Testberichte

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Wenn es einen König unter den »First World Problems« gibt, dann ist das – zumindest in meinen Augen – das Einkaufen. Also nicht Klamotten und Schuhe, denn so was kaufe ich ohnehin ausschließlich im Internet. Denn erstens gibt es in Geschäften nur selten meine Größe, und zweitens kann ich es auf den Tod nicht ausstehen, wenn Verkäufer mir nachlaufen und vielleicht auch noch fragen, ob sie mir helfen können. Brrr!!! Nein, ich meine das Einkaufen im Supermarkt.

Ich bin ja sehr technologie- und fortschrittaffin, und da stößt mir der Einkauf von Lebensmitteln eben sauer auf, denn:

  1. Einkaufen frisst wahnsinnig viel Zeit. Wenn ich unter der Woche von der Arbeit nach Hause komme, gibt es wirklich angenehmere Sätze als: »Du, wir müssen noch einkaufen.« Und aufs Wochenende verschieben ist zumindest in Berlin auch nicht immer die beste Lösung.
  2. Womit wir nämlich bei Punkt 2 wären. Ein Wochenendbesuch in einem beliebigen Berliner Supermarkt erinnert ziemlich frappierend an eine Massenpanik während einer Zombieapokalypse: Es ist voll, die Leute plündern, als würden die Regale niemals wieder nachgefüllt (was in gewissen Discountern in der Obst- und Gemüseabteilung auch manchmal so zu sein scheint) und wer jetzt noch einen Einkaufswagen durch die engen Gänge bugsieren muss, kommt sich ganz schnell vor wie in einem Autoscooter, bei dem nur Besoffene mitfahren.
  3. Die Kassen sind ein Graus. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass Supermärkte fünf bis sechs Kassen haben müssen, von denen jedoch nur zwei besetzt sein dürfen. In der eigenen Warteschlange geht es dann natürlich immer am aller-aller-allerlangsamsten voran und hat man sich doch mal bis nach ganz vorn vorgekämpft werden die Waren, die man vorher mühevoll aufs Laufband gewuchtet hat, in einem Tempo über den Scanner geschoben, als säße »Flash« persönlich an der Kasse. Hastig räumt man die gescannten Waren schnell wieder ein, damit sie sich nicht zu einem meterhohen Berg auftürmen und verlässt dann mit dem Stresslevel eines Kampfjetpiloten auf der Flucht vor einer Boden-Luft-Rakete den Supermarkt.
  4. Betrifft wohl vor allem uns: Wir haben kein Auto. Was mit den Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs wie Brot, Käse und Obst noch geht, wird bei Katzenstreu und Getränken echt zum Problem: das Geschleppe. Und nein, das trägt nicht zur körperlichen Ertüchtigung bei, sondern ruiniert dem schleppenden Proband maximal die Schultern.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass diese elenden Einkäufe ziemlich mittelalterlich anmuten. Die Lösung, zumindest in größeren Städten: Bringdienste! Ja genau, ähnlich wie jene, die uns Menschen seit Urzeiten mit Grundnahrungsmitteln wie Pizza Salami, Lasagne und gebratenem Eierreis versorgen. Die gibt es seit einiger Zeit nämlich auch für den Wocheneinkauf. Wir haben da mal zwei ausprobiert.

Amazon Prime Now

»Amazon Prime Now« gibt es, glaube ich, bisher nur in Berlin. Der Name sagt eigentlich schon alles: Ist von Amazon, gibt’s nur mit Prime-Mitgliedschaft und wird sofort geliefert. Und mit sofort meine ich auch sofort, bzw. halt innerhalb von zwei Stunden nach Bestellung. »Prime Now« bietet diverse Waren, neben Büchern, Filmen, etc. eben auch Lebensmittel (sogar Tiefkühlkost). Wir haben das zweimal probiert und unseren Einkauf dort geordert. Die Lieferung erfolgte innerhalb von zwei Stunden, wie versprochen. Die Produkte waren tadellos und alles kam einigermaßen umweltverträglich in Papiertüten. Die Lieferung lässt sich per App nachverfolgen (über die man übrigens auch bestellen muss) und überhaupt fühlt sich das ganze Prozedere sehr futuristisch an. »Prime Now« hat meiner Ansicht nach aber auch ein paar größere Mankos:

  1. Es ist teuer. Während des Bestellens fällt das zwar nicht so auf, weil sich der Unterschied ja meist hinterm Komma abspielt, aber insgesamt läppert sich der Einkauf doch ganz schön. Immerhin aber ist’s dann aber versandkostenfrei.
  2. Das Sortiment ist sehr eingeschränkt und erinnert mitunter an den Einkauf in einem Tante-Emma-Laden auf dem Dorf: Von allem gibt es irgendwie nur eine Sorte (abgesehen von Getränken), Lauchzwiebeln bspw. haben wir auch gar nicht gefunden.
  3. Man muss Prime-Mitglied sein. Die Mitgliedschaft kostet im Jahr knapp 50 Euro, man erhält damit Premiumversand (der nicht immer funktioniert), kann online tonnenweise Filme und Serien schauen, bekommt ein ordentliches Musiksortiment zum Streamen und hat noch ein paar weitere Vorteile. Muss man aber eben haben, sonst kann man »Prime Now« nicht nutzen.
  4. Es gibt kein Pfandsystem. Wer sich tonnenweise Getränke in Glasflaschen liefern lässt, hat hinterher eben tonnenweise Pfandflaschen im Haus. Und habe ich erwähnt, dass wir kein Auto haben? Genau, doof.

Man merkt eben doch, dass der Dienst nicht für den Wocheneinkauf gedacht ist, sondern dafür, sich schnell noch das liefern zu lassen, was man vergessen hat oder bspw. für den Grillabend noch braucht. Die Logistik funktioniert hier nämlich prima. Für den Supermarkteinkauf wird man hierzulande wohl auf »Amazon Fresh« warten müssen, das gerüchteweise im Herbst starten soll (in Berlin, höhö).

AllyouneedFresh

Der zweite Dienst, den wir ausprobiert haben, trägt den passenden Namen »AllyouneedFresh« und auch hier war zumindest bei unserer ersten Testbestellung (die zweite folgt demnächst) der Name Programm: Wir haben alles gefunden, was wir brauchten, und – wow – was waren die Waren frisch! Der Salat war so knackig, als hätte man ihn vom Feld geholt und wäre dann damit direkt zum nächsten Lieferanten gerannt.

Im Prinzip hat dieser Dienst, der übrigens zu DHL gehört, genau all die Nachteile, die ich zu »Prime Now« aufgezählt habe, NICHT.

  1. Die Preise sind echt in Ordnung und beispielsweise günstiger als im »Kaiser’s« um die Ecke, oft gibt es sogar Rabattcoupons, was das Einkaufen ein bisschen wie das Suchen nach Angeboten im Supermarkt wirken lässt. Klar, an Aldi, Lidl und Co. kommt »AllyouneedFresh« nicht heran, aber dafür bekommt man auch mehr Markenprodukte.
  2. Das Sortiment ist mit angeblich über 20.000 Artikeln ausreichend groß, wir haben jedenfalls alles gefunden, was wir wollten. Es gibt auch nicht nur ein Produkt zu jeder Kategorie: Bananen zum Beispiel gibt es in drei unterschiedlichen Sorten und Preisen.
  3. Man muss nirgends Mitglied sein. Witzigerweise kann man sich sogar mit seinem Amazon-Konto einloggen und auch dessen Zahlungsdaten verwenden.
  4. Es gibt ein Pfandsystem. Zusammen mit den Getränken bekommt man einen Coupon. Bei der nächsten Bestellung gibt man dem Kurier einfach seine Flaschen wieder mit und bekommt das Flaschenpfand hinterher zurück. Zumindest in Berlin ist das so, auf dem Land ggf. eher nicht.

Alles in allem waren wir sehr zufrieden. Der Einkauf hat wahnsinnig viel Zeit gespart, war bequem und wir konnten, während wir auf den Lieferanten warteten, was anderes machen. Drei kleinere Mankos hat »AllyouneedFresh« dann aber doch:

  1. Man bekommt die Lieferung nicht am Tag der Bestellung. Das ist nicht schlimm, zumal man abends bestellen kann und die Waren am nächsten Vormittag erhält, ist aber eben nicht ganz so cool wie bei »Amazon«.
  2. Der Mindestbestellwert für den Gratisversand liegt bei 40 Euro. Bei einem Wocheneinkauf kommt der Betrag aber schnell zusammen, sodass sich damit gut leben lässt.
  3. Der Dienst wirbt damit, besonders umweltfreundlich zu sein. Ich war aber doch ein wenig schockiert darüber, dass alles in Plastiktüten geliefert wird. Das müsste wirklich nicht sein. Wir heben die Tüten jetzt auf und verwenden sie als Mülltüten. Die wären sowieso aus Plastik, sodass die Umweltsünde nicht ganz so groß ausfällt. Hier könnte man aber doch sicher noch nachbessern. UPDATE: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Was ich nämlich bisher übersehen hatte: Auf den Tüten steht, diese seien zu 85 Prozent aus Zuckerrüben und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Sollte das denn so stimmen, ist dieser Punkt natürlich obsolet.

Ansonsten, wie gesagt, kann ich zumindest nach der ersten Bestellung jedem, der wie ich das Einkaufen verabscheut wie der Teufel das Weihwasser, empfehlen, »AllyouneedFresh« mal auszuprobieren. Ich find’s großartig!

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Ich habe mir mal vorgenommen, mich weniger aufzuregen. Wenn man darüber nachdenkt, wie gut es einem eigentlich im Gegensatz zu so vielen anderen Menschen auf der Welt geht, dann geht es doch ganz schön gegen das eigene Gewissen, sich ständig an Kleinigkeiten hochzuziehen. So viel zur Theorie. Praktisch ist es leider so, dass ich mich ganz hervorragend aufregen kann. Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass ich der perfekte Oppositionspolitiker wäre: Kritik kann ich – blumig gesprochen – einigermaßen schmissig formulieren, mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen dagegen sieht's mau aus. Ist mir aber wurscht. Da ich aber erstens kein Politiker bin, dies hier zweitens mein eigenes Blog ist und sich drittens gerade mein E-Reader nicht einschalten lassen möchte, rege ich mich jetzt nämlich über selbigen auf – in der Hoffnung, dass einer der Macher hier zufällig mal drüber liest. Und falls nicht: Mir doch egal!

Einen wohlmeinenden Test zum »tolino shine« habe ich bereits geschrieben. Wer nicht weiß, was das ist und meinen hervorragenden Test nicht lesen möchte: »Tolino« nennt sich die in Deutschland so ziemlich einzig relevante Konkurrenzgerätefamilie zum Amazon Kindle. Das Modell »shine« war bzw. ist das erste dieser Familie  und wird auch immer noch als Einsteigergerät verkauft. Grundsätzlich gilt auch alles noch, was ich dazu mal fabuliert habe: Robustes Gerät, über das auch mal ein Panzer rollen kann, ohne dass es Schaden nimmt, angenehm knackiges Schriftbild (wenn auch etwas blass), prima augenfreundliche Bildschirmbeleuchtung, falls man mal im Dunkeln unter der Bettdecke lesen möchte, bzw. der DB-Fernzug gerade mal wieder etwas länger – sänk ju for träwelling ... – im Tunnel feststeckt.

So, jetzt aber! AAABER! Diese Software! Software ist – wenn man in der Branche arbeitet, weiß man das – nicht gerade des Deutschen bestes Pferd im Stall. Eher ein lahmer Brauereigaul, der aus dem letzten Loch pfeift. Als ich den »tolino shine« damals gekauft habe, war er einigermaßen flott. Die Software konnte nicht viel, aber mir war das egal. Ich wollte Bücher drauf laden und sie lesen, Punkt! Hat sich bis heute nicht geändert. Das ging prima, doch inzwischen wurden einige »Features« nachgeliefert, die keine Sau braucht. Grundsätzlich sind Softwareupdates ja was Schönes: Dem Hersteller liegt was am Gerät und am Kunden, sehr löblich also. Wenn aber diese Software wie beim »tolino shine« dafür sorgt, dass das Gerät so träge wird wie ich am Sonntagmorgen vorm ersten Kaffee, dann ist das schon ein bisschen frech. Es kommt nicht selten vor, dass sich der Reader nicht mal mehr einschalten lässt. Da hilft nur, einen Zahnstocher im Haus zu haben. Den braucht man nämlich, um an den kleinen Resetknopf neben dem USB-Anschluss zu kommen. Sehr schön sind auch plötzliche Neustarts während ich das Gerät verwende, die dann gerne mal fünf Minuten lang dauern. Was macht das Ding in der Zeit? Primzahlen berechnen? Sehr angenehm, wenn man morgens im Bus zehn Minuten Zeit zu Lesen hat. Als würde ich nicht schon oft genug auf Ladebildschirme schauen, muss ich das nun auch noch während des Lesens? Bah!

Dann diese elende Anmelderei! Ey Leute! Es gibt Menschen, die sind weniger technikaffin als ich. Ältere Menschen beispielsweise, die damit aufgewachsen sind, dass ein Farbfernsehgerät mit vier Sendern mal der neuste Schrei der Technik war. Die sitzen jetzt vor dem »tolino« und wollen die digitale Variante irgendeines staubigen Reklam-Heftes lesen, müssen sich aber alle Nase lang mit ihrem Account anmelden. Du möchtest ein Buch kaufen? Meld dich an! Du hast ein Buch am PC gekauft und möchtest es per Synchronisation auf den Reader laden? Meld dich endlich an! Du möchtest auf dem Reader im Shop stöbern? Meld dich an, verdammt noch mal! Alter! Wenn ich das einmal machen muss, ist es ja okay, aber beim »tolino« muss ich das dauernd tun. Für Leute, deren Passwort 123456 lautet, mag das in Ordnung sein, wer aber so paranoid ist wie ich und seine eigenen Passwörter gar nicht kennen möchte, sondern sie in einer cleveren Passwortverwaltung hält, der guckt abends im Bett in die Röhre, wenn er zum E-Reader greift.

Besonders schön ist auch, wenn das Anmelden auf dem Gerät nicht funktioniert (wie gerade jetzt nach dem Reset!!!11!), weil die Seite nach dem erfolgreichen Login nicht angezeigt werden kann. Die Seite nach dem Login? Genau, wenn man es sich nämlich leicht machen möchte – wie im Fall des »tolino« –, dann benutzt man einfach die eh schon vorhandene Internetseite, um die Anmeldung auf dem Gerät umzusetzen. Tolle Wurst! Nun will ich ein Buch draufladen, das ich gerade gekauft habe und kann es nicht tun. Und das 2016! Da könnte ich strahlkotzen! Immerhin: Klappt's dann mit dem Anmelden doch, dann funktioniert die Synchronisation problemlos. Neu erworbene Bücher sind ratzfatz auf dem Gerät.

Aber dann, und hier muss ich ausholen: So wie Mose, wenn man an derlei Kram glaubt, irgendwann von seinem Berg heruntergekraxelt kam, um den Menschen die zehn Gebote zu bringen, muss auch Satan zwischenzeitlich mal aus seiner kuschligen Hölle gekommen sein, um dem Menschen Adobe DRM zu bringen. Adobe DRM ist der mistige Kopierschutz, mit dem E-Books ganz gern mal versehen werden. Eine Gängelung sondergleichen! Möchte gerne mal Mäuschen spielen, wenn ein/eine BuchhändlerIn dem Altersrente beziehenden Kunden erklärt, wofür er jetzt zum Lesen eine Adobe-ID benötigt. Ohne die kann man kopiergeschützte Bücher nämlich nicht lesen. Und es kommt teilweise noch schlimmer: Eine von mir gekaufte Ausgabe des Buches »Sternenkrieger« von Robert Heinlein war derart DRM-verseucht, dass ich alle paar Male, wenn ich weiterlesen wollte, vorher meine Adobe-ID eingeben musste – inklusive Passwort. Dass meine Passwörter nicht 123456 lauten, habe ich bereits erwähnt, nech? Vielleicht können die Macher der tolino-Software auch gar nicht so viel dafür, keine Ahnung, aber trotzdem: Wenn ich ein Buch kaufe, möchte ich dafür nicht bestraft werden, indem mir Adobe mit seiner bescheuerten ID auf den Sack geht. DAS! GEHT! GAR NICHT! Mit schwarzkopierten Büchern hätte ich dieses Problem nämlich nicht. Und außerdem: Amazon, der unsympathische Internetriese aus Übersee kriegt's doch auch hin.

Also bitte bitte, liebe tolino-Hersteller: Kriegt mal die Performance eurer Software in den Griff und macht, dass ich nicht mehr 'nen Zettel mit Passwörtern neben dem Bett liegen haben muss, wenn ich abends vorm Schlafen noch mal lesen möchte. Zwohundert Puls wegen eines Login-Bildschirms tragen nämlich nicht gerade zu meiner Nachtruhe bei. Ansonsten hab ich nichts zu beanstanden, danke!

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Wenn man ins Alter kommt, dann kann man auch schon mal was kochen. Das sagte meine Mutter, als ... na gut, sie hat's nie gesagt, sonst hätte sie mir vielleicht irgendwann einmal das Kochen beigebracht. Ich gehöre ja zur Generation derer, die während ihrer Kindheit lediglich in die Küche gingen, um sich einen Becher Pudding aus dem Kühlschrank zu nehmen. Das Kochen, so redeten wir uns immer ein, das würde irgendwann ja von sich aus zu uns kommen, ganz einfach. Wie im Film »Matrix«, wo das Hubschrauberfliegen auch mal eben per, äh, Hirnupdate erlernt werden kann.

Wie dem auch sei, so ist es nie gekommen, und drum endete ich, wie so viele vermutlich, als Glutamatsuchti irgendwo zwischen Miracoli und Tiefkühlklotzfisch. Wobei man »endete« eigentlich auch nicht sagen kann, denn irgendwann, nachdem meine Freundin bei mir einzog, begannen wir so allmählich doch tatsächlich mal mit dem Kochen. Inzwischen dürften wir auch mindestens mal Level 3 im Kochskill erreicht haben, wo dann der Spinat nicht mehr im Topf anbrennt und »eine Prise Salz zugeben« nicht mehr impliziert, man müsse ein halbes Salzbergwerk abtragen und in den Topf schmeißen. Weil aber das Einkaufen gepaart mit Rezeptideenmangel auf Level 3 noch immer eine Hürde ist, dachten wir, probieren wir mal was Neues aus. Durch einen Kollegen wurde ich auf HelloFresh aufmerksam, eine hippe Berliner Firma, die sich genau dieser Level-3-Defizite annimmt und nicht nur nette Rezepte nach Hause schickt, sondern gleich noch ein Sammelsurium an Zutaten, sodass das Einkaufen fast gänzlich wegfällt. The future is now!

Aller Anfang ist das Abo

Irgendwo lernte ich mal, dass man Argumentationen nicht unbedingt mit was Schlechtem beginnen soll, aber scheiß doch der Hund drauf. Wer sich bei HelloFresh anmeldet, muss erst mal ein Abo abschließen, und das finde ich grundsätzlich blöd. HelloFresh schickt seinen Kunden sogenannte Kochboxen zu. Das sind große Kartons mit Zutaten für drei oder fünf Gerichte sowie den zugehörigen Rezepten auf schmucken Kärtchen zum Sammeln. Zwar verpflichtet man sich bei der Anmeldung, lediglich zwei Boxen abzunehmen, aber wer hinterher nicht gleich den kompletten Dienst wieder kündigen will, der muss für die Folgewochen einstellen, dass er nicht beliefert werden möchte. Wer das mal vergisst, hat dann irgendwann den Überraschungsboten vor der Tür. Hier würde ich mir flexiblere Modelle wünschen. Gleiches gilt für die Boxen an sich: Man kann zwischen vegetarischen und nicht vegetarischen Boxen wählen. Pro Woche werden fünf Gerichte angeboten, wer eine Dreierbox bestellt, bekommt automatisch die ersten drei Gerichte in der Liste. Eine Auswahl ist nicht möglich. Die Gerichte haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Auch hier gibt es keine Wahlmöglichkeit. Wer nur leichte Gerichte kochen möchte, guckt je nach Gericht im wahrsten Sinne des Wortes in die (Brat)Röhre. Auch recht ungünstig sind die Lieferzeiten. Abgesehen vom Dienstag, wo sich mittels UPS durchaus auch nach Feierabend liefern lässt, ist man ansonsten drauf angewiesen, werktags zu Hause zu sein, wenn man nicht möchte, dass die Box in den Hausflur gestellt oder beim Nachbarn abgegeben wird. Gerade, weil ja meist auch gekühlte Ware enthalten ist, ist das nicht wirklich optimal. Immerhin: Wer sich nicht gleich verpflichten möchte, kann auch erst mal die Probierbox bestellen, die allerdings etwas hochpreisiger ist. Grundsätzlich muss also niemand in die Abo-Falle laufen.

Der Preis ist heiß

Gutschein-Code (20 EUR) für die HelloFresh-Box: KC5BFP
Gutschein-Code (20 EUR) für die HelloFresh-Box: KC5BFP

Zudem lässt sich in den Lieferoptionen wählen, ob man Boxen für zwei oder vier Personen haben möchte. Entsprechend ändern sich dann natürlich die Zutatenmengen und der Preis: Eine Dreierbox für zwei Personen kostet 39 Euro (6,50 Euro pro Teller), eine Dreierbox für vier Personen kommt auf 59 Euro (ca. 4,92 pro Teller). Nicht ganz billig in der kleinsten Ausführung, wer das Angebot aber lediglich mal ausprobieren möchte, findet schnell einen Gutschein in den Weiten des Netzes, sodass für die erste Box lediglich ca. 20 Euro berechnet werden, und spätestens hier kann man wirklich nicht mehr über den Preis meckern.

... der muss haben sieben Sachen

Die erste Box ist da, los geht's, nicht wahr? Nee, nicht unbedingt, denn wer die Zutaten auspackt und nun mit ansonsten leerer Küche gleich mal loslegen möchte, erlebt vielleicht eine weniger schöne Überraschung. Es gibt nämlich durchaus Zutaten, die nicht mitgeliefert werden: Salz, Pfeffer und Zucker sollte man da haben, was soweit ja in Ordnung ist. Butter, Honig, Senf und Eier sind aber ebenfalls durchaus gängige Zutaten für Gerichte, die nicht mitgeliefert werden. In Anbetracht der Tatsache, dass neben Schmand und Crème fraîche sogar Petersilie beigelegt wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen, weshalb es nicht möglich sein soll, benötigte Eier in die Box zu packen. Von Butter, Honig und Senf ganz zu schweigen. Vermutlich sind diese Produkte nicht in entsprechend kleinen Verpackungen erhältlich und Eier beim Transport zu fragil, schade ist es trotzdem. Mancher hat diese Dinge vielleicht immer parat, aber ich backe nicht jeden Tag einen Kuchen, von daher schaut's da schon anders aus. Aber gut, wer sich die auf der Homepage abrufbaren Rezepte vorher schon mal anschaut, der ist hier im Bilde und kann sich entsprechend vorbereiten. Dies gilt übrigens auch für Küchengeräte: Hin und wieder wird etwa schon mal ein Mixer oder Pürierstab benötigt. Ganz aufs Einkaufen verzichten ist also leider nicht drin. Was die Frische der Zutaten angeht, lässt sich größtenteils nicht meckern. Lediglich die Frühlingszwiebeln sahen ein bisschen so aus wie ich am Montagmorgen im Büro. Einige Zutaten sind übrigens durchaus Bio und auch entsprechend gekennzeichnet. Wer aber darauf wert legt, ausschließlich Bio-Produkte zu verwenden, wird weiterhin selbst einkaufen gehen müssen.

Das Kochen und das Lernen

Mission Schweinelachssteak erfolgreich.
Mission Schweinelachssteak erfolgreich.

Sind auch die Grundzutaten und alle Gerätschaften besorgt, kann es endlich losgehen, oder wie Walter White sagen würde: »Lass uns kochen!« Unsere erste Box enthielt drei Gerichte:

  • Knollensellerie-Cremesuppe „Français“
  • Putenbrust mit knuspriger Tortilla-Gouda-Kruste
  • Schweinelachssteak an delikater Champignon-Stroganoff-Soße

Die Schwierigkeitsgrade variierten hierbei. Einzig das Schweinelachssteak hatte Stufe 2 von 3, die anderen beiden Gerichte kamen gleich in Stufe 3 daher. Allerdings konnten wir beim Kochen keinen wirklichen Unterschied feststellen, was die Hürde des Zubereitens angeht. Die Beschreibungen auf den mitgelieferten Rezeptkärtchen sind größtenteils gelungen, sodass wir in der Küche nur selten vor den Zutaten standen wie das Schwein vorm Uhrwerk. Verbesserungswürdig sind manche der Erklärungen dennoch. Zur Suppe etwa gehörten Kerbel-Blätterteig-Stangen, die auch erst mal zubereitet werden wollten. Hier galt es eigentlich, den Blätterteig schraubenartig diagonal zu rollen, stattdessen stand in der Anleitung, man solle ihn lediglich von unten nach oben rollen. Wider besseres Wissen hielten wir uns, tugendhaft deutsch eben, strikt an die Anleitung und bekamen so nur fette Blätterteigrollen, die im Ofen alles andere als knusprig werden wollten. Schade, allerdings war's ja auch irgendwie unsere eigene Dummheit, und immerhin: Die Suppe war trotzdem toll und gelernt haben wir auch was.

Geschmackssache

Die Putenbrust
Die Putenbrust – Der Joghurt-Dip hat es leider nicht mit aufs Foto geschafft.

Apropos toll: Das gilt vor allem auch für die anderen beiden Gerichte. Schaut man sich die Bildchen auf den Rezeptkarten an, denkt man so was wie: Ja ja, Serviervorschlag, schon klar. Tatsächlich konnte sich zumindest unser Resultat aber wirklich sehen lassen – wie auf den Bildern hoffentlich einigermaßen zu erkennen ist. (Leider kam mir die Idee zu den Bildern erst, nachdem die Suppe im Magen gelandet war.) Und schmecken lassen konnte sich's erst recht. Überhaupt waren ein paar hübsche Ideen dabei. Als wir die Salsa für die Putenbrust zusammenmixten, konnten wir uns kaum vorstellen, dass das Ergebnis sonderlich schmackhaft werden würde, aber Pustekuchen: Es war super (wenn auch, so fand meine Freundin zumindest, ein wenig zu minzig). Auch die Kruste der Putenbrust aus zarmahlenen Tortillachips zu machen war eine sehr schöne und im Ergebnis köstliche Idee, auf die wir von selbst so wohl nicht gekommen wären. Am Ende waren die Teller jedenfalls immer leer und satt sind wir auch geworden.

Fazit

Das Angebot von HelloFresh richtet sich vorwiegend an Koch-Padawans, die erstens keine guten Ideen für Gerichte haben und die zudem nicht jederzeit alles im Haus haben, um was Anständiges jenseits der Mikrowelle zu brutzeln. Die Rezeptkarten beschreiben den Zubereitungsprozess größtenteils sehr verständlich, für alles Weitere bemüht man eben Google, wenn man keine Ahnung hat. Vor dem Kochen sollte man sich die Rezepte gut anschauen, um notfalls schnell noch zu besorgen, was den Kochboxen nicht beiliegt. Dies gilt sowohl für Zutaten als auch für eventuell nicht vorhandene Küchengeräte. Schade ist, dass das Abomodell wenig flexibel ist, zumal der (ohne Gutschein) nicht ganz niedrige Preis dazu beiträgt, dass zumindest wir nicht jede Woche beliefert werden möchten. Das manuelle Abbestellen der Lieferungen auf Dauer nervt da nach einer gewissen Zeit sicherlich. Im Ergebnis hat uns HelloFresh aber zumindest mit seiner ersten Lieferung wirklich überzeugt. Die Zutaten waren größtenteils wirklich frisch, die Gerichte waren sehr schmackhaft, das Kochen hat durchaus Spaß gemacht und wir wissen jetzt mal mindestens, dass die vermaledeiten Kerbel-Blätterteig-Stangen nicht senkrecht gerollt werden!