Smoothies töten!

smoothieIch sage, dieser ganze Ernährungswissenschaftskram ist Quatsch. Ich bin der (noch) lebende Beweis, dass das alles Blödsinn sein muss, was einem von den Lebensmittelindustrievertretern mit Haifschgrinsen erzählt wird, die sich als Wissenschaftler verkleiden, indem sie sich einen Kittel überwerfen: Iss jeden Tag dein Gemüse auf, von jeder Obstsorte mindestens zwei Kilo, dann wirst du ewig leben und kannst nur noch sterben, indem ein anderer, der ebenso jeden Tag tonnenweise Gemüse und Obst vernichtet, dir mit einem in den schottischen Highlands geschmiedeten Schwert den Kopf abschlägt. 

Ich esse täglich mindestens einen Apfel, meistens eine Banane und vor allem ... trinke ich Smoothies. Jeden Morgen einen. Ich ziehe das so konsequent durch wie eigentlich kaum etwas sonst: Aufstehen, Klo, Frühstück, Klo, Zähneputzen, Klo, ein bisschen Prokrastination am Smartphone, Klo und DANN den Smoothie, bevor ich aufs Klo und dann zur Arbeit gehe. Durch die Smoothietrinkerei müsste ich eigentlich längst unbesiegbar sein, kugelsicher sowieso. Smoothies sind der Gegenentwurf zum Feierabendbier. Alles, was an Bier schlecht ist, kehrt ein Smoothie ins Gegenteil. Nur fett machen sie beide. Würde ich nicht an jedem verdammten Morgen einen Smoothie trinken, hätte ich vielleicht längst einen Waschbrettbauch. Stattdessen sieht mein Körper selbst nach vielen Jahren Sport immer noch aus wie eine Riesenleberwurst im Naturdarm. Toll! Danke Smoothie, danke Merkel!

Und ich schreibe mich hier gerade nur deswegen so in Rage, weil ich alle drei, vier Wörter husten und drei Kilo Rotz in ein Taschentuch entladen muss, was sich zusammen anfühlt, als wollte sich mein Inneres nach außen kehren, wobei: Wenn ich derzeit in den Spiegel schaue, beschleicht mich eher das Gefühl, das Äußere wollte sich eher wieder nach außen kehren und das Innere zurück nach innen – so schlimm steht es um mich! Jedenfalls huste und schniefe ich, als gäbe es kein Morgen und mit jeder Stunde, die hustend und schniefend ins kontaminierte Land zieht, bekomme ich den Eindruck, das mit dem Morgen könnte sich noch bewahrheiten. Denn ich habe Männerschnupfen! Jene furchtbare Krankheit, die nur XY-Chromosomträger befällt, erbarmungslos wie die Ansteckungsgefahr während einer Zombieapokalypse und von der wir Männer nie wissen, ob wir sie überleben werden – und falls doch, in welchem erbarmungswürdigen Zustand. Diese Krankheit, die den Frauen dieser Welt absolut null Mitleid abringt, was das Leiden nur umso schlimmer macht.

Was mich jedenfalls derart in Rage versetzt, ist dass ich nun bereits die zweite blöde Erkältung innerhalb desselben Quartals habe. Innerhalb eines Monats sogar! Durch die verflixten Vitamine müssten meine Immunzellen längst mit Kevlarwesten und Integralhelmen ausgestattet sein, stets bereit, selbst einen Meteoriteneinschlag einfach abzuwehren. Stattdessen herrscht scheinbar Tag der offenen Tür für alle gängigen Berliner Bazillen. »Hereinspaziert, hereinspaziert, hinten stehen Kaffee, Kekse und funktionstüchtige Atemwege für Sie bereit!« Klasse!

Wozu also, frage ich, trinke ich dann diese blöden Smoothies? Da könnte ich, um darauf zurückzukommen, auch gleich morgens in erster Amtshandlung ein Bier zischen. Ich sehe da gerade lauter Vorteile: In den Flaschen ist mehr drin, es erzeugt keinen Plastikmüll, Bier ist erfrischender, es macht nach reichlich Konsum Mett- und Eierbrötchen zur schmackhaftesten Delikatesse des Universums und endlich hätte ich auf der Arbeit mal wieder gute Laune. Okay, vielleicht nicht sonderlich lange, denn wer seine Fahne konsequenter durch die Gegend trägt als der überzeugteste Kommunist, dem ist vermutlich keine sonderlich lange Karriere vergönnt, es sei denn, er arbeitet bei Warsteiner im Testzentrum.

Gut, Bier tut so gar nichts für die Gesundheit, geballte Vitaminpower aber ja nun offenbar auch nicht. Alles Lügenpresse, was da auf den Flaschen steht. Ich sage: Smoothies töten! Denn alles, was nicht zu meiner Gesundheit beiträgt, unterstützt meine Sterblichkeit und ist damit de facto ein Mörder. Und immer, wenn ich jetzt röchelnd und schnaufend den Kühlschrank öffne, mit blutunterlaufenen von den Schatten Mordors umringten Augen nach was Essbarem suche, dann fallen mir diese kleinen bunten Killerfläschchen ins Auge. Wie Spielzeugatombomben liegen sie da, sorgfältig aufgereiht: rote, gelbe, weiße, gefüllt mit püriertem Schleim aus Früchten, die ich in meinem Leben noch nicht gehört, gesehen oder geschweige denn gegessen habe.

So stehe ich vor der geöffneten Kühlschranktür und starre sie an. Und die Smoothies starren zurück. Wie im Westernduell stehen wir uns gegenüber, ein Steppenläufer weht frech über den staubigen Weg, die Türen des verlassenen Saloons knarzen vom Spiel des rauen Windes und im Hintergrund säuselt leise die ikonische Musik von Ennio Morricone. Und ich weiß, ich kann dieses Duell nur verlieren, schließlich habe ich Männerschnupfen, bin längst geschlagen, weshalb die Smoothieflaschen mich weiterhin einfach nur anstarren, bis sie im Chor sagen: »Tja, krank sein ist schon scheiße, oder?«

Recht haben sie, krank sein ist scheiße. Man fühlt sich schwach und mitunter so wirr, dass Dinge mit einem reden. Und das gerade, wo die Alternative – nämlich gesund sein – doch so einfach zu sein scheint. In der Hoffnung, dass ich mich in meiner erkältungsbedingten Grantigkeit irre, trinke ich doch wieder einen dieser blöden Smoothies. Und selbst wenn sie, wie ich vermute, tatsächlich null Wirkung haben sollten, abgesehen von der des Lebenserhaltungssystems meiner Fettschicht, dann bleibt mir doch irgendwie keine andere Wahl, als sie zu trinken, denn es ist, verdammt noch mal, kein Bier im Haus!

11 Gedanken zu “Smoothies töten!

  1. Anonymous

    Wieder einmal ein Trend, den wir von Amerika übernommen haben, eine Hype für schöne, junge Menschen, die sich noch schöner mit Smoothies trinken, Healthys lösen Smoothies bald ab, in grünen Smoothies sind ja auch all die Blätter im Mixer, dann erst schmeckt's lecker, nur warnen Ärzte auch bereits wieder vor Nierensteine, verdammt, jetzt hab ich Weihnachtsplätzchen gekauft, um sie zu verschenken, ist doch gar nicht mehr so im Trend, hätten grüne Salat-,Radieschen-, Spinatblätter zur Weihnachtszeit vielleicht größere Freude bereitet ? Zum Thema Erkältung, langanhaltender Husten sind meinem Dafürhalten nach die alten Hausmittelchen von früher noch die Wirksamsten.( Zwiebelsaft mit Honig) überall im Netz zu finden, wenn man nicht trinken kann oder mag, Inhalieren und wenn nur Dämpfe vom Kamillentee und die gute, alte Hühnersuppe, die hatten wir ja bereits, wenn gar nichts hilft, Brustwickel und jetzt wünsche ich Gute Besserung und lecker Smoothies!!

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Na ja, also wer nur noch Smoothies trinkt und kein Wasser mehr, der kriegt dann vermutlich schon Nierensteine. Dann aber auch zu recht. 😉 Ich finde die Dinger so grundsätzlich gar nicht schlecht. Sie schmecken ja auch echt gut und, na ja, ist halt was für die Leute, die eh schon keine Zeit haben, auch noch jeden Tag frische Früchte zu kaufen und zu schnippeln. Ich hab mal selbst Smoothies gemacht, ist aber ein ganz schöner Aufwand, vor allem die Reinigung der Utensilien hinterher. Da ist es dann eben schon bequem, die Dinger einfach fertig zu kaufen. Den Text hier darf man natürlich nicht allzu ernst nehmen. Der Aufreger war eher ironischer Natur, und ich hatte halt Lust, was zu schreiben. Außerdme hatte ich ja Zeit. Inzwischen bin ich wieder relativ gesund, danke für die Besserungswünsche auf jeden Fall! 🙂 Hab auch das Gefühl, am besten hilft, einfach 'nen Schal zu tragen und den Hals warm zu halten. Der Rest ist eher so nettes Beiwerk. Ansonsten hilft nur Geduld, dann geht's schon wieder weg.

      Viele Grüße
      Thomas

  2. RoM

    Servus, Thomas.
    Der Grundtenor des Seins bleibt wohl...Leben ist tödlich. Da nagt der Faden an keiner Maus; nach all dem Wachstum bis zur Geschlechtsreife poltert das Leben an sich nur noch die Treppe runter. Morituri te salutant gilt für alles auf dem Planeten Larsaf III.

    Wie nicht anders zu erwarten, jagen auch die Jünger der "potosynthetischen Ernährung" gern ein neues Borstenvieh durch den Weiher. Man/frau kann sie wirsam positionieren, sehen wer denn jetzt alles wieder aufspringt. Erinnert im Ablauf an "die neue Trendsportart" oder irgendein frisches Ei-Phon.
    Prestige flattert da als Lametta im Fähnchenwind. ?

    Wobei die Hardcore-Gesundler mehr auf einem persönlichen Jacobs-Weg den Bio-Staub treten wollen.

    Mag hart klingen, aber die Konfrontation des Immunsystems mit Männer- Knaben- oder Greisenschnupfen hält die weißen Blutkörperchen fit; eben weil beschäftigt. Rotzo & sein compadre Hustolio sind in der Abwehrzentrale gern gesehene Punching-Partner.

    Die Alternative zum "Woiza-pressa" (Bayern-Idiom für den Weißbiertrunk) wäre dann wohl der ordinäre Obstsaft. Denke ich. Erfrischend, wohlschmeckend, ohne den Zähfluss bei Smoothies.

    Wohl mögest Du gesunden!
    Schließlich gibt es demnächst zwei Poster aufzuhängen... ?

    bonte

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Hallo RoM,

      ich trinke die Smoothies tatsächlich auch eher, weil ich sie lecker finde. Die haben gerade morgens was sehr erfrischendes. Als die Medien eine Zeitlang damit um die Ecke kamen, wunder wie gesund die Teile seien, hab ich das eh nur belächeln können.

      Ich hoffe mal auch, ich hab jetzt genug Wumms im Immunsystem, um den Rest des Winters einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Denn du hast recht, für den Umzug kann ich's brauchen.

      Für die Poster brauchen wir natürlich vorher noch zwei Rahmen. um den Anbau kümmere ich mich dann wohl tatsächlich selbst, nachdem wir immerhin beim Anbau der Lampen und Waschtische reichlich Unterstützung bekommen werden. 🙂

      Viele Grüße & besten Dank für die Besserungswünsche,
      Thomas

  3. Anonymous

    Ich möchte Ihnen heute auf Heiligabend im Kreise ihrer Lieben ein ruhiges, besinnliches, friedliches Weihnachtsfest wünschen, in Gedanken sind wir in Berlin, in Gedenken an die Toten, an die vielen Opfer, die Helfer und all die Menschen die danebenstanden, alles mitansehen mussten, nicht helfen konnten, begonnen hat das Jahr mit Verlust von beiden von uns liebenden Menschen, sie haben in ihrem Blog uns ihre Gedanken mitgeteilt, verårgert, satirisch, dann lustig, fuer mich allerdings immer ehrlich und identisch verfasst, sie haben die Lust am Fotografieren aufgenommen, wunderschoene Bilder fuer uns ins Netz gestellt, fuer all das moechte ich mich heute bedanken, die Zeit jetzt macht traurig, aber der Weihnachtstraum mit dem kleinen Tom und seinem Weihnachtsbaum hab ich nicht vergessen, der wird vielleicht im naechsten Jahr von Ihnen oder von mir oder den kleinen Kobolden zum Leben erweckt werden, in diesem Sinne, ein besinnliches Weihnachtsfest. Anonymica

    Antwort
    1. PhanThomas

      Beitragsautor

      Vielen lieben Dank! Auch für das fleißige Kommentieren über die letzten Monate. Ich hab mich immer sehr drüber gefreut, eben weil ich so nicht das Gefühl habe, dass hier gar niemand mehr mitliest. Für Weihnachtswünsche ist es etwas spät, wir waren aber eben viel unterwegs, sind umgezogen und haben immer noch jede Menge Arbeit vor uns, dazu kein richtiges Internet, etc. Aber demnächst normalisiert sich alles sicherlich wieder.
      Drum möchte ich schnell die Gelegenheit nutzen – da wir uns ja offenbar siezen –, Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen – möge es eine gute Portion Glück mit sich bringen und Sie und Ihre Lieben gesund bleiben.
      An die Opfer des Berliner Weihnachtsmarktes und ihre Angehörigen hab ich auch schon mehrfach gedacht. Wenn man in der betroffenen Stadt wohnt, ist es doch noch mal was ganz anderes, auch wenn wir zum Zeitpunkt des Anschlags schon umgezogen waren und daher denkbar weit weg. Dennoch, mich hat’s sehr betroffen gemacht. Ich hoffe einfach, im kommenden Jahr passiert so was weniger bis gar nicht mehr und vielleicht enden auch mal ein paar Kriege, die zu solchen Dingen führen. Na ja, im Moment stehen die welt- und gesellschaftspolitischen Zeichen ja eher auf Sturm, aber die Hoffnung stirbt zum Schluss.

      In diesem Sinne alles Gute und auf ein Neues,
      Thomas

  4. Anonymous

    Ja, schön,im alten Jahr hier noch einmal etwas von Ihnen zu hören, und herzlichen Glückwunsch im neuen Heim. Da wūnsche ich Ihnen und ihrer Partnerin in ihrem neuen Zuhause alles erdenklich Gute, auch zūgiges Gelingen bei den unangenehmen Dingen, das die Umzugsarbeiten schnellstens vorūbergehn und sie gemeinsam die kostbare Freizeit in ihrem trautem Heim geniessen können, das mit dem siezen, liegt nicht an Arroganz meinerseits, sondern einfach daran, dass ich persönlich vor fast jedem Menschen zunăchst einmal großen Respekt habe, da jeder Mensch ja auch auf irgendeine Art irgendwelche Talente besitzt, also ich spreche jetzt nur von Menschen, die das Wort Menschen auch verdienen, und so ist meine Achtung den Menschen gegenüber groß und mir fällt das dutzen grundsåtzlich schwer, liegt an meinem komischen Naturell, Weihnachtsrátsel:,Ist ihnen etwas an meiner jetzigen Schrift aufgefallen, Lősung folgt.

    Antwort
  5. Anonymous

    Ja, danke fūr die lieben Grūße , auch ich mōchte Ihnen und ihrer Partnerin einen guten Start ins Jahr 2017 wünschen, so dass die Gesundheit als Mitbewohner bei Ihnen Einzug hålt oder sich als Dauergast dazugesellt, An Heuschnupfen, Erkåltungen, erst gar nicht mehr denken, nur die Gedanken auf gamz ganz schöne Dinge lenken, auf die Dachterrasse, die es jetzt ja gibt,den Garten, den man mit Sicherheit liebt, da macht das Fotografieren erst richtig viel Freude, nicht nur im Hof, auch im eignen Gebäude, Von Herzen, ein gutes, neues Jahr, .....noch besser?, so wie's frūher einmal war? PROSIT NEUJAHR ! :

    Antwort
  6. Anonymous

    PS.Mőchte auch ein Gutes, Neues Jahr an ROM zukommen lassen, und das Weihnachtsrătsel.auflősen. Das Kind meines Schwagers, gerade mal 14, schrieb mir abends einmal und meinte, er mūsse mir doch einmal ein paar Dinge erklåren, ich sollte doch långere Zeit auf ein S drűcken, da käme eine kleine Schaltflåche, dort kōnnte ich das ß finden, und tatsächlich es begann Spaß zu machen, er schrieb mir Tante, das wird zuviel fūr dich, morgen űben wir dasselbe mit o, dann mit u, das war wirklich so schön, man freut sich schon, wenn er schreibt, nur wenn es schnell geht, vergißt man es auch schnell wieder, also die Lōsung wurde aufgeklärt.ßßß,äääüüüööö schön, ode

    Antwort
    1. Anonymous

      Aber die Hoffnung stirbt zum Schluß, die allerwichtigste Aussage blieb mal wieder unkommentiert von mir zurűck, trotzallem im Unterbewußtsein sich verankert und Grund den schönen Satz zu zelebrieren, nochmals aufzustehn, um ihnen das mitzuteilen, manchmal hat man selbst soviel zu berichten, daß man das Wertvollste erst beim 4.Anlauf wahrnimmt.

  7. Anonymous

    Aber die Hoffnung stirbt zum Schluß, die allerwichtigste Aussage blieb mal wieder unkommentiert von mir zurűck, trotzallem im Unterbewußtsein sich verankert und Grund den schönen Satz zu zelebrieren, nochmals aufzustehn, um ihnen das mitzuteilen, manchmal hat man selbst soviel zu berichten, daß man das Wertvollste erst beim 4.Anlauf wahrnimmt.

    Antwort

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