Kot aus der Röhre

Letztens lief auf Arte, der staatlich alimentierten Spielwiese für deutschfranzösische Kulturexperimente, dieser Sender, dessen einzige glanzvolle Leistung die Ausstrahlung der US-Serie »Breaking Bad« war und den man trotzdem zu mögen verpflichtet ist, weil man sonst ein Kulturbanause und ein Idiot sowieso ist, so was wie eine Doku, in der behauptet wurde, der, äh, Penis des Mannes (muss man heutzutage ja durchaus erwähnen) sei seit der letzten, ähm, tja, Vermessung (?) geschrumpft. Also nicht der eines einzelnen bemitleidenswerten Herren versteht sich, sondern so insgesamt, im Durchschnitt halt - und zwar sowohl der erigierte Phallus als auch sein demotiviert in der Gegend herumhängendes Pendant. Ob es dabei jetzt im Speziellen um französische oder deutsche Penisse ging, weiß ich nicht mehr, aber vermutlich ist die französische Flinte von Natur aus kleiner bemessen als die teutonische Tröte. Alles andere wäre ja auch eine Frechheit seitens unseres alten Erbfeindes, die einer Kriegserklärung gleichkäme, aber ach, lassen wir das.

In besagter Sendung wurden natürlich auch Experten zum Längenschwund im Lullerland befragt, was ja klar ist, denn immer dann, wenn eine These aus dem Urschleim menschlicher Hirnwindungen ans Tageslicht kriecht, sind selbsternannte Experten nicht weit. Diese schütteln freilich prompt ein, zwei gerade veröffentlichte Bücher zum Thema aus dem Ärmel, die einem zwar nicht mehr Wissen vermitteln als eine mit Blümchen bedruckte Rolle Klopapier, dafür kosten sie aber auch nur einen Zehner und taugen zumindest dazu, dass das heimische Bücherregal nicht nur mit Schneekugeln, bedruckten Bierkrügen und Fotos vom letzten Malle-Urlaub gefüllt werden kann, sondern auch mit Dingen, die einen Buchrücken haben. Was besagte Experten zum Besten gaben, weiß ich nicht mehr, weil meine Aufmerksamkeitsspanne erstens der einer Katze gleicht, die sich ins Bällebad bei McDonald's verirrt hat und zweitens mein unfassbar schwerer Daumen auf die Kanal-plus-Taste kam. Schade aber auch!

Und nun bin ich zwar zur Recherche fähig, schließlich habe ich irgendwann mal in klassischer Bachelor-Manier fertigstudiert, ohne auch nur ein Fachbuch gelesen zu haben und meine Diplomarbeit quasi aus umgestellten Wikipedia-Formulierungen zusammengestückelt, aber eine rasche Google-Suche zur mysteriösen Gliedschrumpfkur förderte lediglich besorgte (Noch-)Geschlechtsgenossen hervor, die beim zweiten Vermessen ihres besten Stücks offenbar auf der Zentimeterskala verrutscht sind und panisch Hilfe in natürlich von Penisexperten bevölkerten Internetforen gesucht haben. Oder in Kürze: Weshalb aus der prächtigen Fleischwurst, dem Fahnenmast für die Flagge brodelnder Männlichkeit allmählich eine Schrumpfnudel wird, müssen wir uns wohl selbst erarbeiten. Akademiker, der ich bin, habe ich einfach mal ein paar wahnsinnig seriöse Thesen aufgestellt. So here we go.

These 1: Der Penis ist als Bollwerk männlicher Potenz so überflüssig wie ein Kropf geworden. Mag in Urzeiten das Gehänge noch für überbordende Schöpfungskraft gestanden haben, so lässt sich heutzutage kein It-Girl dieser Welt abschleppen, indem der Werbende seine Hosen runterlässt und ihr den Schwengel vor die Nase hält. Das Vorrecht, externe Geschlechtsmerkmale in der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist sowieso protestierenden Frauen vorbehalten, die zu viel Zeit haben. Ein Kerl, der seinen mit »Mindestlohn für alle« beschriebenen Zuchthengst in die nächste RTL-Kamera hält, wird dafür kaum Anerkennung ernten, sondern allenfalls für immer und ewig in den dunkelsten Keller des versifftesten Gefängnisses auf diesem Planeten gesperrt und dort mit einem lebenslangen Abo der EMMA bestraft. Nee, da muss es schon was Größeres sein, um im Survival-of-the-Fittest-Spielchen bei der Stange (haha) zu bleiben. Ein 3er BMW tut es hierzulande in gewissen Milieus schon, und soll's was Höherklassiges sein, dann holt man halt einen Aston Martin oder einen Ferrari zur Probefahrt aus dem Proletenautohaus. Muss die Dame, die man abschleppen will, ja nicht wissen, dass die Karre in ein paar Stunden wieder weg ist. Tja, und wo nicht mehr Hormone, sondern Pferdestärken und Ausstattung den Ton angeben, da verhält sich der kleine Hosengallier halt umgekehrt proportional zur evolutionären Entwicklung des Giraffenhalses, um ein letztes Mal den alten Darwin zu bemühen, bevor er einen langen Bart kriegt. Irgendwann ist das arme Schwänzlein dann so nützlich wie ein Blinddarm. Andererseits baut zumindest der Franzose Autos wie Renault und Citroën und fährt, ausgestattet mit Nationalstolz bis zum Bersten, damit auch noch selbst sein Baguette durch die Gegend, was meine These von der motorisierten Schwanzverlängerung durchaus entkräften mag.

These 2: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Keine Ahnung, wie oft der Jugendliche von heute mit Hilfe des unendlich großen Pornoarchivs namens Internet im Schnitt so Hand anlegt, aber wenn von zwei bis dreimal wöchentlich die Rede ist, dann gehe ich mal davon aus, dass sich das »wöchentlich« auch durch »täglich« substituieren ließe, ohne dass eine Lüge draus würde. Früher, also so richtig früher meine ich, da wird das anders gewesen sein, nicht nur, weil das Bewegtbild noch nicht derart exzessiv zur Darstellung fleischlicher Freuden verwendet wurde, sondern vermutlich auch, weil Onanie dumm und blind machte, das Rückenmark zerstörte, und natürlich war nach tausend Schuss grundsätzlich Schluss. Und wenn der verängstigte Max den Papa nach derartigem Aufklärungsunterricht so beobachtete, dann fiel ihm wahrscheinlich schon ein wenig auf, dass der alte Herr immer so komisch krumm ging. Die Brille vom Alten hatte auch ganz schön dicke Gläser, und so richtige helle war der Papa, der Trigonometrie für einen römischen Gott hielt, auch nicht gerade. Da ließ man die Hände schön über der Bettdecke. Doch jetzt ist das alles anders. Der junge Mann von heute lässt grundsätzlich das Internet Wahrheit sprechen, bevor er all den Scheiß glaubt, den seine Alten so vom Stapel lassen. Und wo er schon mal drin ist, kann er auch gleich noch den Rest von »Vier Fäuste in Halle-Julia« zu Ende angucken und gepflegt die Palme schütteln. So viel Zeit für Recherche muss sein. Bei all dem Gehoble in jungen Jahren wird aus dem Pflänzchen dann eben keine stolze Eiche mehr. Andererseits dürfte das auch für die beteiligte Hand gelten, und Typen mit unterschiedlich großen Händen sind mir bisher noch nicht begegnet, womit These 2 also vor allem eines sein dürfte: großer Stuss.

These 3: Reality kills the porno star. Schließt sich nahtlos an These Nummer zwo an. Wessen sexuelle Früherziehung hauptsächlich darin besteht, die Vielfältigkeit amerikanischer Hochglanzpornoproduktionen zu studieren, der wird erschüttert sein, wenn er im Alter von vermutlich zirka sechzehn die erste richtige Freundin zum ersten Mal feierlich entblättert und feststellt, dass erstens ihre Brüste nicht aussehen wie auf den Torso geklebte Kokosnusshälften und zweitens an keiner ihrer Körperöffnungen ein »Open 24/7«-Schild baumelt. Wenn der pornoverseuchte Verstand eines pubertären Eroberers derart hart auf das Miststück namens Realität prallt, dann wäre es zumindest wenig verwunderlich, wenn das Schweizer Taschenmesser hinter der Boxershorts sich nicht mehr anschickte, zum Excalibur zu gedeihen. Quasi wie bei den »Twilight«-Filmen: Wer den ersten Teil gesehen hat, der wird sich kaum bemühen, auch dem zweiten seine Aufmerksamkeit zu schenken, wenn er sich stattdessen schöneren Dingen widmen kann, etwa dem Nachholen der Steuererklärung für die letzten fünf Jahre.

These 4: It's in the water! Wer kennt sie nicht, die Horrorgeschichte vom Trinkwasser, das eigentlich nur noch aus jenen synthetischen Hormonen besteht, welche »die Pille« schluckende Frauen beim Wasserlassen in den Kreislauf des Wassers überführen? Es grenzt schon an ein Wunder, dass man beim Duschen noch nass wird, statt von tausenden zu neuen Pillen zusammengeklebten Hormonbatzen erschlagen zu werden. Futtert ein Mann Östrogene wie Tortillachips, muss er sich nicht wundern, wenn er bald nicht nur singen kann wie Mariah Carey in ihren besten Tagen, sondern aus seiner Gurke ein saures Gürkchen wird, das am liebsten ganz abfallen würde, um irgendwohin zu ziehen, wo es schöner ist. Hormongeschwängertes Trinkwasser könnte die Erklärung für so Vieles sein, vor allem natürlich für die Verweichlichung der Männerschaft. Kerle, die man früher zu Weicheiern abgestempelt hätte, weil sie nicht ohne Haargel aus dem Haus gehen, einen begehbaren Schuhschrank besitzen und immer mindestens zwei Ersatz-Labellos in der mitgeführten Tasche gebunkert haben, schmückt man heute mit dem Prädikat »metrosexuell« - besonders wertvoll. Ganz schlimm sind die armen Schweine, die freiwillig in der »Friendzone« versauern, bis sie grau oder kahl werden und am Ende ihrer Tage ganz schief gehen, weil sich zeitlebens dauernd irgendeine Frau an ihrer weichen Schulter ausheulte, die an allem interessiert war, aber gewiss nicht an ihnen. Doch mag das östrogenverseuchte Wasser nun schuld an der gesellschaftlichen Kastration des Mannes und der laut Arte voranschreitenden Miniaturisierung seines mobilen Bohrturms sein oder nicht, wer sich derart verweichlicht gibt, als sei er selbst ein Penis mit chronischer Erektionsstörung, der hat es auch nicht besser verdient, als dass ihm der Pfefferstreuer abfällt. Punkt!

These 5: Die Geschichte des Gliedes ist eine Geschichte voller Messfehler. Sehen wir's, wie es ist: Auch wenn Arte und Konsorten durch staatlich erzwungene Schröpfung eines jeden, der ein Dach über dem Kopf hat, sein Überleben gesichert hat, bis die Erde dereinst von der Sonne zu einem Häufchen Asche verbrannt wird, geht es am Ende des Tages wie bei diversen Boulevardmedien doch nur um eines: Aufmerksamkeit. Und womit erhascht man die am besten, wenn nicht mit einer Mär vom dahinsiechenden Lustlöffel? Eben. Hat die aufgestellte Behauptung überhaupt irgendwer von der Redaktion mal geprüft? Klar, wie auch? Dass etwa die genormte Kondomgröße falsch ist, weiß man ja schon länger. Logisch eigentlich, wenn der Durchschnittskerl angibt, seine Wumme misse mindestens fundundzwanzig Zentimeter und sei dick wie der Stamm eines ausgewachsenen Spitzahorn, dann sollte man das nicht wörtlich nehmen und das durchschnittliche Verhüterli eher so zwo Finger breit und nicht übermäßig lang konzipieren. Kleiner Tipp: Es müssen keine zehn Liter Wasser reinpassen. Vielleicht hat man also beim ersten Messvorgang, als die Welt noch in Prüderie ersoff, höflich nachgefragt und nun, wo eh jeder dauernd die Hosen runterlässt und die USA auch noch dabei zuschauen, tatsächlich mal nachgemessen. Klar, dass da kleinere oder, ähm, größere Unterschiede zu Tage kommen. Oder sagen wir es so: Die im Spiegel sichtbaren Objekte sind eben kleiner, als sie scheinen. Vielleicht hat man aber auch einfach einmal im Sommer und einmal im Winter nachgemessen. Bei minus zehn Grad reckt schließlich niemand gern den Hals in die Kälte hinaus.

So, Schluss, aus. Weshalb jetzt dieser blöde Text, der mindestens zehn Minuten an kostbarer Zeit mit Pillermannbezeichnungen aller Art verschwendet hat, mag der Leser mit Niveau und natürlich regelmäßiger Arte-Gucker vom Dienst sich fragen. Die Antwort ist so komplex wie vielschichtig: Erstens bringt die sprachlich möglichst vielfältige Erwähnung des kleinen Lendenprinzen ganz ordentliche Klickzahlen, und zweitens gibt es, Experte, der ich nun bin, demnächst für einen Zehner mein neues Buch zum Thema: »Weshalb Mann im Swinger-Club die Hosen oben lassen sollte, wenn die Heizung ausgefallen ist« (Arbeitstitel). Bis dahin viel Spaß beim Nachmessen.

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Liebes Fernsehen, dein Leiden ist chronisch. Die Quoten - Leute, so denk' doch einer an die Quoten! - sinken ins Bodenlose, und die Privatsender wissen sich augenscheinlich nicht zu helfen. Was tun, wenn keiner einschaltet, um abgehalfterten C-Prominenten beim Turmspringen zuzuschauen, wenn es niemanden zu interessieren scheint, wer nun wieder für zwei, drei Wochen Deutschlands nächstes Super-Dingsbums und anschließend den Löwen des Vergessens zum Fraß vorgeworfen wird, und wenn sich den Leuten bei aller Liebe zur Musik schon beim Wort Casting der Magen umkrempelt? Klar, einfach mehr vom selben zeigen. Viel hilft viel, scheint man zumindest in den Chefetagen der Verdummungsmaschinerie namens Privatfernsehen zu denken. Vielleicht haben die Damen und Herren auch einfach inzwischen zu viel von ihrer eigenen Medizin geschluckt. Dass immer noch mehr Menschen den Tatort, diese irgendwie aus der Zeit gefallene Krimiserie, deren heiliger Vorspann staubiger daherkommt als eine Schüssel trockenes Müsli, sehen wollen, spricht nicht nur Bände, sondern vor allem dafür, dass an der Basis, dort wo die Luft nicht ganz so dünn ist wie in den oberen Stockwerken, Deutschland doch nicht ganz verblödet ist.

Liebes Fernsehen, freu dich nicht zu früh! Ich will keinen Lobgesang auf den Tatort und ähnliche Formate der Öffentlich-Rechtlichen loslassen. Zu kritisieren gibt es auch hier genug. Wenn ich beispielsweise durchs Programm zappe, dürfte die Chance, auf einem der nicht privaten Kanäle eine weitere Doku über Hitlers Helfer / Hund / Lieblingssocken zu finden, bei ungefähr 80 Prozent liegen. Daran wäre erst mal nichts auszusetzen, weiß ich doch heute mehr über die Zeit vor 1945, als ich seinerzeit im Geschichtsunterricht je hätte lernen können, dennoch wäre hier ein wenig Mut zur Themenvielfalt wünschenswert. Als hätte man das auch bei der ARD gedacht, rief man kürzlich eine Themenwoche zum Thema Sterben aus. Warum auch nicht, der Tod geht uns alle an, selbst Jopi Heesters, wie inzwischen feststeht. Doch einen solchen thematischen Stinkstiefel, ausgerechnet im ohnehin volksdepressionsverbreitenden November,  meinte ich denn nun auch nicht. Und gehören vorhersehbare Vorabend-Soaps denn tatsächlich zum gebührenfinanzierten Bildungsauftrag?

Liebes Fernsehen, du machst es mir auch nicht mehr so leicht wie früher, dich zu mögen. Weißt du noch, früher? Ich erinnere mich gut, mich mit zehn Jahren besonders früh aus dem Bett bemüht zu haben, nur um dein morgendliches und für mich damals legendär gutes Cartoon-Programm sehen zu können. Ich erinnere mich auch, heimlich länger aufgeblieben zu sein, um nach Mitternacht bei stumm geschaltetem Fernseher die Nackedeis auf Sat1 oder Vox angeschaut zu haben. Softsexfilm nannte man so etwas damals. Und dazwischenliegend konnte ich mir am Samstagabend auch mal Filme ansehen. Etwas, das mir das Internet bis heute nicht so einfach für lau bietet wie du. Doch, liebes Fernsehen, mit dem, was du mir heute stattdessen am Samstagabend auftischst, lockst du mich nicht hinterm Notebook hervor. Längst gehe ich dir dann mit dem Internet fremd.

Liebes Fernsehen, was war so schlimm am Samstagsfilm? Die Mittzwanziger und älteren unter den Lesern werden sich erinnern: Zu Zeiten, als das Twittern noch den Vögeln und Verrätern der Omerta vorbehalten war, als Handys noch am Boden festgeschraubt und von gelben Kästen mit Glasfenstern umgeben waren, da gab es ihn: den Samstagsfilm. Schön war's damals, denn ging man nicht aus, dann konnte man am Samstagabend einen Film im Fernsehen anschauen. Und anschließend, wenn der nicht allzu lang lief, noch einen weiteren, der vielleicht weniger hochkarätig, dafür aber umso charmanter war. Heute gibt es nur noch den Sonntagsfilm - oftmals teures Hollywood-Kino, das kaum jemand zu Ende schaut, wenn's mal länger dauert. In den dünnluftigen Chefetagen der Sender scheint man zu glauben, die Zielgruppe des eigenen Programms setze sich aus chronischen Hartzern zusammen. Doch selbst die tun montags sicherlich häufig vor allem eines: früh aufstehen. Da schauen die wenigsten bis in die Puppen fern. Wenigstens bei den jüngeren Zuschauern hatte man ein Einsehen: Zwar laufen auch die guten Trickfilme hirnverbrannterweise gern mal am Sonntagabend, immerhin aber zeigen die Privatsender ihren Schweinkram jetzt schon ab 22 Uhr - und das an so ziemlich jedem Tag in der Woche.

Liebes Fernsehen, wenn dein Programm am Samstagabend also inzwischen so nahrhaft und zufriedenstellend ist wie eine Apfeltasche von Mc D. bei Heißhunger, dann darfst du dich wohl nicht darüber wundern, dass von der Flimmerkiste bis zum 400-Hertz-16-zu-9-LED-Full-HD-Schlachtschiff die Geräte ausgeschaltet bleiben, weil andere Medien, namentlich das Internet, Interessanteres zu bieten haben. Und dass Menschen in urbaneren Gebieten lieber noch auf einen Sprung ins Café um die Ecke gehen, statt dem nächsten vermeintlichen Supertalent beim Scheitern zuzusehen, dürfte auch klar sein. Liebes Fernsehen, wenn du also Quote machen willst, weil die so wichtig ist für deine Relevanz, für deine Werbeeinnahmen, für deine Daseinsberechtigung schlicht und einfach, dann, bitte liebes Fernsehen, mach es doch wie früher: Unterhalte mich!

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Mit absolutem Unverständnis verfolge ich die aktuelle Diskussion um den desolaten Zustand der Bundeswehr. Berichterstattung nach bester deutscher Tradition, in diesem Fall hochgeschaukelt am Beispiel des Äppelkahns »Gorch Fock«, in Insiderkreisen wohl auch »George Fuck« genannt, also dem Boot, auf dem man aus schlecht rasierten Halbstarken gut rasierte Männer macht. Oder so ähnlich eben.

Unverständlich ist mir an der ganzen Sache aber eigentlich nur, wie geschockt man sich ob der aktuellen Ereignisse nun gemeinhin in der Presse gibt, was die, ahem, »Traditionen« der Bundeswehr angeht. Ich als fauler Hund habe noch nicht einmal den - Gott möge ihn selig haben! - Wehr- oder Ersatzdienst absolviert, weiß aber dennoch, dass in dem Laden, der uns verteidigen sollte, seit jeher so ziemlich nur getrunken wird. Fragt man irgendeinen beliebigen Freund nach seinen schlimmsten Saufeskapaden, dann kann man fast schon sicher sein, dass er von umwölkten Abenden in Tarndress und bei Küstennebel zu schwärmen beginnt. Treffen gleich zwei solcher Probanden beim Bier aufeinander, kann man sich eigentlich schon ausklinken, weil die eh kein Ende mehr finden. Würde man den Anfang nicht mitbekommen, man könnte meinen, da fände ein Resümee des letzten Sommerurlaubs in illustrer Runde statt. Wen ich zum Wehrdienst ausrücken sah, den sah ich anschließend mit Plauze zurückkehren. Kann mir nicht vorstellen, dass es bei den Berufssoldaten anders aussieht.

Sind die Medien eigentlich wirklich so bescheuert? Warum muss es erst eine Meuterei auf der Bounty geben, bis man darauf kommt, dass unsere Landesverteidiger im gegenseitigen Wettschießen keinen Blumentopf gewinnen würden, wo selbst ich doch weiß, dass die Kerle allzu oft vermutlich nicht gerade standhaft vorm Feind, dafür aber umso trinkfester sind? Ein Haufen Flaschen quasi. Nicht umsonst sagt man doch, die Bundeswehr sei nur da, um den Feind so lange hinzuhalten, bis die Armee anrückt. Ich verstehe einfach nicht, warum da jetzt so ein Wirbel drum gemacht wird. Die Herren bei der Bundeswehr offenbar auch nicht, wenn man so manchen Kommentar liest. We soll's ihnen verübeln? Aber herrje, was les ich auch wieder Nachrichten? Wusste ich doch, dass mich das nur aufregen würde, verdammt!

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Ach, es ist doch eine Crux mit diesen Remakes. Seien es nun Filme, seien es Serien oder seien es Cartoons. Mit alledem ist es wie mit Frauen: Man weiß, dass alles tierisch in die Hose gehen wird, und doch tut man sich den Käse immer wieder an. Und wo ich »tierisch« schon erwähne, wär ich quasi auch beim Thema: nämlich bei einer der Lieblingsserien meiner dahingeschiedenen Kindheit: Den »Teenage Mutant Hero Turtles«! Cowabunga!

Die wurden nämlich, man ahnt es nicht, neu aufgesetzt. Wohl schon vor 'ner ganzen Weile, aber an mein Ohr drang das alles wie immer viel zu spät. Also werfe ich doch, das grauzonig legale Netz macht's möglich, eine Folge ein und gebe mich der Neuaufmachung meiner grün gefärbten, gepanzerten Helden hin. Doch was ist das? Allein die Vorspannmusik frisst sich in meine Ohren wie Salzsäure und lässt Schlimmes erahnen. Alles, was danach kommt, spottet jeder Beschreibung. Zwanzig Minuten Serienabfall, der geradezu eine Vergewaltigung meiner Kindheit darstellt. Und zwar mit einem großen, schmerzhaften Gummidildo. So einen, den man sich lediglich ins Schlafzimmer stellt, um darüber zu lachen. So einen, auf den böse rumänische Fürsten einstmals ihre Feinde spießten. So und nicht anders fühlt sich die reichlich uncoole Neuauflage meiner Turtles an, neuerdings zudem »Teenage Mutant Ninja Turtles« genannt. Pseydocoole Sprüche, dämliche Moralapostelcharaktere und schnarchige Kämpfe. Alles in allem gezeichnete Penetrationsfolter ohne Gleitcreme.

Bleibt nur zu hoffen, dass alle Gerüchte um eine neue Echtverfilmung entweder völliger Humbug sind, oder aber, dass am Ende ein gigantischer Meilenstein der Filmgeschichte herauskommt, der mich diese neue Serie vergessen lässt. Andernfalls kann ich mich wohl endgültig erschießen.

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Ich überlege gerade, ob es tatsächlich an meinem zunehmenden Alter liegt, oder ob meine früheren Lieblingsserien wirklich immer schlechter werden. Gerade habe ich festgestellt, dass Pro7 scheinbar zumindest dienstags gewillt ist, »Die Simpsons« zur besten Sendezeit zu zeigen. Werden also neue Folgen sein, denk ich und lehn mich sichtlich entspannt zurück. Wolldecke und Joghurt im Anschlag, der Kaffee dampft vor sich hin. Klar. Und dann kriege ich doch tatsächlich solchen Murks präsentiert, dass mir die Pellkartoffel von heute Mittag hochkommen möchte! Hab jetzt den Ton abgestellt und hör nebenbei lieber ein wenig gute Musik. Die Lacher könnte man nicht mal mit dem Elektronenmikroskop entdecken, so man denn wollte. Wie schrieb Kurt Cobain einst, bevor es ganz kurz sehr laut in seiner Garage wurde? »It's better to burn out than to fade away.« Trifft wohl so manches Mal auch auf ehemals geliebte Serien zu. Ach, manchmal ist die Welt doch einfach nur traurig.

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Hab gestern gesündigt, soll heißen, den Fernseher eingeschaltet. Fernseher? Ja genau, dieses Ding, das vor sich hin brodelt, wenn man auf einen fettfleckigen Knopf drückt und aus dem anschließend nach und nach stinkende Grütze herausläuft, die sich direkt ins Hirn frisst. Aber ach, was reg ich mich auf? Ohne das Fernsehprogramm gäbe es bestimmt auch keine, hm, eben keine Dinge, die es ohne das Fernsehen nicht gäbe. Nun ja, ich schweife ab.

Jedenfalls blieb ich gestern, sagen wir mal, interessierter als sonst auf irgendeinem Sender kleben. Es lief eine Sendung über Maschinengewehrwettbewerbe in den USA. Absurd, ich weiß. Aber es kam noch besser. Ein kleiner Teilnehmer outete sich, als man ihn befragte, als stolze fünf Jahre alt. Anschließend ballerte er weiter mit der MP, die er sich ausgesucht hatte. Die Eltern standen stolz daneben. Und ganz der Papa, denn der ballerte direkt neben dem Sohnemann. Natürlich am ganz großen Kaliber mit Standfuß. Uh.

Und noch besser: Für die Verrückten, denen das Durchlöchern von Zielscheiben und roten Tonnen auf Wüstensand zu wenig Laune brachte, hielt man nette Pappaufsteller von vermummten Arabern parat. Bisschen krass. Und da stellen Forscher hierzulande für teuer Geld Studien auf, schimpfen in selbigen über zunehmende Gewalt durch Schießereien in Computerspielen und so. Wow. Falls die mit ihren amerikanischen Kollegen einer Meinung sein sollten, dann scheint die Gewaltsteigerung sich auf virtuelle Waffen zu beschränken. Ich sag ja, absurd. Absurdes im Fernsehen, absurde Welt.

Nun brauch ich ja ab und an meine Portion Trash-TV. Zum Abschalten. Oder so. Hatten wir schon mal, klar. Schaue ja auch die Super Nanny, damit ich mich freuen kann, keine Kinder zu haben. Oder Peter Zwegats Sendung, damit ich mich freue, dass ich weitgehend schuldenfrei (leider nicht reich) bin. Und heute ist mal wieder Heidis Stelzenparade dran. Einmal mehr. Eigentlich sehr nett anzusehen, zumeist witzig - vor allem Rolfe. Aber gut, ich schweife ab. Eigentlich will ich doch darauf hinaus, dass man sich heute einen schönen Fauxpas geleistet hat: Setzen die doch tatsächlich Victoria Beckham in die Jury. Hm. Nicht, dass ich die nicht mag, was ich zwar natürlich auch nicht tue. Aber ist die nicht etwas fehl platziert? Klar, sie kann auch nichts (außer abnehmen), so wie alle anderen in dieser Sendung. Aber nun musste sich Germany's Next Topmodel doch schon einiges an Kritik wegen diverser Ihr-seid-zu-dick-Kommentare gefallen lassen. Bisschen dumm gelaufen. Pikantes Detail dabei: Neben dieser Plastikgabel von einer Frau sieht die gute Heidi fast schon wie ein aufgequollenes Modelmütterchen aus. Dünner geht offenbar immer.

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Uh, Knastatmosphäre bei der Super Nanny. Da brüllt die werte Frau Mama mit voller Stimme durch die Zahnlücken (erstaunlich, wo sie sich morgens als erstes ein Lungenbrötchen gönnt) und drischt abwechselnd auf die Kinder ein, die im Übrigen scheinbar während der Prügelpausen auch nichts anderes zu tun haben, als sich gegenseitig zu vermöbeln. Heulen ist halt geil. Fraglich, wie das funktioniert. Kinder sind doch in Gegenwart fremder Menschen normalerweise zurückhaltender, kommen nicht ganz so sehr aus sich heraus. Tarnt sich der Mann mit der dicken Fernsehkamera, der auf Socken durch die Bude schleicht, als Topfpflanze? Nistet der sich schon Wochen vorher ein, damit die Kinder ihn als gleichwertiges Familienmitglied oder als Mobiliar akzeptieren? Wär alles abgekartet, müsste man's doch merken, oder? "Du, Kleiner, hau mal deinem Bruder auf die Fresse." Klatsch! Heulerei! Also ich weiß nicht... Würd da gern mal stilles Mäuschen spielen, wenn da gefilmt wird. Nur ganz kurz, damit mir nicht die Ohren von der Frau Mama dröhnen.