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In dem Moment, in dem ich ohne meinen Schlüssel vor der Bürotür stand, wusste ich, es würde kein schöner Tag werden.

Eine Welt ohne Scheibenwelt ist doch irgendwie viel zu flach.

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Okay, welcher Designakkrobat bei Apple hat sich eigentlich diese scheußlichen Kopfhörer namens EarPods ausgedacht? Welcher Mensch bzw. welches entfernt menschenähnliche Wesen hat bitte solche Ohren? Klingonen? Ich jedenfalls nicht. Nicht nur, dass die Form der optischen Miniaturhaartrockner für von Mutter Natur geformte Ohren ziemlich ungeeignet ist, nein, die grässliche Passform muss man zusätzlich dadurch betonen, dass man glattes Plastik als einziges Material verwendet hat. Ganz toll. Wahrscheinlich, um sicherzustellen, dass die Dinger auch ja alle fünf Schritte aus den Ohren purzeln und man sie wieder hineinbohren muss. Apropos bohren, hier ein unappetitliches Detail am Rande: Die Teile haben sich den zweifelhaften Kosenamen »Schmalzbohrer« mehr als verdient. Immerhin einen Vorteil haben die grotesken Plastikpopel: Meine Ohren sind jetzt sauber.

[Updated] Der folgende Testbericht ist in leicht gekürzter Form ein Gastbeitrag beim Bücherei, dem Buchblog vom freundlichen Ei aus der Nachbarschaft, bzw. das Blog meiner Freundin. Ahem.

Die Macht des Konsum

Der folgende Text handelt von technischen Geräten und der Macht des Konsums. Weil Letzteres interessanter klingt, fangen wir damit an. Kürzlich schleppte ich meine Freundin in ein größeres Buchgeschäft der Kette Thalia, gelegen im Alexa am Berliner Alexanderplatz. Eigentlich (!) wollte ich »Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden« kaufen, schließlich halte ich danach schon so lange Ausschau. Doch oh weh, den Comic-Sammelband über die knausrige Ente gab es nicht.

Was es aber gab, war der Comic »Der Zauberer von Oz« von Marvel bzw. Panini. Das allerdings ist eine andere Geschichte (haha). Denn was es noch gab, war ein kleines wie feines Gerät namens tolino shine, der neue E-Reader der Allianz aus Thalia, Hugendubel, Weltbild, Bertelsmann und der Deutschen Telekom, gegründet, um Amazon und seinem Kindle-Imperium endlich Paroli bieten zu können. Gekommen also, um ein Buch über reiche Enten zu kaufen, gegangen mit Dorothy, Toto und einem neuen E-Reader samt Tasche. Ach ... Doch eben um jenen tolino shine soll es im Folgenden gehen.

Besser spät als nie, oder: auf Chaos folgt Ordnung

Dass die großen Buchhandelsketten in Deutschland Jahre gebraucht haben, um ein einheitliches Produkt zu forcieren und gegen Amazon ins Rennen schicken zu können, das deren Kindle einigermaßen ebenbürtig sein könnte, sagt schon viel über die Effizienz des Online-Handelsriesen aus. Oder viel mehr über die Ineffizienz des deutschen Buchhandels.

Denn wo Amazon eine in sich geschlossene, dafür aber ausgezeichnet funktionierende E-Book-Plattform samt Vertrieb hochziehen konnte, herrschte bei Thalia, Weltbild und Co. bisher Chaos. Jeder köchelte sein eigenes Süppchen: Thalia wollte den grottenhässlichen Oyo an den Mann bringen, Weltbild versuchte, abgespeckte Billig-Tablets als E-Reader zu verticken, und so richtig gar wirkte das alles nicht. Amazons Kindle gab's im Laden selten bis nie zum Anfassen und außerdem wollte ich mir neben iPad und iPhone nicht noch eine weitere gänzlich geschlossene Plattform mitsamt Vertrieb ans Bein nageln. So sah ich bisher davon ab, einen E-Reader zu kaufen.

Doch scheinbar hat der hiesige Buchhandel den letzten Schuss doch noch gehört, jedenfalls hat man sich konsolidiert und gemeinsam das Projekt tolino shine aus der Taufe gehoben. Ein offenes Gerät zum Anfassen, das mich tatsächlich überzeugt hat, meine E-Reader-Aversion über Bord zu werfen.

tolino, so weit das Auge reicht

Verpackung im Schuber
Verpackung im Schuber

Am tolino kommt man nicht vorbei, wenn man dieser Tage einen Buchladen betritt. Wer nicht schaut, wo er hinläuft, stolpert spätestens nach zehn Schritten über einen Präsentationstisch mitsamt eingeschaltetem Gerät - zumindest ist das bei Thalia so. Die aggressive Fernsehwerbung tut derzeit ihr Übriges. tolino shine in aller Munde also, aber ist die viele Werbung auch gerechtfertigt oder doch eher notwendig?

Nun, auf den ersten Blick ist der tolino shine ein sehr unaufgeregt gestaltetes Gerät. Zuerst sagte mir die schlichte Optik samt braun-grauem Farbton so gar nicht zu, doch kaum nahm ich das Ding selbst in die Hand, änderte sich das schlagartig. Der tolino ist hervorragend verarbeitet. Keine überstehenden Kanten, ausgezeichnete, leicht samtene Haptik, die das Gerät sehr griffig macht, nichts klappert oder wackelt. Da macht schon das Anfassen allein Spaß.

Insgesamt kommt der Reader mit drei Tasten aus: Der Ein-Aus-Schalter und eine kleine Taste zum An- und Abschalten der eingebauten Beleuchtung am oberen Rand, außerdem bringt ein Home-Button unterhalb des Bildschirms den Benutzer zurück ins Eingangsmenü mitsamt Shop und Bibliothek. Kennt man so ja bspw. vom iPhone. Das war es dann auch schon an Bedienelementen. Schalter zum Blättern oder Ähnliches gibt es nicht, das funktioniert alles über den angenehm sensiblen Touchscreen, der zwar kein Multitouch unterstützt, dafür aber intuitive Wischbewegungen zum Vor- und Zurückblättern erkennt, die beim ersten Start des Gerätes auf dem Bildschirm erklärt werden. Leider sind die Schalter allesamt etwas schwergängiger, als es Not getan hätte, aber damit kann ich gut leben.

Das aufgeräumte Äußere empfinde ich insgesamt als sehr gelungen. Die vielen Buttons, wie sie etwa die Sony-Reader haben, habe ich immer als ästhetisch unschön empfunden - vermutlich bin ich einfach Apple-geschädigt - drum ist die reduzierte Gestaltung des tolino genau mein Ding.

Etwas fummelig geraten ist die Klappe an der Unterseite des Gerätes, hinter der sich der Micro-USB-Anschluss, der Micro-SD-Karten-Slot sowie der Reset-Button befinden. Die herausziehbare Klappe verkantet beim Verschließen schnell, wirkt ansonsten aber recht robust und hält immerhin Staub und Schmutz von den Innereien des tolino fern.

Ausstattung mau, dafür mit Lächeln

Bitte lächeln!
Bitte lächeln!

Bei der Ausstattung des tolino shine hat man sich an der Konkurrenz aus den USA orientiert, was bedeutet, sie ist quasi nicht vorhanden. Die recht hübsche, zusätzlich durch einen Schuber geschützte Verpackung enthält neben dem Reader lediglich eine schmalbrüstige Anleitung, die wahrscheinlich eh kein Mensch braucht, und ein Micro-USB-zu-USB-Ladekabel. Netzteil oder Schutzhülle sucht man vergebens, bzw. sollte man nach diesen eben in der Buchhandlung in der Zubehörecke suchen. Schade, auch wenn das Gerät mit 99 Euro vergleichsweise günstig ist, wäre doch wenigstens ein Netzstecker angebracht gewesen - doofer Trend, das!

Schlafender tolino mit kuscheliger Tasche (separat erhältlich)
Schlafend, mit kuscheliger Tasche

tolino selbst begrüßt seinen neuen Besitzer dafür mit einem freudestrahlenden Gesicht. »Ich bin tolino«, verkündet das Gerät, als hätte man das nicht gewusst. Schaltet man den Reader später aus, so wird das Gesicht in schlafendem Zustand präsentiert. »Pssst ... tolino schläft«, meldet der Bildschirm dazu. Das bringt mich immer wieder mal zum Schmunzeln und gibt dem Gerät eine angenehm menschliche Note. Toll! Die Möglichkeit, eigene Wallpaper anzuzeigen, wie man sie etwa vom Kindle kennt, bietet der tolino shine dagegen nicht.

Die Qual der (Shop-)Wahl

Wer sich für den tolino shine interessiert, sollte unbedingt darauf achten, wo er das Gerät kauft. Zwar bieten die genannten Buchhandelsketten allesamt äußerlich das gleiche Gerät an, doch was die inneren Werte angeht, ist tolino nicht gleich tolino. Der vorinstallierte Shop ist nämlich davon abhängig, wo das Gerät gekauft wurde. Zwar ist der Reader vom Format her offen, heißt, er unterstützt neben PDF und TXT das verbreitete EPUB-Format, und der Leser kann seine Bücher kaufen, wo er möchte (mit Ausnahme von Amazon natürlich), dennoch geht natürlich Einiges an Komfort flöten, wenn man etwa bei Weltbild ein Buch kaufen will, seinen Reader aber bei Thalia erworben hat. Hier mögen die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Handelspartner im Vordergrund gestanden haben, für den Nutzer ist es aber von Nachteil, den Shop nicht wechseln zu können. Da wurde meiner Meinung nach viel Potenzial verschenkt.

Wolkig schön und eine Menge Bücher

Ein schöner Rücken kann auch entzücken.
Ein schöner Rücken kann auch entzücken.

Denn ansonsten hat man sich gerade technisch integrativ ganz schön ins Zeug gelegt: Der tolino shine bietet zwar keinen weltweit verfügbaren 3G-Zugang zum Internet wie der Amazon Kindle, dafür gibt's aber in Kooperation mit der Deutschen Telekom kostenfreien Zugang zu allen Telekom-Hotspots (angeblich ca. 12.000 Stück). Und hier kann auch nicht nur der Buchshop, sondern, mittels integriertem Browser, das gesamte Web angesurft werden. So lassen sich mal eben auch Bücher von anderen Quellen laden. Viel interessanter ist aber, dass jeder Käufer des tolino insgesamt 25 GB kostenlosen Cloud-Speicher der Telekom dazubekommt. Hier lassen sich gekaufte Bücher ablegen, falls die eingebauten ca. 2 GB an nutzbarem (!) Speicherplatz mal knapp werden, die sich aber ohnehin mittels MicroSD-Karte auf bis zu 32 GB aufrüsten lassen. Das sind ... puh ... eine Menge Bücher.

Toll ist überhaupt, was sich mit der Cloud anstellen lässt: Beispielsweise stelle ich mir vor, dass ich durch den Buchladen stromere, ein tolles Buch entdecke, das ich sogleich mittels Thalias eReading-App auf dem iPhone kaufe. Der tolino synchronisiert sich später daheim ganz von selbst und ich kann sofort mit dem Lesen beginnen, ohne Kabel, ohne Ärger. Hat in meinem Test tadellos funktioniert.* Auch die Lesestände werden synchronisiert. Möchte ich mein Buch auf dem iPhone weiterlesen, wo ich auf dem tolino aufgehört habe, ist das also problemlos möglich. Nur Lesezeichen werden scheinbar nicht synchronisiert, bzw. bietet zumindest die iPhone-App von Thalia gar keine an, oder ich war zu blöd, die Funktion zu finden.

Letztlich merkt man aber auch hier wieder: Die Händler arbeiten nicht wirklich zusammen, denn ob die Synchronisation mit Hugendubels tolino und der Hugendubel-App genauso gut funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Netter Nebeneffekt der ganzen Cloud-Kiste: Sollte das Gerät mal kaputtgehen, kann mittels Synchronisationsfunktion der alte Buchbestand auf dem Ersatzgerät ruckzuck wiederhergestellt werden. Hier hat man scheinbar viel von Amazon übernommen und dabei auch wirklich sehr viel richtig gemacht.

Lesen, warten, lesen, sonst nicht viel drumrum

So, nun aber zum interessantesten Teil, nämlich dem Lesen. Die angenehme Haptik des tolino hat sich während des Lesens bestätigt. Das Gerät hält sich sehr angenehm, ist nicht schwer, aber auch nicht so leicht, das es weniger wertig wirken würde. Der 6-Zoll-Bildschirm zeigt Buchstaben gestochen scharf, wie es für E-Ink-Displays typisch ist. Da der tolino nur alle acht Seiten oder so einen echten Refresh des Bildschirms durchführt, was auch nicht umstellbar ist, tritt immer mal ein leichter Ghosting-Effekt auf. Heißt, die Buchstaben der letzten Seite schimmern leicht durch. Das ist so, als würde man ein Buch mit dünnem Papier lesen - eine Kinderkrankheit der E-Ink-Technologie. Mich persönlich hat das bisher nicht gestört. Allemal besser, als würde der Reader nach jedem Blättern den Bildschirm vollständig zurücksetzen, denn dann käme es zu dem nervigen Flackern, unter dem noch die E-Reader der ersten Generation krankten.

Natürlich trägt der tolino den Zusatz shine im Namen, weil er beleuchtet ist. Unterhalb des Displays sind fünf LEDs angebracht, die über eine dünne Trägerschicht den kompletten Bildschirm in angenehmes, weißbläuliches Licht tauchen, das nahezu stufenlos geregelt werden kann. Dabei soll die maximale Stufe weniger hell sein, als es beim Kindle Paperwhite der Fall ist, dafür aber soll die Ausleuchtung gleichmäßiger gelungen sein. Hier fehlt mir der Vergleich, drum kann ich nur bestätigen, dass das Licht sehr angenehm ist und die Augen (zumindest meine) nicht ermüden lässt.

Müde macht dagegen die Menü-Navigation, die etwas träge ist. »Bitte warten ...«, meldet der tolino dabei gerne mal, und ich frage mich, ob das Gerät mit seinen 800Mhz im Hintergrund vielleicht Primzahlen berechnet. Auch sonst ist die Menüführung etwas hakelig geraten, wie es ja leider bei allen E-Readern der Fall zu sein scheint. Das kann Apple dann doch besser.

Schade auch, dass nur wenige Zusatzfunktionen geboten werden. So lassen sich zwar Schriftgrößen und -arten ändern, doch ist kein Lesen im Querformat möglich, außerdem fehlen Wörterbücher oder Notizfunktion komplett. Mich schreckte das nicht ab, da ich beim Lesen niemals etwas notiere oder nachschlage und allenfalls mal ein Lesezeichen setze (was je Buch beliebig oft möglich ist), doch so manch potenziellen Käufer könnten diese Mankos schon abschrecken.

Auch sonst soll die Firmware noch etwas unausgereift sein, so dass der Reader sich auch mal aufhängt und per Resetfunktion neu gestartet werden muss. Ist mir aber bisher kein einziges Mal passiert, daher das nur vom Hörensagen, bzw. aus Testberichten. Wäre schön, wenn hier ein baldiges Firmware-Update mit Verbesserungen und neuen Funktionen käme.

Vom Akku nichts Neues

Für die Akkulaufzeit des tolino shine gibt der Hersteller sieben Wochen an. Das dürfte in etwa dem gängigen Standard bei E-Readern entsprechen, höchstwahrscheinlich unter der Annahme, dass das WLAN nicht dauerhaft aktiviert ist und man nicht ständig mit eingeschaltetem Licht liest. Nach knapp drei Stunden Verwendung mit Licht stand die Akkuanzeige immer noch bei 100 Prozent. Da gibt es nichts zu meckern bisher. Glauben wir dem Hersteller also hier erst einmal.

Fazit

Der tolino shine ist für mich ein zumindest konzeptionell durchweg gelungener Angriff auf Amazon. Das schlichte wie ansprechende und charmante Äußere hat meine persönliche E-Reader-Aversion zerstreut, und das will was heißen.

Das Gerät würde ich so auf jeden Fall wieder kaufen. Das sechszöllige E-Ink-Display entspricht durchweg meinen Erwartungen, mittels Beleuchtung kann ich abends im Bett auch bei schummrigem Licht wunderbar lesen. Die Cloud-Funktionalität ist eine feine Sache, auch wenn die Shop-Gebundenheit des Gerätes eine übergreifende Integration der großen Buchhandelsketten verhindert. Dennoch kann man natürlich seine Bücher kaufen, wo man möchte, muss dann aber eben auf gewisse Komfortfunktionen wie durchgehende Synchronisation zwischen bevorzugten Apps und Reader verzichten.

Bleibt zu hoffen, dass die Initiatoren das Projekt sinnvoll fortführen, d.h., das Gerät anständig mit Updates versorgen, und die Kundenbasis nicht dadurch vergrätzen, dass in einem halben Jahr das nächste Reader-Projekt gestartet und der tolino links liegen gelassen wird, oder ein tolino shine plus mit neuen Funktionen erscheint, die man dem jetzigen Gerät auch per Update hätte spendieren können. Denn den kommerziellen Erfolg wünsche ich dem kleinen Kerl.

* Update: 19.12.2013

Da der Artikel hier noch immer oft angesurft und ggf. ja sogar gelesen wird, ein kleines Update, bzw. eine Korrektur zum obigen Artikel: Die Synchronisation mit iPhone und Co. funktioniert zwar tadellos, man sollte allerdings tunlichst davon absehen, ein Buch mit der Thalia-iPhone/iPad-App zu kaufen. Grund: Die Synchronisation ist in diese Richtung nicht möglich, da Apples AGBs verbieten, gekaufte Artikel mit anderen Geräten zu synchronisieren. Ein Hinweis irgendwo wäre hier schön gewesen. Den Fehler macht man zwar nur einmal, aber dieses eine Mal ärgert man sich eben doch sehr.

Windows 8Ein paar Gedanken zum Tablet-Hype der letzten Woche. Microsoft hat sein eigenes Tablet vorgestellt, sinnigerweise unter dem Namen Surface. Genauso hieß nämlich schon das gigantische Tablet in Tischform, das die Firma bereits vor einiger Zeit präsentiert hatte.

Nun versucht man in Redmond also erneut, selbst in den Markt für Hardware einzusteigen und betont vehement, als wie wichtig man es erachte, Hard- und Software als eine Einheit zu konzipieren. Als Beispiel dazu führt man die Apple-Smartcover-ähnliche Hülle mit integrierter Tastatur an, die per Magnet an das Tablet angeklippt werden kann und anhand deren Farbe sich auch der Hintergrund des Tablets ändert. Chice Idee zwar, andererseits auch bezeichnend, dass Bill Gates seinerzeit den festen Verbund von Hard- und Software immer abgelehnt hatte. Außerdem: Erinnert sich noch jemand an den Microsoft Zune, den einstmals potenziellen iPod-Killer? Ja? Nein? Macht nichts, der Rest der Welt nämlich auch nicht.

Statt nur ein Modell herauszubringen, fokussiert man sich bei MS gleich auf zwei Tablet-Varianten, wobei mir persönlich nur die dünnere mit ARM-Architektur und Windows RT sinnvoll erscheint, während das Modell mit Intel-Architektur und echtem Windows 8 etwas klobig und damit eher wie ein verkappter PC daherkommt. MS-typisch ist, dass man sich irgendwie nicht entscheiden konnte, was genau man denn nun tun möchte. Nun ja.

Und dann Windows ... Mal ehrlich, Windows 8 ist für mein Empfinden kein großer Wurf. PC-Usern mutet man die kachelorientierte Metro genannte Oberfläche zu, die sich mit der Maus nur umständlich bedienen lässt und die zwar einigermaßen hübsch designt wurde, bei alledem aber Einfachheit und ein Gefühl für Wärme vermissen lässt. Dass der seit vielen Jahren bekannte Windows-Desktop als App immer noch mitkommt und auch Tablet-Usern zur Verfügung steht, ist auch wiederum nicht zu Ende gedacht, lassen sich doch dessen Elemente nicht mit den Fingern bedienen, weil sie zu winzig und für die Ansteuerung per Maus gedacht sind. Wenn man schon den Mut hat, etwas Neues zu kreieren, dann sollte man vielleicht auch bis zum letzten Schritt mutig sein, doch sei's drum.

Die Metro-Oberfläche, die sich aus einzelnen Kacheln zusammensetzt, welche wiederum die Anwendungen, jetzt natürlich Apps genannt, repräsentieren, kennt man so ja schon von Handys mit Windows Phone. Das Konzept ist mutig und, anders als Googles Android, kein dreister optischer iOS-Klon. Allerdings wirkt der Look sehr industriell, erinnert ein wenig an Konzepte von Sony, die irgendwann mal versucht haben, den Look der eigenen Produkte aus den Achtzigern des zwanzigsten Jahrhunderts in die digitale Neuzeit zu transportieren. Was fehlt, ist das Menschliche, die Einfachheit und der Charme, den Apple seinen Produkten angedeihen lässt. Der neue kühle Windows-Look wirkt einfach berechnend, geradezu maschinell und zieht daher eine klare Grenze zwischen Technologie und menschlicher Emotion. Ich persönlich halte das für den falschen Weg und die Verkaufszahlen der Telefone mit Windows Phone tragen dem ja auch Rechnung. Eleganz ist eben nicht gleich Eleganz.

Nun, man wird sehen, was sich im zweiten Halbjahr tut. Spannend wird es auf jeden Fall, was aus Surface und Windows 8 letztlich werden wird. Wenn ich wetten wollte, würde ich darauf setzen, dass die Microsoft-Strategie grandios scheitern wird und Steve Ballmer und Co. die nächsten Jahre damit verbringen werden, den hilflos dahinmäandernden Riesenkahn wieder auf Kurs zu bringen.

PS: Ach ja, das wird jetzt hier kein Technologie-Blog. Das Thema ist einfach interessant.

PPS: Ich selbst besitze ein iPad. Natürlich.

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DosenDie endgültige Schlecker-Pleite geht derzeit ein wenig unter im ... ja, worin eigentlich? Richtig, in nichts. Die EM-Berichterstattung hält sich noch zurück und auch sonst machen weder große politische Skandale die Runde noch gibt's irgendwo eine große Flut / GAU / sonstige Katastrophe und auch der Sarrazin macht mit seinem neusten künftigen Millionenseller weniger Schlagzeilen, als ihm lieb sein dürfte. Wo bleibt also der Aufschrei aus der Politik? Wo der Ruf nach sozialem Rettungsplan aus den linken Sitzreihen? Wo die anschließenden missglückten Profilierungsversuche aus den Reihen der FDP? Auffanggesellschaft? Fruchtzwerge? Nö.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Bericht über die Schließung doch recht präsent in den Nachrichten platziert war und noch immer ist und entsprechend breites Gehör gefunden haben dürfte, ist es auf den ersten Blick doch verwunderlich, dass das politische Statement bisher ausgeblieben ist. Und ich meine jetzt natürlich nicht irgendeinen Günther Kleinschmidt von der SPD Hintertupfingen, sondern ein großes Statement aus Berlin. Irgendwas Markiges halt, worüber Spiegel Online und Konsorten berichten können. Vielleicht zu wenige Jobverluste? Mitnichten.

Auf den zweiten Blick nämlich ist die bisherige Stille deutlich weniger verwunderlich. Die nächsten Landtagswahlen gibt's erst kommendes Jahr wieder. Wozu also unnötig die Stimmbänder strapazieren und pseudomitmenschliche Pamphlete drucken, die nur die Parteikasse belasten? Wählerstimmen sind ja eher eine kurzfristige Sache, warum also politisch nachhaltig agieren, wenn der gute Wille in einem halben Jahr schon wieder in Vergessenheit geraten ist?

Wobei ich damit keinerlei Wertung in Bezug auf eine etwaige Nachhaltigkeit irgendwelcher Rettungsmaßnahmen gegenüber den Schlecker-Mitarbeitern treffen möchte. Wirtschaftliches Scheitern ist auch in einer sozialen Marktwirtschaft nur bei Marktversagen tatsächlich Angelegenheit des Staates. Sollte es zumindest sein, sofern mein Halbwissen in solchen Dingen noch Bestand hat. Werten darf man meiner Ansicht nach aber hier sehr wohl den letzten politischen Diskurs, als es noch noch um Auffanggesellschaften für den ersten »Schwung« der freigesetzten »Schlecker-Frauen« ging. Nichts weiter als eine politische Farce! Ein Sinnbild für die Falschheit der politischen Klasse unseres Landes insgesamt. Am Ende ist eben egal, was man als Wähler ankreuzt. Alles dieselbe Suppe in anderen Dosen.

Woah, also allmählich fühle ich mich ziemlich verscheißert. Ich meine, jahrelang werden die deutschen Bürger mit drakonischen Abgaben regelrecht stranguliert, jahrelang wird an allen Ecken und Enden gespart, vor allem, in den wirklich wichtigen Bereichen wie der Bildung, für die man seit einiger Zeit ja ordentlich zahlen muss. Und jetzt, kaum spricht alle Welt von der dicken Krise, wird reingebuttert, als würde man in heiterer Runde eine Partie Staatenpoker spielen. Plötzlich ist die Kohle da, um Autobauer zu unterstützen, die es nicht nötig haben, plötzlich ist genug Zaster im Pott, um marode Banken vor dem Ruin zu retten, und nun ist auch genug Kohle im Ofen, um der kaputten Hypo Real Estate einzuheizen - wohl gemerkt zu einem Preis weit oberhalb dessen, was eigentlich nötig gewesen wäre. Denn wir haben's ja!

Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik nach dem Vorbild der Keynesianer ist ja an und für sich nichts Schlechtes, würde man sie zumindest mal wirklich restriktiv umsetzen. Mittlerweile ist man immerhin im Ausgeben zu Krisenzeiten recht geschickt. Aber geschenkt. Jetzt zockt unser werter Staat also gegen mächtige Großaktionäre, koste es, was es wolle. Mich würde es ja auch nicht wundern, wenn sich bald herausstellt, dass ein paar gute, alte SPD-Freunde des unsympathischen Herrn Steinbrück irgendwie im Zusammenhang mit dem Laden stünden. Aber das sind nur Spekulationen meinerseits...

Ich finde es, ehrlich gesagt, beängstigend, dass ein Staat im Falle von Marktversagen, das hier eindeutig vorliegt, nicht in der Lage ist, den Hammer herniedersausen zu lassen, um den Laden einfach zu verstaatlichen, die Aktionäre zu enteignen. Sollen die doch heulen und fluchen, bis sie schwarz werden. Von mir aus könnte man die eh an der nächsten Laterne aufhängen. Was also soll dieser ganze Unsinn? Jetzt geht doch wieder alles zu Lasten des Steuerzahlers. Geht alles auf Pump, und wir müssen eines schönen Tages die Zeche zahlen! Also ich sehe keine rosige Zukunft für uns Bundesbürger. Irgendwie erscheint mir der Gedanke, dass ein wenig mehr Sozialismus uns durchaus auch gut tun könnte, immer freundlicher.

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Das gemeine Wahlvieh ist schon eine seltsame Spezies - mitunter ziemlich einfach gestrickt, dann letztlich doch wieder irgendwie unberechenbar. In jedem Fall aber dämlich.

Recht regelmäßig werfe ich einen Blick auf die Ergebnisse der Sonntagsfrage, und klar, einige Entwicklungen sind schon sehr nachvollziehbar (damit nicht minder dämlich): Das schwarz-rote Handgemenge, das wir ab und an Regierung zu nennen pflegen, hat in den letzten Jahren ordentlich Federn lassen müssen (Ungerechtigkeit wie Hartz IV sei Dank), was sich nun wieder ein wenig ins Gegenteil kehrt: Denn der dumme Bürger glaubt ja immer noch, die von dieser Regierung (vor allem von der SPD) zusammengesponnene Abfuckprämie wär eine feine Sache. Folglich gewinnen die großen Parteien erst mal wieder einige Prozentpünktchen hinzu.

So weit, so gut. Der grenzdebile Bürger weiß ja auch nicht, dass in den letzten Jahren ein bisschen zu viel Liberalisierung unter dem Deckmantel der angeblich sozialen Marktwirtschaft betrieben wurde. Weniger davon hätte sicher Einiges an Zockgeschäften unserer heimischen Banken verhindert, was uns letztlich zusammen mit dem Rest der Welt ja erst in die Bredouille gebracht hat, jetzt an allen Ecken und Enden Krisen ertragen zu müssen. Aber gut, wie gesagt, das gemeine Wahlsubjekt hat keine Ahnung davon und kauft lieber einen um das Doppelte zu teuren Neuwagen auf Pump. Den kann man sehen, anfassen und muss nicht groß nachdenken. Den Dank gibt's auf dem Wahlzettel, am besten für den Steingeiermeier.

Dass ungezügelte Freiheit auf den Märkten aber eher was Schlechtes ist, dürfte mittlerweile eigentlich bis in die meisten terrakotta-farbenen Wohnzimmer vorgedrungen sein. Was mich daher dann doch wundert: Wer zur Hölle votet die FDP so hoch!? Ich meine, die sind mit ihren liberalen Ansichten doch genau diejenigen, die uns als erste in die Scheiße geritten hätten, wenn man sie nur gelassen hätte. Jetzt tänzeln die schon fast Ringelreih um die 18 Prozent-Marke. Bei der Zahl fährt Guido Westerwelle bald wieder mit dem Guido-Mobil über die Dörfer und spielt mit Schaulustigen 'ne Runde Beach Volleyball. Gab's ja alles schon mal. Kann ich nur damit erklären, dass der Westerwelle so siegessicher von sämtlichen FDP-Plakaten auf uns herabgrinst, dass man glatt meinen möchte, bei der FDP scheint einem generell einfach die Sonne aus dem Arsch.

Bei Grün und, ähem, nun, ja tief Dunkelrot ist da eher alles wie gehabt, von leichten Zuwächsen mal abgesehen. Hätte man ja denken können, dass jetzt alle ihre Ökolatschen aus dem Schrank holen, wo doch kein Geld mehr im Sparstrumpf zu sein scheint, um was wahnsinnig Umweltschädigendes zu unternehmen. Oder aber, dass man gleich ein wenig mehr nach links schaut. Ich meine, Verstaatlichung ist ja dieses Jahr auch wieder schwer angesagt. Aber ich sag's ja: Versteh einer das Wahlvieh. Vielleicht zeugt das mittlerweile einfach davon, dass man mittlerweile eh nur noch die Farbe des Sch***haufens bestimmen kann, den man anschließend an die Macht lässt. Ach Mensch!

Günter war stocksauer – und wie. Konstant wutschnaubend stand er im Bad und fletschte vor lauter negativer Erregung die blutig rot gefärbten Zähne. War sicher keine allzu gute Idee, direkt nach dem Aufstehen das Zahnfleisch zu kämmen, dachte Günter, aber ach, immerhin war das alles andere als gewöhnlich. Und vom ewigen Fluch des Gewöhnlichseins, den ein jedes Mitglied der Durchschnittskaste durchzumachen verpflichtet zu sein schien (Was ein Satz, dachte Günter bei dem Gedanken immer mal. Was ein Satz!), hatte er die Schnauze gestrichen voll - derzeit zwar eher voll Blut, aber das tat im Grunde nichts zur Sache. Es ging schließlich ums Prinzip.

Dass er und sein Leben allenfalls unterer Durchschnitt, wenn nicht sogar gerade mal der Kaffeesatz waren, musste man Günter nicht erst ins Gesicht sagen. Denn das erkannte er selbst nur zu gut: Halbglatze, gespickt mit unappetitlichen Leberflecken, die sich scheinbar dazu anschickten, möglichst penetrant das Wort Verlierer in geschwungen kursivem Druck abzubilden, ausdauernde Schweißflecken in jeder Lebenslage, ein braves Ja-Sager-Gemüt, das man tagsüber, offensichtlich gewollt unbeachtet, zum Zwecke routinierter Fingerakrobatik im Cubicle inmitten eines Großraumbüros einpferchte und zu alledem intellektuell völlig untragbar. Warum also mussten Frauen ihm bei jedem fruchtlosen Blind Date ausgerechnet aus diesem Grund eine watschen? Konnten die sich nichts anderes einfallen lassen? Und dieser cholerische Boss erst! Gewöhnliche Günters bekommen eben keine Gehaltserhöhung. Dafür bekommen gewöhnliche Günters einen Extratisch in der Firmenkantine. Immerhin.

Je mehr Günter sich seiner Frustration diesbezüglich hingab, desto entschlossener wurde er in seinem am Vorabend ersonnenen Bestreben, einfach alles vollkommen anders zu tun, als andere es eben taten. Klar, anfangs war es etwas schwergängig, zum Frühstück rohe Eier aus dem Glas zu trinken, aber nach dem dritten, so hatte Günter festgestellt, war die Speiseröhre offenbar gut genug geweitet. Gerade war er dabei, das achte Ei herunterzuwürgen, als der Eierkocher ihn darauf hinwies, dass der Orangensaft fertig war. Hastig schlürfte Günter das brodelnd heiße Gesöff direkt aus dem Kocher, dabei vor Gram schmerzresistent ignorierend, dass der kochende Saft jegliches Vorhandensein von Schleimhaut in seinem Mund elegant eliminierte. Es musste eben schnell gehen. Das Büro rief.

Gerade war Günter erfolglos dabei, seinen Anzug mit der Hand vom Mief des Vortages zu befreien, als er sich entschied, dass Anzüge eigentlich überflüssig, da viel zu gewöhnlich, waren. Wozu überhaupt Kleidung tragen? War eigentlich alles nur Gewohnheitskram. Er würde einfach so erscheinen, wie Gott ihn geschaffen hatte (der Arsch, dachte Günter bei Gelegenheit). Okay, die Etikette schrieb eigentlich eine Krawatte vor. Die könnte man ja schon tragen, dachte Günter. Dann aber auf dem Rücken. Ein passendes Exemplar mit rückenhaarbetonendem Muster war schnell gefunden. Noch lag Günter bestens in der Zeit.

Jetzt blieb nur noch zu überlegen, wie er sich die Schrotflinte umhängen sollte, mit der er heute gedachte, seine Arbeit zu verrichten. Ach was, er würde sie einfach in die Hand nehmen und die Aktentasche daheim lassen. Die benötigte er so oder so nicht. In einem Cubicle konnte man schließlich nichts anderes tun, als irgendwie Wissen und Kompetenz vortäuschend, auf der Tastatur herumzuhacken. Alles viel zu gewöhnlich. Stattdessen hatte Günter sich fest vorgenommen, ein paar jener ungewöhnlichen Kollegen abzuballern, die ihn jetzt noch immer gewöhnlich erscheinen lassen könnten. Allein beim Gedanken an diese Gestalten hätte Günter sich das Kopfhaar raufen können, wäre selbiges nicht chronisch auswärtig gewesen. Wenig galant drehte er gerade die Krawatte auf den Rücken, da platzte vor lauter Wut und Erregung eine Ader in seinem Gesicht und hinterließ einen hässlich bläulichen, geschwollenen Fleck. Auch das noch. Jetzt würde er der Welt erst recht zeigen, wie ungewöhnlich er war. Wär doch gelacht!

Fast hätte er die Haustür zugeworfen, um mit nackten Füßen patschend zum Lift zu watscheln, als dem ungewöhnlichen Günter auffiel, dass auch der Lift eigentlich schon wieder zu gewöhnlich war. Er würde einfach die Wand hinab laufen. So wie dieser bunte Comictyp, der sowas wie eine Spinne war, welcher man vier Beine ausgerissen hatte. Niemand hätte den schließlich als gewöhnlich bezeichnet. Ach was, noch besser. Günter würde einfach durch die verdammte Luft zum Büro laufen. Die Luftlinie war immerhin die kürzeste, dachte er mit aller Logik, die sein sparsames Hirn hergab und tat den ersten Schritt aus dem Fenster.

Die Luft selbst war noch nicht so ganz wach und deswegen nicht wirklich auf Günters Idee vorbereitet, sonst wär das Debakel vielleicht anders ausgegangen. Etwas perplex überlegte sie, was zu tun sei, als Günter leider auch schon auf dem Beton aufklatschte. Zwanzig Stockwerke hinterließen eine ziemliche Sauerei auf der Straße, zumal Günter ausgerechnet in dem Moment aufkommen musste, als Sabine, die auf dem Weg war, ihren Ehemann mit einem knackigen Spanier zu betrügen, direkt unter ihm stand. Das gibt doppelt so viel Matsch wegzuwischen, dachte die Luft und stellte im Zusammenhang mit Sabine beruhigt fest, dass Gott kleine Sünden scheinbar doch sofort bestraft. Die Dinge hatten also wieder ihre Richtigkeit. Darauf pfiff die Luft gut gelaunt einen frischen Wind durch die müden Straßen.

Im Großraumbüro wäre derweil ein Arbeitsplatz frei geworden. Doch die Kündigung wartete heute vergebens auf Günter. Und so hatte man direkt im Anschluss an die Nachricht von seinem Tod beschlossen, in seinem Cubicle eine nette Kaffeeecke mit frischen, bunten Blumen einzurichten. Auch in der Kantine stand alles zum Besten, war doch für die gerade neu eingestellten Kollegen unerwartet ein ganzer Tisch frei geworden. Einzig Heinz von der Stadtreinigung fand, dass der Tag ziemlich beschissen begonnen hatte.

Oha! Es gibt einen Gott, und er ist Amerikaner. Herr Obama, der zurzeit frechfröhlich durch die Weltgeschichte tingelt, lässt die versammelte Mannschaft der Staatsoberhäupter blasser erscheinen, als eine extraweiße Rolle Rauhfasertapete. Da kann auch unsere schnieke Kanzlerin nicht mithalten, möge ihr Zweiteiler noch so farbenfroh sein. Jede Geste seiner Majestät wird untersucht und gedeutet, jeder Handgriff wird bis ins Detail analysiert. Kleinste Fauxpas werden sofort der neugierigen Öffentlichkeit hingeklatscht und dann doch nur mit einen liebenswerten Lächeln abgetan. Ach, geht das so weiter, dann beginnt man nächste Woche wahrscheinlich, zu diskutieren, welchen Beitrag Obamas wohl geformter Stuhl zum Weltfrieden leisten könnte.

Nicht, dass mich das alles zu sehr nervt (bisher zumindest), denn es sei ihm bei seiner allgegenwärtigen Dynamik ja gegönnt. Könnte sich so manch verknöchertes Staatsgesicht durchaus eine Scheibe von abschneiden - nicht nur hierzulande. Aber mal ehrlich, man kann es mit der Berichterstattung doch auch übertreiben, oder? Also mir ist das alles ein wenig zu sehr Big Brother.

Ein wenig beänstigend ist's zudem ja schon, dass alle diesen Mann zu mögen scheinen. Keiner hat was auszusetzen. Keiner. Da frag ich mich doch schon als alteingesessener Ami-Punkrock-Hörer, worüber soll jetzt noch gesungen werden? Ich meine, Bush hat seiner Zeit Geniestreiche wie "American Idiot" provoziert. Da hatten Künstler noch was zu sagen. Und jetzt? Geht die Welt vor lauter Freundlichkeit gelangweilt vor die Hunde? Ach.