Read ‚em all

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Vor knapp einem Jahr oder so kam ich auf den Trichter, mal was im Genre Science Fiction zu lesen. Ich vermute ja, das lag irgendwie an all diesen Snowden-Enthüllungen, daran, dass wir nun alle den Beweis hatten, was technisch möglich ist (obwohl wir es ja immer schon gewusst haben, ho ho ho), dass »Minority Report« bspw. kein reines Zukunftsmärchen ist, sondern - abgesehen von den übernatürlichen Anleihen - durchaus ein fürchtenswertes Zukunftsszenario.

Eigentlich hatte ich für SciFi nie so richtig viel übrig. »Star Trek« ist nicht meins, und um einmal »Blade Runner« anzuschauen, brauchte ich mindestens drei Versuche (und selbst beim dritten hab ich nicht richtig aufgepasst). Dann aber hatte ein Freund mal »Der unmögliche Planet« dabei, eine recht üppige Sammlung an Geschichten des Autors Philip K. Dick dabei (der übrigens auch die Vorbilder zu »Minority Report« und »Blade Runner« verfasst hat - ersteres ist im genannten Buch enthalten, letzteres ist ein eigenständiger Roman). Für Kurzgeschichten bin ich ja immer zu haben. Ich schreibe selbst gern welche, wie der eine oder andere vielleicht weiß, und generell liebe ich diese kurzen Texte für, äh, längere Klositzungen und so.

Besonders spannend an diesen Geschichten ist, neben der Handlung natürlich, der Bezug auf unsere heutige Zeit. Viele der Texte haben ja schon fünfzig Jahre und mehr auf dem Buckel, und natürlich sind einige völlig an der heutigen Realität vorbeigeschrieben, aber andere sind auch erstaunlich treffend. Wie gesagt, »Minority Report« ist ein ganz gutes Beispiel für prinzipiell zutreffende Vorhersagen. Orwells »1984« scheint ja sogar das Handbuch für Diktaturen wie Nordkorea zu sein, aber durch die inzwischen öffentlich gewordene Totalüberwachung und ganze unter Generalverdacht stehende Bevölkerungen hat sich auch hier so ein bisschen das »Big Brother is watching you«-Gefühl eingestellt.

Sollte jedenfalls dem geneigten Leser Dicks »Der unmögliche Planet« in die Hände fallen: unbedingt kaufen! Es lohnt sich, und leider ist zumindest diese Geschichtenzusammenstellung inzwischen wohl vergriffen (gibt aber natürlich auch andere). Ich habe mein Exemplar in der Berliner Science-Fiction-Buchhandlung »Otherland« ergattert. Ja, so was gibt es hier.

Berauscht von derart guten Texten versuchte ich mich, ja, äh, kürzlich kann man schon gar nicht mehr sagen, an der »Neuromancer-Trilogie« von William Gibson, die ich im KaDeWe im Regal stehen sah, von aus sie mir charmant zuzwinkerte. Ist jedenfalls ein Tausendseiter, der quasi das Aufkommen des Cyberspace vorhergesagt hat, wenn auch anders, als wir ihn heute vorfinden (sieht man mal von Versuchen wie »Second Life« ab, die tatsächlich in diese Richtung gingen). Wahnsinnig interessante Thematik, gerade auch, was das Eindringen in fremde Netzwerke, visuelle Firewalls usw. anbelangt, und wie der Autor sich das alles vorgestellt hat, aaaber ... also ein drei Stunden lang intensiv gebratenes Steak ist ja zart gegen dieses Monstrum von Buch. Ich quäle mich seit Wochen von Seite zu Seite, bin inzwischen immerhin fast am Ende es dritten Bandes angelangt, insgesamt aber für meinen Geschmack nur was für absolute SciFi-Enthusiasten, und die werden das Ding vermutlich sowieso schon kennen.

In Bälde werde ich mich wohl noch an »Metro 2033« versuchen, hier hat mir zumindest das Reinlesen schon mal viel Spaß gemacht. Wer das Buch kennt, darf gern in den Kommentaren erwähnen, wie er es fand. Ich wäre daran sehr interessiert. Ansonsten werde ich wohl noch etwas um Philip K. Dick kreisen. Der nächste Backstein, bestehend aus dreien seiner Romane, liegt schon bereit.

Das also ist das Stand der Lesedinge, was mich betrifft. Irgendjemand noch gute Tipps? Immer her damit.

[Updated] Der folgende Testbericht ist in leicht gekürzter Form ein Gastbeitrag beim Bücherei, dem Buchblog vom freundlichen Ei aus der Nachbarschaft, bzw. das Blog meiner Freundin. Ahem.

Die Macht des Konsum

Der folgende Text handelt von technischen Geräten und der Macht des Konsums. Weil Letzteres interessanter klingt, fangen wir damit an. Kürzlich schleppte ich meine Freundin in ein größeres Buchgeschäft der Kette Thalia, gelegen im Alexa am Berliner Alexanderplatz. Eigentlich (!) wollte ich »Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden« kaufen, schließlich halte ich danach schon so lange Ausschau. Doch oh weh, den Comic-Sammelband über die knausrige Ente gab es nicht.

Was es aber gab, war der Comic »Der Zauberer von Oz« von Marvel bzw. Panini. Das allerdings ist eine andere Geschichte (haha). Denn was es noch gab, war ein kleines wie feines Gerät namens tolino shine, der neue E-Reader der Allianz aus Thalia, Hugendubel, Weltbild, Bertelsmann und der Deutschen Telekom, gegründet, um Amazon und seinem Kindle-Imperium endlich Paroli bieten zu können. Gekommen also, um ein Buch über reiche Enten zu kaufen, gegangen mit Dorothy, Toto und einem neuen E-Reader samt Tasche. Ach ... Doch eben um jenen tolino shine soll es im Folgenden gehen.

Besser spät als nie, oder: auf Chaos folgt Ordnung

Dass die großen Buchhandelsketten in Deutschland Jahre gebraucht haben, um ein einheitliches Produkt zu forcieren und gegen Amazon ins Rennen schicken zu können, das deren Kindle einigermaßen ebenbürtig sein könnte, sagt schon viel über die Effizienz des Online-Handelsriesen aus. Oder viel mehr über die Ineffizienz des deutschen Buchhandels.

Denn wo Amazon eine in sich geschlossene, dafür aber ausgezeichnet funktionierende E-Book-Plattform samt Vertrieb hochziehen konnte, herrschte bei Thalia, Weltbild und Co. bisher Chaos. Jeder köchelte sein eigenes Süppchen: Thalia wollte den grottenhässlichen Oyo an den Mann bringen, Weltbild versuchte, abgespeckte Billig-Tablets als E-Reader zu verticken, und so richtig gar wirkte das alles nicht. Amazons Kindle gab's im Laden selten bis nie zum Anfassen und außerdem wollte ich mir neben iPad und iPhone nicht noch eine weitere gänzlich geschlossene Plattform mitsamt Vertrieb ans Bein nageln. So sah ich bisher davon ab, einen E-Reader zu kaufen.

Doch scheinbar hat der hiesige Buchhandel den letzten Schuss doch noch gehört, jedenfalls hat man sich konsolidiert und gemeinsam das Projekt tolino shine aus der Taufe gehoben. Ein offenes Gerät zum Anfassen, das mich tatsächlich überzeugt hat, meine E-Reader-Aversion über Bord zu werfen.

tolino, so weit das Auge reicht

Verpackung im Schuber
Verpackung im Schuber

Am tolino kommt man nicht vorbei, wenn man dieser Tage einen Buchladen betritt. Wer nicht schaut, wo er hinläuft, stolpert spätestens nach zehn Schritten über einen Präsentationstisch mitsamt eingeschaltetem Gerät - zumindest ist das bei Thalia so. Die aggressive Fernsehwerbung tut derzeit ihr Übriges. tolino shine in aller Munde also, aber ist die viele Werbung auch gerechtfertigt oder doch eher notwendig?

Nun, auf den ersten Blick ist der tolino shine ein sehr unaufgeregt gestaltetes Gerät. Zuerst sagte mir die schlichte Optik samt braun-grauem Farbton so gar nicht zu, doch kaum nahm ich das Ding selbst in die Hand, änderte sich das schlagartig. Der tolino ist hervorragend verarbeitet. Keine überstehenden Kanten, ausgezeichnete, leicht samtene Haptik, die das Gerät sehr griffig macht, nichts klappert oder wackelt. Da macht schon das Anfassen allein Spaß.

Insgesamt kommt der Reader mit drei Tasten aus: Der Ein-Aus-Schalter und eine kleine Taste zum An- und Abschalten der eingebauten Beleuchtung am oberen Rand, außerdem bringt ein Home-Button unterhalb des Bildschirms den Benutzer zurück ins Eingangsmenü mitsamt Shop und Bibliothek. Kennt man so ja bspw. vom iPhone. Das war es dann auch schon an Bedienelementen. Schalter zum Blättern oder Ähnliches gibt es nicht, das funktioniert alles über den angenehm sensiblen Touchscreen, der zwar kein Multitouch unterstützt, dafür aber intuitive Wischbewegungen zum Vor- und Zurückblättern erkennt, die beim ersten Start des Gerätes auf dem Bildschirm erklärt werden. Leider sind die Schalter allesamt etwas schwergängiger, als es Not getan hätte, aber damit kann ich gut leben.

Das aufgeräumte Äußere empfinde ich insgesamt als sehr gelungen. Die vielen Buttons, wie sie etwa die Sony-Reader haben, habe ich immer als ästhetisch unschön empfunden - vermutlich bin ich einfach Apple-geschädigt - drum ist die reduzierte Gestaltung des tolino genau mein Ding.

Etwas fummelig geraten ist die Klappe an der Unterseite des Gerätes, hinter der sich der Micro-USB-Anschluss, der Micro-SD-Karten-Slot sowie der Reset-Button befinden. Die herausziehbare Klappe verkantet beim Verschließen schnell, wirkt ansonsten aber recht robust und hält immerhin Staub und Schmutz von den Innereien des tolino fern.

Ausstattung mau, dafür mit Lächeln

Bitte lächeln!
Bitte lächeln!

Bei der Ausstattung des tolino shine hat man sich an der Konkurrenz aus den USA orientiert, was bedeutet, sie ist quasi nicht vorhanden. Die recht hübsche, zusätzlich durch einen Schuber geschützte Verpackung enthält neben dem Reader lediglich eine schmalbrüstige Anleitung, die wahrscheinlich eh kein Mensch braucht, und ein Micro-USB-zu-USB-Ladekabel. Netzteil oder Schutzhülle sucht man vergebens, bzw. sollte man nach diesen eben in der Buchhandlung in der Zubehörecke suchen. Schade, auch wenn das Gerät mit 99 Euro vergleichsweise günstig ist, wäre doch wenigstens ein Netzstecker angebracht gewesen - doofer Trend, das!

Schlafender tolino mit kuscheliger Tasche (separat erhältlich)
Schlafend, mit kuscheliger Tasche

tolino selbst begrüßt seinen neuen Besitzer dafür mit einem freudestrahlenden Gesicht. »Ich bin tolino«, verkündet das Gerät, als hätte man das nicht gewusst. Schaltet man den Reader später aus, so wird das Gesicht in schlafendem Zustand präsentiert. »Pssst ... tolino schläft«, meldet der Bildschirm dazu. Das bringt mich immer wieder mal zum Schmunzeln und gibt dem Gerät eine angenehm menschliche Note. Toll! Die Möglichkeit, eigene Wallpaper anzuzeigen, wie man sie etwa vom Kindle kennt, bietet der tolino shine dagegen nicht.

Die Qual der (Shop-)Wahl

Wer sich für den tolino shine interessiert, sollte unbedingt darauf achten, wo er das Gerät kauft. Zwar bieten die genannten Buchhandelsketten allesamt äußerlich das gleiche Gerät an, doch was die inneren Werte angeht, ist tolino nicht gleich tolino. Der vorinstallierte Shop ist nämlich davon abhängig, wo das Gerät gekauft wurde. Zwar ist der Reader vom Format her offen, heißt, er unterstützt neben PDF und TXT das verbreitete EPUB-Format, und der Leser kann seine Bücher kaufen, wo er möchte (mit Ausnahme von Amazon natürlich), dennoch geht natürlich Einiges an Komfort flöten, wenn man etwa bei Weltbild ein Buch kaufen will, seinen Reader aber bei Thalia erworben hat. Hier mögen die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Handelspartner im Vordergrund gestanden haben, für den Nutzer ist es aber von Nachteil, den Shop nicht wechseln zu können. Da wurde meiner Meinung nach viel Potenzial verschenkt.

Wolkig schön und eine Menge Bücher

Ein schöner Rücken kann auch entzücken.
Ein schöner Rücken kann auch entzücken.

Denn ansonsten hat man sich gerade technisch integrativ ganz schön ins Zeug gelegt: Der tolino shine bietet zwar keinen weltweit verfügbaren 3G-Zugang zum Internet wie der Amazon Kindle, dafür gibt's aber in Kooperation mit der Deutschen Telekom kostenfreien Zugang zu allen Telekom-Hotspots (angeblich ca. 12.000 Stück). Und hier kann auch nicht nur der Buchshop, sondern, mittels integriertem Browser, das gesamte Web angesurft werden. So lassen sich mal eben auch Bücher von anderen Quellen laden. Viel interessanter ist aber, dass jeder Käufer des tolino insgesamt 25 GB kostenlosen Cloud-Speicher der Telekom dazubekommt. Hier lassen sich gekaufte Bücher ablegen, falls die eingebauten ca. 2 GB an nutzbarem (!) Speicherplatz mal knapp werden, die sich aber ohnehin mittels MicroSD-Karte auf bis zu 32 GB aufrüsten lassen. Das sind ... puh ... eine Menge Bücher.

Toll ist überhaupt, was sich mit der Cloud anstellen lässt: Beispielsweise stelle ich mir vor, dass ich durch den Buchladen stromere, ein tolles Buch entdecke, das ich sogleich mittels Thalias eReading-App auf dem iPhone kaufe. Der tolino synchronisiert sich später daheim ganz von selbst und ich kann sofort mit dem Lesen beginnen, ohne Kabel, ohne Ärger. Hat in meinem Test tadellos funktioniert.* Auch die Lesestände werden synchronisiert. Möchte ich mein Buch auf dem iPhone weiterlesen, wo ich auf dem tolino aufgehört habe, ist das also problemlos möglich. Nur Lesezeichen werden scheinbar nicht synchronisiert, bzw. bietet zumindest die iPhone-App von Thalia gar keine an, oder ich war zu blöd, die Funktion zu finden.

Letztlich merkt man aber auch hier wieder: Die Händler arbeiten nicht wirklich zusammen, denn ob die Synchronisation mit Hugendubels tolino und der Hugendubel-App genauso gut funktioniert, vermag ich nicht zu sagen. Netter Nebeneffekt der ganzen Cloud-Kiste: Sollte das Gerät mal kaputtgehen, kann mittels Synchronisationsfunktion der alte Buchbestand auf dem Ersatzgerät ruckzuck wiederhergestellt werden. Hier hat man scheinbar viel von Amazon übernommen und dabei auch wirklich sehr viel richtig gemacht.

Lesen, warten, lesen, sonst nicht viel drumrum

So, nun aber zum interessantesten Teil, nämlich dem Lesen. Die angenehme Haptik des tolino hat sich während des Lesens bestätigt. Das Gerät hält sich sehr angenehm, ist nicht schwer, aber auch nicht so leicht, das es weniger wertig wirken würde. Der 6-Zoll-Bildschirm zeigt Buchstaben gestochen scharf, wie es für E-Ink-Displays typisch ist. Da der tolino nur alle acht Seiten oder so einen echten Refresh des Bildschirms durchführt, was auch nicht umstellbar ist, tritt immer mal ein leichter Ghosting-Effekt auf. Heißt, die Buchstaben der letzten Seite schimmern leicht durch. Das ist so, als würde man ein Buch mit dünnem Papier lesen - eine Kinderkrankheit der E-Ink-Technologie. Mich persönlich hat das bisher nicht gestört. Allemal besser, als würde der Reader nach jedem Blättern den Bildschirm vollständig zurücksetzen, denn dann käme es zu dem nervigen Flackern, unter dem noch die E-Reader der ersten Generation krankten.

Natürlich trägt der tolino den Zusatz shine im Namen, weil er beleuchtet ist. Unterhalb des Displays sind fünf LEDs angebracht, die über eine dünne Trägerschicht den kompletten Bildschirm in angenehmes, weißbläuliches Licht tauchen, das nahezu stufenlos geregelt werden kann. Dabei soll die maximale Stufe weniger hell sein, als es beim Kindle Paperwhite der Fall ist, dafür aber soll die Ausleuchtung gleichmäßiger gelungen sein. Hier fehlt mir der Vergleich, drum kann ich nur bestätigen, dass das Licht sehr angenehm ist und die Augen (zumindest meine) nicht ermüden lässt.

Müde macht dagegen die Menü-Navigation, die etwas träge ist. »Bitte warten ...«, meldet der tolino dabei gerne mal, und ich frage mich, ob das Gerät mit seinen 800Mhz im Hintergrund vielleicht Primzahlen berechnet. Auch sonst ist die Menüführung etwas hakelig geraten, wie es ja leider bei allen E-Readern der Fall zu sein scheint. Das kann Apple dann doch besser.

Schade auch, dass nur wenige Zusatzfunktionen geboten werden. So lassen sich zwar Schriftgrößen und -arten ändern, doch ist kein Lesen im Querformat möglich, außerdem fehlen Wörterbücher oder Notizfunktion komplett. Mich schreckte das nicht ab, da ich beim Lesen niemals etwas notiere oder nachschlage und allenfalls mal ein Lesezeichen setze (was je Buch beliebig oft möglich ist), doch so manch potenziellen Käufer könnten diese Mankos schon abschrecken.

Auch sonst soll die Firmware noch etwas unausgereift sein, so dass der Reader sich auch mal aufhängt und per Resetfunktion neu gestartet werden muss. Ist mir aber bisher kein einziges Mal passiert, daher das nur vom Hörensagen, bzw. aus Testberichten. Wäre schön, wenn hier ein baldiges Firmware-Update mit Verbesserungen und neuen Funktionen käme.

Vom Akku nichts Neues

Für die Akkulaufzeit des tolino shine gibt der Hersteller sieben Wochen an. Das dürfte in etwa dem gängigen Standard bei E-Readern entsprechen, höchstwahrscheinlich unter der Annahme, dass das WLAN nicht dauerhaft aktiviert ist und man nicht ständig mit eingeschaltetem Licht liest. Nach knapp drei Stunden Verwendung mit Licht stand die Akkuanzeige immer noch bei 100 Prozent. Da gibt es nichts zu meckern bisher. Glauben wir dem Hersteller also hier erst einmal.

Fazit

Der tolino shine ist für mich ein zumindest konzeptionell durchweg gelungener Angriff auf Amazon. Das schlichte wie ansprechende und charmante Äußere hat meine persönliche E-Reader-Aversion zerstreut, und das will was heißen.

Das Gerät würde ich so auf jeden Fall wieder kaufen. Das sechszöllige E-Ink-Display entspricht durchweg meinen Erwartungen, mittels Beleuchtung kann ich abends im Bett auch bei schummrigem Licht wunderbar lesen. Die Cloud-Funktionalität ist eine feine Sache, auch wenn die Shop-Gebundenheit des Gerätes eine übergreifende Integration der großen Buchhandelsketten verhindert. Dennoch kann man natürlich seine Bücher kaufen, wo man möchte, muss dann aber eben auf gewisse Komfortfunktionen wie durchgehende Synchronisation zwischen bevorzugten Apps und Reader verzichten.

Bleibt zu hoffen, dass die Initiatoren das Projekt sinnvoll fortführen, d.h., das Gerät anständig mit Updates versorgen, und die Kundenbasis nicht dadurch vergrätzen, dass in einem halben Jahr das nächste Reader-Projekt gestartet und der tolino links liegen gelassen wird, oder ein tolino shine plus mit neuen Funktionen erscheint, die man dem jetzigen Gerät auch per Update hätte spendieren können. Denn den kommerziellen Erfolg wünsche ich dem kleinen Kerl.

* Update: 19.12.2013

Da der Artikel hier noch immer oft angesurft und ggf. ja sogar gelesen wird, ein kleines Update, bzw. eine Korrektur zum obigen Artikel: Die Synchronisation mit iPhone und Co. funktioniert zwar tadellos, man sollte allerdings tunlichst davon absehen, ein Buch mit der Thalia-iPhone/iPad-App zu kaufen. Grund: Die Synchronisation ist in diese Richtung nicht möglich, da Apples AGBs verbieten, gekaufte Artikel mit anderen Geräten zu synchronisieren. Ein Hinweis irgendwo wäre hier schön gewesen. Den Fehler macht man zwar nur einmal, aber dieses eine Mal ärgert man sich eben doch sehr.

SchafeIch mag Schafe. Gerade erst gestern habe ich Garou, den jüngsten Roman der Autorin, die sich Leonie Swann nennt, ausgelesen. Prompt habe ich Schafe besonders gern und möchte mir gleich die Bude mit den Viechern vollstellen. Nicht mit echten Schafen natürlich, schließlich neigen die Zottelblöker ja dazu, nach, hm, Schaf zu stinken. Aber zumindest in Gedanken entwickelt sich bei mir so eine Art Kuhtick für Schafe. Man kennt das zumeist von Frauen: Eier- und Wanduhren, Schneidebretter, Bilder, auf allem prangt das Eutertier. Also die Kuh jetzt, nicht das Schaf.

Aber zum Buch, in dem es nun mal um Schafe geht, nicht um Kühe: Es ist nämlich ein gutes Zeichen, wenn sich mal wieder Anzeichen eines Schafticks bei mir einstellen. Das war beim Vorgängerroman Glennkill auch schon so.

Kurz umrissen, worum's denn geht: Die Schafe aus dem irischen Glennkill sind mit ihrer neuen Hüterin Rebecca aufs europäische Festland gekommen. Nach Frankreich übrigens, wo die Schafe niemanden mehr verstehen, weil die Menschen nicht mehr reden, sondern nur noch seltsam quaken. Und dann sind da noch die völlig verrückten Ziegen von nebenan, die nicht wollen, weil nur Schafe wollen und niemals Ziegen. Als wäre all das nicht genug, werden alsbald tote Rehe im Wald gefunden und schon kurz darauf geschieht der erste Mord an einem Menschen. Von einem Wolf auf zwei Beinen ist die Rede, einem, der kein Silber verträgt. Der Loup Garou geht um! Und wenn die Schafe nicht wachsam sind, geht's vielleicht nicht nur ihnen an die Wolle, sondern auch ihrer geliebten Hüterin an den irischen Kragen.

So weit, so gut. Wie schon Glennkill wird auch Garou größtenteils aus Sicht der Schafe erzählt. Da die verständlicherweise zumindest für den menschlichen Leser ziemlich weltfremd denken, muss man viele Passagen mehrfach lesen, um tatsächlich erahnen zu können, was sich denn rings um die Schafweide gerade abspielt. Das ist aber nicht schlimm, sondern macht verdammt viel Spaß, schließlich gibt's nicht nur der herrlich krummen Schaflogik wegen immer wieder was zu schmunzeln, nein, auch die Schafe überzeugen einmal mehr durch ihre grundverschiedenen und durchweg sympathischen Charaktere. Egal, ob's der kühne Leitwidder Othello ist, Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, Mopple The Whale, das dicke Gedächtnisschaf, oder Lane, Zora, das Winterlamm, man schließt die Wiederkäuer einfach ins Herz.

So ist es letztlich auch nur ein kleiner Wermutstropfen, dass die eigentliche Geschichte um den Loup Garou wenig ausgefeilt wirkt. Das war nämlich in Glennkill auch schon so. Ein wirklicher Thriller, wie das Cover behauptet, ist Garou denn auch nicht, eher ein Krimi, wie auch schon der Vorgänger. Und wer an dem Spaß hatte, wird auch Garou mögen. Ach was, wer den Vorgänger kennt, wird Garou sowieso längst gelesen haben. Ich bin da ja wie immer einfach nur spät dran.

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Ach, die akute Blogunlust mal wieder. Muss dieses ominöse Spätsommerloch sein, von dem man schon so viel gehört hat. Kann aber auch daran liegen, dass ich mich derzeit neben allerlei Zweisamkeit vorwiegend in eine gerade neu begonnene Sammel- und Leseleidenschaft verkrümelt habe. Kommt ja alle Jubeljahre mal vor. Nachdem mein Allzeitlieblingsautor Stephen King mit dem Schreiben nicht mehr so ganz hinterherkommt, habe ich mich kürzlich an einem Scheibenweltroman versucht.

Und nun habe ich Terry Pratchetts Bücher ja immer für stumpfsinnige Holzhammerparodien auf bekannte Fantasy-Schwarten wie »Der Herr der Ringe« gehalten, doch - Woah! - ich glaube, in der Hinsicht habe ich mich nie zuvor so geirrt. Denn vom genialen Wortwitz und dem schrulligen Humor der Bücher, von denen ich gerade erst ein drittes (»Mac Best«) hinter mich bringe, abgesehen, überzeugen sie doch vor allem durch ihre wunderbar gezeichneten Charaktere mit starkem Wiedererkennungswert, immer wieder auftauchende Satire auf unsere Gesellschaftswelt und durch wirklich durchdachte Handlungen.

Ich könnte mich vermutlich in Lobeshymnen ergehen, bis der Morgen graut, aber ach, die Zeit nutze ich lieber für Leserei, Schlaf und Zensurwürdiges. Warum hat mir bisher niemand gesagt, was ich verpasse? Oder hat es mir womöglich sogar jemand gesagt, und mein besonders stark ausgeprägtes Maß an Grundignoranz hat mich dazu verleitet, jegliche Empfehlung zu überhören? Man weiß es nicht.

Nun denn, wer jedenfalls ein bisschen was für wirklich gute Bücher übrig hat, wer so wie ich scheinbar jahrelang unter einem Stein gelebt hat und wer mein Maß an Grundignoranz nicht überschreitet, dem seien die Scheibenweltromane auf jeden Fall ans Herz gelegt. Und mögen alle anderen mit verkümmerten Lachmuskeln dahingehen.

PS: Nein, dies hier wird jetzt kein Bücherblog, versprochen. Demnächst gibt's wieder Nerd-Gedöns, Politik und Titten.

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Das Lesen von Büchern würde ich ja schon zu meinen Hobbies zählen. Ich verschlinge sie nicht gerade, aber lesen tue ich sie. Meistens. Denn diese Krimis von der Nele Neuhaus sind tatsächlich zum Verschlingen. (Der leicht gehypte Bestseller »Schneewittchen muss sterben« mag manchem ein Begriff sein.) Schon insofern bemerkenswert, als dass ich eigentlich so gar keine Kriminalromane mag. Krimis überhaupt: Tatort läuft? Gut, ich geh mal die Hornhaut von meinen Füßen schaben.

Aber diese Romane, die schändlicherweise als Taunus-Krimis bezeichnet werden und so natürlich den Eindruck erwecken, es würde sich um banalste Regionalliteratur handeln, haben es echt in sich. Langeweile beim Lesen ist ein Fremdwort, da ist wirklich jede Seite unterhaltsam! Zum Ende eines Buches gibt's garantiert einen ganzen Sack voller Verdächtiger und von den eigenen Fingernägeln ist vor lauter Spannung nicht mehr viel übrig. Und wenn man sich erst einmal an das anfangs leicht steril geratene Setting der Bücher gewöhnt hat, werden auch die beiden Dauerermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff zu einem sehr sympathischen Duo.

Übrigens kann ich nur empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen: »Eine unbeliebte Frau«, »Mordsfreunde«, »Tiefe Wunden«, »Schneewittchen muss sterben« und »Wer Wind sät«. Ich habe sie zwar selbst noch nicht alle gelesen, habe aber den Fehler gemacht, Band 4 zuerst zu lesen. Das funktioniert zwar auch gut, weil alle Rückblicke für den Neuleser kurz erklärt werden, aber die Einführung wiederkehrender Charaktere ist natürlich nicht in jedem Band gleich umfangreich und so mancher Seitenhieb auf vorherige Handlungsstränge geht sonst auch verloren.

Sollte einer der hiesig des Öfteren vorbeischneienden Leser Kriminalromane mögen, dann hopp hopp, kaufen! Die Inhaltsangabe spare ich mir an dieser Stelle natürlich. Kann man ja bei Amazon und Konsorten nachlesen.

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Okay, noch was mit Büchern, diesmal aber was Brauchbares. Zumindest dann, wenn man sich auf seichte Unterhaltung einlassen kann und möchte. Ich bin ja eigentlich nicht leicht zu ködern, es sei denn, es geht um den schnöden Mammon, aber hey, wenn es in einem Buch einen Detektiv gibt, der mit Feuerbällen schmeißt und zudem ein Skelett ist, ja dann bin ich selbstverständlich dabei!

»Skulduggery Pleasant«, eigentlich ein Jugendbuch und seit gestern ausgelesen, beginnt mit dem Tod Gordon Edgleys, dessen Nichte Stephanie so ziemlich alles erbt, was der reiche Buchautor und Exzentriker zu Lebzeiten besessen hat. Eher unfreiwillig erbt sie auch gleich einen ganzen Haufen Probleme mit, wird aber plötzlich von dem geheimnisvollen Detektiv Skulduggery Pleasant beschützt, der tatsächlich ein manchmal zauberndes Skelett ist. So weit, so cool. Natürlich geraten die beiden in eine ganz, ganz große Sache rein und am Ende geht es um nichts weiter als die Rettung der Welt, bla bla bla.

Cover der deutschen
Ausgabe

Die hervorragend kurzweilige Geschichte mit ihren schrulligen Charakteren liest sich ein bisschen wie eine Folge »Pokémon«: Es passiert allerhand abstruses Zeug, allzu sehr in die Tiefe geht die Handlung aber nie. Das will sie jedoch auch gar nicht und so konzentriert sich Autor Derek Landy auf reichlich Action und den zuweilen tatsächlich leicht amüsanten verbalen Schlagabtausch des ungleichen Duos Skulduggery und Stephanie. Meint der ganz und gar uninformierte Leser anfangs noch, es mit einer Art verschrobenem Krimi zu tun zu haben, merkt er bereits nach wenigen Seiten, dass es sich eigentlich eher um verschrobene Fantasy handelt. »Skulduggery Pleasant«, ein Buch, das es ohne »Harry Potter« nie gegeben hätte, wage ich zu behaupten. Glücklicherweise geht die Geschichte einen eigenständigen Weg.

Und noch besser: Band 2 und 3 liegen bereits neben mir, Band 4 wird in Bälde bestellt, Band 5 erscheint im Oktober und Band 6 wurde von Herrn Landy gerade fertiggestellt. Der seinerseits scheint ein sehr geerdetes Persönchen zu sein, wie er mit den oft recht amüsanten Posts in seinem persönlichen Blog unter Beweis stellt. Daher dieser kleine Linktipp zum Buchtipp inklusive. Und nun, wer nicht gänzlich verkorkst und erwachsen geworden ist, husch husch in den Buchladen!

(PhanThomas bedankt sich für den Buchtipp bei der hervorragend geschwätzigen LadyLy und fürs Nichtdavonabraten bei seiner geliebten Herzdame!)

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Hin und wieder gebe ich ja auch mal Lesetipps heraus. Mitunter so gern, dass ich bereits überlegt habe, ein kleines Themenblog dafür zu eröffnen. Vermutlich tue ich das aber eh nicht. Nun, da man ja nicht immer alles toll finden muss und ich eigentlich reichlich wenig wirklich toll finde, heute mal ein Buch, das mich eher ein wenig angeödet hat: »Stimmen der Angst« von Dean Koontz.

Kurzer Handlungsabriss: Das junge Paar Martie und Dusty Rhodes führt genau solange eine harmonische Ehe, bis Martie von plötzlichen Ängsten und Zwängen heimgesucht wird: Sie ist wie aus heiterem Himmel vom Drang besessen, ihren eigenen Mann auf bestialische Weise ermorden zu müssen. Hilfe suchen die beiden schon bald bei Dr. Ahriman, einem renommierten Psychoklempner. Als (für den Leser weniger) unerwarteterweise Marties Freundin Susan, die selbst unter Ängsten leidet und nicht einmal mehr allein vor die Tür gehen kann, Selbstmord begeht, gerät die Welt der Rhodes vollends ins Wanken ...

Cover der aktuellen
Auflage

Liest sich fast schon spannend, oder? Ist es stellenweise auch, nur ausgerechnet auf den ersten ca. 150 der fast 800 Seiten nicht. Die zähe Durststrecke hätte man, so mein Gefühl, auf gut die Hälfte herunterkürzen können. Und als dann endlich ein Bösewicht die Bühne betritt, wird auch noch viel zu schnell dessen Identität verraten. Danach nimmt die Handlung aber ordentlich Fahrt auf, Langeweile beim Lesen ist eher die Seltenheit. Nur habe ich zwei grundsätzliche Probleme mit diesem Psychothrillerdingsbums aus der Feder des Herrn Koontz: Erstens nimmt man dem Erzähler die Geschichte nicht so recht ab. Der Roman befasst sich, ich kann es ja ruhig sagen, mit dem Thema der Gedankenkontrolle durch Hypnose. Nur kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so etwas dermaßen einfach und banal funktioniert, wie es in diesem Buch beschrieben wird. Mein ausgeprägtes Gespür für die komplizierten Sachverhalte des Lebens sagt mir, dass Mister Koontz seinen Lesern hier einen ziemlich zotteligen Bären aufbindet. Zweitens bleiben die Charaktere recht blass. Die Guten sind sympathisch, die Bösen unsympathisch, die Motive sind klar und nachvollziehbar, etc. Dennoch wirken die Personen allesamt wie zweidimensionale Abziehbilder echter Menschen. Die Glätte der Protagonisten wirkt störend, hat man doch das Gefühl, sie seien nur Mittel zum Zweck. Kein Vergleich zu den ausgefeilten Persönlichkeiten in einem x-beliebigen King-Roman.

Was bleibt also? Ein Achthundertseitenschmöker, der streckenweise spannend erzählt ist, bei alledem aber ein schales Gefühl im Leserbauch hinterlässt. Dachte ich zuerst, mit Dean Koontz einen adäquaten Ersatz für meinen Allzeit-Favoriten Stephen King gefunden zu haben, muss ich nun doch revidieren: Absolut kein Vergleich!

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Und hier noch einmal das Posting von gestern, das - aus welchen Gründen auch immer - im Servernirwana der Google-Server verendet ist, nachdem deren Blogger-Dienst die Hufe hochgehauen hat.

Hin und wieder bekomme ich spontan Lust, Bücher zu kaufen. Meist mehrere auf einmal, genretechnisch mitunter auch mal quer durch den Gemüsegarten. Als Horrorfan zieht es mich dann aber doch immer wieder zu meinem Lieblingsgenre zurück. Und wenn ein Buch schon »So finster die Nacht« heißt, dann kann ich natürlich nicht nein sagen. Finster und Nacht, das klingt nach gehörig Erpelpelle beim Lesen ... Hätte ich zuvor mal den Klappentext gelesen, so hätte ich eventuell erraten können, dass es sich bei dem schwedischen Schinken um einen Vampirroman handelt. Uh! Peinlich! Hätte ich dann selbstverständlich nicht gekauft.

Zum Glück lese ich keine Klappentexte, zumindest nicht allzu oft, denn dieser Roman des mir bisher gänzlich unbekannten Autors John Ajvide Lindqvist ist ein wahres Goldstück seines Genres! Die Handlung in Kürze: Der kleine Oskar, von seinen Mitschülern gehänselt, von den Erwachsenen unverstanden, lernt eines schönen Abends das neue Nachbarskind kennen, ein einfaches Mädchen, wie er anfangs glaubt, das auf den Namen Eli hört. Ist natürlich ein Vampir, die Kleine, sonst wär's ja kein Vampirroman. Anschließend geht's gut zur Sache: Einige Menschen werden gebissen, die einen sterben, die anderen verwandeln sich und so weiter und so fort. Dazu 'ne Art Liebesgeschichte, kennt man ja, das Ganze. Erstens jedoch ist die Geschichte vor den allseits bekannten Schwarten einer Stephenie Meyer entstanden und zweitens liest sie sich erfrischend alternativ. Bisschen idependent irgendwie.

Klar, wie es sich für einen Horrorroman gehört, gibt es explizite Szenen mit viel Blut und die plastische Art, auf die Lindqvist diese schildert, sucht definitiv ihresgleichen. Dennoch beschränkt sich der Autor gar nicht mal darauf, eine (Achtung, Wortwitz!) ausgelutschte Blutsaugererzählung auf Papier zu rotzen, sondern stellt viel eher gesellschaftliche Probleme Schwedens in den Vordergrund, die wie üblich totgeschwiegen werden und die so nachvollziehbar sind, weil sie auch hierzulande ein Thema sind: Kinder und Jugendliche, die ohne Perspektive in Baukastenstädten aufwachsen, der Konflikt zwischen den Generationen, das ganze Brimborium. Alles eingebettet in eine spannende und geschickt konstruierte Handlung, die sich vor allem durch messerscharfe Dialoge auszeichnet. Herrlich!

Wer auch nur annähernd gern gruseligen Stoff für gemütliche Abendstunden parat und zudem ein Herz für Bücher hat, dem kann ich den schwedischen Sechshundertseiter nur wärmstens empfehlen. Ach ja, für die Wenigleser unter den Lesern: Gibt's auch als gelungenen Film.

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Was ich hasse: Morgendlicher Notabwasch, weil in allen brauchbaren Müslischüsseln angetrocknete Reste der Vortage kleben, die ich nur ungern mit neuem Kohlenhydratfraß kombinieren möchte. Nun ja.

Was ich mag: Bücher. Unter anderem. Und weil ich's schon eine Weile nicht mehr getan habe und, äh, ich ja quasi als Blogger bestimmt auch eine Art Bildungsauftrag akzeptiert habe, der irgendwo in den AGBs des Website-Hosters versteckt und mit gewöhnlichen Menschenaugen kaum auffindbar ist, schmeiße ich hiermit eine liebevoll zusammengestellte Auswahl der letzten Bücher, die ich Zeile für Zeile gelesen und qualitätsgeprüft habe, unters mitlesende Volk.

»Zwischen Nacht und Dunkel« (Stephen King)
Der leichte Knick in der Formkurve des Großmeisters der massentauglichen Schmalspurgruselliteratur ist längst vorbei, wie die letzten Romane des literarischen Urgesteins bewiesen haben. Stephen King schreibt sich seit einigen Jahren selbst in seinen zweiten Frühling hinein und in diese Entwicklung passt auch die letzte Kurzromansammlung »Zwischen Nacht und Dunkel« ganz hervorragend. Wobei die Bezeichnung Kurzroman nur auf eine der vier Geschichten tatsächlich zutrifft. Ansonsten gibt's zwei Novellen und eine nicht ganz gelungene Kurzgeschichte. Alle vier Erzählungen drehen sich um das Motiv der Rache und ihre Auswirkungen. Die Geschichten in diesem Buch sind knüppelhart! Seichte Gemüter sollten sich lieber anderswo tummeln, doch wer's gern etwas derber mag, der sollte sich diese kleine aber feine Sammlung nicht entgehen lassen. Mir lief beim Lesen nicht nur einmal ein fieser Schauer über den Rücken.

»Die Straße« (Cormack McCarthy)
Ja, ich bin durch den Kinofilm auf das Buch aufmerksam geworden, muss aber, um meine Ehre zu bewahren, dazu sagen, dass ich es gelesen habe, bevor ich mir den Film angeschaut habe. Letzteres kann man sich übrigens getrost sparen, da das Buch im Prinzip eins zu eins in bewegte Bilder umgesetzt wurde und Viggo Mortensen irgendwie immer noch Aragorn ist, während der zweite Hauptcharakter, ein namenloser Junge, so blass und nichtssagend bleibt, wie er eben namenlos ist. Das Buch jedoch ist ein großes Ding! Nicht sonderlich dick und man muss sich daran gewöhnen, das McCarthy keine Anführungszeichen in der wörtlichen Rede verwendet, doch die Dialoge sind so spitz und geschliffen, dass man während des Lesens aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Kurzer Abriss der Handlung: Die Erde ist hinüber, warum auch immer, ein Mann und ein Junge kämpfen sich nach Süden durch und stoßen dabei auf allerlei menschliches Elend wie Hunger und Hoffnungslosigkeit und moralisches Versagen, vor allem etwa Kannibalismus. Unbedingt reinlesen, weiterlesen, durchlesen!

»Man tut was man kann« / »Da muss man durch« (Hans Rath)
Öhm, wie schon die Cover der beiden zusammenhängenden Bücher andeuten, eher Frauenbücher. Allerdings aus der Sicht eines Mannes erzählt, von einem Mann geschrieben und damit mit dem Humor eines Mannes ausgestattet. Nun ja, ahem, ich kann letzterem zumeist mehr abgewinnen, als dem der holden Weiblichkeit, auch wenn mir jetzt wieder eine Meute wutschnaubender Emanzen die Hölle heiß machen wird. Oder auch nicht... Kurz zu den Büchern: Es geht um Paul. Paul ist Personalvorstand einer Zeitung, Paul ist Lebemann und anfangs ein ziemliches Arschloch. Dann jedoch gerät Pauls Leben zunehmend aus den Fugen und als Leser weiß man nicht, ob man bei all den Skurrilitäten, die einem während des kurzweiligen Leseausflugs begegnen, lachen oder den Kopf schütteln soll. Ich muss sagen, dass die beiden Romane des Herrn Rath so ziemlich das Amüsanteste sind, was mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Der dritte Teil der Reihe ist schon auf der Wunschliste angekommen und wird heiß erwartet!

»Küsschen Küsschen!« (Roald Dahl)
Na ja, muss man vermutlich nicht viel zu sagen. Sind halt elf Geschichten von Roald Dahl, die übrigens allesamt ganz, ganz hervorragend sind und sich jeweils entweder während eines halben Stündchens vor dem Einschlafen lesen lassen oder wahlweise auch in Bus und Bahn. Nach jeder der Erzählungen hat man zumindest ein leicht gemeines Schmunzeln auf den Lippen. War sicher nicht meine letzte Dahl-Sammlung.

»White Line Fever« (Lemmy Kilmister)
Wer sich für Lemmys berüchtigte Lebensweisheiten in den Interviews der einschlägigen Musikmagazine begeistern kann, der hat »White Line Fever« vielleicht eh längst gelesen. Eine meist recht kurzweilige Autobiographie des Motörhead-Frontmans, während der man staunt, dass der Mann tatsächlich Buddy Holly noch live gesehen hat und sich doch wünscht, er hätte doch ein paar weitere Geschichten über das Leben und die Frauen erzählt, statt nur über die Probleme der Bandbesetzung und versandende Plattenverträge zu schwadronieren. Dennoch nie wirklich langweilig, auch wenn die deutsche Übersetzung eine Katastrophe ist. Vielleicht ist aber auch das Original schon ein sprachliches Gewaltverbrechen. Bei Lemmy ist das dann aber nicht schlimm, sondern allenfalls nicht ganz so cool wie alles andere, was er sonst so tut. Nun ja.

So, genug. Nun aber weitergesurft!

2 Kommentare

Es ist Montag, ich bin schreibwütig. Nachdem mein, uh, Emo-Wochenende vermutlich lediglich durch das Nichtvorhandensein des Kajalstiftes einer chronisch abwesenden Herzdame vor der Komplettkatastrophe bewahrt wurde, fühlte ich mich doch sogleich nach dem heutigen Aufstehen wie ein richtiger Mensch. Richtig schnittig sogar.

»Stranger Than Fiction« dröhnt aus den Kopfhörern, ich mache mich auf den Weg zum Bus, mich darauf freuend, noch ein wenig in meinem gestern begonnenen Buch blättern zu können: »Gut gegen Nordwind«, geschrieben vom Herrn Glattauer, der wohl aus Österreich kommt.

Und nun stehe ich Buchtipps ja immer etwas skeptisch gegenüber, weil doch mein Geschmack da scheinbar ein ganz sonderbarer zu sein scheint, aber diese Empfehlung war ein Volltreffer! Kurzer Abriss: Frau vertippt sich in einer Mailadresse und lernt so zufällig Mann kennen. Man kommt ins Gespräch und beginnt sich zu mögen. Alles weitere möge der geneigte Leser bei Amazon und Konsorten nachschlagen. Denn was ja eigentlich interessant ist, ist zum einen der ungeheuer treffsichere Wortwitz des Autors und zum anderen die Erfahrung, sich selbst immer wieder in Auszügen in den Charakteren wiederzufinden. Warum mailen die sich, fragte ich mich eingangs etwa und fühlte mich ein wenig betrogen, wie's mir jedes Mal in Filmen wie »Blair Witch Project« geht, wo mich die Tatsache aufregt, dass der Hirni die Kamera nicht abstellt. Ich meine, warum mailen sie denn nur? Warum nicht ICQ? Skype? Warum eine solche Bekanntschaft nicht aufbauen wie ich es schon gefühlte tausend mal getan habe?

Warum telefoniert der nicht, mögen sich Individuen der nächst höheren Kommunikationspräferenz in meinem Fall fragen. Nun, darum halt! Es ist das Ritual, oder nicht? Der Genuss am Akt, die Angst vor dessen Ende. Und da - Bam! - fühle ich mich ertappt, hab ich's plötzlich verstanden. Und so finde ich mich grinsend im Bus wieder. Neben mir die beiden Herren in ihren Maßanzügen, die juristisches Zeug fachsimpeln, worauf ich den iPod hochdrehe. »The Handshake«. Ah! Noch etwas weiterlesen.

Verspricht, eine gute Woche zu werden, meint nicht nur das Buch, nachdem die letzte passend zur Musik tatsächlich stranger than fiction war. Und schon deswegen sollte man besagte Woche auch mit was Gutem beginnen. Vielleicht. Daher geht ein Gruß an die charmante Buchempfehlerin aus dem rot-weiß-rot gestreiften, bereits erwähnten Nachbarland. Sie und alle anderen mögen mir meinen etwas fadenfreien Beitrag hier vergeben. Nun ja.