauen musste. Wir hatten ja nichts, hab ich das schon erwähnt? Nun gut, jedenfalls wurde ich erwischt, trotzdem nicht bestraft und hatte hinterher endlich die olle Ziegenmutter für mein Spiel. Wenn das nicht pädagogisch wertvoll war, was dann? Klauen lohnte sich offenbar voll, aber das würde ein weiser Großvater in seinem Haus voller wertvollem Kram natürlich nicht den Kindern erzählen, die ihm gebannt lauschen.

Apropos klauen: Derweil ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass das ganze Prinzip meiner Gedankenspielerei von »Käpt’n Blaubär« gestohlen ist. Ach, es ist doch eine Crux: Kaum erfindet man was, hat’s schon irgendwer vorher erfunden. Aber wie gesagt, mit den brav zuhörenden Enkelkindern wird es eh nichts, also werde ich mir wohl doch lieber einen wunderschönen Krückstock kaufen, mit dem ich drohend in der Luft herumfuchteln werde, während ich unverständliches Zeug schimpfe, weil mir nicht gefällt, was die Nachbarskinder schon wieder treiben. So lässt sich der Lebensabend sicher auch gut aushalten.

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Wenn es einen König unter den »First World Problems« gibt, dann ist das – zumindest in meinen Augen – das Einkaufen. Also nicht Klamotten und Schuhe, denn so was kaufe ich ohnehin ausschließlich im Internet. Denn erstens gibt es in Geschäften nur selten meine Größe, und zweitens kann ich es auf den Tod nicht ausstehen, wenn Verkäufer mir nachlaufen und vielleicht auch noch fragen, ob sie mir helfen können. Brrr!!! Nein, ich meine das Einkaufen im Supermarkt.

Ich bin ja sehr technologie- und fortschrittaffin, und da stößt mir der Einkauf von Lebensmitteln eben sauer auf, denn:

  1. Einkaufen frisst wahnsinnig viel Zeit. Wenn ich unter der Woche von der Arbeit nach Hause komme, gibt es wirklich angenehmere Sätze als: »Du, wir müssen noch einkaufen.« Und aufs Wochenende verschieben ist zumindest in Berlin auch nicht immer die beste Lösung.
  2. Womit wir nämlich bei Punkt 2 wären. Ein Wochenendbesuch in einem beliebigen Berliner Supermarkt erinnert ziemlich frappierend an eine Massenpanik während einer Zombieapokalypse: Es ist voll, die Leute plündern, als würden die Regale niemals wieder nachgefüllt (was in gewissen Discountern in der Obst- und Gemüseabteilung auch manchmal so zu sein scheint) und wer jetzt noch einen Einkaufswagen durch die engen Gänge bugsieren muss, kommt sich ganz schnell vor wie in einem Autoscooter, bei dem nur Besoffene mitfahren.
  3. Die Kassen sind ein Graus. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass Supermärkte fünf bis sechs Kassen haben müssen, von denen jedoch nur zwei besetzt sein dürfen. In der eigenen Warteschlange geht es dann natürlich immer am aller-aller-allerlangsamsten voran und hat man sich doch mal bis nach ganz vorn vorgekämpft werden die Waren, die man vorher mühevoll aufs Laufband gewuchtet hat, in einem Tempo über den Scanner geschoben, als säße »Flash« persönlich an der Kasse. Hastig räumt man die gescannten Waren schnell wieder ein, damit sie sich nicht zu einem meterhohen Berg auftürmen und verlässt dann mit dem Stresslevel eines Kampfjetpiloten auf der Flucht vor einer Boden-Luft-Rakete den Supermarkt.
  4. Betrifft wohl vor allem uns: Wir haben kein Auto. Was mit den Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs wie Brot, Käse und Obst noch geht, wird bei Katzenstreu und Getränken echt zum Problem: das Geschleppe. Und nein, das trägt nicht zur körperlichen Ertüchtigung bei, sondern ruiniert dem schleppenden Proband maximal die Schultern.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass diese elenden Einkäufe ziemlich mittelalterlich anmuten. Die Lösung, zumindest in größeren Städten: Bringdienste! Ja genau, ähnlich wie jene, die uns Menschen seit Urzeiten mit Grundnahrungsmitteln wie Pizza Salami, Lasagne und gebratenem Eierreis versorgen. Die gibt es seit einiger Zeit nämlich auch für den Wocheneinkauf. Wir haben da mal zwei ausprobiert.

Amazon Prime Now

»Amazon Prime Now« gibt es, glaube ich, bisher nur in Berlin. Der Name sagt eigentlich schon alles: Ist von Amazon, gibt’s nur mit Prime-Mitgliedschaft und wird sofort geliefert. Und mit sofort meine ich auch sofort, bzw. halt innerhalb von zwei Stunden nach Bestellung. »Prime Now« bietet diverse Waren, neben Büchern, Filmen, etc. eben auch Lebensmittel (sogar Tiefkühlkost). Wir haben das zweimal probiert und unseren Einkauf dort geordert. Die Lieferung erfolgte innerhalb von zwei Stunden, wie versprochen. Die Produkte waren tadellos und alles kam einigermaßen umweltverträglich in Papiertüten. Die Lieferung lässt sich per App nachverfolgen (über die man übrigens auch bestellen muss) und überhaupt fühlt sich das ganze Prozedere sehr futuristisch an. »Prime Now« hat meiner Ansicht nach aber auch ein paar größere Mankos:

  1. Es ist teuer. Während des Bestellens fällt das zwar nicht so auf, weil sich der Unterschied ja meist hinterm Komma abspielt, aber insgesamt läppert sich der Einkauf doch ganz schön. Immerhin aber ist’s dann aber versandkostenfrei.
  2. Das Sortiment ist sehr eingeschränkt und erinnert mitunter an den Einkauf in einem Tante-Emma-Laden auf dem Dorf: Von allem gibt es irgendwie nur eine Sorte (abgesehen von Getränken), Lauchzwiebeln bspw. haben wir auch gar nicht gefunden.
  3. Man muss Prime-Mitglied sein. Die Mitgliedschaft kostet im Jahr knapp 50 Euro, man erhält damit Premiumversand (der nicht immer funktioniert), kann online tonnenweise Filme und Serien schauen, bekommt ein ordentliches Musiksortiment zum Streamen und hat noch ein paar weitere Vorteile. Muss man aber eben haben, sonst kann man »Prime Now« nicht nutzen.
  4. Es gibt kein Pfandsystem. Wer sich tonnenweise Getränke in Glasflaschen liefern lässt, hat hinterher eben tonnenweise Pfandflaschen im Haus. Und habe ich erwähnt, dass wir kein Auto haben? Genau, doof.

Man merkt eben doch, dass der Dienst nicht für den Wocheneinkauf gedacht ist, sondern dafür, sich schnell noch das liefern zu lassen, was man vergessen hat oder bspw. für den Grillabend noch braucht. Die Logistik funktioniert hier nämlich prima. Für den Supermarkteinkauf wird man hierzulande wohl auf »Amazon Fresh« warten müssen, das gerüchteweise im Herbst starten soll (in Berlin, höhö).

AllyouneedFresh

Der zweite Dienst, den wir ausprobiert haben, trägt den passenden Namen »AllyouneedFresh« und auch hier war zumindest bei unserer ersten Testbestellung (die zweite folgt demnächst) der Name Programm: Wir haben alles gefunden, was wir brauchten, und – wow – was waren die Waren frisch! Der Salat war so knackig, als hätte man ihn vom Feld geholt und wäre dann damit direkt zum nächsten Lieferanten gerannt.

Im Prinzip hat dieser Dienst, der übrigens zu DHL gehört, genau all die Nachteile, die ich zu »Prime Now« aufgezählt habe, NICHT.

  1. Die Preise sind echt in Ordnung und beispielsweise günstiger als im »Kaiser’s« um die Ecke, oft gibt es sogar Rabattcoupons, was das Einkaufen ein bisschen wie das Suchen nach Angeboten im Supermarkt wirken lässt. Klar, an Aldi, Lidl und Co. kommt »AllyouneedFresh« nicht heran, aber dafür bekommt man auch mehr Markenprodukte.
  2. Das Sortiment ist mit angeblich über 20.000 Artikeln ausreichend groß, wir haben jedenfalls alles gefunden, was wir wollten. Es gibt auch nicht nur ein Produkt zu jeder Kategorie: Bananen zum Beispiel gibt es in drei unterschiedlichen Sorten und Preisen.
  3. Man muss nirgends Mitglied sein. Witzigerweise kann man sich sogar mit seinem Amazon-Konto einloggen und auch dessen Zahlungsdaten verwenden.
  4. Es gibt ein Pfandsystem. Zusammen mit den Getränken bekommt man einen Coupon. Bei der nächsten Bestellung gibt man dem Kurier einfach seine Flaschen wieder mit und bekommt das Flaschenpfand hinterher zurück. Zumindest in Berlin ist das so, auf dem Land ggf. eher nicht.

Alles in allem waren wir sehr zufrieden. Der Einkauf hat wahnsinnig viel Zeit gespart, war bequem und wir konnten, während wir auf den Lieferanten warteten, was anderes machen. Drei kleinere Mankos hat »AllyouneedFresh« dann aber doch:

  1. Man bekommt die Lieferung nicht am Tag der Bestellung. Das ist nicht schlimm, zumal man abends bestellen kann und die Waren am nächsten Vormittag erhält, ist aber eben nicht ganz so cool wie bei »Amazon«.
  2. Der Mindestbestellwert für den Gratisversand liegt bei 40 Euro. Bei einem Wocheneinkauf kommt der Betrag aber schnell zusammen, sodass sich damit gut leben lässt.
  3. Der Dienst wirbt damit, besonders umweltfreundlich zu sein. Ich war aber doch ein wenig schockiert darüber, dass alles in Plastiktüten geliefert wird. Das müsste wirklich nicht sein. Wir heben die Tüten jetzt auf und verwenden sie als Mülltüten. Die wären sowieso aus Plastik, sodass die Umweltsünde nicht ganz so groß ausfällt. Hier könnte man aber doch sicher noch nachbessern. UPDATE: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Was ich nämlich bisher übersehen hatte: Auf den Tüten steht, diese seien zu 85 Prozent aus Zuckerrüben und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Sollte das denn so stimmen, ist dieser Punkt natürlich obsolet.

Ansonsten, wie gesagt, kann ich zumindest nach der ersten Bestellung jedem, der wie ich das Einkaufen verabscheut wie der Teufel das Weihwasser, empfehlen, »AllyouneedFresh« mal auszuprobieren. Ich find’s großartig!

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Seit einiger Zeit hadere ich mit mir. Dinge, an denen ich früher viel Freude hatte, machen mir heute weniger bis keinen Spaß. Seit Monaten hinterfrage ich für mich die Sinnhaftigkeit dieser Seite hier beispielsweise, ich habe keine wirkliche Lust mehr, mir Gedanken über Texte zu machen, über deren Aufbau, darüber, ob sie lustig sind oder nicht. Vielleicht ist es eine (längere) Phase, vielleicht ist das Ding auch einfach durch.

Was mir dafür seit einiger Zeit Spaß macht, wozu ich allerdings viel zu selten komme (und woran ich selbst schuld bin), ist das Fotografieren. Vor etwas über einem Jahr habe ich mir eine Kamera gekauft, mich ein wenig in die Materie eingelesen, weil ich der Meinung bin, dass es immer gut ist, die Regeln zu kennen, wenn man sie brechen möchte, und weil es eben doch sehr gut zu wissen ist, weshalb ein Foto schlecht geworden ist, obwohl das Motiv doch so viel hergab und die Kamera so billig gar nicht war.

Ich bin nie über den Anfängerstatus hinausgekommen, mir fehlt auch das Talent, gute Motive ganz natürlich zu erkennen. Ich weiß, es gibt Menschen, die haben dafür ein gewisses Gefühl, die können das, ohne sich dieses geschulte Auge erst aneignen zu müssen. Mir geht das nicht so. Ich muss mir jedes Bild, jeden kleinen Fortschritt erarbeiten.

Aber genau daraus ziehe ich merkwürdigerweise meine Freude. Vor langer Zeit habe ich mir das Gitarrespielen beigebracht, und auch hier bin ich nie über den Anfängerstatus hinausgekommen. Allerdings macht's mir auch keinen wirklichen Spaß zu üben, meine Finger zu trainieren, weil ich einfach weiß, dass mir das Talent fehlt, dass das, was ich spiele, immer mittelmäßig klingen wird, weil meine Wurstfinger gerne danebengreifen. Mit den Bildern mag es auch so sein: Vielleicht werden die niemals besser, wahrscheinlich werden meine Fotos immer schlechter sein als die derjenigen, die einfach ein Auge fürs Motiv haben, aber trotzdem macht mir die Sache viel Spaß.

Ich glaube, das liegt in erster Linie an der Entschleunigung. Ich packe die Kamera in den Rucksack, dann geht's ab in die Natur und auf Motivsuche. Allein diese Suche ist so wahnsinnig beruhigend, und es ist wirklich unendlich befriedigend, etwas Schönes zu entdecken, die Kamera draufzuhalten und bei der Nachkontrolle festzustellen, dass man das, was man fotografieren wollte, wenigstens einigermaßen gut abgelichtet hat. Ich kann während des Fotografierens den Alltag vergessen, die permanente Lautstärke der Großstadt, den Erwartungsdruck des Berufslebens. Allein diese Pirsch macht mir wahnsinnig viel Spaß. Seien es Vögel, Insekten, irgendwelche Pflanzen, Bäume, irgendwas Spannendes gibt es immer zu entdecken. Vermutlich irgendein Kindheitserinnerungsdingsbums. Kleinigkeiten, auf die man im normalen Alltag nie achten würde, werden besonders, und genau das macht die Faszination aus. Und klar, nach einer Weile gehen auch dem blutigsten Anfänger die Fotos etwas leichter von der Hand, was auch ganz schön.

Ich mag auch die Natürlichkeit der Motive. Nie käme ich auf die Idee, Menschen zu fotografieren (abgesehen von meiner Freundin). Ich mag es, dass die Natur tut, was sie mag. Wenn sie geduldig ist, kann ich ein Foto machen, wenn nicht, habe ich eben Pech und warte in Ruhe auf die nächste Gelegenheit. Im Endeffekt bekommt man immer eine Situation, einen Moment, festgehalten in einem Bild. Bei Menschen sieht das anders aus: Sie halten still, begeben sich in Pose, sind daher immer ein Stück weit künstlich. Und ehrlich gesagt, ist gerade das Fotografieren für mich auch eine Art Flucht vor dem Alltag und damit auch vor den Menschen. Deswegen allein reizt mich persönlich Portraitfotografie auch überhaupt nicht. Aber das muss jeder für sich herausfinden.

Was jedenfalls das Fotografieren angeht, habe ich über die Zeit einige einfache Erkenntnisse gesammelt, die ich gerne weitergeben möchte (falls sich auch wer dafür interessiert):

  1. Kauft euch eine gute Kamera. Nicht die beste, um Gottes Willen, aber durchaus eine gute. Die gibt es schon für ca. 300 bis 400 Euro mit brauchbarem Einsteigerobjektiv. Damit kann man schon viel anfangen, die Ergebnisse sind um Lichtjahre besser als jede hochgelobte Smartphone-Kamera, und ihr werdet auf jeden Fall mehr Spaß haben als mit einer 60-Euro-Billigknipse aus dem Elektronikmarkt. Ich habe beispielsweise eine Nikon 3200 und bin damit größtenteils zufrieden. Inzwischen hätte ich gern ein paar zusätzliche Funktionen, die meine Kamera nicht hat, aber auch das gehört zum Lernprozess.
  2. Kauft nicht jeden Quatsch dazu, nur weil's euch jemand empfiehlt. Wer mit einer Kamera und einem guten Allround-Objektiv anfängt, kann damit alles tun, seine Grenzen austesten und, sind diese erreicht, immer noch entscheiden, ob es denn ein weiteres Objektiv sein soll, ein Stativ, diverse Filter, etc.
  3. Lest ein Buch! Echt, es hilft zu wissen, was Blende, Verschlusszeiten und ISO-Werte sind, wie die drei zusammenhängen und wie man damit seine Bilder beeinflussen kann, was bspw. Schärfebereiche, korrekte Belichtung und Bildrauschen angeht.
  4. Nutzt ruhig die automatischen Modi der Kamera. Am Anfang wollte ich alles manuell machen und einstellen, weil ich dachte, das gehört zum richtigen Fotografieren dazu. Aber nach einer Weile merkte ich doch, dass die Kamera es oft besser weiß und dass eben ein Autofokus verdammt viel schneller und genauer ist, als wenn ich manuell am Fokusring des Objektivs drehe.
  5. Macht euch bloß keinen Stress. Ich dachte anfangs, ich muss sofort wahnsinnig tolle Bilder von großartigen Motiven machen. Das ist aber Blödsinn. Im Zweifel halte ich die Kamera einfach drauf und schaue hinterher am Computer, ob sich das Bild verwerten lässt. Lieber ein Bild zu viel als eins zu wenig machen, lautet die Devise. Ein Reiz des Fotografierens besteht für mich auch darin, hinterher kleine Details in Bildern zu entdecken, die man während der Aufnahme gar nicht gesehen hat und die ein ansonsten langweiliges Foto vielleicht doch interessant machen.
  6. Nachbearbeitung! Auch so ein Ding, von dem ich anfangs dachte, ich dürfte es nicht brauchen, weil es eine Art Schummelei sei. Bilder aus der Kamera sind im Rohdatenformat oft etwas blass, manchmal auch zu dunkel, etc. Mindestens Tonwertkorrekturen (Buch lesen!) sollte man ruhig vornehmen und auch an den Farbreglern spielen kann ein erhabenes Erlebnis sein, wenn man damit erst mal ein blasses Bild in ein farbenfrohes verwandelt hat.
  7. Geht raus in die Natur! Wie gesagt, ich müsste es selbst öfter tun, aber ach ... Man muss nicht unbedingt große Reisen unternehmen. Auch (oder gerade) in Berlin bspw. gibt es viele schöne Ecken, wo man ganz in Ruhe fotografieren kann. Alte Friedhöfe sind immer dankbare Motivsammelsurien, aber auch die vielen Parks, die es hier gibt. Wer mal ein hüpfendes Eichhörnchen scharf abgelichtet hat, weiß, wie toll sich das anfühlt.
  8. Last but not least: Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat. Der große Nachteil einer Spiegelreflex ist ihre Größe und damit ihr Gewicht. Meine Freundin hat eine Sony RX100, die sehr kompakt und leicht ist, die aber meist mindestens genauso gute Bilder macht wie meine große Nikon, im Makrobereich (Buch lesen!) sogar deutlich bessere (da ich kein Makroobjektiv besitze – siehe zweitens). Zum Üben im Alltag tut's sicher auch mal eine gute Smartphone-Kamera. Ein Punkt jedenfalls, den ich mir auch mal zu Herzen nehmen müsste (aber siehe hierzu halt auch fünftens).

Vielleicht werfe ich demnächst mal ein paar mehr Ergebnisse hier auf die Seite. Ich hatte ursprünglich überlegt, ein Fotoblog zu starten, hab dann aber erst mal wieder davon abgelassen (noch mal: siehe fünftens). Bis dahin hier ein paar Bildchen, an denen ich wirklich Spaß hatte und noch immer habe:

Eichhörnchen in #Berlin #photography #nikon #d3200 #dslr #nature

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#Berlin #Tiergarten #Nikon #DSLR

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... und seine Beute? 😉 #berlin #kleistpark #schöneberg #fotografie #photography #natur #nature #nikon #d3200 #tamron

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Trolle im Grunewald #Nikon #D3200 #DSLR #Berlin

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