HassHassArgh

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Für fast alles gibt es ein erstes Mal. Nicht alles davon tritt ein, einiges hätte man gern erlebt, auf anderes hätte man gut und gern verzichten können. In letztere Kategorie fällt das Erlebnis, festzustellen, dass einem die Geldbörse geklaut wurde.

Nun hatte es mich also auch getroffen, am dreizehnten eines Monats, nicht mal an einem Freitag. Dafür ausgerechnet am Tag vor den Osterfeiertagen. Tage, an denen man nichts regeln kann, an denen man sich gern erholen würde.

Aber natürlich hatte es sich mit der Erholung erledigt. Auch als ich aus der Panikphase heraus war – wirklich angenehm wurden meine freien Tage nicht mehr. Überhaupt, die Panik: Zuerst einmal will man so etwas ja nicht wahr haben. Ich trug meine Geldbörse immer in meiner Handtasche Umhängetasche und vielleicht hatte ich diese an jenem Tag einfach nicht richtig geschlossen, ich weiß es nicht. Ich kann nicht mehr rekonstruieren, wo auf meinem Heimweg mein Portmonee abhanden kam. Von selbst herausgefallen konnte es immerhin nicht sein, so viel konnte ich sagen. Als ich den Verlust feststellte, wollte ich eigentlich gerade in einen Baumarkt gehen. Die erste Reaktion war natürlich, alles zu durchwühlen. Die Situation war für mich so surreal, dass ich irgendwann sogar kleinste Zettel in meiner Tasche dreimal umdrehte, so, als hätte sich noch irgendwas darunter verbergen können. Doch es half nichts, meine Geldbörse war weg. Das verlorene Bargeld störte mich dabei weniger, schlimmer waren all die Karten und Ausweise, die ich nun halt nicht mehr besaß.

Hektisch suchte ich noch auf dem Heimweg via Internet eine Telefonnummer, über die ich zumindest meine Geldkarten sperren lassen konnte. Das war gar nicht mal so einfach, wollte die Bandansage doch jedes Mal die Telefonbanking-PIN von mir erfahren. Klar, die hat man ja ständig parat. NICHT! Irgendwie konnte ich diese Hürde jedoch umgehen, sodass zumindest der erste Schritt schnell bewerkstelligt war. Trotzdem guckte ich tagelang ständig auf mein Konto und beäugte sämtliche Geldausgänge.

Tja, und dann saß ich da, ohne die Möglichkeit, irgendwo Geld abheben zu können, ohne im Falle eines Falles zu einem Arzt gehen können, ohne mich irgendwo ausweisen zu können. Und plötzlich stellte ich fest, ohne all die Plastikkarten, auf denen wir unser Leben aufbauen, war ich keine Person mehr. Nur noch ein Mensch, ein Haufen Fleisch, durch den ein rhythmisch pochender Muskel Blut pumpt. Alles, was uns offiziell als Person definiert, ist die Gesamtheit unserer Plastikkarten. Ich fand das ein bisschen schockierend, ehrlich gesagt. Wir schimpfen immer, wie abhängig wir doch von unseren Smartphones geworden seien, dabei sind wir von diesem Bündel an rechteckigen Plastikkarten noch weitaus abhängiger. Sie machen uns aus, sie geben an, wer wir sind und dass wir überhaupt ein Jemand sind. Und so hatte ich eben auch das Gefühl, dass ein Teil von mir gestohlen wurde, zumal auch ein paar alte Bons, vermutlich die eine oder andere Kinokarte und ein paar Fotos in meiner Geldbörse waren. Ich spürte, mir fehlte was. Gestohlene Identität.

Ich versuchte im Laufe der freien Tage, wieder etwas Ordnung in meinen Verstand zu bringen, der die ganze Sache noch immer nicht so recht wahrhaben wollte. Ich erstellte eine Liste und markierte rot bzw. grün, für welche Karten ich bereits eine Sperre beantragt hatte, welche ich neu beauftragt hatte und für welche ich in Bälde Ersatz erhalten würde. Seit einiger Zeit geben mir Listen das Gefühl, Dinge unter Kontrolle zu bekommen. Früher wuppte ich die Dinge einfach nach Chaossystem, indem ich mir alles merkte oder eben auch nicht. Das könnte ich so irgendwie nicht mehr. Inzwischen ist auf meiner Liste alles soweit grün (abgesehen vom Personalausweis und dem von mir nie benötigten Führerschein) und die Normalität ist zurückgekehrt.

Gelernt habe ich aus der Sache, meine Geldbörse nur noch in Jackeninnentaschen zu tragen und nicht benötigte Karten lieber gleich zu Hause zu lassen. Und vielleicht auch ein bisschen, mich selbst noch etwas weniger wichtig zu nehmen. Aber nur vielleicht.

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Mich treibt's mal wieder auf die Palme: Wenn man umzieht und rechtzeitig(!) bei seinem Internet-Provider kündigt, dann muss man den Anschluss ab Umzug trotzdem noch drei Monate lang bezahlen. Wohlgemerkt gilt das auch, obwohl man ihn vielleicht gar nicht mehr nutzen kann.

Wir haben derzeit Internet via Kabel und das wird demnächst nicht mehr möglich sein, da am neuen Wohnort nicht vorhanden. Eine Alternative desselben Anbieters (Vodafone übrigens) fällt ebenfalls flach, weil die Telekom am Standort Glasfaser bis ins Haus legt und da derzeit den Daumen drauf hat. Wir wären also gar nicht in der Lage, den alten Provider irgendwie weiterzunutzen, selbst wenn wir mit Vodafone kundenzufriedenheitstechnisch auf Wolke 7 schweben und uns rosa Zuckerwatte teilen würden.

Und TROTZDEM müssen wir drei Monate lang ab Umzug weiter für den alten Anschluss bezahlen? Was ist denn das bitte für eine Brückentrollmentalität? Kann da mal die EU dem Gesetzgeber was auf die Finger geben, bitte? Oder kommt das sogar von denen? Wer Gurken normt, dem traut man schließlich so manches zu.

Falls wir übrigens den Umzug nicht nachweisen können, laufen die Telefon- und Internetverträge bis Mitte April weiter – also nicht einmal so lange wie die drei angedrohten Pflichtmonate. Ich bin gespannt, wie da vom Anbieter für den Exkunden entschieden wird, habe aber so eine vage Vermutung ... Was den Kabelfernsehanschluss angeht: Dieser läuft sogar bis in den August hinein weiter, sofern die drei Zwangsmonate nicht greifen. Eine Frechheit insbesondere, da Kabelfernsehen am neuen Wohnort gar nicht angeboten wird. Aber gut, könnte ja sein, dass wir schamlos lügen und gar nicht umziehen, sondern nur still und heimlich den Anbieter wechseln wollen. So was geht schließlich nicht, wo kämen wir da denn hin? Würde das jeder machen, das wäre ja ... wäre ja ... wie ein freier Markt wäre das. Igitt!

Ich rief jedenfalls, als ich das mit den drei Monaten erfuhr, einfach mal den Kundensupport an. Das alles schien mir so absurd, das konnte doch einfach nicht stimmen. Zugegebenermaßen hatte mein Puls bereits gesundheitlich bedenkliche Höhen erreicht, aber ich war am Telefon dennoch freundlich wie ... Zuckerwatte und so. Die trotzdem von vornherein passiv-aggressive Callcenter-Agentin bestätigte leider die kundenfeindliche Regelung nochmals und versuchte dann, im Tonfall eines ausgehungerten und tollwütigen Tyrannosaurus Rex, mir stattdessen einen konventionellen DSL-Anschluss anzudrehen. Super Idee! Das Gespräch lief jedenfalls ungefähr so ab.

Ich: »Ich muss leider wechseln, weil wir am neuen Wohnort Glasfaser bis ins Haus gelegt bekommen. Da lässt die Telekom momentan ja keinen anderen dran.«

Sie: »Stimmt nicht! Wir können Ihnen da auch was anbieten. Wohin ziehen Sie denn?«

Innerlich leicht genervt nannte ich ihr unsere Adresse, denn DSL würde eben genau NICHT funktionieren, wenn da kein Kupferkabel liegt.

Sie: »Aha. Nein, also da könnten wir Ihnen nur DSL 16.000 anbieten.«

Nein, können Sie nicht, dachte ich, sagte aber: »Nee, also das ist zu langsam. Bei der Telekom kriege ich bis zu 200 MBit.«

Sie: »Stimmt nicht. Die Telekom bietet auch nur maximal 100 Mbit an. Mehr ist technisch gar nicht möglich.«

Ich: »Aha.« Komisch, dachte ich, steht doch überall drauf, dass mit reiner Glasfaser durchaus 200 Mbit möglich sind und auch angeboten werden.

Ich beendete das dezent unsachliche Gespräch dann wieder und ärgerte mich weiter über die Brückentrolle des Digitalzeitalters. Unabhängig von allen ärgerlichen gesetzlichen Regelungen, mit denen man offenbar ehemals zufriedene Kunden in den ersten Herzinfarkt treiben will, könnte so mancher vermeintliche KundenBERATER ruhig mal eine Softskills-Schulung besuchen.

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Tote Gäule traben nichtDer Einzelhandel ist ein toter Gaul. Und während zumindest meine Generation längst abgestiegen ist, versucht die Branche noch immer, den aufgedunsenen Kadaver zum Trab zu bewegen, indem sie neue Sättel draufschnallt und liebevoll das Fell striegelt. Und ich gebe zu, hin und wieder lasse ich mich von einem besonders schönen Sattel und hübsch gebürstetem Fell auch in den Glauben versetzen, das könnte noch was werden mit dem Gaul ... und dann betrete ich doch einen Laden. Oder eben einfach dann, wenn ich dringend neue Schuhe brauche.

So letztens geschehen. Das Wetter war gut, ich hatte frei, und so machte ich mich auf nach Steglitz, wo es geschätzt fünf komma drei Schuhläden je Einwohner gibt. Und bevor ich jetzt in genervten Ton verfalle, sei diesem Prolog hinzugefügt: Ich! War! In! Jedem! Einzelnen!

Grundsätzlich scheint es erst mal zwei Arten von Schuhgeschäften zu geben. Die, in denen man jeweils nur einen Schuh im Regal findet und dann die, in denen beide Schuhe im Karton liegen.

Okay, zur ersteren Sorte: Ich hatte mich als Kind ja immer gefragt, warum Geschäfte, in denen man eigentlich VIELE Dinge kaufen kann, als »EINZELhandel« bezeichnet werden. Offenbar lautet zumindest für manche Schuhgeschäfte die simple Antwort: weil man eben nur einen einzelnen Schuh bekommt! Und da kriege ich ja einen Hals, dick wie’n Butterfass! Soll ich etwa, wenn ich – oh Wunder – einen verdammten Schuh gefunden habe, der mir gefällt, mit dem Ding durch den Laden bolzen und einen Verkäufer suchen wie ein Verdurstender in der Wüste auf der Suche nach der nächsten Oase? Und das, wo doch Menschen wie ich andere Menschen nicht leiden können – besonders dann, wenn sie Verkäufer sind, mich beobachten und dauernd fragen, ob sie helfen können. NEIN, IHR KÖNNT MIR NICHT HELFEN!!! MIR IST NICHT MEHR ZU HELFEN!!! Baumarktregel Nummer 1: Ich frage nicht nach, wo das Badezimmersilikon liegt, ich finde es selbst. Und wenn es sich nicht finden lässt, dann gehe ich eben wieder, weil es ganz offenbar nicht da ist, Punkt! Das gilt so auch in Schuhläden, verdammt noch mal! Die Urmenschen gingen doch auch nicht zum Serviceschalter, um zu fragen, wo das nächste Mammut zu finden war oder eine Aufbauanleitung fürs Lagerfeuer zu bekommen. Deshalb, liebe Einzelschuhhändler: So wird das nichts mit uns. Sagt doch schon eine alte chinesische Weisheit: Biete dem Menschen nur einen Schuh und du bietest ihm keinen Schuh.

Kategorie zwei der Schuhgeschäfte, die wenigstens nicht glaubt, jeder Kunde sei von Haus aus Kleptomane und würde mit den frisch anprobierten Tretern sogleich aus dem Laden marschieren, ist alles in allem aber auch nicht angenehmer. Zwar wäre ich während meiner Schuhsafari hier zumindest theoretisch in der Lage gewesen, auch mal BEIDE Füße in die besohlten Lederwaren zu schieben, aber immer dann, wenn die Theorie mit einem niedergeschriebenen Masterplan glänzt, kommt die Praxis fröhlich pfeifend um die Ecke und setzt einen großen Haufen drauf.

Denn das Drama fängt schon bei der Auswahl an. Ja ich weiß, die Ladenfläche ist begrenzt und man kann eben nicht so viel Zeug im Angebot haben wie Amazon oder diese Berliner Gebrauchthandyläden, die sich über Nacht in pleitegegangenen Geschäften manifestieren, aber wenn ich eben Sneakers kaufen will, und wenigstens gefühlt tragen doch die meisten Leute unter achtzig Jahren Sneakers, dann erwarte ich einfach nicht, dass das Sneakers-Regal so groß ist wie die Miniküche in Barbies scheiß Traumhaus! Es gibt deswegen auch nur so ungefähr fünf unterschiedliche Modelle, von denen gerade mal eines farblich nicht nach halb verdautem Brokkoli aussieht. Der Rest des Ladens ist dafür vollgestopft mit zehn Fantastilliarden Varianten an Lackraketen! Das sind jene Schuhe, die sich der Businesskasper von Welt über die gebügelten Socken stülpt, wenn er Kompetenz vortäuschen muss. Schuhe wie diese gibt es in genau zwei Farben: Braun und schwarz. Warum zur Hölle muss ein Laden davon also mehr Modelle haben, als es Atome im Universum gibt?

Das nächste Drama ist dann – man ahnt es – die Schuhgröße. Als Mann finde ich es ja schon schlimm genug, dass man von den guten alten Größenangaben in Zahlen wie 40, 41 und so weiter abgerückt ist, um mir jetzt eine Achteinhalb zu präsentieren. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, verflixt und zugenäht, also hört auf, unsere liebgewonnenen Größen durch fünf zu teilen oder was weiß ich, was ihr da tut! Hundert Gramm Käse sind schließlich auch seit jeher hundert Gramm Käse und nicht plötzlich dreiundzwanzig komma sieben acht Metakubri. Man muss nicht aus allem eine Wissenschaft machen.

Aber das eigentliche Problem mit den Größen ist dann viel eher, dass keine der vorrätigen Schuhe passen. Okay ich weiß, ich habe kleine Füße, ich bin größentechnisch insgesamt eh nicht gerade das, was man Durchschnitt nennt, aber zumindest in meinen Augen sind alle Schuhe der Herrenabteilung, die man heute in einem Geschäft kaufen kann, lediglich in den Größen »Kindersarg« und aufwärts erhältlich. Was ist hier eigentlich passiert? Hat Tschernobyl nicht nur unsere Pilze versaut, sondern den Leuten Goofys Fußlänge beschert? Das kann doch nicht gesund sein. Wenn das so weitergeht, braucht sich zum Skifahren bald niemand mehr Bretter unter die Füße zu schnallen.

Um es kurz zu machen, es lief in jedem einzelnen Laden so ab: Ich suchte und fand so ziemlich genau ein Schuhmodell, das mir gefiel, probierte es an und es passte nicht. Kein! Einziges! Mal! Natürlich machte mich das immer wütender. Jedes Mal, wenn ich dann ein Schuhgeschäft verließ, stellte ich mir vor, ich sei einer dieser Superbösewichte aus den Comics und im nächsten Moment würde der Laden effektvoll explodieren, während ich ganz lässig, ohne mich umzudrehen und natürlich in Zeitlupe, weggehen würde – den rechten Mundwinkel zu einem fiesen aber zufriedenen Lächeln verzogen.

Ende der traurigen Ballade: Ich ging nach Hause, klappte das Notebook auf, rief den Schuhhändler meines Vertrauens auf, der mit »Z« anfängt und auf »alando« endet, stellte ein paar Filter ein – klick, klick, klick – schon waren drei (übrigens passende) Schuhpaare unterwegs zu mir. Zeitaufwand: ungefähr drei Minuten. Nervenersparnis: unendlich! Und so leid es mir tut: Zumindest für mich bleiben die toten Gäule jetzt tot.

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Sommerzeit, Eiszeit. Früher war das etwas anders, da war für mich prinzipiell immer Eiszeit. Mochten draußen auch Minusgrade herrschen, ein paar Kugeln Eis passten immer zwischen Schnitzel zum Mittag und Vollkornbrot zum Abend. Inzwischen sehe ich das etwas anders. Liegt erstens daran, dass meine Freundin es ziemlich absurd findet, Eis zu essen, wenn man eh schon friert – was ich ja nun so gar nicht nachvollziehen kann, aber alleine Eis essen ist eben auch blöd. Zweitens liegt es aber vor allem an den Preisen.

Und hier sind wir an dem Punkt, an dem ich mich so richtig herrlich aufregen kann. Wer sommers durch die Fußgängerzonen der Republik flaniert, kommt nicht umher, festzustellen, dass eine Kugel Eis nirgends mehr für unter einen Euro zu haben ist. 1,20 Euro sind zumindest hier in Berlin schon eher normal. Wenn man sich in Touristen-Nap-Ecken über den Tisch ziehen lässt, ist man für eine Kugel Eis auch schnell mal 1,60 Euro los.

Das sind – Achtung, jetzt verwandle ich mich in einen provinziellen Hinterwäldler mit Zahnlücke und speckigem Feinrippunterhemd – ungefähr 3,20 DM. Zugegeben, die Rückrechnerei ist üblicherweise reichlich bescheuert und zeugt nicht nur von Verbohrtheit sondern auch davon, dass man die Wirtschaftvorlesungen geschwänzt hat. Aber hier beim Eis lässt sich so ganz gut der Vergleich ziehen. Im Jahr der D-Mark-Ablösung hielt ich eine Mark für eine Kugel Eis schon für eine ziemliche Frechheit. Das wären in Europreisen ja ungefähr 50 Cent gewesen. Nehmen wir jetzt eine jährliche Inflation von 2 Prozent an (seit ein paar Jahren ist sie deutlich niedriger, was aber wohl eher an Kraftstoffpreisen liegen dürfte), dann müsste die Kugel Eis 14 Jahre nach der Euro-Einführung ungefähr 65 Cent kosten. Tatsächlich ist sie aber doppelt so teuer. DOPPELT! Man stelle sich vor, 2002 hätte eine Kugel Eis zwischen 2,40 und 3,20 DM gekostet. Die Eisverkäufer hätte man doch mit Fackeln und Forken aus der Stadt gejagt.

Wie, zum Henker, kommt diese Teuerung zustande? Am Milchpreis kann es ja wohl kaum liegen, oder kommt Speiseeismilch ausschließlich von königlichen Kühen? Sind die Kugeln mundgeblasen? Ist Blattgold als Zutat enthalten? Zumindest gefühlt hat sich in den letzten Jahren kein Lebensmittel derart verteuert wie Speiseeis in der Eisdiele. Und was machen die Leute? Kaufen's trotzdem, wo wir wieder bei der Marktwirtschaft wären: Ein Gut wird immer so viel kosten, wie die Konsumenten bereit zu zahlen sind.

Und hin und wieder, das gebe ich zu, in schwachen Momenten, da erwischt es mich auch, und dann gebe ich eben doch über drei Euro (!!!) für drei popelige Kugeln Eis aus. Trotzdem: Dieser Zustand regt mich auf! Sehr sogar. Statt gegen Islamisierung auf die Straße zu gehen, sollte es einen großangelegten Protest gegen überteuertes Speiseeis geben. Mir ist der Spaß an dem Zeug nämlich leider gehörig vergangen.

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Jedes Mal, wenn ich einen meiner ohnehin inzwischen sehr seltenen Texte hier thematisch dem Älterwerden widme, rolle ich selbst mit den Augen und denke: Ja gut, der eine hier geht noch, nun ist aber Schluss mit der Heulerei!

Doch dann ...

Meine Freundin und ich waren am Wochenende in einem größeren Elektronikmarkt Nähe Ku'damm. Traditionell wandern wir hier die Games-Abteilung in einem der oberen Stockwerke auf und ab, nur um uns hinterher darüber zu ärgern, dass es einfach keine anständigen Spiele mehr gibt. Also gibt es schon, aber entweder besitzen wir die schon, oder sie passen einfach nicht zum eigenen Geschmack. Dennoch: Ich fühle mich immer ausgesprochen jung und aufgeschlossen, wenn ich nach Spielen schaue. Computer- und Videospiele sind eines meiner Hobbys seit dem siebten Lebensjahr, würde ich jetzt mal behaupten. Und wenn mich etwas zeitgemäßer macht als meine Eltern, als sie in meinem Alter waren (woran ich mich tatsächlich noch erinnere), dann ist das mein Interesse für Spiele. Ha!

Nachdem wir abermals nichts Spielbares fanden, gingen wir noch ins Erdgeschoss, um uns die Fitness-Tracker anzuschauen, die es derzeit so gibt. Den Unkenrufen zu diesen Teilen kann ich mich irgendwie nicht anschließen. Wenn ich eine Uhr trage, die mir zeigt, wie wenig ich mich eigentlich mal wieder den Tag über bewegt habe, dann ist das, finde ich, erst mal eine gute Sache. Zudem treibe ich recht viel Sport, vor allem laufe ich gern, und kann mittels GPS-Uhr meine Strecke planen, tracken, Intervalltrainings besser koordinieren, etc. Außerdem haben Fitness-Tracker zumindest für mich einen nicht zu unterschätzenden Motivationsfaktor: Die paar Schritte, um mein tägliches Bewegungspensum zu schaffen, gehe ich dann eben doch noch schnell zu Fuß. Man kann diese Art der Selbstoptimierung verteufeln, man kann das Thema aber auch einfach ignorieren, wenn man keinen Bock drauf hat, und was anderes tun.

Wie dem auch sei: Ein bisschen erinnert mich die Fülle an angebotenen Fitnessbegleitern an die Prä-Smartphone-Ära, als man in Elektronikmärkten noch hunderte unterschiedlicher MP3-Player kaufen konnte – von den Geräten einer gewissen Apfelfirma abgesehen eines hässlicher und unintuitiver zu bedienen als das andere. So auch bei den Trackern: Einigermaßen hübsch fand ich, von einigen Smart Watches abgesehen, einzig die Geräte von Fitbit, die eben mal nicht aussahen, als basiere ihre Gestaltung auf Designvorlagen, die Casio in den 80er-Jahren für seine Uhren als zu klobig ansah und in die Tonne warf.

Und wie das so ist in solchen Märkten, steht man keine zehn Sekunden an einem Regal, schon materialisiert ein »Berater« aus dem Nichts in den Raum hinein wie ein Bühnenmagier:

PUFF! (Knall und Rauch ...) »Sie interessieren also für Gerät XY.«

»Also ... äh ... eigentlich wollten wir nur mal gucken«, sagte ich so in etwa, aber das war dem jungen Mann natürlich egal, der augenblicklich anfing, die technischen Spezifikationen und Vorteile der Fitbit-Geräte, die er mal in irgendeiner Schulung eingeimpft bekommen hatte, herunterzubeten. Hat er auch ganz gut gemacht, ich konnte ein paar Rückfragen stellen und so tun, als wäre ich Sachen verbaler Kommunikation kein absoluter Vollidiot. Natürlich hätte ich nicht einfach was gekauft, ohne mich selbst noch mal unabhängig schlau zu machen, schließlich bin ich in Sachen Gadgets quasi Mann vom Fach: Wäre ich nicht in die DDR hineingeboren worden, wo ein klobiger drei Tonnen schwerer Fernseher mit Wackelkontakt das technisch Geilste unter der sozialistischen Sonne war, dann wäre ich anno 1984 vermutlich direkt mit einem Walkman in der Hand zur Welt gekommen.

Trotzdem fand ich das ganz interessant, was der Herr so erzählte, bis er dann – um auf die Einleitung zurückzukommen – diesen einen Satz sagte: »Also den XYZ feiere ich ja selbst am meisten.«

Ich muss selbst jetzt tief Luft holen ...

Keine Ahnung, vielleicht habe ich ja tatsächlich meine Kindheit und Jugend unter einem Stein verbracht, ohne es gemerkt zu haben, aber als ich jünger war, hat man so nicht geredet. Man konnte seinen Geburtstag feiern, Weihnachten, von mir aus auch Ostern (was ich nie verstand), aber wie kann man denn ETWAS feiern? Was für ein ekliger Slang ist denn das? Wo spricht man so? Wer hat sich das ausgedacht? Hat man das irgendwo tatsächlich immer schon so gesagt? Hab ich natürlich selbst nicht ganz zum ersten Mal gehört, aber jedes Mal, wenn jemand diese pseudocoole Formulierung hervorhustet, klappen sich mir vor Abscheu die Fußnägel hoch.

Hier war ich dann auch raus. Wer so was sagt, dem kaufe ich nichts ab, tut mir leid. Vielleicht gehöre ich, was sprachliche Trends angeht, echt schon zum alten Eisen, keine Ahnung, doch wenn man seinen Sympathielevel bei mir auf einen Negativrekord herunterfahren möchte, dann erzählt man mir, dass man etwas feiert, das kein Feiertag ist.

So, genug aufgeregt. Jetzt braucht der alte Mann erst mal seinen Mittagschlaf.

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Als Kind schaute ich gern »Star Trek – The Next Generation«. Für diejenigen, die's nicht kennen, das ist die Serie, in der Patrick Stewart den Captain Jean-Luc Picard mimt. Ich musste gerade nachschauen, wie man den Namen schreibt, ein riesiger Fan war ich also nie. Aber in Ermangelung eines besseren Programms und weil die Titelmelodie so unfassbar gut war, schaute ich mir die Serie eben gern an. Ich konnte mit dem dort gezeigten Weltall nicht viel anfangen, konnte mir nicht vorstellen, wie das denn funktionieren sollte, das mit der Unendlichkeit, mit der Leere, der Weite. Für mich war der Weltraum tatsächlich ein Raum. Ein Raum mit Wänden, die man nur nicht sehen konnte, ein Raum, in dem Sterne funkelten, von denen ich nicht wusste, was sie eigentlich waren, außer funkelnde Dinger im Hintergrund. Ein Raum mit Boden, den ich mir immer als eine Art galaktischen Vogelsand vorstellte, weil ein Raum eben einen Boden haben musste, weil es ein Unten und ein Oben geben musste, weil mein kindlicher Verstand nichts anderes zuließ. Aber mich faszinierte die Vorstellung vom freien Reisen in einem Raumschiff. Wir hatten ja gerade erst die deutsche Teilung überwunden, da wurde Freiheit noch in viel kleineren Dimensionen gedacht, und nicht mal damit konnte ich wirklich was anfangen.

Später dann, ich war so um die zwölf, spielte ich mit Freunden oft Fußball auf dem Bolzplatz um die Ecke. Wenn wir besonders lange spielten und es schon dunkel wurde, kletterte ich gern am Tor hinauf und ließ mich ins Netz sinken. Dort lag ich dann und schaute in die Sterne. Immer wenn ich das tat, dudelte durch meinen Kopf die Titelmelodie aus »Star Trek – The Next Generation«. Ich stellte mir vor, wie dort oben jetzt irgendwo Raumschiffe fremde Galaxien erkundeten und Welten entdeckten, die sich hier unten niemand vorstellen konnte. Irgendwann in der Zukunft, so wusste ich, würden wir Menschen auch in der echten Welt das All bereisen. Irgendwann, das stand außer Frage.

Inzwischen habe ich die 30 überschritten. Die letzten Begegnungen mit der Zukunft, an die ich mich erinnere, waren die Vorstellung des ersten iPhone – ein Gerät, das ganz offensichtlich aus der Zukunft zu uns gekommen war und all die mittelalterlichen Murkstelefone wegfegte, mit denen wir uns bis dahin begnügen mussten – und zuletzt die Landung der Forschungssonde »Philae« auf dem Kometen »Tschuri«.

Und das war's dann leider auch schon. Gut, Wissenschafter haben zwischenzeitlich das Higgs-Boson gefunden, und bei der Kernfusion sind wir auch immerhin schon einen kleinen Schritt weiter, aber sonst so? Wo sind denn die Raumschiffe? Wo sind die fernen bewohnbaren Planeten, zu denen wir aufbrechen? Wo denn wenigstens die realistische Marsbesiedelung, die nicht ein Himmelfahrtskommando für alle Beteiligten darstellen würde?

Ich bin ernüchtert, so viele Dinge betreffend. Es geht mir gar nicht um die Kolonialisierung des Weltalls, die ich in meiner viel zu langen Einleitung ausgebreitet habe, es geht mir um die Menschheit, die so dumm ist, so unsäglich, unfassbar dumm, dass ich sie kaum mehr ertragen kann. Auch in meiner Sturm-und-Drangzeit habe ich zwar nie versucht, die Welt zu verbessern, aber ich hing doch einer Art unerschütterlichem Glauben an, es könnte alles mal besser werden. Wir würden unsere Konflikte bald gelöst haben. Wenn schon nicht durch die Beseitigung unserer Energieprobleme, dann doch zumindest durch das Internet. Wissen, Information und Kommunikation waren der Schlüssel. Wenn ich mit einem ganz gewöhnlichen Menschen in einem anderen Kulturkreis via Internet innerhalb von Sekundenbruchteilen Nachrichten austauschen konnte, dazu auch noch in der gemeinsamen Sprache Englisch, die so viele von uns zumindest einigermaßen beherrschen, dann musste es doch funktionieren, dass man einander versteht, sich akzeptiert und gemeinsam an Dingen arbeitet, statt sich über den Haufen zu schießen.

So dumm war ich damals. Echt jetzt.

2016 – gefühlt schießen wir uns mehr denn je über den Haufen. Vermeintlich intelligente Leute ziehen in Religionskriege, stützen sich auf angebliche Lehren aus uralten Büchern mit so hanebüchenen Geschichten, dass ich eher noch die Märchen der Gebrüder Grimm glauben würde. Menschen, die eigentlich aufgeklärt sein müssten, sprengen sich in die Luft, der angeblich fortschrittliche Westen schmeißt dem primitiven Osten unter dem Banner der Menschenrechte Bomben auf den Kopf, und unser ach so fortschrittlicher Wohlstand basiert auf der Ausbeutung des Planeten und der Ärmsten, die auf ihm leben. In Deutschland zünden derweil Volldeppen Unterkünfte für Zugereiste an wie zuletzt Anfang der 90er Jahre, und mittendrin in all dem Chaos stehen Menschen wie ich.

Menschen wie ich, die mal an das Gute glaubten, daran, dass nichts unmöglich sein würde, wenn man nur weiter daran arbeitete. Menschen wie ich, die keine Lust mehr auf andere Menschen mit ihrer unfassbaren Blödheit haben. Menschen wie ich, die sich lieber in Eskapismus üben, bevor sie vor lauter Schockstarre gänzlich in Handlungsunfähigkeit verfallen, und dabei auch noch Schuldgefühle wegen ihres Nichteingreifens bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde, aber ich fühle mich nicht mehr wohl. Nicht in dieser Stadt, nicht auf diesem Planeten. Ich habe Angst. Angst vor dem, was kommt, vor der Zukunft, die ich mal als so verheißungsvoll empfand. Ich möchte hier in Frieden leben, aber es scheint mir nicht mehr möglich.

Unter der Annahme, dass das Universum unendlich groß oder wenigstens unvorstellbar groß ist, müsste es doch wahrscheinlich sein, dass wir Menschen nicht die einzig intelligente Lebensform sind, die nach den Sternen greift. Warum sind wir dann anderen Zivilisationen noch nicht begegnet? Das sogenannte »Fermi-Paradoxon« befasst sich mit diesem Widerspruch. Eine von vielen Begründungen dafür ist, dass wir einander verpassen. Die Zeitspanne, über die eine Lebensform sich entwickelt und schließlich doch ausstirbt, bevor sie auf eine andere intelligente Spezies treffen kann, ist demzufolge schlicht zu kurz, gemessen am Alter des Universums. Das scheint logisch: Wenn man sich in diesem Sinne nach den Gründen für das Aussterben der Menschheit fragt, fiele mir in Anbetracht unserer aller Blödheit genug ein.

Vielleicht sind wir Menschen schon zu klug geworden, um nicht bescheuert zu sein, vielleicht sind auch einfach die meisten Menschen zu bescheuert, als dass die Klugheit obsiegen könnte, ich weiß es nicht. Schaue ich in den Sternenhimmel, sehe ich dort keine Menschen mehr, die mal fremde Galaxien erkunden werden. Wir werden vorher bereits ausgestorben sein, und die einzigen, die sich fragen werden, wie das jetzt passieren konnte, werden die Katzen sein, die auf ihr Mutterschiff zurückgekehrt sein werden, um sich eine andere dämliche Rasse zu suchen, die ihnen die Futterdosen öffnet.

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Ich habe mir mal vorgenommen, mich weniger aufzuregen. Wenn man darüber nachdenkt, wie gut es einem eigentlich im Gegensatz zu so vielen anderen Menschen auf der Welt geht, dann geht es doch ganz schön gegen das eigene Gewissen, sich ständig an Kleinigkeiten hochzuziehen. So viel zur Theorie. Praktisch ist es leider so, dass ich mich ganz hervorragend aufregen kann. Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass ich der perfekte Oppositionspolitiker wäre: Kritik kann ich – blumig gesprochen – einigermaßen schmissig formulieren, mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen dagegen sieht's mau aus. Ist mir aber wurscht. Da ich aber erstens kein Politiker bin, dies hier zweitens mein eigenes Blog ist und sich drittens gerade mein E-Reader nicht einschalten lassen möchte, rege ich mich jetzt nämlich über selbigen auf – in der Hoffnung, dass einer der Macher hier zufällig mal drüber liest. Und falls nicht: Mir doch egal!

Einen wohlmeinenden Test zum »tolino shine« habe ich bereits geschrieben. Wer nicht weiß, was das ist und meinen hervorragenden Test nicht lesen möchte: »Tolino« nennt sich die in Deutschland so ziemlich einzig relevante Konkurrenzgerätefamilie zum Amazon Kindle. Das Modell »shine« war bzw. ist das erste dieser Familie  und wird auch immer noch als Einsteigergerät verkauft. Grundsätzlich gilt auch alles noch, was ich dazu mal fabuliert habe: Robustes Gerät, über das auch mal ein Panzer rollen kann, ohne dass es Schaden nimmt, angenehm knackiges Schriftbild (wenn auch etwas blass), prima augenfreundliche Bildschirmbeleuchtung, falls man mal im Dunkeln unter der Bettdecke lesen möchte, bzw. der DB-Fernzug gerade mal wieder etwas länger – sänk ju for träwelling ... – im Tunnel feststeckt.

So, jetzt aber! AAABER! Diese Software! Software ist – wenn man in der Branche arbeitet, weiß man das – nicht gerade des Deutschen bestes Pferd im Stall. Eher ein lahmer Brauereigaul, der aus dem letzten Loch pfeift. Als ich den »tolino shine« damals gekauft habe, war er einigermaßen flott. Die Software konnte nicht viel, aber mir war das egal. Ich wollte Bücher drauf laden und sie lesen, Punkt! Hat sich bis heute nicht geändert. Das ging prima, doch inzwischen wurden einige »Features« nachgeliefert, die keine Sau braucht. Grundsätzlich sind Softwareupdates ja was Schönes: Dem Hersteller liegt was am Gerät und am Kunden, sehr löblich also. Wenn aber diese Software wie beim »tolino shine« dafür sorgt, dass das Gerät so träge wird wie ich am Sonntagmorgen vorm ersten Kaffee, dann ist das schon ein bisschen frech. Es kommt nicht selten vor, dass sich der Reader nicht mal mehr einschalten lässt. Da hilft nur, einen Zahnstocher im Haus zu haben. Den braucht man nämlich, um an den kleinen Resetknopf neben dem USB-Anschluss zu kommen. Sehr schön sind auch plötzliche Neustarts während ich das Gerät verwende, die dann gerne mal fünf Minuten lang dauern. Was macht das Ding in der Zeit? Primzahlen berechnen? Sehr angenehm, wenn man morgens im Bus zehn Minuten Zeit zu Lesen hat. Als würde ich nicht schon oft genug auf Ladebildschirme schauen, muss ich das nun auch noch während des Lesens? Bah!

Dann diese elende Anmelderei! Ey Leute! Es gibt Menschen, die sind weniger technikaffin als ich. Ältere Menschen beispielsweise, die damit aufgewachsen sind, dass ein Farbfernsehgerät mit vier Sendern mal der neuste Schrei der Technik war. Die sitzen jetzt vor dem »tolino« und wollen die digitale Variante irgendeines staubigen Reklam-Heftes lesen, müssen sich aber alle Nase lang mit ihrem Account anmelden. Du möchtest ein Buch kaufen? Meld dich an! Du hast ein Buch am PC gekauft und möchtest es per Synchronisation auf den Reader laden? Meld dich endlich an! Du möchtest auf dem Reader im Shop stöbern? Meld dich an, verdammt noch mal! Alter! Wenn ich das einmal machen muss, ist es ja okay, aber beim »tolino« muss ich das dauernd tun. Für Leute, deren Passwort 123456 lautet, mag das in Ordnung sein, wer aber so paranoid ist wie ich und seine eigenen Passwörter gar nicht kennen möchte, sondern sie in einer cleveren Passwortverwaltung hält, der guckt abends im Bett in die Röhre, wenn er zum E-Reader greift.

Besonders schön ist auch, wenn das Anmelden auf dem Gerät nicht funktioniert (wie gerade jetzt nach dem Reset!!!11!), weil die Seite nach dem erfolgreichen Login nicht angezeigt werden kann. Die Seite nach dem Login? Genau, wenn man es sich nämlich leicht machen möchte – wie im Fall des »tolino« –, dann benutzt man einfach die eh schon vorhandene Internetseite, um die Anmeldung auf dem Gerät umzusetzen. Tolle Wurst! Nun will ich ein Buch draufladen, das ich gerade gekauft habe und kann es nicht tun. Und das 2016! Da könnte ich strahlkotzen! Immerhin: Klappt's dann mit dem Anmelden doch, dann funktioniert die Synchronisation problemlos. Neu erworbene Bücher sind ratzfatz auf dem Gerät.

Aber dann, und hier muss ich ausholen: So wie Mose, wenn man an derlei Kram glaubt, irgendwann von seinem Berg heruntergekraxelt kam, um den Menschen die zehn Gebote zu bringen, muss auch Satan zwischenzeitlich mal aus seiner kuschligen Hölle gekommen sein, um dem Menschen Adobe DRM zu bringen. Adobe DRM ist der mistige Kopierschutz, mit dem E-Books ganz gern mal versehen werden. Eine Gängelung sondergleichen! Möchte gerne mal Mäuschen spielen, wenn ein/eine BuchhändlerIn dem Altersrente beziehenden Kunden erklärt, wofür er jetzt zum Lesen eine Adobe-ID benötigt. Ohne die kann man kopiergeschützte Bücher nämlich nicht lesen. Und es kommt teilweise noch schlimmer: Eine von mir gekaufte Ausgabe des Buches »Sternenkrieger« von Robert Heinlein war derart DRM-verseucht, dass ich alle paar Male, wenn ich weiterlesen wollte, vorher meine Adobe-ID eingeben musste – inklusive Passwort. Dass meine Passwörter nicht 123456 lauten, habe ich bereits erwähnt, nech? Vielleicht können die Macher der tolino-Software auch gar nicht so viel dafür, keine Ahnung, aber trotzdem: Wenn ich ein Buch kaufe, möchte ich dafür nicht bestraft werden, indem mir Adobe mit seiner bescheuerten ID auf den Sack geht. DAS! GEHT! GAR NICHT! Mit schwarzkopierten Büchern hätte ich dieses Problem nämlich nicht. Und außerdem: Amazon, der unsympathische Internetriese aus Übersee kriegt's doch auch hin.

Also bitte bitte, liebe tolino-Hersteller: Kriegt mal die Performance eurer Software in den Griff und macht, dass ich nicht mehr 'nen Zettel mit Passwörtern neben dem Bett liegen haben muss, wenn ich abends vorm Schlafen noch mal lesen möchte. Zwohundert Puls wegen eines Login-Bildschirms tragen nämlich nicht gerade zu meiner Nachtruhe bei. Ansonsten hab ich nichts zu beanstanden, danke!

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Bärte machen keine MännerIch schrieb einst einen Text über Bärte. Über Männer mit Bärten, um genau zu sein. So ganz trennscharf ist das spätestens seit Künstlerinnen mit selbstgewähltem Nachnamen eines Fleischerzeugnisses ja auch nicht mehr. Ich war und bin der Ansicht, dass es das Recht eines jeden Mannes sein sollte, sein Antlitz mit Haar zu schmücken, vor allem dann, wenn er das Pech hat, auszusehen, als sei er in Kindertagen mit dem Gesicht in einen hochschnellenden Spaten gerannt. Nicht umsonst tragen männliche Superhelden so gut wie nie Bärte: Sie haben ein Kinn. Ein richtiges Männerkinn. Ein Kinn, so ausgeprägt, dass sie damit problemlos gefrorenen Boden umpflügen könnten. Nicht-Superhelden wie ich sind da anders gebaut: Mein Kinn sieht eher aus, als hätte der Unterkiefer mal Prügel vom Oberkiefer bezogen und sich seither tief in den Schatten zurückgezogen. Das kann man schon so zur Schau tragen. Kann man machen, ja, aber dann sieht’s halt scheiße aus. Drum einfach was drüberwachsen lassen, und fertig ist die Laube.

Zusammengefasst war ich bisher also für Männer mit Bärten. Ja ganz ehrlich, ich war total dafür, einen Trend draus zu machen. Dooferweise wurde dann ... ein Trend draus. Tja, und jetzt laufen sie überall herum, diese Männer mit Bärten. Aber nicht nur mit Schnauzbärten, Kinnbärten oder extravaganten Backenbärten. Nein, Vollbärte müssen es sein. Die ganze Stadt ist voll von diesen Typen. Ich weiß nie, stehe ich einem Hipster gegenüber, einem Salafisten auf Urlaub oder doch nur einem entlaufenen Alpaka. Manchmal komme ich mir vor wie auf dem Waldmond Endor, umgeben von zu groß geratenen Ewoks mit tätowierten Unterarmen. Argh, überall diese Bärte, und ich gebe zu, ja, sie regen mich auf! Ein Haar in der Suppe stört mich nicht, aber wenn man schon dran ersticken kann, schwillt mir doch der Kamm.

Als ich klein war, gab es das nicht. Da trugen eher so Leute wie einer der Wildecker Herzbuben einen Vollbart. Und das war okay. Der hätte ohne Bart wahrscheinlich einfach nur noch dicker ausgesehen. Oder man hätte ihn mit seinem Herzbubenbruder verwechselt, was jetzt auch keine Katastrophe gewesen wäre. Ansonsten trugen in meiner Kindheit genau drei Männer Vollbart. Aufsteigend geordnet nach ihrer Wichtigkeit waren das: Gott, der Weihnachtsmann und Bud Spencer. Das war eine sichere Bank, das musste so sein. Einen Weihnachtsmann ohne Vollbart hätte ja kein Mensch ins Haus gelassen. »Ein dicker, glatt rasierter Kerl mit rotweißen Klamotten und 'nem großen Sack über der Schulter? Ein Perverser! Ruft die Bullen!« Nein, so ein Vollbart vermittelte einfach auch Sicherheit und Seriosität. Bud Spencer mit seinem Bart aus Bürstendraht beispielsweise: Da konnte man immer sicher sein, dass er den Bösen ziemlich seriös eins aufs Maul gibt.

Ja, damals war die Welt eben noch in Ordnung. Niemand sonst ließ sich so das Gesicht zuwuchern. Väter, die trugen damals beispielsweise lieber Schnauzbärte. Ob von dominanten Ehefrauen verordnet oder einfach im Schatten des wandelnden Brusthaarpanzers Tom Selleck, das weiß ich nicht, aber es war halt so. Mein Vater trug einen dicken, dichten, schwarzen Schnauzbart, in dem man locker ein paar mittelgroße Zootiere hätte verstecken können. Der sah damit immer ein bisschen aus wie Josef Stalin, nur in weniger böse. Doch einen Vollbart hätte der sich nie stehen lassen, obwohl er es gekonnt hätte.

Nun, ich könnte das zwar auch so irgendwie, auch wenn das Ergebnis vermutlich löchrig wäre und eher einem viel zu lange gereiften Schweizer Käse gleichen würde. Aber das Hauptproblem wäre wohl eher, dass ich eben nicht sonderlich groß bin. Was das mit Vollbärten zu tun hat? Nun, mit Vollbart sähe ich aus wie ein verirrter Gartenzwerg auf der Suche nach seiner Mütze. Das ist jetzt nicht unbedingt, was man mit so einem Bart suggerieren will: Männlichkeit natürlich!

Und vielleicht hasse ich sie ja deswegen so, die vielen schlacksigen Typen, die in ihren Birkenstocksandalen durch Berlin schlurfen, das wallende Haar zu einem Hipster-Dutt zusammengeknödelt, die teure Markensonnenbrille auch an schattigen Tagen in der U-Bahn auf der gepeelten Nase, und unterhalb selbiger natürlich der kilometerlange schamponierte und gute geölte Naturhaarteppich: Ich kann da nicht mitmachen, weil meine Freundin mich erstens so wohl mit einem Schlafsack und 'nem Laib Brot in den Keller sperren würde und weil ich zweitens eben, wie gesagt, einfach unfassbar albern aussähe.

Aber ganz ehrlich, viel weniger albern wirken diese Fellfetischisten in derart rauen Mengen auch nicht mehr: zwei Augen, die aus einem Gewühl von Haaren ragen und sich hinter 'ner Sonnenbrille verstecken? Gab es seinerzeit, als das Fernsehen noch schwarzweiß war, bei der Addams Family schon: Vetter It hieß der haarige Zeitgenosse, der stets klang wie ein schimpfendes Eichhörnchen mit Heliumsucht. Sogar den bei Hipstern beliebten Hut trug It bereits. Herzlichen Glückwunsch also, liebe Hipster: Ihr seid nun modisch definitiv in der Addams Family angekommen.

Nein, also wenn ich genauer drüber nachdenke, wird mir die Sache doch zu haarig. Genervt bin ich von der Allgegenwärtigkeit zugewucherter Männergesichter trotzdem. Und spätestens, wenn mir einer dieser BRÖSELBESENANBETER DAS HACKFRESSENSCHAMHAAR NÄCHSTENS IN DER ÜBERFÜLLTEN U-BAHN INS GESICHT DRÜCKT, SKALPIERE ICH IHM SELBIGES OHNE BETÄUBUNG!!! Aber ich rege mich nicht auf. Drum, für den sozialen Frieden in meinem näheren Umfeld und allgemeines Ungenervtsein, und weil das nach dem letzten Barttext auch so prima geklappt hat, versuche ich es einfach noch mal ganz nett und ohne Haarspalterei: Liebe Leute ... können wir uns nicht einfach auf ’nen Dreitagebart einigen? Das wär sehr lieb, danke schön!

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Freundin und ich haben ein neues Projekt. Wir bauen ein Haus, bzw. eher, wir lassen bauen. Vor einigen Wochen bereits haben wir ein kleines Baublog eröffnet, auf dem sich allerdings noch nicht allzu viel getan hat, abgesehen davon, dass sich überraschenderweise bereits erste künftige Nachbarn vorgestellt haben.

Wie wir auf die Idee gekommen sind, habe ich im ersten Post dort bereits ein wenig erläutert. Im Prinzip ist es aber einfach so: Wenn man hier eine wirklich schöne Mietwohnung haben möchte, dann muss man mindestens 1200 Euro monatlich auf den Tisch legen. 1200. Euro. Miete. In Berlin, einer Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit, mit vergleichsweise geringem Durchschnittseinkommen. Und selbst wenn man eine derart teure Wohnung findet, muss man bei der Besichtigung dem jeweiligen Vermieter dermaßen tief in den Arsch kriechen, dass man ihm hinterher erzählen kann, welche seiner Backenzähne Löcher haben. Das geht so nicht, echt. Mach ich nicht mehr mit, so was.

Tja, deswegen ziehen wir nun eben in die eigenen vier Wände. Das heißt, nicht »nun«, sondern irgendwann spät im nächsten Jahr. Und natürlich hoffe ich, dass alles glatt geht und man uns nicht in wenigen Jahren wahlweise bei »Raus aus den Schulden« oder »Nachbarschaftsstreit« in der Glotze zu sehen bekommt. Falls doch, treten wir dann hinterher noch bei »Goodbye Deutschland« auf. Irgendwas geht ja immer.

Sollte es also künftig weiterhin etwas ruhiger hier sein, kann das entweder daran liegen, dass ich keine Lust zum Bloggen habe, oder aber ich bin dabei, zähneknirschend die ersten Rechnungen zu bezahlen. Und sollte ich nach dem Einzug nichts mehr von mir hören lassen, habe ich wahlweise die Gartenarbeit nicht überlebt, oder ich liege auf der Dachterrasse und sonne meine Zehen.

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»Lauf, Alcudia! Lauf!« Vorhin, als ich gerade ins Büro schlurfte – vor dem ersten Kaffee ist schlurfen die einzig akzeptable Möglichkeit, einen Fuß vor den anderen zu setzen –, kam ich an einem Kinderlaufevent vorbei, oder wie man so was auch immer nennen mag. Früher hätten wir das Sportfest genannt, heute klingt das aber ganz schön nach Erich Honecker. Jedenfalls rannten da ein paar Kinder in bunten Klamotten um einen winzig kleinen Platz, angefeuert von Eltern und Erziehern. Und eine Frau rief eben besagtes: »Lauf, Alcudia! Lauf!« Wer dachte, das klingt mit Forrest schon doof, der hat's mit Alcudia noch nicht gehört. Alcudia ... also eigentlich Alcúdia, nun, ich war da ja mal. Schönes Örtchen auf Mallorca, wenn man keine Lust drauf hat, Urlaubern dabei zuzusehen, wie sie sich zum Einzeller zurückentwickeln und der Meinung sind, nur überleben zu können, wenn sie Pennerbombengesöff aus einem Eimer trinken. Bisschen viele krebsrote Engländer in der Hauptsaison, die sich ja auch ganz gerne mal danebenbenehmen (wobei sich dieses Benehmen direkt proportional zur Anzahl ihrer Zahnlücken zu verhalten scheint), ansonsten aber wirklich ein schönes Örtchen. Aber würde ich mein Kind deswegen so nennen?

Ein Kollege meinte, vielleicht wurde das Kind ja in Alcúdia gezeugt. Guter Punkt. Wenn der Urlaub besonders schön war und man eine Dekade lang drauf gespart hat, deswegen extra auf Kippen, Markeneierlikör und ergonomisches Schuhwerk verzichtet hat, will man sich vielleicht auch für immer daran erinnern, wie schön es da war. Schließlich ist so ein Urlaub ratzfatz wieder vorbei. Ich fand's ja auch schön, nur das mit den Algen beim Baden war ein bisschen doof. Und die viel zu stark brutzelnde Sonne, die meiner Freundin und mir diese fies juckenden Hitzepickelchen bescherte, auch wenn ich ja immer noch der Meinung bin, dass es eine Mischung aus Algen und Sonne war, aber wurscht. Jedenfalls hätte ich ein eventuell gezeugtes Kind - eventuell deswegen, weil ja keines gezeugt wurde - nicht Alcúdia genannt, himmelherrgott. Vielleicht auch, weil das Kind mich dann immer an fies juckende Hitzepickel erinnert hätte, vornehmlich aber, weil Alcúdia einfach ein total bescheuerter Name für ein Kind ist.

Was wäre denn gewesen, wenn das Kind in Kotzen gezeugt worden wäre? Oder in Wassersuppe? In Gifthof oder Knochenmühle? Nicht auszudenken! Auch ich finde es ja gut, dass Eltern ihre Kinder heutzutage nicht mehr Gertrud oder Randolf nennen müssen. Mein Opa heißt Traugott ... Ja. Und gibt's eigentlich noch irgendwo herumlaufende Adolfs? Wenn ein Name aus der Zeit gefallen ist, sollte man ihn auch einfach da liegen lassen. Schließlich hebt man ja auch sonst nicht alles auf, was so auf dem Boden herumliegt. Vor allem, wenn es braun ist und matschig und anfängt zu stinken, sobald man reingetreten ist. Für manch altmodische Namen gilt das alles sicherlich auch. Andere leicht veraltete Namen dagegen werden vermutlich gerade von Sojamilch-Chai latte schlürfenden Hipsterpärchen wiederentdeckt. Ludwig und Kassandra gehen dem stolzen Hipsterpapa wahrscheinlich deutlich eleganter vom wallenden Vollbart als Stangenware wie Lara oder Max.

Apropos Hipsternamen: Ich recherchiere nebenher selbstverständlich ein bisschen, und unter den Top-Hipster-Babynamen ist zumindest bei den Mädchen doch tatsächlich auch Nike. Nike ... Spricht man das jetzt Nike, also so wie Pike, oder tatsächlich doch eher wie den Sportartikelhersteller mit dem Häkchen als Logo? In dem Fall: Gut, dass Hipster Adidas offenbar weniger gern mögen. Oder Puma ... meine Güte! Puma! Unter den Top-Jungsnamen befindet sich übrigens Darwin. Das find ich ja schon wieder sehr souverän: einerseits ein Bekenntnis zur Evolutionstheorie, andererseits aber auch gleich ein Fingerzeig, wo's für den Nachwuchs modisch künftig mal hingehen wird: Denn wenn Darwin heutzutage für was anderes als für seine Evolutionstheorie bekannt ist, dann doch wohl für seinen episch langen, weißen und vermutlich gut schamponierten (Hipster-)Vollbart. Obwohl Darwin ja streng genommen ein Nachname ist, hieß doch der gelehrte Weihnachtsmanndoppelgänger mit Vornamen eigentlich Charles. Weiß der Hipster an sich aber bestimmt nicht. Nicht schlimm, erinnert Charles die meisten doch wahrscheinlich am ehesten an den elefantenohrigen britischen Thronfolger, dem man immer noch einen Hang zum Tampon-Fetisch nachsagt.

Aber letzten Endes kann es mir ohnehin egal sein. Vermutlich kompensiere ich mit meiner persönlichen Abneigung gegen die ausufernde Kreativität werdender Eltern (Alcúdia, also bitte!)  nur den mangelnden Einfallsreichtum meiner eigenen Eltern. Zwar konnten die 1984 noch nicht im Internet herumsurfen, um sich ein paar Ideen zu holen, und überhaupt war man in der DDR ja auch nicht so richtig aufgeschlossen, wenn da einer mit Namen um die Ecke kam, die irgendwie nach Imperialismus rochen, aber ein bisschen mehr als Thomas wäre doch bestimmt drin gewesen. Vor allem dann, wenn man mit einem der am häufigsten vorkommenden deutschen Nachnamen gesegnet ist. Ist ja nicht so, als hätten sie nicht vorher neun Monate Zeit zum Überlegen gehabt, aber ach ... Meine Schwester bekam dann drei Jahre später übrigens tatsächlich einen einfallsreicheren Namen. Meine Mutter meinte mal, sie hätte diesen Namen aus einem Film. Der hätte ihr halt gefallen. Kann ich eigentlich froh sein, dass meine Mutter den Film Sissi immer schon beschissen fand. Mit Franz als Vorname hätte ich wahrscheinlich schon längst die Beine in die Hand genommen und wäre ins Exil geflüchtet. Vielleicht hätte man mir dann nachgerufen: »Lauf, Franz! Lauf!« Und DAS hätte erst mal bescheuert geklungen!